SchluaMnerZeitung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochellbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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M 16 Somstag, den 22. Februar 1919. 70. Jahrgang
J.-Rr. 1146. A. K.
An sämtliche Geureindevorstände -es Kreise-.
Die fortgesetzte Zunahme der Anträge auf Genehmigung von Tanzlustbarkeiten veranlassen mich, die Gemeinden darauf hinzuweisen, daß es zweckmäßig ist, die bestehende LustbarkeitSsteuer Ordnung einer Nachprüfung hinsichtlich der Steuersätze zu unterziehen. Es empfiehlt sich, die einzelnen Steuersätze den heutigen Verhältnissen entsprechend zu verdoppeln oder doch ganz erheblich zu erhöhen.
Schlüchtern, den 19. Februar 1919.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, v. Trott zu Solz.
J.-N. 1132 K. A.
Der in Sterbsritz bei Frau Berta Wegner Ww. im Dienst stehende Dienstmagd Katharina Stang, ist für fünfzehnj^^e treue Dienstzeit eine Prämie von 15 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 19. Februar 1919.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J.-Nr. 167 R.K
Tuberkoseufürsorge.
Die Gemeinden des Kreises, mit Ausnahme von Schlüchtern, werden ersucht, den Jahresbeitrag zur Tuberkolosenfürsorgestation für das Jahr 1918 an den Kassierer, Sekretär Schäfer hier, baldigst abzuführen. Die Station wird nachdem das Lazarett im Krankenhaus I. am 15. März d. Jr. aufgelöst sein wird, daselbst wieder unter der Leitung des Herrn Kreisarztes eröffnet werden.
Schlüchtern, den 18. Februar 1919.
Männer-Verein vom RotewKreuz. von Trott zu Solz.
Deutsches R§lch.
— Das Wehrministerium hat beschlossen, daß Eiserne Kreuze undRote Kreuz-Medaillen weiter verliehen werden sollen, besonders an unsere zurückgekehrten Gefangenen.
— Ebert für unbedingte Pressefreiheit. Reichs- präsiient Ebert empfing gestern die Vertreter der reichs- deutschen und deutsch-österreichischen Presse in Weimar, um, wie er sagte, gleich beim Antritt seines neuen Amtes persönlich mit ihnen Fühlung zu nehmen. Er erklärte es für feixe heiligste Pflicht, mit allem Nachdruck die Pressefreiheit zu verteidigen.
— Zürüch, 18. Febr. Die Gärung in der französischen Arbeiterschaft. Die schweizerischen Blätter melden eine zunehmende Gärung unter oer französischen Arbeiterschaft infolge der unerschwinglichen LebcnSmittel- pretse. In Marseille und Bordeaux ist die Situation gefahrdrohend geworden. Die Truppen sympathisierten mit den streikenden und demonstrierenden Arbeitern; sie wurden abgelöst und durch als zuverlässig bekanntes Militär ersetzt. Die Zensur unterdrückt- alle Nachrichten über die Streikbewegung. Laut „N. Zür. Ztg." ist in mehreren Departements die Krisis im Fleisch- und Wurstwarengewerbe verhängsnivoll und vielfach sind die Metzger in Ausstand getreten.
