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M, Amtlichem Kreisblatt". - Wochcubcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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erscheint Mittwoch und Sanrstag. - preis mitAreisblatt" vierteljährlich ,,80 Mk. - Anzeigen kosten ^ie Nein« Zeile »d« deren Raum 15 pfg.'

X 97. Mittwoch, den 4. Dezember 1918. 69. Jahrgang.

Bekanntmachung.

Die Milch- und Butterablieferung fast aller Kcnieinden des Kreises haben derart nachgelassen, daß ^ Ernährung der Bevölkerung ernstlich in Frage gc- M wird. Wenn der Rückgang zum Teil auch seine Erklärung durch die schlichte Grummeternte und die ltzige stets mücharme Zeitspanne findet, ist andrerseits durch den lteferwill gen Teil d.r Bau.rnschaft festgestellt riid offen ausgesprochen worden, daß die Hauptschuld I« dem Znriickhalte» und Verwuchern bedeuten- brt Bullecmengen durch sehr viele gewissenlose Land Kilte gesunden werden muß.

Da alle Maßnahmen auch die der Gerichtsbehörden, bis dahin fast völlig unwirksam geblieben sind und nun auch die bisher lieferungswilligen Gemeinden sich darauf berufen, daß die Widerstrebenden doch nicht zur Rechenschaft gezogen würden, wird von sitzt ab der Zoldaten-, Arbeiter- und Bauernrat nach Ein- fichl der Lteferungslisten und nach Stallkontrolle die schärfsten Mastregeln gegen das vaterlavds- verräterische Treiben der Wucherer auf dem Lande ergreifen, bis die Gemeinden ' s.Licferungs- |6ll ausbringen.

Die erste Mastregel wird die Einziehung der Milchkühe und der Zentrifurgen und Butter- mschinen fein.

Schlüchtern, den 2. Dezember 1918.

Der Vollzugsausschuß des Soldaten-, Arbeiter- und Bauerurates: Kunde. TtggeS.

Die Befugnisse der Arbeiter- und Loldatei rate.

Du -L.äzugsauSkchuv des Groß-Berrwer Arbeiter- und Soldatenrates hat nach Verständigung mit den Loiksbeauftragten des Reichs und Preußens diesen die inlutwe G.walt übertragen. Er hat sich aber das weilkstglhende Kontrollrecht über die Regierung Vorbe­halten. Die Regierung kann ihre Verwaltungsausgaben nur dann erfüllen, wenn ihre Maßnahmen nicht durch Eingriffe lokaler Arbeiter- und Soldatenräte durchkreuzt »asm. Düse Arbeiter- und Soldatenräte haben in ihnm Tätigkeitsgebiet gleichfalls das volle Kontroll- tt^i; sie haben dafür zu sorgen, daß die revolutionären Errungenschaften gesichert und ausgebaut werden. Sie haben sich aber im allgemeinen jeden direkten Eingreifens in die Verwaltung zu enthalten. D.e ö.tlichm Ar­beiter und Soldatenräte des Reiches haben im Interesse der Gesamtheit folgende Richtlinien zu beachten:

Wo sich die Behörden in den Dienst des neuen Regimes gestellt haven, ist die Führung der Geschäfte im engeren Sinne ihnen zu überlassen. Nur die für bin Geist des Ganzen cnischeidenden Stellen sind, im Sinnetftäiibnis mit der revolutionären Regierung neu I« besetzen, wenn eine scharfe Kontrolle nicht aus­reichend erscheint. Alle störenden Eingriffe in die Verwaltung selbst müssen unterbleiben, Verhaftungen hülfen nur in dringenden Fällen unter Verständigung mit den bafür maßgebenden Stellen erfolg n. Be­schlagnahmen »rzcnd welcher Art (LebenSmutel, Roh Hoffe, Kohlen, Gelde ) dürfen nur im ErnvcrständniS mit den maßgebenden Stellen erfolgen. Eine Beschlag­nahme von LebenSmitteln oder lagernden Vorräten, die für Kommunalvertände und sonstige öffentliche Körperschaften ovcr für das Heer bestimmt sind, darf unter innen Umständen erfolgen. Eine Beschlagnahme bffeniltcher Kassen die im Einverpändnts mit der Regierung des Reiches oder der Einzelstaaten den G.meindemrwaltungcn oder sonstiger öffentlichen Uiperschaften verwaltet werden, ist absolut unzulässig, ebenso jeder willkürliche Eingriff in Bankdepots. Alle 6ii9 ifte in den Eisenbahn- und Postverkehr müssen tbfolut unterbleiben.

Keine Zurückziehung von kommandierte» Kriegsgefangene».

Im Austrage des Arbeiter- und SoldatenrateS teilt die Inspektion der Kriegsgefangenenlager 18. A. K., Frankfurt a,M mit:

»An alle Arbeitgeber von Kriegsgefangenen ergeht bis dringende Mahnung, unter keinen Umständen die Kriegsgefangenen aus eigenem Entschlüsse kurzer Hand in ihr Lager zurückzuschicken. Die Lager sind derart ubttfllllt, daß sonst Katastrophen unaurdieiblich sind.

