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ZchlüchternerMtung

mitAmtlichem Kreisblatt"

Telefon 65.

WocheMilage: Illustriertes Sonntagsblatt

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Telefon 65.

Erscheint Mittwoch und Samst«g preis mitAreisblatt vierteljährlich 3, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 15 Hf«.

^ 12.

Aufruf!

Deutscher IMt, brauchst du Kolonien?

Wer kann diese Frage nach den Erfahrungen dieses Krieges noch verneinen? Man mag zu den kolonialen Einzelfragen stehen wie man wolle: die uns durch das Ausbleiben kolonialer Erzeugnisse bedrückende Not empfinden alle, ob Kind oder Erwachsener, Familienvater oder Hautsrau, Handwerker oder Landwirt «tarntet oder Arbeiter. Erhallen wir unsere Kolonien nicht zurück, so hängt es ganz vo, dem Willen fremder Völker ab, ob wir zu erschwinglichen Preise« auch nur die kolonialen Erzeugnisse erhalten können, die für ausreichende Ernährung und Kleidung und für eine lohnende Beschäftigung unsere» Siebzia- millio»e»volkeS unentbehrlich sind. Die Frage nach unserer Versorgung ist sehr ernst. Heute haben wir 26 Millionen Menschen nutze zu ernähren als im Jahre 1871! Deutsches DoK, hast du ein Recht auf Kolonien?

Wir haben ein Recht. Die Erde ist für alle Menschen da und groß genug, um die gerechten kolonialen Ansprüche aller Völker zu befriedigen. Indem man den Völkern, die, wie das deutsche Volk, auf zu engem Gebiet zusammengedrängt sind, angemessenen Raum zu freier Betätigung gibt, wird der Weltfrieden am besten gefördert. Eine freie, weitherzige und unparteiische Schlichtung aller kolonialen Ansprüche ist auch im Punkt 5 der Botschaft WilsonS, der Grundlage des Waffexstiflstemdsvertrages, zugesagt worden.

Deutsches Volk, wird man dein Recht achten und deine Koloniellzariilkgcbcn?

Man gibt nur dem, der fordert. Unsere Regierung aber kann nur die Forderungen des Volkes vertreten, denn sie ist die Vollstreckern des Bol kSwillen» Darum, deutsches Volk, mußt du deine Kolonien zurücksordern!

Deutsche wahlberechtigte Männer und Frauen! Besinnt Euch auf alles, was Euch an unsere Kolonien bindet. Schließt Euch dieser Kundgebung durch | Sure Umerschrifte« an. Ruft alle ohne Unterschied der Parteien auf den Plan! Jede Unterschrift ist wichtig. Handelt schnell! Eile tut ndt!

Berlin, im Januar 1919. ^ Hteichsveröand der Kotonialdeutschen Dr. A. Hahl.

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Zur Vereinheitlichung der Werbetätigkeit bittet die Abteilung der Deutsche» Kolottialgesellschaft in Schlüchter«, bie dieser Tage einzelnen Herr flasten tuaebeaben Werbet»gen in den betreffenden Ortschaften Umläufen zu lass n und entsprechend aufklärend zu wirken. Die vollzogenen Bogen wolle man aefälliast baldmöglichst an die Geschäftsstelle der Deutschen Kolonialgesellschaft in Schlüchter» zurücksenden.

Aük bnt ^Jorllmtb : Momsen, Vorsitzender.

Nr. 18982/18. In dem Augenblick, wo das Etappen- personal der freiwilligen Krankenpflege den Kriegsschau­platz verläßt, und in die Heimat zurückkehrt, drängt es »ich, allen Pflegern und Schwestern meinen Dank für ihre treuen, aufopferungsvollen Dienste auszusprechen. Pfleger und Schwestern hben an allen Posten, an die sie gestellt waren, am Krankenbett in Feld- und KrtcgS- lazaretten, im Laboratorium, in der Lazarettküche, auf Krankensammelstellen, in Lazarettzügen, in Liebergaben- depot» und bei den mannigfaltigen Sonderausgaben, die der Dienst auf dem Kriegsschauplatz stellt, vom ersten bis züm letzten Tage voll ihre Pflicht getan. Bei schwe­ren Seuchen stellte die Pflege Anforderungen an die Un» erschrockcnhett des Personal», die nicht hinter den Gefah­ren zurückstanden, denen der Soldat an drr Front ausge setzt war.