— Der „Vorwärts" schreibt: Aus den langen Erwägungen über die Arbeitslosenfürsorge ist nun der erste praktische gesetzgeberische Akt in Form einer Verordnung hervorgegangen. Nach der neuen Verordnung find die Gemeinden verpflichtet, die Unterstützung zu versagen oder zu entziehen, wenn der Erwerbslose sich weigert, eine nachgewiesene Arbeit anzunehmen, die auch außerhalb seines Berufs und Wohnorts liegen darf und ihm nach seiner körperlichen Beschaffenheit zugemutet werden kann. Hierzu bemerkt das Ministerium des Innern ausdrücklich, daß ein gelernter Arbeiter z. B. auch ungelernte Arbeit annehmen muß, wenn sie ihm eben nach seiner körperlichen Beschaffenheit zugemutet werden kann. Der vielfach geltend gemachte WetgerungS- grund der Erwerbslosen, daß die Versorgung ihrer Familien bet auswärtiger Arbeit unmöglich sei, wird in der Regel dadurch ausgeschaltet werde» können, daß nach der neuen Erwerbslosenverordnung in solchen Fällen die Gemeinde des letzten Wohnortes den zurückbleibenden Familienangehörigen während der Dauer des auswärtigen ArbettSverhältnisseS die Zuschüsse zu der ErwerbSlosenunterstützung ganz oder teilweise gewähren kann. Die Arbeitslosen haben also keinen Grund mehr, Arbeit auf dem Lande oder im Braunkohlenbezirk mit dem Hinweis auf ihre zurückbleibenden Familien abzulehnen. _
Ein Nstschrek an die Christenheit.
Der evangelische Bund zur Wahrung der deutsch- protestantischen Interessen hat am 1. Februar folgenden Funkspruch an die christlich gesinnten aller Länder ab- stehen lassen:
Nach fast vierteljähriger Waffenruhe werden die deutschen Gefangenen noch immer zurückbehalten und bleiben die deutschen Grenzen noch immer blockiert. Die durch keine Kriegsnotwendigkeit mehr gebotene Zurück- behaltung der Gefangenen und Aufrechterhaltung der Hungerblockade bringt unsagbares Elend über das deutsche Volk, das an Vertrauen auf einen gerechten Frieden die Waffen niedergelegt hat. Hunderttausende Gefangene und deren unglückliche Angehörige verzehren sich in unendlicher Sorge und Sehnsucht. Achthunderttausend Männer, Frauen und besonders Kinder sind schon der Hungerblockade zum Opfer gefallen und noch sterben täglich durch Unterernährung achthundert Personen. Die Kindersterdlichkeit ist um das Mehrfache, bei den Zehn- bis Vierzehnjährigen um das Vierfache gestiegen. Die Aufrechterhaltung der verschärften Hungerblockade ist täglicher Kindermord.
Die Chrtftlichgesim ten aller Länder, auch der Völker, mit denen Deutschland im Kampfe stand, scheinen diese grausamen Tatsachen nicht zu kennen. Deshalb wendet sich der evangelische Bund, einer der größten Organisationen des evangelischen Deutschland, an die Christlichgesinnten aller Völker und fragt insbesondere die evangelischen Glaubensgenossen, ob sie die in der Weltgeschichte beispiellosse Härte wider das Mutterland der Reformation in ihrem Gewissen verantworten können. Noch mehr als der entsetzliche Krieg selbst muß dieses grausame Verhalten das christliche Ansehen schädigen, den Neuaufbau christlicher Gemeinschaft hindern, die sittlichen Begriffe verwirren und zu einer furchtbaren Gefahr für alle Länder der Erde werden. - Der evangelische Bund ruft darum alle Christlichgefinnten auf, zum Heile der Menschheit einzutreten für baldigen Friedensschluß, sofortige Aufhebung der Hungerblockade und Rückgabe der deutschen Wfatzgenen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 21. Februar 1919.
—* Meldet die offenen Stellen dem Arbeitsnachweis.
