SchlüaMnerMung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — WoHenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
Telefon 65, :: Postscheckkonto Frankfurt «, M. 11*03 :; Telefon:«».
Erscheint Alittwoch und Samstag —^ preis mit „Kreisblatt vierteljährlich 2,— Alk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum f5 Pf$.
M 20. Samstag, den 8. März 1919. 70. Jahrgang.
I -Ar. 1368 S. A »m »«Ist ft^en f»» 1919 einige Freistellen in Kinderhetlanstasten zur Verfügung.
Anträge auf Gewährung einer Freistelle find bis spätestens 1. April d. Js. hierher einzureichen.
Schlächtern, den 4. März 1919.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Der Männer-Verein vom Roten Kreuz hat dieFürsorge für die aus
Elfaß-Lothringen Gezüchteter» oder
Vertriebenen übernommen.
Wir bitten die Herren Bürgermeister, dies in ihren Gemeinden öffentlich bekannt machen zu lassen, Anträge auf Uebernahme der Fürsorge solcher Personen entxegen- zunchmen und mit entsprechenden Borschlägen über die Art und Weise der evtl. zu leitenden Fürsorge hierher zu reichen.
Der Geschäftsführer unseres Vereins ist zur weiteren Auskunft jederzeit bereit.
Schüchtern, den 7. März 1919.
Männer-Verein vom Rvten-Kreuz. von Trott zu Solz.
Ier Vormarsch des Wolschewismus.
Großes Hauptquatier Kolberg, 28. Februar.
Vor inneren Sorgen und dem unerhörtem Druck des Verbandes kommt Deutschland nicht zum Verständnis der ungeheuren Gefahr, die vom Osten mit jedem Tag näher rückt. Keine Schönfärberei und kein leichtsinniges Dementi hilft darüber hinweg, daß wir einer groß angelegten Offensive des ruffifchrn Bolschewismus gegenüberstehen die nur die bessere Tahreszeit abwartet, um uns dann zu überrennen.
Zunächst sichert sich die bolschewistische Heerführung die im großen Maßstabe arbeitet, indem sie starke Truppenmassen in die Ukraine geworfen hat, die in den letzten Tagen wieder zur Offensive übergegangen sind. Der nördliche Flügel dieser bolschewistischen Truppe» nähert sich Rowno, der südliche dem Schwarzen Meer. Dieser erfolgreiche Vormarsch geschieht um die Grundlage der Ernährung und den Besitz des Donez- Kohlenbeckens sicherzustellen. Alle Nachrichten vvn Rückschlägen der Sowjettruppen auf diesem südlichen Kriegsschauplatz sind Fabel. Im Nvrdeu hat gestern ein Angriff gegen die estnisch-finntsch schwedische Linie.südlich Walk eingesetzt, gleichzeitig mit einer Beunruhigung der Linien nördlich des Peipussee, um Petersburg zu entlasten. Daß an der Murmanfcvnt die Dinge schlecht stehen, weiß der Verband ebensogut wie wir, und die letzten Vorkommnisse am Weißen Meer sollten ihm zu denken geben, wie wenig auch seine Landsleute den bolschewistischen Einflüssen Widerstand »ntgezenfetzen
können. Es ist bezeichnend, daß den bolschewistische» Angriffen an Stelle der Artillerievorbereitung eine eindringliche Auftthrung vorherzeht die in Ostpreußen, dem nächsten Ziel im Norden, eine abenteuerliche Höhe erreicht hat. Für jeden, der sehen will, sind diese Zusammenhänge, die in der Ukraine — bei dem letzten Gefecht hei Olita, wo gleichzeitig in Rowno Unruhe» ausbrachen — und in Königsberg hervortraten mit Händen zu greifen.
