mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbessage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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U 15. Mittwoch, den 19. Februar 1919. 70. Jahrgang.
IV a. 450. In 8 8 Abs. 2 der Verordnung über -ie anderweite Regelung des Gemeindewahlrechts vom ' 24. Januar 1919 — S. 13 der preußischen Gesetz- r ammlung — ist bestimmt, daß bei der erstmaligen Wahl die Wählerlisten zur preußischen LandeLvcr- is ammlung anzuwenden sind. Diese Bestimmung ist viel- «ch dahin ausgelegt worden, daß die Wähler auch bei rer Gemeindewahl das Recht hätten, beim Verzüge r jus einer Gemeinde in die andere oder beim Neu- S: »er Wiederzuzuge in einer Gemeinde sich noch nach- J täglich in die Wählerliste eintragen zu lassen. Diese . Auffassung ist unzutreffend. Maßgebend ist der Stand ? ,er Wählerliste zur Zeit der Wahl zur preußischen * randesversammlung. Nachträge in die Wählerliste zur stcußtschenLandesversammlungfindenüberhauptnichtstatt. ' : Bezüglich der Militärpersonen hat das Kriegs- gintsterium unterm 30. Januar d. Js.— 1051. 1. 19.
5 1 1. — besondere Bestimmungen getroffen. Danach c önnen nur diejenigen Heeresangehörigen das Wahlrecht ivsüben, welche in die Wählerliste eingetragen sind, oder 1 velche ohne Eintragung in die Wählerliste ihr Wahlrechtzur steußischen Landesversammiung auf Grund besonderer Regelung in der Gemeinde ausgeübt haben, in welcher ; st sich Ht an der Gemeindeverordneten- (Stadtverord- ; teten-rc.) Wahl beteiligen wollen.
Berlin den 4. Februar 1919.
z Preußisches Ministerium des Innern, gez. Hirsch. ? | An sämtliche Herren Regierungspräsidenten und den Magistrat Berlin.
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[ J.-Nr. 1088 K. A. Wird veröffentlicht.
I Schlüchtern, den 16. Februar 1919.
Der Vorsitzende des KreisauSschuffcs.
(BU Ausruf HiudendurgV,
Berlin, 14. Febr. (Amtlich.) Nachdem der Grenz- >utz Ost der Obersten Heeresleitung übertragen ist, tbe ich mit dem heutigen Tage mein Hauptquartier ich dem Osten verlegt. Als ich im August 1914 zum Iberbcsehlthüber der 8. Armee ernannt, im Osteneimraf, anten wir schwere Aufgaben bevor. Dank der Vor- irefftichkeit von Führer und Truppen gelang es bei Tannenberg und den Mafurtschen Seen, unsere Ost- marken vorfeindlichem Einfall zu bewahren. Wennichheute »och einmal nach dem Osten zutüclkehre, r m dort im Auftrage der Reichöregierung das Kommando zu führen, so erfüllt mich schwere Sorge um die Zukunft unseres Vaterlandes, nicht, weil wir von der Uebermacht unserer |einbe und der Hungerblockade erdrückt, um Frieden bitten mußten, sondern weil ich unser Volk in sich Imüttet und erschlafft im Wollen sehe. Viele stehen abseits und haben mit der Freude am Vaterland auch jeden Opfersinn verloren. Wohin soll uns dieser Zustand führen? Wrr müssen hindurch! Entschlossen in die Arbeit zum Besten des Vaterlandes! Dazu
gehört in erster Linie, daß wir eins find in der Liebe zur Heimat und den alten deutschen Boden schirmen vor dem neuen Feind, dem Bolschewismus, der die Kulturwelt bedroht. Ihr Freiwilligen und jungen Kameraden, die ihr zum Schutz der Ostmarken Euer Leben einzusetzen entschlossen seid, denkt an die Getreuen von 1914, und Ihr, meine alten Kameraden und Mitkämpfer von Tannenberg und den Masurischen Seen, eilt herbei mit zu helfen! Mein Appel an Deutschlands Söhne darf nicht ungehört verhallen. Welchen Stammes Ihr seid, ob Bätzern, Sachsen, Schwaben oder Preußen, welcher Partei Ihr angehört, wir sind alle Deutsche. Vergeßt, was uns trennen könnte. Findet Euch zusammen in der Liebe zur Heimat, in der Selbstzucht, Disziplin und Vertrauen zu Euren Führern.______ v. Hindenburg.
