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mitAmtlichem Kreisblatt". Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum ^5 Pfg.

M 22,

Samstag, den 15. März 1919.

70. Jahrgang.

Hlechtrfriede, kein einseitiger Machtspruch!

Berlin, 11. März. Seit vier Monaten wartet Deutschland aus den Frieden. Statt seiner find ihm WusfensUtstandSdedingungen von steigender Härte auf» erlegt worden. Neuerdings hat man es aber doch auch im Lager unserer Gegner mit dem Frieden etwas eiliger bekommen; eS mag dahingestellt bleiben, wieweit dabei die inneren Zustände Deutschlands oder die inneren Verhältnisse im Lager der Entente oder beide Momente zugleich eine RoLe spielen m S soll eS recht sein, wenn wir nur endlich zum Frieden kommen. Wie dieser Friede aussehen wird, wissen wir noch mcht. Allem Anschein nach will man es aber im Entente- Lager mit dem Frieden ähnlich machen wie mit dem Waffenstillstand: Unsere Gegner verständigen sich über die Bedingungen, und Deutschland wird anheimgegeben, sie binnen einer gegebenen Frist anzunehmen. Ganz so dürfte sich die Sache nun aber doch wohl nichtvoll- ziehen. Deutschland hat das Wilsonsche FriedenS- programm angenommen und wird, wie die deutsche Regierung mehr als einmal verkündet hat, daran festhalten. Es wird die Opfer, die ihn darin zugemutet werden, auf sich nehmen, aber eS wird auch die Respek­tierung der Rechte verlangen, die ihm darin zugesprochen sind, und das vornehmste Recht, das Deutschland für sich in Anspruch nimmt, ist das Recht auf Selbstbe­hauptung, auf Unabhäugigteit nach außen, und das Recht, seine Verhältnisse nach eigenem Ermessen zu ordnen. Nach manchen Nachrichten der Ententepresse scheint die Entente allerdings die Absicht zu haben, Deutschland in gewissem Sinne unter Vormundschaft zu stellen; so sollen ihm z. B. seine Heeresorganisation und die Stärke seines Heeres vorges^rjehen werden. Das wird sich die Entente aber vielleicht doch noch erst überlegen müssen. Nicht als ob Deutschland sich darauf versteifte, ein großes stehendes Heer zu unter­halten; das ist eine Frage, deren Beantwortung von der Gestaltung der Dinge in den anderen Ländern abhängt. Aber: man gebe Deutschland nur einen Frieden des Rechts und verschone es mit einem Frieden der Gewalt! Dann wird weder Frankreich noch irgend ein anderes Land von Deutschland das Geringste zu befürchten haben. Und damit würde auch für Frank­reich jeder Grund zur Aufrechterhaltung einer starken Militärmacht Wegfällen. Doch schließlich ist Frankreich nicht Deutschlands alleiniger Nachbar; im Osten hat eS noch Gegner und wie dort sich die Verhältnisse entwickeln werden, das vermag auch Herr Lloyd Georg, der die schwierigsten Fragen mit einem Federstrich lösen möchte, nicht vorauszusehen. Wenn schon abgerüstet werden soll, dann sollen alle abrüsten, nicht nur Deutschland, und dann sollen alle Völker mit gleichen Rechten in den Völkerbund des Herrn W'.lson vereinigt werden! Wer gegen eine solche sehr einfache Lösung deS großen Völkerbund Problems ist, der setzt sich dem Verdacht aus, daß er in Wahrheit nur egoistische Interessen verfolgt.

Deutsches Reich.

Der Deutschen Nationalversammlung in Wien übersandte der Deutschbund (Sitz Gotha) folgende Drahtung:

Den Deutschen Oesterreich» entbietet der Deutschbund als Vorkämpfer des völkischen SinheitSgedonken» Herz, ltchen WillkommenSgroß im neuen Deutschen Reiche. Möchte gemeinsame Arbeit an der inneren Wieder- gebmt unseres Volkes dem äußeren Zusammenschluß seiner Glieder die hohe Weihe und den festen Rückhalt geben, die allein die ewige Dauer der völkischen Einheit verbürgen!