Arbeitgeber wollen vielmehr die bet ihnen befind- ichcn Kriegsgefangenen, selbst wenn keine Arbcitsmög- üchkeit mehr für diese vorliegt, bis zum Abruf durch das Lager oder die Inspektion in Unterkunft und ^"pflegung behalten. Die hieraus entstehenden Kosten

trägt die Heircsvcrwaltung. Der Inspektion ist durch den Arbeitgeber sofort Mitteilung zu machen, sobald die Kriegsgefangenen frei werden und abtransportiert werden können. Alsdann ist der Abruf der Kriegsge­fangenen unter allen Umständen abzuwarten. Selb­ständig an das Lager gesandte Kriegsgefangene werden künftig kurzer Hand wieder zurückgesandt. Nichtbe­achtung dieser Vorschriften gefährdet auf daS Aeußerste den eigentlichen Abtransport aus den Lagern."

Mitbürger!"

Wider alles Erwarten rasch ist das LoS unserer Heimat, unseres Vaterlandes entschieden worden. Durch übermächtige äußere Feinde und durch innere Zerwurf- n sse sind wir Deuischen n'edergeschmettert worden. In schauriger Weise haben sich die Ereignisse über­stürzt, so daß man im ersten Augenblick gar nicht alles fassen konnte. Doch wir müssen mit Tatsachen rechnen und uns möglichst rasch tun der Betäubung deS Sturzes zu erholen fichen. Das Alte ist gestürzt u d neues Leben soll aus den Ruinen blühen! Drum muß ein Jeder, alt und? jung, männlich und weibl'ch seine ganze geistige und bürgerliche Kraft in den Dienst des Ganzen stellen, um diese schreckliche Niederlage möglichst rasch wieder auszugleichen. Schon vor 70 Jahren rief man aus.:Endlich wird und muß die heiße Sehnsucht des deutschen Volkes nach Wahrheit, Recht und Freiheit in Erfüllung gehen!" Aber während dieser langen Zeit hat man sich immer Mehr von der Wahrheit entfernt, baf Recht mit Füßen getreten und das Volk geknechtet. Der Umsturz oder die Umwälzung mußte kommen, das war schon seit Jahren vorauüzus.hen, aber ein rf^ncS mahnend-« Wort In dieser Beziehung wurde mit Hohn, Spott und Verachtung zurückgewiesen. Unser Regterungtzsystem, die Administrative Justiz, nationale Erziehung, soziale Organisation, Schule u. a. m. entsprachen schon lange nicht mehr den auf allen industriellen Gebieten, in der Naturwissmschast, Chemie, Physik, im Handel Gewerbe und Verkehrswesen g machten Fortschritten und alle Hebel, die zuc Verbesserung angesetzt wurden, zerbrachen an der Widerstandskraft gewisser Kreise zum Schaden dcS deutschen Volks. E^ würde zu weit führen, die verschiedenen Gründe unseres Zusammenbruchs hier zu besprechen, das hätte auch gar keinen Zweck, denn wir müssen der Gegenwart üben und vorwärts schauen. DaS Weltrad steht nicht still, die Nemesis d.r Geschichte schreitet einher und wird ein fürchterliches Strafgericht halten über Alles, was der Entwicklung des praktischen und noraltschcn deutschen Volkslebens und b«m Lebens- glück unzähliger Familien entgegenstand.

Zu neutm Leben müssen wir uns aufraffen und aus unsern bösen Erfahrungen eine bessere Zukunft erstreben. Das republikanische Groß Deutschland, das alles deutsche Land umfassen muß, maß weltlich durch Recht und Vernunft und nicht durch Aberglaube und Verdummung regiert werden! Dazu ist erforderlich, daß vernünftige, vom Aberglaube befreite Staatsbürger mit gehöriger Welt- und Menschenkenntnis erzogen und alle unwürdigem und gemeinschätlichen Zustände beseitigt

werde -!

W>.rde selbst wahr! Betrüge und belüge dich nicht selbst und andere! Dann wirst Du und wir Alle werden uns der Wahrheit zu erfreuen haben. Tue selbst recht und eS wird dir Recht urb Gerechtig­keit werden! , , . ...

Mache dein Herz und Si.m srei von unvernunnigem Aberglauben und w.r alle werden srei siia! Glaube und vertraue deinem Gott, den du im Herzen trägst! Lebe nach dem Grundsatz:Was du nicht willst, das dir geschieht, das tu auch einem Ändern nicht! In diesen wenigen Worten ruht die ganze Moral, tyreue dich cer herrlichen Natur, bringe in ihre Geheimnisse ein Treibe mehr Naturwiss.nschast, die alle anderen Wissenschaften überflügelt hat und du wirst bei der Ecsülung deiner schweren Pflicht«: der Gegenwart Beruhigung und Zufricdenhell finden. Man lenke unsere Tugend wieder in ernstere Lebensbahnen, erziehe die Einheitsschule und in dieser die Sittenlehre ein, die bisher leider darin fehlte. Schöpse b;e Untere Wahrheit aus den tiefen Quellen der Natur und dein Gew ssen und Glaube wird frei sein von allen

° ^been' Pflege die Liebe zur Heimat Her du die herAichstcn LebenSquellen für die Zukunft findest und s? S- dafür, daß dUs- nicht verschüttet ftnvcst uno i » _ Ausnahme unsere äl«^

in dem noch unsere jetzige Jugend, der ja die Zukunft gehört, die für uns lang ersehnteWahrheit, Recht und Freiheit" genießen kann.

