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Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitKreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum J5 Pfg.

M 14.

Samstag, den 15. Februar 1919.

70. Jahrgang.

J.-U«. 755 K.-A. Dc« bei der Freifrau von GtumN SchloßRamholj im Dienst stehendes Hr«s- dteuer Nikolaus Ra» ist ftr 25jLhrize ununterbrochene lle*|jtfi eine Prämie von Mk. 25. aus Kreis- mitteln bewiltgt worden.

Schlüchtern, den 10. Februar 1919.

D.r Vorsitzende des Kreis-Ausschusies.

Deutsches Reich.

Ebert zum Reich »prasisenten gewählt! DienStaz, den 11. Februar 1919 fand in Weimar die Wahl des Reichspräsidenten statt. Die Wahl wurde durch Stimm zettel vollzogen. Der Namenaufruf begann mit dem Buchstaben E. Der Zufall wollte es, daß Volksbeauf­tragter Ebert als Erster der Aufgerufenen seinen Zettel, dem Schriftführer übergab, welcher ihn in die Urne legte. Von 379 abgegebenen Stimmen entfielen 277 auf Fritz Ebert, der damit zum provisorischen Reichspräsidenten gewählt ist. Graf Tosadowskp erhielt 49, Ächetdemann und Erzberger je 1 Stimme. Außer­dem lagen 51 Stimmenenlhaltungen vor. Ebert erklärte, die Wahl anzunehmen.

Weimar, 12. F^br. Wiederaufrichtung der Armee. Die Deurschnattonale Bolkspattei hat mehrere Anträge im Interesse der Wiederaufrichtung der Armee und des OffizierstandeS eingeretcht. Sie fordern sofortige Maßnahmen, die im Interesse der Sicherheit den Zustand eines auf der allgemeinen Wehrpflicht begründeten Volksheeres wieder Herstsllen sollen und in diesem den Offizieren und Unteroffizieren die ihrer Verantwortlichkeit entsprechende Stellung wieder ver schafft, namentlich durch Zusammenfassung der Komando- gewalt in der Hand der Reichrleitung durch Ersetzung der Soldatenräte durch Vertrauensmänner und ferner durch die Wiedereinführung der alten Rangabzeichen bis zur endgültigen lltegelung der l'n formfrage.

In den letzten Tagen ist in einigen Zeitungen geschrieben worden, der preußische Finanzminister Dr. Südekum habe in einer Sitzung des Staatenhauses zu Weimar den bevorstehenden Staatsbankrott ange- künotgt. Diese Nachricht ist eine Unwahrheit, denn Dr. Sündekum erklärt jetzt öffentlich, daß er nie eine derartige Aeußerung getan habe. Die Finanzlage des Landes sei allerdings sehr gespannt, doch liege zu einer Beunruhigung kein Anlaß vor.

Uusere Afrikahelten. Der DampferFeldmar­schall" ist mit von Lettow Vmbcck, dem Kapitän der Könngsberg" und einer goßen Zahl deutscher Frauen und Kinder, die nach Deutschland heimbefördert werden, aus DeutschOstafrika in Kapstadt eingetroffen.

Die Prinzen deS HohenzollernhauseS, die bisher in Potsdam ihren Wohnsitz hatten, sollen mit Ausnahme des Prinzen August Wilhelm auch künftig dort ihren ständigen Aufenthaltsort angewiesen bekommen: Prinz August Wilhelm bezieht das Schloß Rheinsberg in

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Luboivski. 58

Er sagte auch, daß der alte Krautusch dem Reitpferd die Zunge ausgeschnitten, iveil Dublischinski ihm da­für Geld gegeben hatte. Neberhaupt, Dublischinski, er hatte sie unablässig mit Geld und aufreizenden Reden toll gemacht, daß sie gar nicht anders konnten. Dafür wurde er nun für fünf Monate unschädlich gemacht.

Auch die anderen betauten ihr reichliches Teil.