Es ist auch ein Irrtum anzunehmen, daß es sich bei den Bolfchewisten um einen bloßen Bandenkrieg handelt. Eine Front von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ist die Bildung. Zunächst sind die Straßen und Knotenpunkte Brennpunkte der Kämpfe, aber die Zusammenfassung auf bolschewistischer Seite ist zu bemerken, wir folgen natürlich nach. Von Norden verläuft unsere Front, in der geringe lettische und schwache, aber ausgezeichnete deutfch-baldrsche Landwehren fechten, mit der Winda», dann dem Njemen. Oestlich von Rowno beginnt, Schulter an Schalter mit unseren Gruppen die Front der Kongreßpolen, die aber einem stärkeren bolschewistischen Dr»ck kaum Widerstand leisten dürften. Ihr schließen sich die rumänisch, Front und die sehr schwachen Truppen des ukrainischen Direktoriums an. Auf die letzte Macht ist sehr wenig Verlaß wie wir ja zur Genüge erfahren haben, und auch der Verband, der seine Truppen in den „verseuchten" Häfen des Schwarzen Meeres nicht länger halten will, dürfte dieselbe Lehre bekommen, wenn er nach dem soeben verkündeten Bündnis nicht wirkliche Hilfe an Stelle bloßen Vertragens angedeihen lassen will.
Es hat allerdings den Anschein, als ob die Franzosen in allerletzter Zeit dem furchtbaren Ernst des bolschewistischen Vormarsch-'S sich »Laicht mehr nerfchliep-n könnten. General Groener sagte mir unter allem ssr- behalt, daß er Anlaß zu dieser Meinung hätte. Viel Zeit zum Besinnen dürfte den Verband kaum zur Verfügung stehen. Wir haben nur unsere Freiwilligen- Verbände, deren Aufstellung uns Kurzsichtigkeit erschwert Drüben steht eine Macht die dem Islam zur Zeit seiner Höhe gleich ist. Ostpreußen ist an seinen Grenzen nicht zu halten, die Angerap Linie schlechter als der Njemen. Nach der Frühjährsschmelze ist es zur Organisation zu spät. Es geht nicht m^r um Deutschland allein, und ob es klug ist, Deutschland in diesem verzweifelten Kampf um europäisch« Kultur zu verraten, mögen die Gewissen in PariS und London entscheiden.__
Deutsches Reich.
— Berlin. (Einführung der Sommerzeit.) Die Einführung der Sommerzeit ist ax< in diesem Jahre nochmals in Aussicht genommen. Als Termin zur Einführung ist die Rächt vom 14. zu» 15. Ap-il in Vorschlag gebracht worden. Das Ende der Sommerzeit
ist wieder zum früheren Zeitpunkte, zum 15. September, geplant.
—* Aus Bayern. Die Münchener Regimenter haben sich gegen die Spartakisten und Kommunisten erklärt und dem mehrheitssoziallstifchin Stadtkommandanten ihr volles Vertrauen ausgesprochen.
—• Vorsicht! Seit Beginn der Auslieferung deutscher Zivilzefangener und verwundeter Kriegsgefangenen aus England mehren sich die Fälle, in denen angeblich über Rotterdam heimkehrende Personen ihre in Deutschland wohnhaften Angehörigen telegraphisch um Geld zur Einkleidung und anderem bitten. Nach Lage der Verhältnisse benötigen die Auszelieferten daselbst jedoch keine bare Mittel, da durch den Empfangsausschuß in Rotterdam in ausreichender Weise für sie gesorgt wird, und außerdem der Aufenthalt daselbst von so kurzer Dauer ist, daß Gelegenheit zu größeren Einkäufen nicht besteht, das Geld vor der Abfahrt auch gar nicht in Rotterdam eintreffen kann. Sei allen derartigen Telegrammen besteht also die begründete Vermutung, daß es sich um einen Schwindel handelt, was auch bereits in verschiedenen Fälle« erwiesen worden ist. — Um