SchWernerZeitung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwach und Samstag -— ssreis mit „Rreirblatt vierteljährlich 2,-— Mk. — Anzeigen festen die kleine Zelle oder deren Raum fi pf».
Mittwoch, den 5. Februar 1919
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— Ein Notschrei. Von der Heimatfunkenstation
Neuhau» bei Paderborn ist der folgende Funkspruch, jn für die Funkenstatisne» in Oberschlesien und im R«hr- kohlenbeztrk bestimmt, ausgenommen worden : Die Kohle : ist ein Zahlungsmittel. Sie ist heute das einzige ?. Zahlungsmittel für den Bezug von Nahrungsmitteln J aus dem Nuslando. Wer die Förderung von Kohlen rti unterläßt, handelt aber auch feindlich, ja todbringend
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gegen alle seine Milbrüder im Arbeiterkiltel, nicht zuletzt fegen die Kriegsbeschädigten, die Arbeit suchen. Wir rauchen Rohstoffe, wenn wir Arbeit schaffen wollen, und können ste nur gegen Kohle erhalten. Ohne
Kohle keine ArbeitSmöglichkeit in der Industrie und im Gewerbe. Wir fordern unsere deutschen Mitbrüder in Ost uxb West auf, eingedenk zu sein der großen Ver- antwortung, die inbezug auf Deutschlands Ernährung unb Erneuerung auf ihnen ruht. Mitbürger in Ost und West, hört auf unsern Notschrei! Volksrat der Republik Hessen. — Derartige Notschreie sind nun schon von allen Seite« zu hören, aber sie finden bei de« Eichhörnern und anderen Hörncrträgern taube Ohren.
— Herr Eichhon. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des ehemaligen Polizelpräsindcnten Eichhorn wurde die sehr interessante Tatsache festgestellt, daß Eichhorn als Krieg-gewinnler anzusehen ist. Zwischen . alten, abgenutzten Möbeln befinden sich wertvolle neu gekaufte EinrichtungSgegenstände, die selbst nicht zu wissen scheinen, wie sie in die Friedrichsha'nwohnung gekommen sind. Ein sehr patenter Klubsessel rümpft verächtlich die Nase über die schlechte Gesellschaft und tauscht durch die Türe mokante Blicke mit einer sehr schicken Bibliothek im Nebenzimmer -"' Ganz neue elegante Kleider liege« herum. Sie gehören wohl der Frau Gemahlin oder dem Fräulein Tochter. Ein Haufen schmutziger Wäsche »«schönt die Küche. Das ganze macht einen starken russischen Eindruck, «a» nicht weiter «nndttnrhmcn kann. Ist doch aus den Akten der russischen Telegraphen Agentur festgestellt, daß Eichhorn und seine Frau 1800 Mk. monatlich russisches Geld bekommen haben. Besonder» schön wird das ja wohl
nltmanb finden.
— Ein interessantes Wahlergebnis. Bemerkenswert sind die Zahlen in der Stadt Bromberg. Im Ver gleich zu den acht Tage vorher vollzogenen Wahlen zur deutschen Nationalversammlung sanken hier die MehrheitSsozialisten von 8297 auf 6449, die Demokraten von 2371 auf 2147. Anderseits stieg die Stimmenzahl der Christlichen Volk-partei von 1788 auf 1983, der Deutschen Bolkspartei von 2991 auf 4356, der Deutschnationalen VolkSpartei von 4242 auf 8431. Die Gründe dieses Umschwünge» gerade in Bromberg sind klar. Es ist die Entrüstung über die von der derzeitigen Regierung leichtsinnig heraufbeschworene Polengefahr, die die Wähler in Scharen nach rechts trieb. Die Regierung aber soll sich nicht darüber täuschen daß die Millionen, deren Stimmen sie am 19. Januar erhielt, vielleicht zu zwei Dritteln aus Mitläufern bestand, die, wenn ihnen erst die Augen aufgegangen find, dem Bromberg« Beispiel folgen werden. Für die bürgerlichen Parteien, insbesondere die der deutsch- nationalen Volkspartei, ergibt sich daraus die Notwendigkeit, unermüdlich weiterzuarbeiten und für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
— Eine Bolschewistin. Der Berner Bund berichtet, daß die vom Bundesrat ausgewiesene bekannte bolschewistische Agentin Balabanow in die Schweiz zurückgekehrt ist. Sie wurde in einem Gasthaus i.t Saanen »«haftet.
