mit, Amtlichem Kreisblatt"
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Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt
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erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum js pfg?
F 103.
Mittwoch, den 25. Dezember 1918.
69. Jahrgang
(Fortsetzung aus der Beilage)
wut notgelitten; die Selbstzucht und Eitelkeit haben zugenommen. Ueberhebung und Unmahrhaftigk.it sind nicht selten höher bewertet worden als Bescheidenhfit und Zurückhaltung. Das sind Krankhestserscheinungen die nach solchen Leistungen nicht Wunder nehmen können — sind wir doch Alle Menschen und denselben menschlichen Schwächen unterworfen, die vor keiner Parteifarbe Halt machen. Im Ganzen aber kehrt das deutsche OsfizierkorpS gesund und stark und lebenfähig aus dem größten aller Kriege zurück. Diese Anerkennung versagt ihm kein Feind, wohl aber betörte Kreise des deutschen Volkes und Heeres.
DaS deutsche OsfizierkorpS ist kerngesund, weil es eben nur ein Ziel und eine Lebensaufgabe kennt: das Wohl der Gesamtheit, die Ehre des deutschen Namens. Die Herzen der deutschen Dietere erfüllt nur Eines: Die Pflicht gegen Volk und Vaterland. Indem sie diese über alle persönlichen Gefühle und Anschauungen, Wünsche und überkommene Traditionen stillen, haben sie sich auch nach der Umwälzung der politischen Verhältnisse in den Dienst der Regierung gestellt, um den Zusammenbruch unseres nationalen und wirtschaftlichen Daseins zu verhindern, ohne an die eigene ungewisse Zukunft zu denken. Wie muß es aber erbitternd auf die Offiziere wirken, wenn in kleinlichen Nach gfiüsten die Autorität des Führers, das Vertrauensverhältnis des Mannes zum Führer im Heere untergraben wird, wenn unschlüssig beratschlagt wird, ob die Achtung vor der Offizieruniform wieder- hergestellt werden soll? Der deutsche Offizier wird und braucht deshalb nicht zu sorgen. Vor dem Richter stahl der Weltgeschichte steht er ungebeugt und unerreicht, dem Urteil des deutschen Volkes ficht er schuf und klar inS Auge.; — was er fordern darf und muß ist die Anerkennung seiner Leistungen als Erzieher und Führer des Volkes, als Träger der Vaterlandsliebe und des Opfermutes im deutschen Heere. Alle diejenigen aber, die als Schmarotzer am deutschen Offiz^er- korps sich gezeigt haben, sollen und müssen abgeschüttelt werden. Wer wollte es in der Tat wagen, zwischen dem OsfizierkorpS oder, wie man zu sagen beliebt, zwischen der „Osfizierkaste" und dem Volke eine Kluft aufzutun? Das OsfizierkorpS ist aus dem deutschen Volke genau so hervorgegangen wie andere Berufe, es hat seine Wurzeln längst im Nährboden des gesamten Volkes getrieben und war nur dadurch zu seinen Leistungen in diesem Kriege befähigt.
Wenn ich als Oberbefehlshaber des deutschen Feldheeres am Ende meiner militärischen Laufbahn die Stimme erhebe für meine Kameraden und Untergebenen, meine treuesten Stützen in Kampf und Not, so möge man darin auch ein heiliges Vermächtnis aus der Vergangenheit erkennen für eine neue Ze t, für eine glückliche Zukunft unseres Volkes, für die Einigkeit der deutschen Stämme mit der alten Mahnung: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen."
Großes Hauptquartier Wilhelmshöhe, Weihnachten 1918. ron Hindenburg, Generalfeldmarschall.
— Liebknechts Kameraden gegen Liebknecht. Der Soldatenrat der 5. Kompagnie des Armierungsbataillons 102, der Liebknecht als Armierungssoldat angehörte, veröffentlicht die folgende Erklärung: „Namens der 5. Kompagnie des ArmierungS Battaillon 102 erklären mir, die Liebknecht als Kameraden in ihrer Mitte hatten, ihn wegen seiner konsequenten Kriegs- gegnerschaft verehrt und den Beinamen „Liebknecht- Kompagnie" als Ehrennamen hochgehalten haben, seine jetzige verbrecherische Tätigkeit auf das schä fste bekämpfen. Wie ein Mann stehen wir hinter der jetzigen Regierung, und Liebknecht wird seine Berliner Kameraden, von denen er weiß, daß sie auch im Schützengraben ihren Mann standen, unter seinen ge- fähr'tchstcn Gegnern findet. Zu hoch steht uns das erreichte Ziel, als daß zerrütten Nerven und persönliches Rachegesühl eines einzelnen das kostbare Gut der Freiheit gefährden dürfen."
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»erfäumt NW die öffentlich- B°rs°mmlung°n am Fr°it°g, Samstag und Sonntag zu besuchen. lNiih---» im Inseratenteil.)
Baut Flachs!
