Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Telefon 65. :: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11402 :: Telefon 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitKreisblatt vierteljährlich 2,- Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum J5 Pfg.

M 13. Mittwoch, den 12. Februar 1919. 70. Jahrgang.

Der Plan über die Herstellung unterirdischer T^le- graphenlinien in der Grabenstraße, Fuldaerstraße, Bahnhofstraße und Brückenauerstraße in Schlüchtern liegt bei dem Postamte in Schlüchtern vom 7. Februar ab 4 Wochen aus.

Eassel, den 30. Januar 1919.

Ober-Postdirektion.

^MWW».g^^<E'ytS«.ir»>M»»,.>«'j*11*!**!^»^?^-'*^**-*^^ -twae»

In der Angelegenheit, betreffend die zwischen dem Soldaten- Arbeiter- und Bauern-Rat in Schlüchtern und dem dortigen Landrat entLandenen Differenzen, fand am 7. d. Mts. auf Veranlassung des Ministeriums des Innern vor einem Kommissar des Herrn Ober­präsidenten eine Verhandlung unter Beteiligung der Beauftragten des Soldaten- Arbeiter- und Bauernrats zu Schlüchtern sowie von Vertrauensmännern des Zentral- Arbeiter- und Soldatenrats in Cassel unter Zuziehung des Landrats und des 1. KretSdeputierten statt. Die Verhandlung sühnte zu dem Ergebnis, daß Herr Landrat von Trott zu Sslz feine amtliche Tätigkeit sofort wieder aufnimmt. Als Beauftragter des Soldaten- Arbeiter- und BauernratS Schlüchtern wird ihm vorbehaltlich der Zustimmung des Letzteren Herr Ingenieur Ttggcs beigegeben. Es wurden in gegenseitigem vollstem Einvernehmen Richtlinien für die Ausübung des Kontrollrechts vereinbart, deren genaue Beachtung beiderseits zugesagt wird, sodaß hinfort ein gedeihliches Zusammenarbeiten des Landrats mit dem Soldaten- Arbeiter- und Bauernrat gewähr­leistet erscheint.

Die Nationalversammlung.

Weimar, 6. Febr. In der heutigen Eröffnungs- fitzung der Nationalversammlung n ^ zunächst der Alterspräsident-Pfannkuch eine Ansprache halten, worauf -der leitende sozialdemokratische Volkskommissar von Sachsen-Weimar, Bandert, das Parlament begrüßt. Sodann wird der Volksbeauftragte Ebert das Wort ergreifen, um die Ansichten der Regierung auselnander- zulegen, den Eintritt Deutsch-Oesterreichs herzlichst begrüßen und gegen eine etwaige Vergewaltigung Deutschlands durch Nichteinhaltung des Wilson Programms Einspruch zu erheben. Ob der deutsch-österreichische Gesandte, Ludo Hartmann, darauf antworten wird, steht noch nicht fest. In einer der ersten S tzungen der Nationalversammlung wird auch der Staatssekretär des Aeußsren, Graf Brockdorff Rantzau, eine Rede über die deutsche auswärtige Politik halten.

Die gestrige Sitzung der Minister aller Staaten in Weimar.

Weimar, 6. Febr. An der gestrigen Besprechung der Vertreter aller Freistaaten nahmen sämtliche führenden Minister der Emzelstaaten teil. Es handelte sich in der Hauptsache um Fühlungnahme der einzelnen Minister untereinander. Unter den einzelnen Volks­kommissaren machte sich eine starke Strömung gegen den Staaten-Ausschuß bemerkbar. ES besteht eine große Neigung für Einkammer-System.

Vertreter der Reichslande auf der Nationalversammlung $

Weimar, 6. Febr. In Weimar sind im L ufe des Mittwoch zwölf Vertreter der Neichslande eingetroffen, die den Antrag auf Zulassung als Abgeordnete der Neichslande zur Nationalversammlung stellen wollen. Dieser Zustimmung widersprach der Vorsitzende der deutschen WaffenstillstandSkommiffion, Eczbergrr, der davon eine Erschwerung der Friedensverhandlungen befürchtet.