Was die deutsche Schwester unserem Heer gewesen ist, wird nie vergessen werden und in den Herzen derer weiterleben, die sie mit weicher Hand und liebevollem Herzen gepflegt hat. In die Rauhest und Härte des Krieges haben sie mit sich ein Stück deutscher Heimat und behaglichen Frieden getragen. Wo immer deutsche Schwestern walteten, in West, Ost und Süd b'S zu den Fernen Syriens und Mesopotamiens, haben sie ein Obdach geschaffen, in dem die müden, kranken und ver­wundeten Krieger an Körper und Geist ausruhen und genesen konnten.

Die freiwilligen Krankenpfleger haben in den ersten Kriegsmonaten fast allein den männlichen Pflegedienst in den Kriegslazaretten und bei den Krankentransport­abteilungen leisten müssen Sie haben mit unerschütter­lichem Idealismus ihre Pflicht getan, und als neue Aufgaben von dem Sanitätsdienst gelöst wurden, bei der Einrichtung von Kraftfahrkolonnen, Letchtkranken- zügen, SanitätSbädern usw., es für ihre Ehrenpflicht gehalten, sich zu jedem neuen Dienstzweig zu melden. Der Mut, die Aufopferung und Begeisterung, die die frei­willigen Pfleger in unermüdlicher, unauffälliger Arbeit bewiesen habe«, verdienen besonders hervorgehoben zu »erden. Die meisten von ihnen traten in den späteren Kriegsjahre« zum Dienst mit der Waffe über; die übrig- bleibenden blieben bis zu den letzten Dienststunden auf dem Kriegsschauplätze dem Geist, in dem sie eintraten, getreu. Liebe, Sittlichkeit und das stets lebendige Be­wußtsein freudiger Pflichterfüllung find die Grundlagen der freiwilligen Krankenpflege. Daß ihr Personal von diesem Geist erfüllt auf den Kriegsschauplatz herauskam, ist all den deutschen LandeSvereine« vom Roten Kreuz, Ritterorden, Frauenvereinen, Krankenpflegeorganisationen Tanitätskolonen und Genossenschaften, freiwilliger Krankenpfleger zu verdanken, die in aufopferungsvoller Arbeit immer aus'» Reue ihre besten Angehörige« dem Datmlaube zur Verfügung stellten. Die find nie ttlahmt, fe groß die Anforderungen waren, die an sie

Samstag, den 8. Februar 1919

gestellt wurden, Mb so oft sk HM MgerM Aufgaben hintanstellen mußten. Allen diesen Organisationen meinen aufrichtigen Dank auszusprechen, ist mir ein Herzensbedürfnis.

Berlin, den 2. 12. 1918.

Kommissar und Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege.

Fürst zu Hohenlohe Langenburg.

Die MtiouslversllAmlMg hat das Wart!

Von Bezirksamtmann a. D. Dr. Karstedt (Steg.itz).

Wer etwas zwischen den Zeilen zu lesen versteht, merkt eS deutlich genug, daß unsere zm Verteilung deS Fells in Paris versammelten Gegner sich über das Schicksal unserer Kolonien böS in die Haare geraten sind. Zunächst hatten Frankreich, England und Italien ein Separatabkommen getroffen, das ohne Rücksicht auf Punkt 5 des Wilfonprogramms die deutschen Kolonien unter die drei Genannten verteilte. Dann wurde bekannt gegeben, daß das Schicksal unseres Kolonialbesitzes vom Völkerbund entschieden werden würde. Diese augen­scheinlich von Wilson inspirierte Auffassung paßte aber namentlich Frankreich nicht, das bald darauf aus Mi­nistermund verkünden ließ, daß es Tozo und Kamerun für sich beanspruche. Wieder setzte Wilson ein, der zwölf Stunden später die Rede für nicht gehalten cr- klärtn ließ. Und so wird der Kampf sich sicherlich noch mehrfach wiederholen und den Beweis dafür liefern, ein wie zynisch-unehrliches Spiel unsere Gegner in ihrer Ländergier in der kolonialen Frage treiben, trotzdem sie sich ausdrücklich der Wilsonschen Forderung nach einer gerechten und weitherzigen, den Bedürfnissen der Kul­turstaaten entsprechenden Regelung der kolonialen Be­sitzverhältnisse angeschlossr« haben.