Um Angesichts der immer noch wachsenden Arbeitslosigkeit wenigstens die zur Verfügung stehenden Stellenangebote rasch und sachgemäß vergeben zu können, sei nochmals auf die Anordnung des Demobilmachungsaus schuffeS hingewiesen, daß alle Arbeitgeber ihre offenen Stellen unverzüglich dem KretSarbeitSnachweiS im Wohlfahrtsamt des Heimatbundes — Kretshaus — melden sollen. Nur durch diese Zentralisation ist ein wirklicher Ausgleich zwischen Arbeitsuchenden und offenen Stellen möglich, u d nur dann kann die Erwerbslosenfürsorge vernünftig durchgeführt werder. Diese Pflicht, den Bedarf an Arbeitskräften dem Kreisarbeitsnachweis schleunigst anzumelden, haben nicht nur die privaten Unternehmer, sondern auch alle Reichs- Staats- und Kommu- nalbehörden, vor allem auch Post und Essenbahn. Die Landwirte vor allem feUn daran erinnent, daß sie die Rückfragen des Arbeitsnachweises, ob gemeldete Stellen noch frei sind, und die Anfrage über Lohn, Arbeits- und Wohnungsverhältnisse unbedingt z» beantworten. Dies geschieht leider nur sehr wenig, und es ist Schuld der Landwirte selbst, wenn sie nicht genug Arbeitskräfte bekommen. Allerdings müssen sie ihre Abneigung gegen aus der Stadt kommende Arbeiter fallen lassen.
—* Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung rücken in greifbare Nähe heran. Zum morgigen T'ge müssen die Listen mit den Namen der 18 vorgeschla- genen Personen in den Händen des Wahlvorstandes sein. Viel Arbeit, viel Kopfzerbrechen hat die Auswahl allen beteiligten Parteien gemacht, nachdem die demokratische Partei ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien schlankweg abgelehnt hat. Jede will Namen von gutem Klang mit möglichst viel Anhang, Namen die die Sympathien möglichst vieler Mitbürger haben, an der Spitze ihrer Lifte stehen haben. Das Ergebnis der Wahl wird zeigen, wie die Bürgerschaft GchlüchternS denkt. Mann kann sehr gespannt sein über den Ausfall der Verjüngung der Stadtverordnetenversammlung, besonders auch deshalb, weil, wie wir hören, eine große Zersplitterung und Uneinigkeit in der einen Partei ein» getreten ist. Nicht uninteressant ist, zu hören, daß Schlüchtern genau so wie die Großstädte Berlin, Frankfurt usw. verlangt, daß jeder Wahlvorschlag mit den Unterschriften von Hundert Wahlberechtigten versehen sein muß. Das Gesetz steht 20-100 vor. Warum verlangt das kleine Schlüchtern 100 Unterschriften? Wie von maßgebender Stelle mitgeteilt worden ist, ist dies geschehen, damit nicht jede Viertafelrunde ihren eignen Wahlvorschlag machen kann, damit sich nicht irgendeine Gruppe einen Ulk erlauben kann. Man muß also annehmen, daß die betreffend« maßgebende Stelle glaubt, daß es hier in Schlüchtern Leute gibt, die eine
derartig ernste Sache als einen Ulk auffassen und behandeln. Er dürften bet der Wahl SO Stimmen ge- nügen, um einen Kandidaten durch zu bekommen. Eine Partei, die nur über 90 Stimmen verfügt, fällt aber hier in Schlüchtern unter den Tisch. Ist das Freiheit und Gleichheit? Die 100 Namen werden die Namen von 100 Wählern sein, wenn kein Ulk getrieben wird. Wo bleibt da das Wahlgeheimnis? Wir nehmen nicht an, daß die Bestimmung der 100 Unterschriften von einer politischen Partei für Schlüchtern veranlaßt worden ist. Wir glauben vielmehr, daß ganz und gar im Interesse der Stadt diese Bestimmung getroffen worden ist, daß die Leute, die sie getroffen haben, neutral waren in dieser Beziehung. Wir würden überhaupt eine strikte Neutralität der maßgebenden Stellen nur gutheißen und begrüßen können; denn jetzt gilt doch : Gleiches Recht für alle, Der Beruf bringt jetzt jedem im bürgerlichen Leben stehenden Manne, besonders dem Beamten, soviel Arbeit, daß ihm für andere Betätigungen kaum noch Zeit bleiben dürfte, vorausgesetzt, daß der Beamte ge- wtssevhast und bestrebt ist, seinen Platz voll und ganz auszufüllen. Der Achtstundentag ist für Beamte noch nicht vorhanden.
