wird eine aroße Zahl von weiblichen Hilfskräften frei, die den Bedarf an Hausangestellten reichlich decken- Es kann deshalb nur aufs dringendste geraten werden, daß die bisher auf dem Lande oder in den kleineren Städten in Stellung gewesenen Mädchen dort auch verbleiben. da sie in den Großstädten nicht auf Unterkunft zu rechnen haben würden.
- * Das Straßenbild* SchlüchternS hat sich seit 10 Tagen ganz und gar verändert. Wir sind nun Garnisonstudt geworden und haben die 1. Abteilung des aktiven und die 2. Ersatzabteilung des Feldartillerie- Reaimcnts Nr. 63 in unseren Mauern ausgenommen. Am Sonntag vor 8 Tagen rückte die Abteilung des aktiven Regiments mit ^Mufik in die geschmückten Straßen SchlüchternS ein. Der Einzug wird allen unvergessen bleiben. Am vergangenen Samstag nahmen wir die Ersatz-Abteilung^bei uns aus. Es gibt jetzt kein Haus mehr in Schlüchtern. welches nicht mehrere Soldaten beherbergt. Jeder unserer Bewohner kommt dieser Pflicht' g-rne nach und stellt zur Verfügung und bietet n, was in seinen Kräften steht. Hoffentlich wird dieser gute Wille durch das Benehmen der Truvvcn erhalten Am Sonntag Morgen und am Nachmitmg konnte man in der Hanauerstraße -straßen- versammlungen der So'baten der Ersatzabteilung löa9y' nehmen, bei denen eS sehr lebhaft herging und welche den friedlichen Bürger durch den Geist, der bei ihnen herrschte, mit Besorgnis erfüllen mußte. Wir wollen hoffen daß diese unbegründet ist, daß die Soldaten Zucht und Ordnung aufrecht erhalten, daß sie wohl diszipliniert sind und vor allem sich nicht an fremdem E aentum vergreifen. Das Sprichwort dürfte auch HU sich bewahrheiten: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Deshalb' dürfte es sich sehr empfehlen die ständig hierbleibenden jungen Trupven zu beschäftigen. Es dürften viele Wachposten notwendig sein, die von zuverlässigen Leuten versehen werden müßten. — Das ganze Anwesen des Lehrerseminars gleicht nun einem großen Truppenlager Die meisten Zimmer sind aus- geräumt und dienen den Truppen als UntersunftS räumen, andere Zimmer dienen als Kanunern für AuSr: -ungSgegenstande. Leider haben sich im Seminar Soldaten am Eigentum der Schule vergriffen. Sie ^aben üch Bücyer aus verschlossenen Schränken angeeignet, Lehrmittel zerstört und Schulbänke zerschlagen und verbrannt. Glühbirnen vom Flur entwendet und ihre Notdurft vor den Klaffene ngängen verrichtet. Ein solches Verhalten erwirbt keine Sympathien und muß unbedingt anders werden. Die Truppe selbst muß derartige Ausschreitungen ahnden und dafür sorgen, daß ' sie sich nicht mehr wiederholen können, denn alle Anordnungen sind nur im Interesse der Soldaten getroffen worden. — Im Seminarhofe wird in Feldküchen abgekocht, für unsere Jugend ein Ee- eignis, dem sie immer wieder zusehen kann! —
- * Morgen werden wir Teile der 88 Div sion ■_n unserer Stadt beherbergen dürfen. Sie kommt zu Fuß von der 3lrgonr.cn hierher, wo sie verladen werden soll, um nach Schlesien, in die Heimat transportiert zu werden. Sie hat bei St. Goar den Rhein überschritten, ist quer durch den Taunus über Nastätten und Usingen nach Friedberg marschiert, von wo sie am Abhänge bei Vagelsbergs entlang über Gelnhausen hier am langen wird. Ein herzlicher Empfang wird den Regime:.: -IN, die leider meist in Massenquartieren^unter- gebrach', werden müssen, sicher sein.
—* Feldpost für das Ostheer Unsere Truppen in Kurland, Estland, Livland, Litauen den besetzten Teilen von Großruß'anb und der Ukraine, Heeresgruppe, Kiew, klaoen lebhaft über das Ausbleiben von Nachrichten aus der Heimat. Es wird deshalb erneut ba- rcuf hingewiesen, daß für die Truppen in diesen Landrstcilen Briese, Postkarten, Wertbriefe, Postan- weisungen und Zahlkarten nach wie vor angenommen werden. Nur Pakete und Briefe mit Wareninhalt (Päckch.n) sind von der Beförderung ausgeschlossen. Es empfiehlt sich, Sendungen für die Truppen im Osten in der Aufschrift mit dem Zusatz „Osten" zu versehen.