Skates und Ursvinziesses.
Schlüchtern, den 4. Februar 1911.
—* Wichtig für Rentenbezieher: Donnerstag den 6. d. Mt»., vormittags zwischen 8 und 12 Uhr werden beim Postamte Schlüchtern alle noch rückständigen Heeresrenten und Teuerungszulagen ausgezahlt.
Hk. Postpakete nach Schweden sind ebenso wie solche nach Norwegen wieder zugelassen im Gewicht bis 5 kg nicht Postfrachtstücke.
—* Große Kältewelle in Sicht. Aus Amerika wird eine außergewöhnliche Kälte gemeldet 20—30 Grad unter Null würden verzeichnet. Da erfahrungs- SMäß diese Kältewellen über den Ozean herüberkommen, dürfte auch uns ein kräftiger Nachwinter bescheert werden.
Hk. Postverkehr nach dem besetzten Gebiet. Nach d« frauzöstschen Zone sind vom 30. Januar zugelassen: Postanweisungen, Zahlkarten und Zahlungsanweisungen. Brückenkü»« o#m Straßburg: Pakete nach den von
den Franzosen besetzten Orten werden nicht angenommen. Rheinpfalz: Wertpakete mit baar Geld und Wertpapieren nach der Rheinpfalz sind zugelassen. Der Verkehr ist gestattet nach allen unbesetzten Rechtsrheinischen Orten außerhalb des Brückenkopfgebtets, z B. KönigSwint« (Rhein), Honnef (Rhein), Wipperfürth.
—* Bereits vor acht Tagen haben wir an dieser Stelle auf die kommenden Wahlen der Magistrat« Mitglieder und Stadtverordneten Hingewirsen. Diese Wahlen stehen jetzt im Mittelpunkt des Interesses. Wo zwei Mann zusammenstehen oder -sitzen, kann ..m sicher sein, daß sie sich über die künftige Zusammensetzung unseres StadtparlamentiS unterhalten. In diesen Unterhaltungen kommen meist sehr friedliche Ansichten znm Vorschein. Da hört man, die Schlüchierner Bürger müssen sich zusammentun und eine Liste ihrer Kandidaten aufstellen, der Parteigeist darf »icht weiter in die Bürgerschaft hinei»getragen werden, da» Wohl der Stadt steht über ben Parteien. Eine sehr vernünftige Ansicht nach unserer Meinung, die hoffentlich immer mehr durchgingt. Sollte, trotz der erfolglose« Sitzung des Bürgervereins vom vergangenen Sonntag, nicht doch noch eine Einigung möglich sein? Wie wir aus sicheren Quellen wissen, hat nur die sozialdemokratische Partei bis jetz eine Kandt- daten-Liste ausgestellt, die auch die Namen angesehen«, zugkräftiger Männer enthält, die allerdings durch ihren Beitrttt zu dieser Partei persönliche Zwecke zu verfolgen scheinen. Die anderen politischen Parteien haben noch nicht entgültig zu der Wahl Stellung genommen- Sie werden sich hoffentlich noch einigen und eine Liste aufstellen, die Bürger jed« Partei, jeder Konfession, jedes Standes enthält in einer Anzahl, die den Stimmver-
HSltnissen, die die vergangenen Wahlen gezeigt habe» ^ev Arbeitern und dem Gesinde dürften tm Verhältnis 5 Vertreter zükommen, den SWfötrinr^Timr^nowfo^ - treibenden 4, den Beamten 4 bis 5 und den Israelitischen Mitbürgern 2. Vorausgesetzt wird, daß die Soldaten, die doch nur vorübergehend hier find, an der Wahl sich nicht beteiligen dürfen. Eine solche „wilde Liste" oder „bürgerliche Liste" wird sicher den Sieg erringen. Deshalb können wir den Plan eine Versammlung aller Bürger einzuberufen, die hierüber entscheiden soll und kaun, nur aufs wärmste begrüßen. Die Bürger sollen sich dann entscheiden, ob sie durch die Parteien vertreten sein wollen, ober ob sie mehr unserem Vorschläge beistimmen. Wir hoffen das
Letztere.