Der Mangel an Gespinstfasern macht sich von Tag zu Tag empfindlicher bemerkbar. Es ist nicht zu erwarten, daß die Aufhebung des Kriegszustandes uns in den nächsten Jahren eine wesentliche Erleichterung bringen wird. Die Bestände auf dem Weltmarkt dürften nur sehr gering sein, da der Verbrauch in sämtlichen kriegführenden Staaten in den letzten Jahren ein sehr großer gewesen, die Produktion aber infolge der Kriegs- verhältnisse erheblich zurückgegangen ist. Deutschland w ird _ daher nach wie vor in großem Umfange aus die heimischen Gesp nstfasererzeugung angewiesen sein. Um die deutsche Berö.kerung vor der dringenstcn Not zu bewahren, ist es notwendig, den Anbau von Flachs gegenüber dem Vorjahre annährend zu verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die KriegSflachsbau gesellschaft die Preise für Stroh- und RöstflachS aus der Ernte 1919 wiederum wesentlich erhöht Diejenigen Landwirte, welche Leinsamcen an den Kriegs- auSichuß für Oele und Fette abliefern, erhalten 74 Mk. für WO Kg. Die RücklieferungSmengen von Flachs, Garn, Scilerwarrn, Leinwand und Zwirn an Flachsbauer des Jahres 1919 sind ebenfalls gegenüber dem Vorjahre wesentlich erhöht worden. Die Flachsanbauer haben außerdem ein Bezugsrecht auf Bindegarn. Sie sichern sich auch weiterhin das R.'cht auf Rückbehaltung von Leinsamen der eigenen Ernte und können sich hieraus Oel schlagen lassen oder gegen Ablieferung des Leinsamens nicht unerhebliche M.ngen von Leinöl durch die Kommanaloerwaltung beziehen. Jeder Flachsanbauer des Jahres 1919 mit einer Mindestanbaufläche von 1/4 Hektar erhält ferner von der Kriegsflachsbau- Gesellschaft bezw. deren Vertellunzsflcllen soweit der Vorrat reicht auf Antrag Stickstoffdünger geliefert. Die Flachsanbauer des Rcg'e'un-^?-/»ks dassel können den erforderlichen ß.lnfamen gcb "x Abschluß eines Anbauvertrages durch die Landwirtschaftliche An- und VerkaufSgesellschaft „Hessenlaud" in Cassel, Kurfürsten- straße 12 und sämtliche dem Raiffeisenverbande ange- schlossenen DarlehnSkass.nvcceine beziehen. Leinsamen wird jedoch nur .an solche Landwirte abgegeben, welche entweder im vorigen Jahre überhaupt keinen Flachs angebaut haben oder die Flachsanbaufläche in diesem Jahre entsprechend vergrößern wollen.
Lokales und -rovins«>es.
Schlächter«, den 24. Dezember 1918.
—* Die Erneuerung der Lose zur I. Klasse der 13 Südd. 239. Pr. Klassenlotterie muß bei Verlust des Anrechts bis spätestens den 2. Januar 1919 abends 6 Uhr erfolgt sein.
—* Am Sonntag, den 22. Dezember, nachmittag- 5 Uhr fand in der Aula des Lehrerseminars eine Mitgliederversammlung der deutschnationalen Volks- partei statt. Es waren, außer dreien, nur solche Männer und Frauen der Einladung zur Versammlung, gefolgt, welche die im Kceisblatt veröffentlichten Richtlinien der Partei als die ihren erkannt hatten, und welche bereits Mitglieder waren oder Mitglieder der Kreisgruppe Schlttchtern der deutschnationalen Voiks- partei werden wollten. Herr Amtsgertchtsrat Hengs- berger leitete die Versammlung. Er führte in seiner kurzen Ansprache folgendes aus: Die neu gebildete deutschnationale Volkspartei setzt sich zusammen aus Anhängern aller früher rechts stehenden Parteien. Sie steht auf dem Boden der geschaffenen Tat achen und ist bereit und entschlossen unter jeder Staatsform mit- zuarbeiten, in der Recht und Ordnung herrschen. Sie betont im Gegensatz zu anderen Parteien, daß ein lebensvolles Christentum, Ehe und Familie die starken Träger des öffentlichen Lebens sein sollen, daß sie für eine christliche Erziehung der Jugend im Hause und in der Familie einsteht, daß sie einen starken nationalen Sinn pflegen, bewahren und betätigen will. Für eine schleunigste Einberufung der Nationalversammlung ist die Partei s.lbstverständltch auch. — Die anwesenden Männer und Frauen traten hierauf geschlossen der Kreisgruppe Schlächtern der deutschnationalen Volks- partei bei und wollen für sie werben und wirken, so viel in ihren Kräften steht. - Ein Herr, welcher der nationalliberalen Partei angehört, begründet, den Beitritt zur deutschnationalen Volkspartei für seine anwesenden Parteigenossen und sich selbst. Er vermißt
die Arbeit der nationalliberalen der jetzigen „deutschen Volkspartei" im Wahlbezirk Hessen-Nassau und sieht eine Zersplitterung dieser Partei. Er schließt sich deshalb der nächstfolgend! n nationalen Partei der deutschnationalen Lolkspartei an. Der demokratischen Partei konnte er nicht beitreten, weil sie das Nationale überhaupt nicht betont. Er ist der Meinung, daß nur ein starker nationaler Sinn unser Volk vor dem völligen Zusammenbruch retten kann. — Als Jahresbeitrag wurde eine M.rk festgesetzt. — Die Wahl des endgültigen Vorstandes bleibt der demnächst stattfindenen größeren Versammlung der Mitglieder aus dem ganzen Kreise vorbehalten. Hieraus wurde ein vorläufiger Vorstand, dem 9 Damen und Herren angehören, gewählt.