—* Der Soldaten- Arbeiter- und Bauernrat des Kreises Schlüchtern hat bereits folgende Leben-mittel und Gegenstände beschlagnahmt: 2 dicke Hanftaue je 70 Meter lang, 458 Pfund prima Rindfleisch, 4 lebende Gänse, 1 großer Schließkorb, enthaltend: frisches Fleisch, frische Wurst, Rauchfleisch, Fett, Mehl, Zucker, Fleisch- und Gemüsekonserven, 1 Zeltbahn und 1 Woll
decke. (Diese Sachen ca. 1 Ctr. waren bei der Ver- pflegungS Anstalt Bahnhof Elm gestohlen und wurden dahin zurückgeliesert.) 1 Paar neue Reitstiefel, 2 Paar neue Schnürschuhe, 20 Hemden und 2 Unterhosen. 27« Ctr. Erbsen 1V, Ctr. Sämchen 4 Pfd. Butter, 1 geschlachtete Gans, 8 6Lr, 5 Pfo. Mehl, 4 lebende Gänse, 2 Feldhasen, 1 Rindshaut, 1 neues Pferdegeschirr und 3 Wolldecken 5 Pfd. Butter, 1 Koffer mit 78 Pfd. Rindfleisch und 17 Pfd. Dörrfleisch. Die Gänse wurden vor dem Rathause an hiesige Leute verkauft, und die übrigen Lebensrnittel der Kreisvertttlungs stelle für Lebensmittel überwiesen. Man ersieht daraus, daß es in unserem Kreise immer noch Leute gibt, die den Ernst der Lage nicht erkennen wollen, und sich zum Nachteile ihrer Mitmenschen durch Schleichhandel große Profile zu erwerben suchen. Wir hoffen, daß mit aller Strenge gegen solche Elemente vorgegangen wird.
—* Seitens der Reichsdarlehnskasse wird ausdrücklich darauf hingcwicscn, daß KricaSanleihen selbstver stündlich auch weiterhin in jedem Umfange von ch: beließen werden.
Di« bayerische» Dokumente.
Gegen die durch den bayerischen Präsidenten Eisner dieser Tage erfolgte Veröffentlichung zur Vorgeschichte des Krieges ist vom Auswärtigen Amt Protest eingelegt worden. Die Veröffentlichung bedeutet in der jetzigen Zeit einen schweren Schlag für die Interessen Deutschlands ; denn sie g bt unseren Feinden eine Waffe in die Hand, von der sie bei den bevorstehenden FriedenS- verhandlungen sicherlich den weitestgehenden G.brauch machen werden Recht interessant ist übrigens, wie die Veröffentlichung überhaupt zustande kam. Wie wir erfahren, war dem jetzigen bsy'rfichcn Vertreter in Bern von einem Vertrauensmann Clemenceaus (!) die Mitteilung zugegangen, daß ein ehrliches Bekenntnis Deutschlands in d.r Fca.e der Schuld am Kriege eine Beschleunigung des Friedens herbeiführen würde. Herr Clemevceau hat damit wohl anbenten wollen, daß lie Entente MilderungSgründe gelten ließe. In Wirklichkeit ist es ihm aber zweifellos nur darum zu tun, Deutschland ins Unrecht zu setzen. Die Akten des Auswärtigen AmteS hinsichtlich des Kriegsausbruches sind, um jede wirkliche A fffiärung zu sichern, dem UnterstaNssekretär David zur Piüfuug üb rwiesen worden.
München, 26. Nov. Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Im Ministerrat des Volk-staates Bayern lag heute folgende mündliche Erklärung der Herren Staatsminister von Thelemann, von Breuning und von Knilling vor: W:r erklären hiermit, daß wir von d m gestern durch die Presse bekanntgegebenen Bericht des bayerischen Gesandten in Berlin und den darin behandelten Tatsachen bisher weder amtlich noch piivat die geringste Kenntnis erhielten oder hatten.
Dieser Erkläre ng der drei Herren hat sich auch der frühere V-rkehrSminifter ron Seidlein angeschlossen. Der Ministerrat hat von sich aus beschlossen, diese Erklärung zu veröffentlichen.
