Einzelbild herunterladen
 

chWMMMung

mitAmtlichem Kreisblatt". WocheMilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Telefon 65. :: Postscheckkonto Frarrkfurt a. M. 11403 :: Telefon 63.

Erscheint Alittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum f5 Pfg.

M 21. Mittwoch, den 12. März 1919. 70. Jahrgang.

Drntschlanös Trauer

um 800000 seiner in Aeindestand als Gefangene zurückgeßaltenen Söhne soll es der Welt zum eindringlichen Bewußtsein bringen, daß schon

das Gebot der Menschlichkeit

die sofortige Areigebe der deutschen Gefangenen in Aeindestand fordert.

Zur brennenden Schmach würde es der Welt gereichen, wenn der beendigte Waffenkrieg fortge­setzt werden müßte zu einem Kriege zur Befreiung von Hunderttausenden deutscher Soldaten, die zu Sklavendiensten herabgewürdigt werden.

Deutschland ist außer Stand gesetzt worden, seiner tiefen Trauer um das seinen Söhnen zuge« fügte Unrecht anders als durch Notschreie Ausdruck zu verleihen.

Das Gewissen der zivilisierten Welt

. muß durch diese Wehklage erweichen und diejenigen Gewalten zur rettenden Tat aufrufen, denen die Macht gegeben ist,

schreiendes Unrecht zu beseitige»!

Deutschlands Uralter

kann nicht gemildert werden, bevor nicht der letzte seiner durch den Krieg in Gefangenschaft geratenen Söhne aus unwürdigem Frondienst befreit ist.

KAE. 652

Beftrllusg von Süßstoff.

Die Kreisverwaltung beabsichtigt bei dem Mangel an Zucker erneut eine vermehrte Zuweisung von Süß­stoff zu beantragen.

Um die etwa nötige Menge bestellen zu können, ersuche ich alle mit der Verteilung seither betrauten Geschäfte des Kreises den Bedarf ihrer Kundschaft alsbald feßzustellen und bis spätestens znm 17. März der Kreiseinkaufsstekle in Schlüchtern zu melden, für wieviel Haushaltungen und Personen Süßstoff gewünscht wird. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden.

Schlüchtern, den 10. März 1919.

Der Vorsitzende des Krersaurschuffes. von Trott zu Solz.

Eine gemeinnützige Siedetungsgesettschaft.

Wie in den übrigen preußischen Provinzen durch die Landeshauptleute wird auch beim HessisÄen BezirkS-

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Lnbowski. 63

/ 17. Kapitel.

Eine weite, sich unabsehbar ausdehnende Wiese auf dein Döberitzer Feld, glatt abgemäht, wie rasiert, das wenige GraS, daS dem Frühling entgegenwnchS. Die Gräben, unter denen die Befruchtung dahinströmte, breit) aufgeworfen, weil der Besitzer streng darauf hielt, daß die Drainagearbeiten vor Schluß deS Winters beendet würden. Hier und da zwerghaft verwachsene Buschkatzen, anfgetürmte Steine, die, von dem benach­barten Ackerland heruntergesammelt, des Abfahrens harrten. Alles in allem, mit den natürlichen Hinder­nissen das prachtvollste Gelände zur Abhaltung einer Schnitzeljaad, da» man sich wünschen konnte.

Die Offiziere des ersten Garde-Feldartillerie Regt- mentS und wenige Zivilisten waren längst versammelt. Die Sonne schien hell unb frenndlich, und die dünnen Nebel schwankten gleich Schleierfetzen über den Grä­ben hin und her'. Der Master hatt« die Anfforderung znm Beginn gegeben. Die Teilnehmer ritten von der Stelle deS Sammelplatzes, auf der sie sich gerade be- .fanden, an. Militär im Waffenrock ohn« Achselstücke, Zivil im roten Rock. .

Der Fuchs warlos". Lustig «Vehtesi die Papier- fchnitzel auf der Fährte auf und nieder. Die Gäule spran­gen famos. Nur der Wallach eines Zivilisten brach auS und knickte, abseits der Fährte, mit den Vorderbeinen fein, ohne daß dem Reiter etivas passierte. Bibra stürmte allen voran. Von seiner Schalter hüpfte in tollen Sprnn- gen der Fuchsschwanz. Er ritt wie ein Wahnsinniger. Die Kameraden schüttelten die Köpfe fülltet ihm her. ,

War er denn vom Teufel besessen? Solch unsinnige Hetze hatte doch gar keinen Zweck. Sie wollten ihm das nachher schon eintränken. Bibra saß weit voruliberge- steigt auf der Alda, bei jedem Hindernis in den Steig­

verband das Siedlungswesen im weitesten Maße geor­dert.