Schon mehren sich aber auch die Stimmen bei Amkrikanern und Neutralen, die angesichts des Wilson schen KampfeS um seine kolonialen Ziele und angesichts der absoluten Passivität Deutschlands im Ringen um seine eigenen Kolonien fragen, ob es sich überhaupt für die amerikanische Politik lohnt sich für Deutschland- Ansprüche ins Zeug zu legen. Man wird gerade aus der Passivität Deutschlands in England Kapital schlagen, um Wilson zu beweisen, daß sein ganzes Verhalten nur das Einrennen offener Türen bedeutet. Will sich aber das deutsche Volk vor der Nachwelt nicht dcm Vorwurf der frevelhaftesten Dummheit aussetzen, dann muß es der Entente diese gefährliche Waffe schleunigt aus den Händen ringen! Zu viel haben wir schon preiSgeben müssen, als daß wir noch Opfer freiwillig bringen könnten, die bei einiger Festigkeit unserer Regierung uns erspart bleiben könnten. Freilich: wir haben das Gefühl, daß auch in dieser Frage die Regierung sich letzten Endes gar nicht bewußt ist, welche Werte für

70. Jahrgang.

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Gegenwart und Zukunft durch ihre Art des Gehe«- laffens gefährdet werden. Dann sollte aber en'v.ich' einmal die Nationalversammlung das erlösende Wort finden! Das Ausland schaut in Spannung auf sie . und ihre Leistungsfähigkeit. Davon, ob sie einen na­tionalen Willen zu vertreten weiß oder zum Schauplatz eines öden, nicht über den nächsten Tag hinwegblicken­den Parteigezänks wird, hängt es ab, ob Deutschland trotz der außenpolitischen Versäumnisse der letzten Monate noch lebensfähig sein wird oder nicht. Will die Na­tionalversammlung zum Schöpfer des neuen Deutschland werden, dann muß ste beweisen, daß in Deutschland noch ein nationaler Wille lebt. WiL sie kluge Welt­politik treiben, dann soll sie aber auch verstehen, dir | Lage zu nutzen, wie sie durch WilsonS Festhalten an , seiner kolonialen Politik gegen die Entente gegeben ist.

Von der Frage, was wir an Kolonialgeltung aus dem Zujammenbruch retten, hängt ein gutes Teil unserer wirtschaftlichen ZukunftSausfichten ab. Pflicht d-r Na­tionalversammlung ist es, endlich das Wort zu sprechen, auf dar mit Tausenden von Kolonialdeutschen Million«« von Deutschen warten, die wissen, war uns unsere Kolonien waren und was si°. uns werden sollen. Wir lassen nicht mit uns feilschen um unsere nationalen Rechte. Beharren England und Frankreich auf ihre« Raubabfichten, dann sollen sie sich auch mit dem Ge­danken abfinden, daß wir diesen Raub nie und nimmer anerkennen werden. Das mit aller Deutlichkeit auszu­sprechen, ist die N rtionalversammlung unserer kolonialen Vergangenheit, unserer Gegenwart und unserer Zukunft schuldig! .

Deutsches Reich.

- Luftpost BerlinWeimar. Wie wir hören, wird entgegen den ursprünglichen Absichten nun doch daS Flug- zeug als Verkehrsmittel zwischen Berlin und Weimar während der Dauer der Tagung der Nationalversamm­lung Verwendung finden. Von der deutschen ~u!i' reederei ist eine zweimal tägliche Verbindung zwischen Berlin und Weimar in Aussicht genommen. Auch Briefe sollen befördert werden.

- Die Festung PariS. 8» fallen Unterhandlungen zwischen den städtischen Vertretungen von PariS und den mili-ürischen Behörden über die Schleifung der Innen- bcfcstigungen von Pari» die bereits fett Jahre« schwebten, von Cleme -ceau endgültitz entschieden worden sein. Die Schleifung soll demnächst beginnen.

Japanische» Mrßrrauen. Im Januar H elt in Tokio Graf Rehida eine Rede, die folgenden bemerkens­werten Passus hatte: Die japanische Regierung hat noch keine Antwort aus Washington über die jüngst der amerikanischen Regierung vorgelegten japanischen Pläne bezüglich der sibirischen Eisenbahn erhalten, aber