Die Bundesleitung in Gotha. i. A. Prof. Langhaus.

Bern. (Der Völkerbund.) Wie ein New Yorker Bericht desPetit Parisien" meldet, spricht sich trotz der Angriffe iw Senat die Mehrheit der «mexikanischen Oeffentlichkeit immer entschiedener für das Projekt des Völkerbundes aus; andererseits wünscht man in Amerika, daß der Friedensvertrag, abgesehen von allen anderen Rücksichtnahmen, möglichst schnell unterzeichnet werde, ob der Völkerbund zustande komme oder nicht.

Bern. (Der Präliminar Friede. Die deutsche Delegation soll bereits gegen den 20. März nach Versailles kommen, um dort die Bedingungen des Präliminarfriedens entgegenzunehmen. Der Wirtschafts­ausschuß beschäftigt sich bereits mit der Frage der geschäftlichen Interessen der einzelnen Verbündeten in Deutschland. Ueberhaupt werden die Verhandlungen x hohem Maße von der Wiederherstellung der wirt- chastlichen Beziehungen beherrscht. Der Völkerbund

wird nicht getrennt behandelt. Er wird im Rahmen des FriedenSvertrageS errichtet, wobei man mit dem baldigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund rechnet. Dann könnte für Deutschland der Fall ein» treten, daß eS als Mitglied des Völkerbundes durch das Votum einer Mehrheit gezwungen wäre, den Durchmarsch von Ententetruppen gegen Rußland zu gestatten und zu unterstützen.

Z«r Lehrlingsfrage

geht uns vomBund deutscher Schuhmacher-Innung" die nachstehende Ausführung zu : Die Zeit ist nicht mehr fern, in der über die Wahl eines Berufes für die schul entlassene Jugend Sorge getragen werden muß. Eltern und Vormündern drängt sich die Frage auf: Was soll aus dem Jungen werden? Die gegenwärtigen Verrhältnisse find nun nicht im besonderen dazu an­getan, unsere Jugend sogenannten Gelehrtenberufen zu- zuführen und es darf daher wohl angenommen werden, daß man sich wieder mehr der gewerblichen Tätigkeit zuwendet. Bet so manchem Berufe hat es sich in die­sem Weltkrieg gezeigt, wie so außerordentlich nützlich und zweckdienlich sie im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse wirken können. Zu diesen Berufen gehört auch das Schuhmacherhandwerk. Bis zum Weltkrieg eines der unlohnendsten und darum unbegehrtesten, hat es sich in den vier Kriegsjahren zu einem Gewerbe durchgedruugen, das bei genügender Tüchtigkeit sehr wohl seinen Mann nährt. Es kommt weiter dazu, daß man auch nach der materiellen Seite hin im Schuhmacherhandwerk ernstlich bemüht ist, das Lehrlingswesen einer Vervoll­kommnung entgegen zu führen, so daß auch hier die Mögsichkeit aus baldiges Geldrstrdienen gegeben ist. Das Schuhnmcherhandwer? wird atze auch noch dann einer besonders gunstlgen öniwiamng entgegengehen, wenn es Lehrlinge mit guter Schulbildung erhält. Und man steht heute im Gewerbe ziemlich allgemein auf dem Standpunkt, daß man nur Lehrlinge mit guter Schul­bildung aufzunehmen bereit ist. Der Zweck dieser Zei­len ist es, Eltern und Vormünder auf diese Verhältnisse im besonderen hinzuweisen.___

Lokales und ^rovinziesses.

Schlüchtern, den 14. März 1919.

* Kommenden Mittwoch spielt in der hiesigen Turnhalle (Grabenstraße) das Garnisontheater.