Auf Veranlassung und unter Führung des Oberprä- sidenten sowie des Landeshauptmanns in Hessen ist für den Bereich des Hessischen Bezirksverbandes, der den Regierungsbezirk Cassel umfaßt, eine gemeinnützige Sied­lungsgesellschaft, dieHessische Heimat", G. m. b. H. in Cassel, am 28. Januar 1919 gegründet worden.

Der Gegenstand ihrer Tätigkeit wird sein:

1. die Beschaffung und Erhaltung von Wohnstätten, die mit einer dem wirtschaftlichen Bedürfnisse des Be­sitzers angepaßten ertragsfähigen Bodenfläche auSgestattet find, insbesondere für Handwerker, Kleingewerbetreibende, Beamte, Angestellte und Lohnarbeiter jeder Art.

2. Sicherung und Befestigung sowie Förderung bäuerlicher Ansiedelungen.

(Zu 1 und 2: Geeignete Kriegsbeschädigte und andere Kriegsteilnehmer sowie deren Hinterbliebene sind vorzugsweise zu berücksichtigen.)

3. Errichtung einer gemeinnützigen AuSkunftSstelle

bügeln stehend. Sein Geivicht beschiverte das junge, edle Tier kaum.

In den Aerger der Kameraden misste sich unge­wollt eine ehrliche Bewunderung. Wie er daS alles nahm, mehr wie tollkühn allerdings, aber doch mit der sicheren Selbstverständlichkeit, die den Sieg für sich hat, ehe noch der Kampf auSgefochten ist. Mit Leib und Seele dabei. Keinen andern Gedanken als daSVor­

wärts" und den Ganl.

So meinten eS wenigstens die Kameraden. Wenn sie in seiner Seele zn lesen vermocht hätten. Nichts ande­res füllte sie.wie eine grauenvolle Angst vor ben tom« menden Minuten. Er dachte in wenigen Anaenblicken fein ganzes Leben durch. Sieg und immer wieder Sieg. Klingender Spiel und Liebekopfer, wohin er auch sah.

Ruth Jugend Liebe. Heilige, große Liebe, wie sie nur zwischen Mann und Weib sein kann. Heilig '^Seligkeit liegt erst im Enthüllen aller Geschehnisse und Empfindungen. Ein Entsetzen preßte seine Brust zusammen.

Gleichviel! Sie lassen.-»

Sann wieder der Blick einer Erkenntnis.

Mit keinem Wort der Sprache wird blinderer Miß­brauch getrieben als mit der Liebe. Bedeutet sie un Grunde genommen mehr als ein seiner oder gröber zu­tage tretendes Zielerstreben ?

Ein Ringen nach Gegenliebe! Ein krasser Egors-

^Schmal und schlank taucht Ruths Gestalt vor ihm empor. Es ist, als ob ihr loses, duftendes Haar vor seinen Altgen läge und ihm Autivort gäbe.

Und doch unsagbar süß I Unfaßbar köstlich!

Das Jagen deS Renners unter ihm ward beinahe mim Finge. Weit blieben die Kameraden zurück. Nur zwei oder drei hielten sich mit furchtbarer Anstrengung einen Büchsenschuß hinter ihm.

Jetzt reißt er die Alda ein wenig zur Seite. Er stimm

für Gütervermittlung und Grundstücksfragen jeder Art, insbesondere

a) zur Beratung aller Beteiligten, namentlich der Kriegsteilnehmer über Baufragen, Geldbeschaffung, Hy- potheken usw.

b) zum Nachweis von Ankaufs- und Merk rufSgelegen- heiten.

c) zur geeigneten Verwertung von Besitzungen Gefallener.

4. Förderung von Zusammenlegungen, Meliorationen usw. von Grundstücken, auf die sich die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckt, sowie allgemeine Wohlfahrtspflege in den von ihr beschafften Wohnstätten.

5. Vermittlung von Hypotheken und GruudstückS- An- und Verkäufen, sowie aller sonstigen Geschäfte zur Durchführung der vorstehenden Aufgaben.