Sie Deutsche Notversßffuug.
Weimar, 10. Fcbr. Die heute endgültig angenommene provisorische Verfassung oder wie es amtlich heißt, das „Gesetz über die vorläufige ReichSgewalt hat folgende Fassung erhalten:
§ 1. Die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung hat die Ausgabe, die künftige Reichsver- faffuug sowie auch sousttge dringende Reichsgefttze zu beschließen.
§ 2. Die Einbringung von Vorlagen der Reichsregierung an die Nationalversammlung bedarf unbeschadet des Absatzes 4 der Zustimmung eines Staaten- ausschusses. Der Staatenausschuß wird gebildet von Vertretern derjenigen deutschen Freistaaten, deren Regierungen auf dem Vertrauen einer aus allgemeinen, gleichen und direkten Wahlen hervorgegangenen Volksvertretung beruhen. Bis zum 31. März 1919 können mit Zustimmung der Reichsreaierung E andere deutsche Freistaaten Vertreter entsenden.
In dem Staatenausschuß hat der Freistaat mindestens eine Stimme. Bei den größeren Freistaaten entfällt grundsätzlich auf eine Million Lanveseinwohner eine Stimme, wobei ein Ueberschuß, der mindestens der Einwohnerzahl des kleinsten Freistaates gleich kommt, einer vollen Million gletchgerechnet wird. Kein Freifiaatt darf durch mehr als ein Drittel aller Stimmen vertreten fein. Den Vorsitz im Staatenausschuß führt ein Mitglied der Reichsregierung. — Wenn Deutsch- Oesterreich sich dem Deutschen Reiche anschließt, erhält es das Recht der Teilnahme am Staatenausschuß mit einer dem Absatz 2 entsprechenden C timmenzahl; bis dahin nimmt es mit beratender Stimme teil.
Kommt eine Uebereinstimmung zwischen der Reichsre- gierung und dem Staatenhaus mcht zustande, so darf jeder Teil seinen Entwurf der Nationalversammlung zur Beschlußfassung vorlegen.
§ 3. Die Mitglieder der Reichsregierung und des StaatenausschusskS haben das Recht, an den Verhandlungen der Nationalversammlung teilzunehmen und
dort jederzeit das Wort zu ergreifen, damit sie die Ansichten der Regierung vertreten.
§ 4. Die künftige Reichsverfassung wird von der Nationalversammlung verabschiedet. Er kann jedoch der Gebietsstand der Freistaaten nur mit deren Zustimmung geändert werden.
Im übrigen kommen Reichsgesetze durch Uebereinstimmung zwischen der Nationalversammlung und drm Staatenausschuß zustande.
§ 5. Auf die Nationalversammlung finden die Artikel 21—23, 26-32 der bisherigen Reichsverfassung entsprechende Anwendung. Der Artikel 21 der bisherigen Reichsverfassung findet Anwendung auch auf die Soldaten.
§ 6. Die Geschäfte des Reiches werden von einem Reichspräsidenten geführt. Der Reichspräsident hat das Reich völkerrechtlich zu vertreten, im Namen des Reiches Verträge mit au-wärtigen Mächten einzugehen, sowie Gesandte zu beglaubigen und zu empfangen.
Kriegserklärung und Friedensschluß erfolgen durch Reichsgesetz.
Verträge mit fremden Staaten, die sich auf Gegen« stände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen der Zustimmung der Nationalversammlung und des Staaten- auSschusses.
Sobald das Deutsche Reich einem Völkerbünde mit dem Ziele des Ausschlusses aller Geheimverträge beigetreten sein wird, bedürfen alle Verträge mit den im Völkerbünde vereinigten Staaten der Zustimmung der Nationalversammlung und des Staatenausschusses.