_* Die vielen Truppen, welche sich im Kreise Schlächtern angesammelt hatten, um hier auf ihren Abtransport zu warten, werden von allen Stationen des Kreises nach und nach verladen. Auf dem Bahnhof Steinau ist eine besondere Rampe von Pionieren zu diesem Zwecke erbaut worden. Hier können verhältnismäßig schnell Wagen und Pferde verladen werden. Um die Bahn möglichst zu entlasten, lassen die Truppen alle überflüssigen Fahrzeuge auf den Wiesen westlich der Stadt Steinau zurück. Hier ist ein großer Wagenpark mit Hunderten von Fahrzeugen aller Art entstanden. Der Anblick dieses Wagenparks muß in jedem guten Bürger die Gefühle der Trauer und des Zornes auskommen lassen, der Trauer darüber, daß es soweit mit Deutschland gekommen ist, des Zorne» darüber, daß mit dem Eigentum der Nation so umgegangen wird. Die hier abgeliefert haben wollten möglichst rasch ihre Sachen los sein. Bon Sorgfalt ist nichts zu bemerken. Da sieht man auf den Wagen noch Artillerie-Munition, in dem aufge- weichten i^iufclytt Boden. ' "er. Zeltplane, Gasmasken, G.wehre, Stahlhe. -'Blinkgeräte, wertvolle Telefonapparate, die im Felde sehr sorgfältig behandelt werden mußten und anderes m.hr. Sollte es nicht möglich sein, diese Dinge zu bergen? Wäre das nicht eine dankbare Aufgabe der Soldatenräte, die ja j tzt zu befehlen haben, hierfür zu sorgen? Dasselbe Bild jetzt überall! Auch in Schlächtern will es lange dauern, bis Ordnung bei der Garnisontruppe herrscht. Man sollte es nicht für möglich halten, daß eine wertvolle Wagendecke schon 14 Tage im Schmutz des Seminarhofes lieg', daß täglich Soldaten daraus herumtreten, daß aber niemand diese Decke aufhebt oder veranlaßt, daß sie aufgehoben wird, um sie voM Untergänge zu retten. Solche Beispiele wird es noch mehr geben. Es sei nochmals die Frage gestellt: warum sorgen die Soldatenräte nicht für Ordnung? die Aufgabe wäre sicher dankbar, dankbarer als einem Frontsoldaten zu erwiedern in einem geifernden Ton, einem Stil wie sie leider jetzt gang und gäbe zu werden scheinen. Es gab auch Drückeberger an der Front, wenn sie auch 3 Jahre sich dort aufgehalten haben.
* Heubach. Wegen Tapferkeit vor dem Feinde erhielt der Musketier Jssi Notschild dahier das Eiserne Kreuz. ______
Eingesandt.
In Wort und Schrift suchen heute Berufene und Unberuf.nr unser Volk für die bevorstehende Nationalver- fammlung uno Neugestaltung seines StaatSwesens aus- zuklären. Dabei wird eingehend die Schuld am Kriege und unserem Zusammenbruch erörtert und merkwürdiger. Weise nur noch bei uns gesunden, während wir zu KriegSb cginn darüber einig waren: Wir haben den Krieg nicht gewollt! Haß, Neid und Eroberungssucht der Gegner haben ihn uns aufgezwungen! Sind wir etwa inzwischen besser belehrt worden? — Ich feite meinen, der Susomlinowprozeß, die G-heim — und Beuteverteilungspläne der Entente reden eine so deutliche Sprache, daß niemand, der sehen will, über den Schuldigen am Kriege im Zweifel sein dürfte. — Und nun die Ursachen unseres Zusammmenbruchs. Dafür wird vor allem das ganze alte System, der Militarir« muS, verantwortlich gemacht, der von dem Untergebenen unbedingten Gehorsam fordert, auch wo er nicht angebracht erscheint, ja sogar Unterordnung des Soldaten gegen Vorgesetzte durch „zu Befehl" u. „jawohl" ver- langt, wenn cr anderer Meinung ist. — Ich frage;