weiteren Schädigungen der Angehörigen von gefangenen oder vermißten Kriegsteilnehmern ober internierten Zivilpersonen vorzubeugen, muß daher eindringlichst gewarnt werden, auf Grund telegraphischer Ersuchen von angeblich entlassenen Kriegs- oder Zivilgefangenen Geld nach Holland zu senden. Empfangene Anfragen sollen vielmehr unverzüglich dem deutschen Konsulat in Rotterdam übermittelt werden, damit von dort aus das Erforderliche wegen Verfolgung der Angelegenheit veranlaßt werden kann. Eine AuSlandSmeldchelle für dsutfihv Kriegsgefangene Rotterdam bestecht mäft- "
— Ein Arbeitsr-Freiwilligen-KorpS. Wie aus Weimar berichtet wird, ist die Bildung besonderer Arbeiter Freiwilltgen-KorpS beabsichtigt. Zu _ diesen KorpS sollen Arbeiter angeworben werden, die sich freiwillig bereit erklären, Arbeiten, besonders im Bergbau und in der Landwirtschaft, zu übernehmen. Die Korps sollen unter den Befehl Lesondrrer Führer gestellt und nach bestimmten Regeln organisiert werden. Man geht von dem Gesichtspunkte aus. daß es unbedingt nötig ify dafür zu sorgen, daß die Arbeitsfreudigkeit in der Arbeiterschaft nach Möglichkeit gehoben wird, und daß man über einen gewissen Kreis von Arbeitern v«rfügen kann, die arbeitswillig und bereit sind, di« nötigen Arbeiten zu übernehmen, di« unbedingt geleistet werden müssen, um unser Wirtschaftsleben weiterführen zu können. Nun ist eS bekannt, daß in der Arbeiterschaft ein starkes Bedürfnis nach einem eigenem Heim herrscht. Es ist deshalb vorgesehen, do« freiwillige», die sich zum Dienst in den Arbetterkorp» melden, nach einer gewissen Dienstzeit ein eigenes Heim auf eigenem Boden zur Verfügung zu stellen. Es sollen zu diesem Zwecke au» den Erspar-
Schuld und Sühne.
Roman von Käthe LubowSki.
62
Er hat es gern, solche Fragen an sie s« stellen, die ihre ©efhmmmeii enthüllen. Darum tut n», al» ob sie ernsthaft nachdächte. Er beokürchtet ihr Gesicht unablässig.
Wenn si« jetzt fugt; „Ich liebte Dich weiter, ich trüge eS mit Dir, ich tröstete Dich, ich v«rkröch« rnich mit Dir," dann könnt« er'S ihr sagen. 0$ ist am Ende seiner Kraft.
/ Aber sie richtet sich A* seinem Halft auf und erwidert überzeugt: „Daim hätte ich f« ehren q«R| anderen geliebt als den, bet Du in Wirklichkeit wärst, und den ich gar nicht linstands wäxe zu Heben!*
Da senkt er den Kopf in ihr loseS Blondhaar u«b schweigt.
Und sie bettest BeftKi „Hchatz, »4 laß Mich wirklich nicht so abspsis«»-. Ist 4 v-ftlt«fttzl wegen be« letzten Amneüs?"
v Er lacht hatt. «I» beSw-g«n."
/ „Großer Seit, Schatz, wie kan« man nur so ueW Asch sein. Du hvst je viel« Vvfvlg« -ehävt wie feiner. Gönne dein kleinen Traf«« doch auch «tu bißch,». DaS nächste Mal stimmst D» wieder an bi« Reihe."
- Er sieht sie starr alt. ^Da» glaube ich schwerlich, Auth.«
/ Run sie einen Grund gefunden hat, der ihr sein veräiiderteS Wesen und AilSsehe» rrKärt, ängstigt sie die hoffnungslose Antwort, deren Sinn sie, gottlob, nicht versteht, gar nicht. Sie gibt sich Mühe, ihn auf andere Dedmlkeii zn bringen.
, „Dn, Eivaldchen, wann ist eigentlich die Schnitzel- jagd?"
Er sieht verträumt vor sich nieder, als sie das fragt.
J Sie zieht ihn neckisch au den Ohren.
„Aufpassen, Herr Oberleutnant von Bibra, Schnitzel« W> saßt, ich/ ;^v ^<i - “ ^ >
„Verzeih. Uebermorgen ist sie, laut heranSgekom- menen Beschlusses. Ich soll Fuchs fein."