Der Reichspräsident ist verpflichtet, die gemäß §§ 1—4 und 6 beschlossenen Netchsgesetze und Verträge im „Reichsgesetzblatt" zu verkünden.
§ 7. Der Reichspräsident wird von der Nationalversammlung mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt. Sein Amt dauert bis zum Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten, der auf Grund der künftigen Reichs- verkassuna aewäblt wird.
§ 8. Der Reichspräsident beruft für die Führung der Reich-leitung ein Reichspeäsidium, dem sämtliche Reichsbehörden und die Oberste Heeresleitung unterstellt werden.
Die Reichsminister bedürfen für ihre Amtsführung des Vertrauens der Nationalversammlung.
§ 9. Alle zivilen und militärischen Anordnungen und Verfügungen des Reichspräsidenten bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung durch einen Reichsminister.
Die Reichsminister sind für die Führung ihrer Geschäfte der Nationalversammlung verantwortlich.
Dieses Gesetz tritt mit seiner Annahme durch die Nationalversammlung in Kraft. Von diesem Zeitpunkte an kommen Gesetze sowie Verordnungen, die nach dem bisherigen Reichsrecht der Mitwirkung des Reichstags bedurften, nur gemäß § 4 dieses Gesetzes zustande.
B
। Schuld und Sühne.
Roman von Käthe Luboivski. 60
| „Welcher Grund könnte das wohl gewesen sein, Dchatz? Willst Du mit Deiner dunklen Rede etwa an- deuten, Erich Rastingen habe etwas getan, das ihm Mwaltsam den bunten Rock anSzog? Das wäre meist^ Ansicht nach der einzige Grund, der sich hören ließe."
i „Nein, das habe ich nicht sagen wollen. Wie fonunft Du nur darauf? Spruch solche Verdächtigungen nicht ein zweites Mal «u§, Ruth. Du weißt ja, daß er fort mußte, M seine Scholle."
k »Eben, das war es ja. Also bleibt ihre Schuld in Keilen Singen weiter bestehen. Quäl mich nicht wieder, ___ich ihr schreiben soll. Ich bringe el nicht fertig. ""W^n Du Erich Rastingen gesehen hättest, wie ich ihn s sah, als ich ihm von ihrer Verlobung mit DiederSle« sagte, ivürdest Du mich begreifen. Du, Schatz, da- - I,.! fällt mir ein, daß ich die Nacht von Rastingen ge» l^mut habe. Ganz scharf und deutlich. Er war in das Moor geraten, und er schrie um Hilfe.
J Mit leisem Knistern sinkt die Glut im Kamin zu- Rillen. Bibras Augen folgen den Funken, die auf- RW, um zu versinken. Wieder nahm ihm die Enge i SanuuetfrageiiS die Fähigkeit, tief zu atmen. „Und ! / iMie um Hilfe I" klang es in ihm nach.
.»Aüarilm er aber eigentlich wohl niemals zu uns Hunnen ist, Schatz?" fragte Ruth jetzt gänzlich unver- ff. „Es hat mich bitter enttäuscht, daß er uns ."'Selten läßt, was Marie Luise ihm alltat."
"^as ist nun einmal nicht anders in der Welt," sagt großer Austreugung. rnn®ie seufzt ein wenig und wirft eine Hand voll Kien- dem Bronzebehälter in die spärlich zuckenden
Flämnichen. Dann gähnt sie herzhaft und hüllt sich in daS weiche Fell ein, das über der Chaiselongue liegt. Vibra steht über sie hinweg, durch daS Fenster auf den Hof hinaus. Dort beioegt ein Stallknecht sein zweites Rennpferd vorsichtig auf und nieder. Er kann sich jetzt daS Spiel auf dem grünen Rasen leisten. Der Onkel ist seit zivei Jahren tot unb sein Vermögen größer, als sie erwartet haben. Der dumpfe Klang deS Aistschlagens irrt zu ihm herauf und verklingt wie ein Stöhnen. Er schrickt nervös zilsammen und sieht sich umher.