Die provisorische Reichsverfassung.

Weimar, 6. Febr. Die einzelstaatlichen Minister setzten heute ihre Verhandlungen über die provisorische Verfassung fort. Es wurden hauptsächlich die Frage der süddeutschen Reservatrechte berührt und eine Eini­gung dahin erzielt, daß die Resersatrechte in die Haupt­sache beteiligt werden feiten.

Weimar, 7. Febr. Wie wir hören, hat die ZentrumS- fraktion Donneertaz nachmittag beschlossen, in die Regierung zu treten und diesen Entschluß den anderen Fraktionen mitgeteilt: Gestern nachmittag 5 Uhr fand eine Sitzung des StaatSauSschuffeS statt, an der auch der Gesandte Deutsch-Oesterreichs Dr. Lud» HartMann teilnahm. Der Etaatenausschuß ist wie in den letzten Tagen auch heute noch nicht mit der endgültigen Formulierung des Entwurfs über die Reichsverfassung beschäftigt.

Der neue 25 Milliarden Kredit.

Weimar, 7. Fehr. Wie wir erfahren, ist beabsich­tigt, die neue große Kreditvorlage in Höhe von Milliarden en bloc anzunehmen und zur Abstimmung

zu bringen. Ebenso schweben Absichten, dem Notgesetz auf dieselbe Art Gesetzeskraft zu geben.

Deutsches Reich.

Die ArbeitSlosenfcage. Man fragt sich, wie es möglich ist, daß in den Großstädten Hunderttausende von Arbeitslosen hohe Unterstützungen erhalten, während in der Landwirtschaft mehr a s eine halbe Million Menschen Verwenduug finden tön .teu, um die Frühjahrs bestellung für die neue Ernte sicher zu stellen. Es drängt sich die Frage auf, ob diese unhaltbaren Zu­stände auf dem Arbeitsmarkt nicht auf eine falsche Organisation in unserer Verwaltung zurückzuführen ist. Regelung der wirtschaftlichen Betätigung und Verteilung der Arbeitskräfte sind zwei Gebiete, die auf das engste miteinander zusammenhängen. Sie müßten gemeinsam in der Hand des Reichswirtschastsamts liegen. Statt dessen hat man ein selbständiges Reichsarbeitsamt geschaffen, und damit dem Reichswirtschaftsamt den unmittelbaen Einfluß auf die Verteilung der Arbeits­kräfte entzogen. Namhafte Wirtschaftspolitiker haben sich stets mit aller Entschiedenheit gegen diese Teilung des Reichkwirtschaftsamtes ausgesprochen, die letzten Endes doch nur aus persönlichen Rücksichten zustande g kommen ist. Daß das ReichsarbeitSamt gegenüber der augenblicklichen Arbeitslosigkeit vollkommen versagt, ist eine Tatsache. Vor dem Kriege hatte Deutschland eine Produktion im Werte von mindestens 30 Milli­arden Mark. Dagegen stellten sich die im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel auf 2 Milliarden Mark. Heute überschreitet der Zahlungsmittelumlauf bereits 30 Milliarden und unsere Produktion ist auf ein Minimum zusammengeschiums^ Diese Zaklenzeigen die ungeheure Bedeutung, die der Hebung unserer Produktion zukommt. Bei der völligen Entwertung unseres Geldes können wir Rohstoffe und Lebensmittel nur durch Ausfuhr von Erzeugnissen kaufen. Wir müssen also unsere Produktion bis zum äußersten anspannen.