* Aufenan. Zu der gemeldeten Verhaftung einer ganzen Familie werden dem „Gen.-Anz." weitere Einzelheiten berichtet: In Aufenau bei WächterSbach ist eine große Betrugs- und UnterschlagungSfache von Heeresgut lUfgebedt worden, in deren Folge die ganze Familie des Landwirts Setbel, Vater, Mutter, Sohn und Tochter, von der Staatsanwaltschaft in Hanan verhaftet wurden. Der Sohn hatte ein Pferd nach Hause entführt, das abgeschlachtet worden war. Bei einer darauf veranstalteten Haussuchung förderte man ein großes Warenlager zu Tage, u. a. etwa 80 Paar Schuhe und 60 Decken, ferner Hemden, Unterhosen, Strümpfe, Handschuh-, Drillichjacken, Mäntel, 18 Militäranzüge und eine Menge Hafer. Schließlich wurden auch größere Stücke Kriegsanleihe und hinter den Bildern an der Wand ein Bargeldbetrag von 9000 Mark gefunden.
Vermischtes.
— Aschaffenburg. Der auf dem linken Mainufer unterhalb Aschaffenburg (Stadtteil Leider) angelegte neue Staatshafen ist durch eine 8 Kilometer lange nor- malspurige Bahn in der Station Aschaffenburg-Süd an das Netz der bayerischen Staatseisenbahnen angeschlossen. Die Hafenbahn ist jedoch nicht Bestandteil der bayerischen Staatseisenbahnen, sondern, zu^amm mit dem StaatS- hafen selbst, ein Unternehmen für sich.
— Essenbahnassessor Ludwig Thuen aus Würzburg ist als deutscher Delegierter für das in Frankreich tätige Eisenbahnpersonal nach Paris beordert worden.
— Lebendig verbrannt ist in Würzburg der 14jährige Schlosser lchrling Andreas Schneider im Lagerraum der alten Universität infolge Explosion von Terpentinöl
— Der Arbeiter- und Soldatenrat Eisenach ist dem Beispiel vieler Städte gefolgt uud hat verordnet, daß anläßlich des Todes von Liebknecht und Rosa Luxemburg Trauer angelegt werden soll. Die Fahnen auf den öffentlichen Gebäuden sollen Halbmast hrffen und die Tanzvergnügensollen für 8 Tage unterbleiben. Damit soll zum Ausdruck kommen, daß das Land in „tiefer Trauer" steht über den Tod der Beiden. — Man muß in diesen Tagne des erreichten glücklichen ZukunftstaateS sich des öfteren besinnen, ob ein Teil der Menschheit noch
normal ist. Wer hat einmal gelesen, daß für unser tausend und abertausend gefallenen Helden ein Tanzver bot von 8 Tagen erlaffen worden wäre? Für zwei Leute aber, die unaussprechliches Leid verursacht haben und bei deren Tod mehr als 90 Prozent eines 70 Millionen Volkes aufatmete, erläßt eine kleine Gruppe, welche die Macht in Händen zu haben glaubt derartige hirnver- sponnene Anordnungen. Armes geknebeltes Volk im Lande der neuen Freiheit!
— In Köln hatte dieser Tage ein britischer Posten, der die PersonenauSweise prüfte, einen Eisenbahnange- stelltey und seine Frau angehalten. Der Beamte hatte seinen von der Dienstbehörde ausgestellten Ausweis zur Hand; seine beffere Ehehälfte jedoch hatte ihren Aus- weis vergessen. Ihr Mann sprang bei und zeigte dabei auf den Passus seines Ausweise»: „In und außerdem Dienste hat der Inhaber Anrecht aus Schutz für seine Person und fein Eigentum", und bemerkte, auf seine Frau hindeutend: „Das ist mein Eigentum!" Der britische Posten schien für solche „urkölsche" Gemütlichkeit Verständnis zu haben und entgegnete lächelnd: Zwar nicht korrekt, aber schon gut;
— Erlangen. Feuer hat die Malzfabrik Hummel- mann in Bruck in Asche gelegt. Dem Feuer sind 14000 Zentner Malz und 3000 Zentner Kohlen zum Opfer gefallen. Es wird Brandstiftung vermutet.