Es hat irgend jemand neben ihin im Winkel geächzt. Ach nein ! Der schreckliche Traum ist es, der an seinen Augen vorübergleitet. „Und er schrie um Hilfe!" hat Ruih erzählt.
Er springt empor und reißt die Uniform auf. Das ist ja 311m 'Tollwerden. Ruth ist inzivischen eingeschlafen. Das weiche Fell der Decke spielt um ihr lichtes Blondhaar. Er trinkt ihre junge, weiche Schönheit in sich hinein. Wenn sie damals nicht gewesen wäre, ob er dann wohl auch geschwiegen hätte?
Da schlägt irgenbwo eine Uhr zehnmal.
Ein Leuchten der Crlösirng kommt ui seine starren Züge. Gottlob in einer halben Stunde beginnt der Dienst. —
Drei Tage später tarn von Marie Lnise endlich der ersehnte Brief. Ruth hat ihn — in Abwesenheit ihres Gatten in Enipfang genommen unb_ «»eröffnet verwahrt, damit, wenn er endlich nach Hause kommt, das ohnehin verspätete Mittagessen über der Lektüre nicht noch ungenießbarer werbe. Erst nachdem Bibra seine Zigarre in Braiid gesetzt hat, erzählt sie es. Er wird dunkelrot und macht vergeblich Anstrenstungen, seine Ruhe au bewahren. Es gelingt ihm diesmal nicht. Wie kann ihr Haß für die Ferne nur so weit gehen, denkt er empört, daß sie sogar ihre spärlichen Briefe Nicht wichtig genug zur sofortigen Aushändigung hält ?
' bitte mir aus, daß alle au mich gerichteten
Schreiben künftig auf meinem Schreibtisch liegen, sobald ich vom Dienst komme," sagt er kurz und scharf.
Schmollend zieht sie daS Schreiben aus ihrer Tasche unb reicht e§ ihm mit abgewandtem Gesicht und spitzen Fingern hin.
Ernstlich nahe geht ihr indes sein heftiger Ton nicht. Sie kennt ihn zu gut von ihrem Vater her unb meint, daß er nun einmal zur Uniform gehöre.
Bibra hat den Umschlag des Briefes anfgerissen und überfliegt seinen Inhalt. Als er zu Ende ist, schlägt er die Hände vor daS Gesicht und sinkt in sich zusammen. DaS Briefblatt flattert herunter und bleibt vor Ruths Füßen liegen. Einen Augenblick sieht sie es beinahe verächtlich an. ®am: aber siegt die bein Werbe angeborene Neugier. Sie hebt es auf und lieft, was Marie Luise geschrieben hat.
„Lieber Ewald! Wenn mein Bnef zu Drr kommt, wirb die Heimat wohl noch voller Eis und Schrree starren. Und ich werde mich vielleicht schon zur Heimreise rüsten. Die Tage meines Hierseins sind fortan gezahlt. Wir kommen zu Dir, Ewald. Der Bubi und ich. Behalte unS ein Weilchen bei Dir und sage auch Rilth, daß sie nicht lrubarmherzig sein möge. Der dritte kommt nicht mit. Er ist tot. Gleich, als mit dem Bnben die Gefahr vorüber war, legte er sich. Wochenlang hoffte der Arzt. Dann kam ein Tag, au dem er zweifelte. In der Nacht, die diesem folgte, verlor der Bube semen Vater Ich bin frei, Ewald. Großer Gott im Hunwer, ist es' denn Sünde, daß ich darüber nicht verzweifelt, bin? Wenn es wirklich Siinde ist, dann wird nur Der' vergeben, der das Gefühl in mein Herz gelegt bot 'habe gekämpft und mich verachtet, als es nach kur';e>n Schlaf zur alten Stätte erwachte. Es hat alles nichts geholfen. Solche Liebe stirbt nicht. Trotzdem nicht. — Laß mich's kurz machen, Ewald. Ich hörte jener Unterredung mit zu, während der Erich Rastingen neben dem Obersten unb Dir zum letzten Mal feine Uniform trug._______