Eingesandt.
(Ohne Verantwortung der Redaktion.)
Groß-Hesse« »der Erhaltung von Preußen?
Die innere Auflösung in Deutschland wird immer größer. Statt der allen bewährten Volksregel: „Einer für alle, alle für Einen" machte sich schon während des Krieges immer mehr das Gegenteil bemerkbar: Jeder für sich, jeder gegen den anderen. Von Cassel aus war der Versuch gemacht worden, in einem Groß- staat Hessen alle Hessen zusammenzufassen. Im Kreise Schlüchtern waren - i'= ^be^ylMH^.^*»^ Skuw-iLlor Herr Dr. Hans Köntg, Sohn des verstorbenen Lehrers König in Schlüchtern und Herr Dr. .Butte, zukünftiger Schwiegersohn des Herrn Walther in Soden. Alle diese Bemühungen sind nun ins Wasser gefallen, da die Darmstädter sozialistische Regierung sich gegen die Bildung eines Groß-Hessen ausgesprochen hat. Darüber wird aus Darmstadt unter dem 29. Januar folgendes berichtet: „Darmstadt lehnt die Bildung eines Groß- hessens ab. Eine vom Oberbürgermeister gestern einbe- rufene Versammlung, welche sich mit der Frage der Bildung eines GroßhessenS mit Abtrennung von Rhein- Hessen und Hinzuziehung von Hessen-Nassau und eines Teiles von Hannover befaßte, nahm einstimmig folgende Beschließung an: »te am 28. Januar in dem Rat-, Haussaal vom Oberbürgermeister im Interesse von Darmstadts Zukunft einberufene Versammlung nimmt mit Befriedigung von der Erklärung des Herrn StaatS- minister, Ulrich Kenntnis, nach der die hessische StaatS- regierung Wünsche ablehnen wird, welche Hessen schädigen werden. Die Versammlung legt aufs Entschiedenste Verwahrung ein gegen die Möglichkeit, daß Darmstadt bei einer etwaigen Neugliederung im Reiche seinen Charakter als Landeshauptstadt verlieren könne. Darmstadt, das auf die Leistungen in der Vergangenheit und den Besitz einer Kultur mit dem Gefühl großer Dankbarkeit und großer Befriedigung zurückblickt, verlangt im Jntteresse seiner Zukunft gebieterisch die Erhaltung der Stadt als Landeshauptstadt. Sollte irgendwie eine Aenderung der Gliederung im Reiche noch in Betracht kommen, so ist diese nach Auffassung der Versammlung unmöglich ohne die freie Selbstbestimmung der Bevölkerung, welche ihre kulturellen und wirtichaft- lichen Bedürfnisse ix erster Linie beurteilen kann."
Lum Schluß darf nicht verkannt werden, baß sogar in bet „Demokratischen Partei" die Zahl der Stimmen immer mehr zunimmt, die sich gegen eine Zertrümmerung Preußens und damit gegen die Bsidung Groß- Hkssens aussprechen. Was werden wiü, scheint unklarer j, Dr. med. Strjjnckmann.
' Kirchlicher Anreißer M Ichlüchterm Evangelische Gemeinde: Sonnabend, den 22. Februar Aachm. 1 Uhr Beichte. Herr Pfarrer Rollmann. Sonntag den 2». Februar 1919.
Norm. 10 Uhr Herr Superint. Orth. Hl. Abendmahl. Nachm. V^ Uhr Herr Rollmann. Nicderzell 10 Uhr. Herr Pfarrer Rollmann. Wochendienst Herr Superintendent Orth.
Katholische Gemeinde.
Sonntag den 23. Februar 1919. Vormittags 10 Uhr: Amt mit Predigt.
Herr Kaplan Ramb.