Hk. Behördenstempel auf Postsendungen nach der belgischen BesatzungSzone. Zur Anbringung des vor- geschriebem n Stempels auf Briefumschlägen eingetragener Firmen ist die Handelskammer zu Hanau gern bereit. Richtgestempelte Briefe und Postkarten kommen an den Absender zurück.

* Auf den in Nr. 17 unserer Zeitung veröffentlichten Aufruf des Dolksbundes zum Schutze unserer deutschen Kriegsgefangenen sei an dieser Stelle nochmals hin­

gewiesen.

800 000 deutsche Brüder, die für das Vaterland gekämpt haben, schmachten noch immer in Gefangen­schaft; sie werden von unseren jfeinben, allem Völker­recht hohnsprechend zurückgehalten, harte Frondienste sind ihnen zugedacht. Flammenden Protest erhebt das deutsche Volk gegen diese harte Bedingung, die jedem menschlichen Gefühl wiederspricht.

Viele taufende Eltern ersehnen die Heimkehr ihrer Söhne, viele taufende Frauen und Kinder flehen danach, den lieben Gatten und Vater endlich wieder zusehen, viele Mütter im Kriege alt und gebrechlich geworden beten darum, daß ihr Sohn, vielleicht die einzige Stütze, endlich wiederkehren möchte.

Der Volksbund hat sich die Aufgabe gestellt, die Leiden unserer armen gefangenen Brüder zu lindern und nicht eher zu ruhen, bis der letzte Gefangene ausgeliefert ist.

Unsere von den Feinden widerrechtlich zurück­gehaltenen Gefangenen sollen von dem Gefühl beseelt werden, daß sie von der Heimat nicht vergessen worden sind.

Leider ist die Beteiligung aus Stadt und Kreis Schlüchtern an dem LiebeSwerk noch außerordentlich gering.

Es muß dies umsomehr eigenartig berühren, als ein lieber Kamerad aus Scklüchtern, der jetzt 4 Jahre lang in französischer Gefangenschaft schmachtet, ver­gangene Woche nach Hause schrieb, die Heimbeförderung der Gefangenen lasse anscheinend noch lang« auf sich warten, er glaube, man habe sie in Deutschland ver­gessen.

Nicht allein die Angehörigen, nein alle Einwohner unserer Stadt und unsere» Kreise», die ein Herz und Gefühl für unsere gefangenen deutschen Brüder haben, mögen ihr Scherfletn zu der guten Dache beitragen.

Anmeldungen und Beiträge nimmt Frau Carl Druschel, Fuldaerstraße 7 entgegen.

Hk. Forderungen an den belgischen Staat. Firmen, welche solche Forderungen haben, hauptsächlich aus Lieferungen an den belgischen Staat aus der Zeit vor dem Kriege, wollen sich an die Handelskammer zu Hanau wenden.

* Herolz. Der vergangene Sonntag war ein Ehrentag für unsere Gemeinde. Galt es doch, das silberne Priesterjubiläum unseres hoch«. lieben Herrn Pfarrer Richter festlich und weihevoll zu begehen. Schon die prachtvolle Ausschmückung des Weges vom Pfarrhause zur Kirche durch Guirlanten und Ehren­pforten gab die innere Gesinnung kund und zeigte, wie das katholische Volk seine Priester zu ehren weiß. In feierlicher Prozession, von Schulkindern in weißen Kleidern begrüßt, wurde der Herr Jubilar durch Herrn Pfarrer Hüber unter Assistenz zweier ehemaligen Kapläne zum Gotteshause geleitet, während die Herolzer Musik­kapelle Choräle spielte. Herr Pfarrer Hüber, Sannerz hielt die Festpredigt. Während des feierlichen Leviten­amtes, das durch mehrstimmige Lieder der Schulkinder und Jungfrauen unter Leitung des Herrn Lehrers Storch verschönt wurde, folgte eine große Schar von Gläubigen aus Herolz, Schlüchtern, und Elm der hl. Handlung. Nachdem die mächtigen Töne des Te deum verklungen und der sakramentale Segen erteilt worden war, wurde der Jubilar wieder in Prozession nach Hause geleitet. Am Abend wurde ihm durch die Ge­meinde eine Ehrung vor dem Pfarrhause bereitet. Unter Leitung des Herrn Lehrer Storch wurde von dem Gesangverein und den Schulkindern mehrere Lieder vorgetragen. Herr Lehrer Schaak schilderte in seiner Festrede den Jubilar als einen -pflichtsetrsuen. eifrigen ~ Priester, der in dem Herzen der Herolzer Pfarrkinder unvergeßlich bleibe durch den Bau des jetzigen Gotteshauses. Die überreichten Geschenke zeugen von der großen Liebe, deren der Jubilar in seiner Pfarrei sich erfreut. Mögen ihm noch viele Jahre segensreiches Wirken beschieden und möge es ihm vergönnt sein, auch dereinst den goldenen Priester­kranz zu tragen.