So war mit einem Schlage Ruhe und Frieden über Doldrowo gekommen. Der alte Mamschek aber gewann Mehr und mehr die Ueberzeugung, daß noch kein Fest größeren Segen Über eine Scholle gebracht haben könne, als jenes Kaiserfest, daß eigentlich nngefeiert blieb.

Rastinaen füylkv sich nach dieser Explosion innerlich viel freier. Alle Ziveifel über die Behandlung der pol­nischen ArbeiLer waren in ihm aUSgelöscht. Er für sein Teil hatte die groß« PreiSaufgade gelöst, die allein den Bewohnern der Ostmark bett Kern des Deutsch- ihnuS nach innen pflanzen wird.

Strenge zuchtfeste Hand, biS fif allein die große Straße geleit können. Danach erst das allmähliche Hinführen unter die deutschen Wimpel zum deutschen Treuschwur. Um GotteS willen keine Uebersiürzung, fein Zwang in Gefühlen, keine Notreife. Aus solcher Frucht wird doch kein Brot gebacken, das satt mache." Und « ging mit erhobenem Haupt an dem alten Brach­schlag vorüber, der mit Roggeusaat bewachsen war. Wie sie über den braunen Ackerfurchen wehten und winkten, die grünen Fähnchen der Hoffnung. Klein und fein 1 Und sie würden doch mit GotteS Hilfe wiederum zur Störte anwachsen und Aehreu tragen.

Ein eigenes Gefühl, das Gefühl deS Besitze».

Es mittet den, der nicht selbst auf einer Scholl« nebt, die fein ist, wie Uebertreibung an und ist im Grunde Edwinen doch nur Heimalsliebe M engsten Sinne.

91eniuppin. Die frühere Kronprinzessin erhielt als Wohnsitz das Schloß Eäcilienhof im Neuen ^ Garten bei Potsdam.

Sinken des Markkurses. In der Schweiz ist der Kars der deutschen Reichsmark auf 55 Franken für 100 Mk. gesunken. Die österreichische Krone sank auf 27 Franken.

Henderson erklärte auf dem Berner Kongresse, die Welt sei müde tcS Hasses und des Krieges auf wirtschaftlichem Gebiet. Renaudel erklärte, die franzö­sischen Sozialisten würden alles aufbieten, die wirt­schaftliche und politische Erdrosselung Deutschlands, zu verhindern.

Lokales und Urovinziesses.

Schlüchtern, den 14, Februar 1919.

* Die Kr eisgruppe Schlüchtern des Reichsbundes für Kriegsbeschädigte bittet uns darauf hinzuweisen, daß am nächsten Sonntag, den 16. d. Mts, nach­mittags 2 Uhr im Bärgersaal des Rathauses zu Frankfart a./M. eine öffentliche Versrmmlung des Reichsbandes für Kriegsbeschädigte, Abteilung für Krieztzefanzene und Internierte, Frankfurt a./M., statt- findet «nd es fär Jeden, welcher kriegSgefangen oder interniert war, von Interesse ist, an dieser Versammlung teilzunehmen.

* Die Geschäftsstelle für Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge befindet sich nicht mehr bet Herrn Pfarrer Kurz in Salmünster. Man wende sich von jetzt ab in allen derartigen Angelegenheiten an daS Landratsamt in Schlüchtern. Nur die Gesuche an die Nationalstiftung werden vorläufig von Herrn Pfarrer Kurz weiterbearbeitet.

* Freiwerdende weibliche Arbeitskräfte. Für viele Frauen und Mädchen, die jetzt aus allerlei Pflege und Fürsorgedienst-.n entlass. ^d, sei hieran erinnert, daß in den Diakon'ffenhäusern tüchtige Kräfte will­kommen find. Freilich, der Beruf der Diakonissen verlangt Entsagung und Hingabe, aber wer christlich gesinnt ist, den schreckt da« nicht ab und sicherlich gewährt die Arbeit an dem Kranken, den Armen und Seit. Kindern vielen Mädchen die tiefste Befriedigung weil sie naturgemäß von allen Berufen der grausam nächsten stehen muß.