Eingefandter.
(Ohne Verantwortung der Redaktion.)
„Und er schrie sehr gewaltig!" sagte Luther von einem seiner Gegner, der ihn durch Gründe nicht widerlegen konnte. An diese Worte Luthers mußt« ich denken, als ich da» persönliche Geschimpfe de» Hen« ZlE^suiL in DnmmeLd.der ..Scklüchterner Zeitung" la«.
In den „Parerga un^^arälwMWt^ uiifli|uu;i Schopenhauer mit feinem psychologischen Verständnis die Motive, die allem Schimpfen zu Grund, liegen:
„Wie Geschimpft Werden eine Schande, so ist Schimpfen eine Ehre. Der Gröbste hat allemal Recht.....Denn seine Grobheit besiegt jede» Argument uud ekliptiert (-schlägt) allen Geist.....Wahrheit, Kenntnis, Verstand, Geist Witz find aus dem Felde geschlagen »on der göttlichen Grobheit. Diesen Ausführungen Schopenhauer'» gemäß höbe ich gar keine Veranlassung, mit der „göttlichen Grobheit" des Herrn Anonymus in edlen Wettstreit zu treten, ich würde ja doch den Kürzeren ziehen. Aber ich fordere den Herrn Anonymus hiermit öffentlich auf, den erforderlichen Mut zu beweisen und mir wenigstens seinen Namen zu nennen. In der Aussprache unter vier Augen werde ich dann auch erfahren, seit wann es ein Unrecht ist, unter einem bestimmten, Eingeweihten und Freuuden bekannten Schriftsteller-Pseudonym zu schreiben, wie es Friedrich der Große und viele der besten Deutschen bislang für ihr gute» Recht hielten.
Ob ich von dem Herrn Anonymus und seinen Hintermännern für ernst genommen werde oder nicht, ist mir ganz gleichgültig. Als der verdorbene Oberst Spohr vor dem Weltkrieg auf einer Gesellschaft in Hannover Hindenburg vorgestellt zu werden wünschte, erklärte der eigene Bruder Hindenburg'«, das hätte doch gar keinen Wert, einem solchen verdrehten Menschen vorgestellt zu werden. Und erst Jesus selber, mußte er nicht ähnlich wie Hindenburg «fahren, daß der Prophet nichts gilt in seiner Vaterstadt.
So darf ich schließen, indem ich der Hoffnu»g Ausdruck gebe, daß selbst Herr Anonymus erkennen lerne, daß die ernstesten Menschen von einem Durch- schnittsgeist wirklich nicht begriffen werden könne».
* * *
Weder der scheinbare Versuch einer nachträglichen Bemäntelung der Kaupe'schen Ausführung noch die a» das Berlin« Tageblatt und die Frankfurter Zeitung erinnernde Tonart der Entgegnung ändern das Geringste an der nahen Tatsache, daß L^r «Ürgermelster Kaupe unter Brkennung zur demokratischen Parte für Einführung des Moralunterrichts statt des ReligionS» Unterrichts in der Schule eingetreten und dadurch in Widerspruch mit den Ausführungen des ersten Kandidaten zur preußischen Nationalversammlung, Herrn Professor «ad- geraten ist. Mit dem Vorschläge, bis E 12. Lebensjahre statt des bisherigen Religionsunterrichts Unterricht in Morallehr» und ReligionS- geschickte auf den Schulen einzuführen, dürften frch wohl nur solche Eltern einverstanden erklären, welche selber keine schulpflichtigen Kinder haben.
Auf die unsachlichen Schmähungen und Anwürfe ein« zugehen erübrigt sich.