* Soden. Am 10. März starb Herr Hauptlehrer Albin Zahn an ten Folgen der Grippe mit beider­seitiger Lungenentzündung. Geboren in Salmünster am 29. Februar 1852 bckleidete er da» Lehramt dort 9 Jahre und erhielt sodann im Jahr, 1880 die zweite Lchrerstelle in Soden, so daß er fast 40 Jahre hier tätig war. In dieser langen Zeit unterrichtete er immer in den unteren Klassen. Ein großer Vorzug war es für ihn, daß er sich den Kleinen mit viel Geschick recht verständlich machen konnte, so daß die Eltern sehr oft voll des Lobes sich äußerten. Möge die gute christliche Saat, die er bei den Kleinen aus­gesät, reiche Früchte tragen für diese, wie für ihn einen reichlichen Lohn in der Ewigkeit. Seit einigen Jahren bekleidete Zahn das Amt eines Hauptlehrers.

* Weilbnrg a. L. Zur Wahrung Ihrer wirtschaft­lichen Interessen haben sich hier auf Anregung de» Landwirtes Wilhelm Jung IV. Wolfenhausen (Ober- lahnkreiS) die Landwirte des Oberlahnkreises zu einem Bauernverein unpolitischer Natur zusammengeschlossen. In jedem Orte des Kreises ist eine Ortsgruppe mit einem Vertrauensmann an der Spitze gebildet worden. Der heute schon taufende von Mitgliedern zählende Verein wünscht, daß auch in den anderen Kreisen Hessen-Nassaus solche Vereine entstehen und mit diesen zwecks Zusammenschluß zu einem Verbände, der sich über ganz Hessen Nassau erstreckt, Fühlung zu nehmen. Nur ein großen Verband trägt die Sicherheit in sich, daß die Bestrebungen zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft, auch von Erfolg gekrönt zu werden. Die Satzungen des Bauernvereins Oberlahn­kreis werben von dem Vorsitzenden Wilhelm Jung IV. Landwirt Wolfenhausen, Ob-rlahnkceis, zur Verfügung gestellt. Zwecks Zusammenschluß wende man sich an diesen. . , , ,,

* Cassel, 9. März. Die Handelskammer hielt am Mittwoch ihre erste Gesamtsitzung in diesem Jahre ab. In seiner Eröffnungsansprache gedachte der Vorsitzende, Gcheimrat Vogt, der politischen Umwälzung und der trostlosen Lage im Innern. Aber trotz allem müsse gerade jetzt von Industrie und Handel erwartet werden, daß sie ihre Arbeitskraft noch mehr als seither der Allgemeinheit zur Verfügung stellten. Mit dem im Namen der Kammer gegebenen Gelöbnis auch in Zukunft in Treue wirken und schaffen zu wollen, eröffnete er die Sitzung. Ueber die FrageGroß- Hessen" berichtete Bankier Pfeiffer und schlug die Ab­gabe der folgenden Erklärung vor, der die Handels-