* Es geht das Gerücht, daß in der Nacht vom 13. auf 14. Februar drei Pferde des zum Teil hier einquartierten Artillerie Regiments ,Nr. 63 gestohlen wurden. Näheres hierüber ist noch nicht bekannt.

* Das Garnisonlheater hat sich mit seinem Ein- trittSabend am vergangenen Mittwoch dem hiesigen Publikum vorgestellt. Wir hoffen, daß der schöne Erfolg und der zahlreiche Besuch die Darsteller so weit befrie digt hat, daß sie oft und gerne kommen. Leider war cS bei dem unerwarteten Andrang ganz unmöglich allen Wünschen des Publikums gerecht zu werden, zum

Rastingens Augen wanderten über die Weizensaat fort zu dem stumpfen graugrünen Dresch, den der Vor- ' frühling mit scheuer Lebeusahuuug füllte. Dahinter lag der Wald und das Hingerissene lose Land, das der Rü­ben harrte.

Sein, alles sein.

Gewaltsam riß er den Blick loS und sah starr auf den Fahrweg hinüber, den er gestern hatte eggen lassen, damit die Unebenheiten verschwänden.

Er tat es, weil er wollte, daß seine Weichheit ver­gehen sollte.

16. Kapitel.

Berlin am Frühmorgen.

Der Vorfrühling, den sie auf beut Lande noch den Winter nennen, goß.hier in die starren Zweige bereits den Schimmer einer Verkündigung. Was gestern noch in Stumpfheit verharrte, trug heute schon den Stem- pel des kommenden Lebens unter der graubraunen Rinde. Mutter Erde bebte unter dem erstell Regen des Neugeborenen, daß offenbar wird, wenn seine Zeit da ist. Würdevoll und ernst schauten zu beiden Seiten der SiegeSallee die Maulorgestalten in den Tiergarten hin­ein. Noch schlief die Sonne. Aber memi sie auch ein wenig später kommen würde, der krasse Gegensatz des lenchteilden Weiß zu dem Grau der Bälnne und Sträu­cher trat doch nicht hervor.

Die schneeigen färben ertranken in dem rieselnden Gran. Ein dicker Dnlistschleier hing über Leuzahunng und Kuustbewußtsein und ballte sich zu formlosen Klum­pen um den Reiter, der augenscheinlich bemüht war, den bampfeuben Gartl abzukühlen.

Der Oberleutnant von Bibra klopfte den schlanken Hals des schönen Tieresund lockerte die Zügel. Er hatte nicht die geringste Eile, nach Hause zu kommen. Der letzte Ball deS Februars lag erst fett vier Stunden hinter ihnen, und Rilth mußte noch ein wenig Ruhe haben. Ihn für sein Teil genierten die Feste nicht. Seine Nerven waren von Stahl. Eine eiskalte Abrettnmg ba*.