„Welches Pferd wirst Du nehmen, Schatz?" A „Den Stafford, denke ich." .
„Du, das erlaube ich auf keinen Fall. So eiu scheue», nervöses Tier. Nein, die Alda eignet sich tausendmal besser dafür."
„Gut, wenn eö Dich beruhigt, nehme ich auch die Alda."
Sie küßt ihn daukbar.
„Nud wir Frauen richten uu» in d«c Döberitzer Försterei ein, wie vorige» Jahr, und erwarten Euch zum SchmauS."
Er sieht uNkuhla über R« fort, in Me Fern«.
„Ich möchte Dich bitte», Ruth, d^ Du diesmal nicht dorthin fährst."
Sie vergißt vor Stannen, best Mund zu schließen.
„Daß heißt, ich soll zu Haus bleibe», während die anderen —" Sie ist ganz fassungslos.
„Ja, mein Kind," meint er in bestimmterem Ton. „Der neue Kommandeur hatte heut« eine Bemerkung fallen lassen, aus bet ich schließe, daß e» ihm bei weitem angenehmer wäre, wenn Ihr zn HauS bleibt. Alle werden sich ja nicht daran kehren. Die Alten schon gar nicht. Aber siehst Dir, ich möchte eS doch gern."
Ihm ist diese Lüge furchtbar schwer geworden. Und er meint, sie müsse hercmSfühle», daß etivnS anderes dahinter verborgen läge.
Aber so stockend er es auch hermiSgebmcht hat, an seiner Wahrhaftigkeit kommt ihr kein Zweifel.
„Da hört doch wahrhaftig die Weltgeschichte anf," sagt sie empört und steht mit einem kühnen Satz auf den Füßen. „So waS, nun kommandiert er uns auch schon. Aber wenn Du meinst, daß es klüger und vorteilhafter für Dich ist, wenn ich -n ^aufe bleib«, dann tue ich Dir den Willen/.. , ^-^^ ^^^ <^
Er hat eS gar nicht anders erwartet. Sie gehorcht ihn» immer blindlings.
„Ja, Rilth, das ist eS. Also abgemacht. Eine bittere Pille ist auch noch dabei. Du darfst nicht mal um» gehend mit den andern über ihn schimpfen. Denk mal, Du mußt mir noch einen zweiten Gefallen tun. ES ist viel verlangt, aber ich weiß mir nicht anders zu. helfen. Du mußt mir das Manuskript für meine zu-i künftig« Broschüre abschreiben, und zwar innerhalb der nächst«! drei Tage. Der Verleger sagt, daß ein anderer Offizier ihn neulich wegen der Herausgabe einer ähn- licheu Arbeit befragt habe. Kommt die früher heraus, so ist die meine natürlich umsonst geschrieben. Willst Du eS tun?"
Ja, sie wollte. Natürlich. Sie war ja so froh und stolz, daß et ihr« Hilfe nötig hatte. Schimpfen konnt» sie schließlich auch noch nach der Schnitzeljagd.
Bibra hat soeben mit seiner Bitte die zweite be-, wußte Unwahrheit ausgesprochen.
Seine Broschüre würde ebensowenig von anderer Seite eine Wiederholung ihres Inhaltes erfahren, al» wieder Kounnaudeur sich umdaS Mitkommen oder Zu». Haufebleiben der Damen kümmerte.
Es galt ihm nur, daS Ruth an dem Tage der Jag^ nicht in seiner Nähe weilte, und daß sie den andere» Frauen fern blieb, so lange^biS es geschehen war.
Er konnte schwach rverden, wenn er wußte, sie stand in ihrem weißen Kleid unter den Tannen des Forsthauses und erwartete ihn mit Sehnsucht.
Uud schwach werden durfte er utcht mehr.
Er hatte Marie Luise ausfiihtlich auf ihren Brief geschrieben, warum Erich Rastingen ruhig der ziveite Vater ihres SohueS werde» könne.
Sonderbar. Fünf Jahre hatte er fein Geheimnis schweigend mit sich herumgeschleppt. Unter marternden