Der Soldatenrat des Feldheeres bei der obersten Heeresleitung legt, da das alte Feldheer demobil ist und die noch im Osten stehenden Teile einen selbständigen Zentralrat haben, die Geschäfte nieder. Er erläßt aus diesem Anlaß eine Kundgebung an die Kameraden vom demobilisierten Feldheer. Darin bittet er, vor allem die Grundgesinnung festzuhalten, in der die Mehrzahl der (größtenteils ohne Engelt ehrenamtlich tätig gewesenen) Feldsoldatenräte gearbeitet haben: Achtung vor jeder aufrichtigen Gesinnung auch wenn sie von der eigenen abwctcht, und unbedingte Ablehnung der Vergewaltigung der Gesamtheit durch eine Minderheit. Die Kundgebung schließt:

Kameraden! Die j-tzt verbreitete Zuchtlosigkeit macht jeden Soldatenrat sinnlos. Sie ist der Todfeind der Volksfreiheit und des Fortschritts, ein gefährlicherer Fcich, als irgend etwas sonst in der WKt. Kameraden, Volksgenossen! Rücksichtslose Wahrheit und das Be­kenntnis zu innerlich gegründeter Gerechtigkeit, zu echter menschlicher Gleichberechtigung aller sind jetzt unsere Stütze gegen alles, was uns bedroht. Kameraden! Laßt uns, soweit die deutsche Zunge klingt, ein Volk sein, das sich seines Wertes bewußt ist, daß aus der Tiefe seines Wesens heraus Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit immer mehr zu obersten bestimmenden Mächten in der Einrichtung seines Lebens macht und stets bereit ist, allen Vergewaltigten in der Welt, unter welchen Fahnen sie auch leben, brüderlich die Hand zu reichen."

Buchdrucker als Minister. Der Budapester Buchdrucker Julius Peidl wurde von der ungarischen Revolutionsregierung zum Minister für Volkswohlfahrt ernannt. Mit Stolz schreibt dazu das ungarische Gehilfenblatt:Die Ernennung ehrt ihn und die Organisation der Buchdruck- reiarbeiter in gleicher Weise. Seine AuSerwählung für ein Ministerium, daS in Ungarn erst organisiert werden muß, ist ein Beweis dafür, daß man für diesen exponierten Posten einen Mann, braucht, der nicht nur Ambition und Liebe für die Sache hat, sondern auch entsprechendes, soziales Wissen und Können. Wir, die wir die Fähigkeit Peidls genau kennen, können für seine erfolgreiche Tätigkeit, vorausgesetzt natürlich, daß ihm die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, mit ruhigem Gewissen die Bürgschaft übernehmen."

Der Völkerbund. Als endgült'ger Termin für die Tagung der Völkerbunds und Friedens-Vercinig- ungen aller Länder ist der 27. Februar festgesetzt worden. AuS Deutschland find eingeladen : die Deutsche Liga für den Völkerbund, die Deutsche Gesellschaft für

Völkerrecht, die Zentralstelle für Völkerrecht, die Deutsch- Friedensgesellschaft, der Frauenverband für Herbei­führung eines dauernden Friedens und der Bund Neues Vaterland". Der Arbeitsausschuß der Deut­schen Liga für den Völkerbund hat beschlossen, den Teilnehmern an dieser Konferenz von Berlin aus möglichste Reiseerleichterung zu verschaffen; auf seinen Antrag hat sich die Reichregierung bereit erklärt, wenn irgend möglich einen Ertrazug BerlinLindau zur Verfügung zu stellen. Das Zustandekommen der Konferenz hängt davon ab, ob die englische Regierung den Vertretern der englischen Vereine die Pässe bewilligen wird.

Die preußische Regierung gegen die LosreißungS- bestrebungen. Die preußische Regierung veröffentlicht folgendes: Bereits in unserer Bekanntmachung vom 10. Dezember v. Js. ist darauf hingewiesen, daß die künftige staatsrechtliche Gestaltung Preußens durch die Preußische verfassunggebende Versammlung bestimmt werde und daß allen Versuchen, Teile von Preußen losreißen, mit Nachdruck entgegenzutreten sei. An diesem Standpunkt hat die Preußische Regierung gelegentlich der stattgehabten Verhandlungen über die neue deutsche Reichsverfassung in vollem Umfange fest­gehalten. Indem wir dies zur allgemeinen Kenntnis bringen, geben wir erneut der Erwartung Ausdruck, daß die Behörden allen anders gerichteten Bestrebungen nachdrücklichst entgegentreten werden.