Dermischtes
— Weißkohl. In erster Linie wird es sich empfehlen, jetzt nach Möglichkeit Weißkohl einzusäuern, doch kann er auch geschnitten auf einer nicht allzu heißen Stelle der Herdplatte getrocknet werden. Es ist dringend erforderlich, daß von jeder Form der Verarbeitung von Weißkohl in den Haushaltungen für knappe Tage gegenwärtig Gebrauch gemacht wird.
— Der Diebstahl im Berliner Schloß Wie eine hiesige Korrespondenz mitteilt, ist die gesamte Wäsche des Kaisers und der Kaiserin mit der Garderobe aus dem Schloß verschwunden. Die Spitzbuben haben nur die SlaatSgarderobe der Kaiserin in zerrissenem Zustande zu.ückgelessen. Auch Kostbarkeiten und historische Gegenstände sind nicht aufzufinden. Das S'.lberzeug um, die Weinvorräte konnten in Sicherheit gebracht werden.
— In Oedershausen bei Laasphe (Westfalen) ist an der Grippe die aus 5 Personen bestehende Familie Fischer gänzlich ausgestorben
— EscherSdorf (Ufr.) Im Stalle des Bauern Röll dahier warf eine Kuh vier vollständig lebensfähige Kälber.
— Das Vieh wird billiger. Auf einem Viehmarkt, der in Temvelburg in Pommern abgehalten wurde, waren 180 Pferde und 50 Kühe angetrieben. Gute
Pferde waren für 3500 Mark zu hrhen. Pferde, die vor kurzen, 8—9000 Mk. kosteten, wurden m>t der Hälfte dieser Summe bezahlt. Gute Kühe wurden mit 900—1000 Mark gehandelt.
— Usingen. Die Leiterin der Buttecsammclstelle für den Kreis Usingen, Frau Moses in Laubach, wurde im Bahnhof Homburg v. d. H. in bem Augenblick festgenommen a.S sie mit einer größeren Menge Butter Schleichhandelsgeschäfte treiben wollte.
— Aus Dortmund wird berichtet, daß der dortige Arbeiter- und Soldatenrat Maßnahmen in den Weg geleitet hat, um die Flucht von Kriegsgewinnlern über die holländische Grenze zu verh'ndern, die in letzter Zeit einen außerordentlichen Umfang angenon men hatte.
— Für mehrere Millionen Mark Pakete verbrannt. Das Post und Zollgebäude auf dem H iuptbahnhof in Thorn ist durch Großfeuer vernichtet worden. Tausende von Paketen, die dott wegen der Postsperre mit Rußland lagerten, sind verbrannt. Der Schaden betrügt mehrere Millionen Mark.
— Einen besonders duftigen Empfang bereitet München den heimkehrenden Truppen. Rtan rechnet auf den Einzug von 50—80 000 Soldaten. Die Bürgerschaft wird den Soldaten Fichtensiräußchen z: werfen. Die Regierung robb den Soldaten einen Im zweifarbigen Druck ausgesührten herzlichen Dank- gruß überreichen. Die Soldaten werden in den Kasernen mit einer Portion Gänsebraten bewirtet. Jeder Soldat b. kommt 10 1 ark und 20 Zigaretten. ■
— Ein starker Schneefall ist über Westpreußen niedergegangen. Dadurch wird die Eiu rutung von Millionen Zentnern Kartoffeln und Rüben, die durch die herrschende Grippe und die abrüdentxn russischen Kriegtgesangene- verzögert wurde, zur Unmöglichkeit. Die Felder sind mit Schnee bedeckt
— (Die „Betriebskosten des Kriegsg^winnlers. Ein dänischer Gulaschbarou — so erzählt ein Blatt — hatte d.r Steuerbehörde sein Einko nm u auf 150 251 Kronen und sein Verniögen aus 4400'0 Konen angcg.ben. Als man Einsicht in seine Bücher forderte ergab sich, daß er als Betriebskosten mstgerechnet halte: 4000 Kronen Toilettenkonto seiner Frau, 8000 Kronen Pelzgarnitur für seine Frau, 1000 Kronen für neue Zähne, 10000 Kronen für bin Bau einer Villa, 43 000 Kronen für deren Einrichtung, 50 000 Kronen für L-xuspfcrde. Weitere ICO 000 Kronen halte er als Deckung für „unvo,hergeseha e Ausgaben" eingesetzt. Darauf wurde seine Einkommensteuer auf 540 000 Kronen und sein Vermögen aus 902 000 Kronen festgesetzt. Außerdem kommt natürlich noch ein gerichtliches Nachspiel wegen falscher Einschätzung.
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