6. Erwerb von Grundstücken und Errichtung von Wohnstätten.

Die Gesellschaft ist mit einem Kapital von Mk. 1437 000 ausgestattet. An ihr haben sich der preußische Staat und der Hessische BezirkSverband mit je '/. Million Mk., ferner die LandeSversicherungsanstalt Hessen-Nassau, die Landwirtschaftskammer für den Re­gierungsbezirk Cassel, fast sämtliche Landkreise des Re­gierungsbezirks, sowie die Städte Cassel, Hanau, Esch- wege, Fulda und Marburg, sowie eine größere Anzahl Grundbesitzer, Handels-, Industrie- und Bankfirmen als Gesellschafter beteiligt.

Da die Tätigkeit der Gesellschaft eine gemeinnützige ist, so ist der Höchstbetrag einer auszuschüttenden Divi­dende auf 4 Prozent durch die Gesellschaftssatzung fest­gesetzt; der preußische Staat hat entgegenkommenderweise zugunsten und zur Förderung der Gesellschaft zwecks auf se'nen Dividendenanspruch verzichtet.

Das preußische Ministerium für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten wird auf Grund des § 2 der Ver­ordnung betr. das gesetzliche Vorkaufsrecht an land- und forstwirtschaftliche Besitzungen vom 23. Dezember 1918 das dem Staate zustehende gesetzliche Vorkaufsrecht an dieHessische Heimat" übertragen.

Auch durch die Verordnung der Reichsregierung zur Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedlungslande vom 29. Januar 1919 wird derHessischen Heimat" ein weiteres Betätigungsfeld eröffnet.

Der Aufsichtsrat der Gesellschaft setzt sich wie folgt zusammen: 1. Oberprästdialrat, Geh. Oberreg.-Rat Dr. TheS (Stellvertreter Reg. Rat K sufe). 2. Landeshaupt­mann v. Gehren (Landesasessor Dr. Kahring). 3. Geh. RegierungSrat Dr. Schröder (Landesrat Görling) 4. Stadtbaurat Geh. Baurat Höpfner (Stadtrat Fabrik­besitzer Gerhard). 5. Landrat v. Pappenheim (Landrat Frhr. v. Doernberg-Fulda). 6. Landrat Kammerherr v. Keudell, Vorsitzender der Landwirtschaftskammer (Rittergutsbesitzer v. d. Melsburg Escheberg in Escheberg).

7. »ankdirektor Hrch. Koch (Filiale der Drestner Bank Caffel) (Barkoirektor Katzenstein, Hess. Bankverein).

auf einen Steinbruch zu, der links von der Fährte lag. Er hat zirka vier Meter Breite. Kein Gedanke, daß ein Gaul das schafft.

Augenscheinlich hat er die Herrschaft über das Tier verloren.

Bibra, Biiiiibra, sind Sie denn ganz und gar des DeubelS!" schreit ihm ein Hauptmann aus vollen Lungen zn,rechts reiten, rrrrrrrechts."

Der Wind reißt ihm die Worte vom Munde fort und trägt sie in die Weite. Noch einmal ein warnen der Zuruf der hinter ihm Reitenden. Er wuchs zum gellenden Schrei au.

Bibra, hören Sie denn nicht? Sie sind ein verlore­ner Mann." .^

Der Reiter vor ihnen verändert seinen Kurv nicht. , Die Alda sprang an. Ganz deutlich konnten die Kameraden aus der Ferne beobachten, wie sich der schlanke Körper auseinander reckte, wie Bibra fast über, dem Sattel schivebte.

Dann schloffen die Nächsten, die hinter ihm her stürmt waren, um möglicherweise das Unglück noch zu verhüteik, für einen Herzschlag die Augen. Staub unb Mörtel gingen in dicken Wolken aus dem Stem. ^''DieÄlda hatte es richtig nicht geschafft.

Scheußlich," sagte der Master eine halbe Stunde später.Scheußlich." ,

Ein blutjunger Offizier wischte sich verstohlen die ^"^WaS macht Man mit dem Gaul? Die Beine sind kaputt I" ~

Halten Sie Bibra etivas höher. So."

Es kommt Blut aiis der Nase."

Wann kann der Doktor im günstigsten Fall hier sein?" ;

So vibrieren die Stimmen gedämpft und verang- stigt durcheinaltdev. ,^ _ , 229,18*^