D^-Im Interesse der vielen Bruchletdenden fei an dieser Stelle nochmals ganz besonders auf das Inserat des Herrn Ph. Steuer Sohn in heutiger Nummer hingewiesen."

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 11, Februar 1919.

* Donnerstag, den 5. Februar, wurde die sterb' liche Hülle des langjährigen hiesigen Hauptlehrers und Organisten König zu Grabe getragen. Der Entschlafene hat in unserer Gemeinde als Lehrer, insbesondere der Kleinen, 44 Jahre gewirkt. Er war ein Mann von vielseitigem Interesse und wird bei seinen Freunden und Schülern unvergessen sein. Kurze Zeit nach dem deutsch-französischen Kriege, in dem er d«» Mserne Kreuz erworben, trat er in die Dienste der Gtadt Schlüchtern. Während des Weltkrieges mußte er den Schmerz erleben, einen seiner Söhne im Dienste der Vaterlandes zu verlieren. Nun ruht er selbst. Friede seiner Asche!

* Theater. Im Einvernehmen mit den mili­tärischen Dienststellen hat sich unter Leitung der ehe­maligen Mitglieder des Wandertheaters II. A.-K. Herrn Julius Günthner Sitz Frankfurt «. M. ein Garnissn- theater gegründet, welches dem Kunstbedürfnis Rechnung tragend in den derzeitigen Garnisonen Theater»,r« stellungen veranstaltet. Wie wir hören ist geplant, wöchentlich auch hier ein Gastspiel zu geben jinb findet dieses erstmals wie im Inseratenteil ersichtlich nt Mittwoch, den 12. Februar cr. statt, was von dem hiesigen kunstsinnigen Publikum namentlich abern unseren Feldgrauen mit Freuden begrüßt werben wirb. Es wird damit wenigstens eine kleine Abwechslung in unser eintöniges Dasein gebracht. _ Um auch der Jugend zu ihrem Recht zu verhelfen ist für Nachmittag» 4 Uhr Kindervorstellung angesetzt und zwar das reizende MärchenSchneewittchen bei den sieben Zwergen". Die Kleinen welche in d:r jetzigen Zeit an und für sich viel entbehren müssen, werden hoffentlich von den Eltern dieses kleine Vergnügen nicht versagt bekommen. Für den Besucher der Abendvorstellung wird sicher auch von Interesse sein zu erfahren daß das hiesige MufikkorpS des Feld-Art. Reg. 63 Mitwirken wird. Auf das Stück selbst schon einzugehen erübrigt sich wohl, denn schon der Titel verrät noch mehr der VerfasserKurt Kraatz" daß es etwas zum lachen gibt. ,

* Nach langer Zeit besuchte ich unedel Freitag­abend das Konzert der Militärkapelle unserer 63er und war über das flotte Zusammenspisl angenehm über­rascht. Ein Zeichen, daß Herr Obermufikmeister Seorgy alles tut, nach seinem Taktstock spielen zu lassen und keine Mühe scheut, durch anhaltendes, fleißiges Neben seine Schar ins richtige Fahrwasser zu bringen. Eine Kritik, wie sie nach dem ersten Konzert hier an gleicher Stelle stattfand, scheint mir »erfrüht und wenig am Platze zu sein. Man durfte damals nicht alzugroße Anforderungen stellen an Leutchen, die nicht allein, um Musik zu pflegen, draußen waren. Das Garnisonleben gibt ihnen jetzt Zeit und Muse, sich eingehend der Kunst zu widmen, um alles, zur Befriedigung auch der strengsten Kritik nachzuholert. Leider hat, wie sonst so oft h