großen Bedauern der Direktion/ die in Zukunft Sorge tragen wird, daß diel Besucher der Sperrsitze, wenn anch noch so spät, ihre richtigen - Plätze angewiesen erhalten. Die Zeit war zu kurz, um eine solch« Ein­richtung zur gänzlichen Befriedigung des PublckamS treffen zu können. Das nächste Mal soll gänzlich dafür Sorge getragen werden, daß keine Unzuftiedenen neidisch nach ihren Plätzen zu schielen haben. Sie wollen dieses Versehen der Direktion nicht, nachtrage»,.. denn auch sie muß sich erst mit den Verhältnissen der Kleinstadt zurecht finden. Es ist beim erstmaligen Auftreten ' so vielerlei Rechnung zu tragen, wie z. B. die kleinen Bühnenverhältnisse, der Mangel an Mobi­liar, das ganz notdürftige Mitnehmen von Garderobe­stücken, das bei diesen Bahnverhältnissen auf das not­wendigste beschränkt sein muß, sind lauter Dinge, die der Direktion zum ersten Mal fremd und ungewohnt entgegen treten und worauf sie auf die Nachsicht des Publikums angewiesen ist. Jedenfalls ist bat, was ein Publikum unter obwaltenden Verhältnissen zu verlangen hat, ih« voll und ganz geworden. Der Sch»ank Eine lustige Doppelehe" ging flott tbex die sehr primitive Bühne von statten uns jeder der Darsteller stand auf seinem richtigen Platz. Man lacht über einen dummen Witz, warum soll man über das un»ahr- scheinlichste Zusammentreffen, wie es in diesem Stücke vorkommt, nicht auch herzlich lachen und den guten Einfällen nicht von Herzen Beifall zollen! Die Haupt­sache ist und bleibt, daß der Abend unseren Feldgrauen über das Einerlei des Garnisonlebens hinweg lauscht, die angeregte Stimmung beim Verlassen der Turn­halle gab Zeugnis dafür, daß der Zweck des Abends erreicht war. Wie oft hat man die Erfahrung gemacht, daß ein unddieselbe Person zu verschiedenen Rollen verwandt wurde. Dies beeinträchtigte stets den Gang der Handlung und da mußte der Blaustift walten.- Bei unserer netten Thoa»«zessLschsft ist der Apparat groß genug, um solches nicht zu benötigen. Die Stimmung auf der Bühne war frisch und das Zusammenspiel vortrefflich. Trotz aller nächsten Nähe war by: Souffleur für das Publikum nicht vorhanden, was sonst ein/große, Mißstand nicht allein hier wie anderen Orts ist. Sein Dasein war ein sehr diskretes. Für nächsten Mittwoch ist ein Lustspiel von Kadtlburg vorgesehenDie moderne Frau", damit nicht der eine Teil des Publikunis so überlegen auf den naiv sich amüsierenden und dankbar empfänglichen Teil deS anderen Publikums herunter blickt. Auch sie sollen auf ihre Rechnung kommen und sollen hingehen, sich davon zu überzeugen, daß diese',' künstlerischen Zugvögel auf allen Zweigen gut zu fingen und zu zwitschern verstehen. Für das kleine Volk der RnchmittagSvor- stellung geht nächsten MittwochGoldhärchen" über die Bretter. Näheres in der nächsten Nummer deS Blattes.

nach, eine Tasse extra starken 5kaffees und schliinm- stenfalls ein stundenlanges Messen der eigenen Kraft an der angespvrnten seines Gauls. Dann war der Kopf wieder völlig frei, und das rebellische Blut rann im ruhigen Takt durch die Adern. Zuweilen lieferte aller­dings die Vergangenheit das Gegeuinittel zu der beruhi­genden Arznei. Das war, wenn ein Klang auS der Pvsener Zeit an sein Ohr und ein Name seine Krallen in die künstliche Ruhe schlug. Eine tolle Aufregung fieberte dann in ihm und zerstörte für Stunden alles, was er mühsam aufgebaut hatte, seitdem er Erich Ra­stingen nicht inehr sah.--- . .

Ruth staub am Teerisch und lachte Hm, eine Stunde später, mit fröhlichen Augen entgegen. Liebkosond fuhr ihre Hand über sein volles Haar, daS trotz aller sorg­samen Behandlung noch die Spuren deS Schweiße»

Als Ruth daS gewahr wurde, drohte sie ihm schinol- lend mit der Hand. ., ......

Ich sage es ja, Du wilder Menich, wteber total "^r^lächelte flüchtig, während er ihr die Tasse ab- "^Wir haben eS ivirklich in der letzten Zeit gtt ar» getrieben, Ruth, keine Nacht vor zwei Uhr ms Bett, und der Dienst eine einzige tolle Strapaze. Da wirkt mein altes Mittel natürlich erst bei doppelter Ainven- k'"^'« strich mit flinken Fingern ein Semmelchen und schob ihm die goldbrailne Spitze schalkhaft in bei» M"'Sprich gar nichts, Schatz. und trink und laß Dich in die Reisedecke wickeln. Ich werde Dich unter- halten D», die Geschichte von gestern ist doch schauder- haft, nicht? Der eine Bruder tutS, der andre nimmt» aus Liebe, ober was iveiß ich, auf sich, intb die Wahr­heit kommt erst an den Tag, als sie nichts mehr helfen- taun/1 229,18*