Bet all der Trauer über unser tragisches Geschick, bei all der Arbeit und Sorge für die Zukunft wollen wir doch dankbar der großen Männer gedenken, die ihr bestes Wissen und Können in den Dienst der Vaterlandes gestellt und es hohen Zielen zugeführt haben, das entspricht dem wahren deutschen Volks« Charakter.

Möge nun das neue demokratisch republikanische Großdeulschland weltlich regiert alle Stammes­brüder in sich vereinigen zum kraftvollen Leben und Streben! Möge dasselbe aber auch bei unserem zahl­reichen Feinden die respektvolle Rücksicht finden, die eS nach seiner bewiesenen K-aft und den Gesetzen der Menschlichkeit verdient!

Möge der ganzen Welt ein Friede werden, der auf Grund gegenseitiger und alls.iiigcr Verständigung der Völker von langer Dauer sein und In seinen Beding­ungen nicht den Keim neuer Unzufriedenheit und eines KriegcS tragen kann!

An eine Gegenrevolution ist nicht zu denken, wenigstens würde eine solche dem Wunsche der großen Mehrheit unseres Volkes n'cht entsprechen und unsere Leiden nur verschlimmern. Daher möge ein Jeder von uns Ruhe und Besonnenheit bewahren und zur Sicherheit und Ordnung im Staate beitragen.

Keine Parteien nur ein einziges deutsches Volk!"

Anacker.

Lokales »n- PcsmllsieLes.

Schllichter», den 3. Dezember 1918.

* Alle bisherigen Einichrä. kungen der Preßftei- Heil sind nunmehr auch in beug auf Anzeigen aufge» hoben. Jeder kann von jetzt ab inserieren, was r-nd wie er will. Ch'ffer-Anzeigen sind in jeder Fo^m usw. jedenfalls wieder zulässig.

* Am verflossenen Sonntag, den 1. Dezember rückte das FJd.-Act.-Reg. 63 mit klingendem Spiele in up/ere freundlich geschmückte Stadt ein. Die Fahnen flatterten hoch im Winde, in allen Farben winkten sie von den Häusern den Gästen ein herzliches Willkommen zu. In der Hanauerstraße machte das Reglement halt. Die Ojfijtere scharten sich hoch zu Roß um den Kom­mandeur, um die Begrüßung durch den Vorsitzenden des Saldatenrats Justizrat Henrich?, Major b. L., u. den Vertreter der Stadt Schlüchtern, Bürgermeister Stückrath, der mit der städt. Behörde erschienen war, entgegenzunehmen. Herr Henrichs dankte den heim« kehrenden Truppe« für all das Schwere, da- sie für Deutschland erlitten, für all die Treue, mit der sie dem Vaterland gedient und den Feind von unserem heimisch, n Boden ferngehalten haben. Tausendfachen Dank dem unbesiegten Heere! Mit dreifachem Hurra auf das Regiment und feinem Kommandeur schloß der Redner. Die Bewtäkommung durch den Vertreter der Stadt stierte den Gästen freundliche Aufnahme und wünschte herzliches Einvernehmen zwischen Bürger­schaft und Mcliiär. Sein Hoch galt dem deutsche« H ldenheer. Hierauf erwiederte der RegimentS-Kom- niandeur, indem er seinem Danke Ausdruck lieh für den warmen Empfang durch die Stadt Schlüchtern und deren Bewohner. Seine Dankensworte schloffen mit einem Hoch aus die Stadt Schlüchtern. Die Re- gimentskapell« setzte mit einem Tusch ein. Dann bezogen die Truppen ihre Qaartirre und machten sich bereit, die von der Aadwerwaltvng gespendete Speisung einzunehmep. Mögen sich unsere zrUweitigen Gäste in unserem Stäbchen wohl führen.

* Wie wir erfahren, hat die Bezirksfettstelle in M»1 auf Grund des § 7 der Milchverkehrsordnung v,m November 1917, der Molkerei Schlächtern auf- gegeben, täglich 600 Liter Vollmilch nach Frankfurt zu tiefern. Die Versorgung der hiesigen Bevölkerung mit Magermilch und Butter wird dadurch erheblich einge­schränkt werden müss-n. _

* Berichtigung. Die in der Schlüchterner Zt^. vom 30. November vsn uns aus Versehen nochmals veröffentlichten Kleinhandelshöchstpreise über Weizen- artes, geschälte Gerste usw. find, wie uns von der Etnkaufrstclle mitgctcilt wird, zum größtcnteil. nicht mehr atltig. Die neuen Preise werden demnächst be­kannt gegeben. Die Redaktion.

Hk. Schafft Arbeitsgelegenheit! Dieser Ruf ergeht im Interesse der Wiederbeschäftigung unserer Hcimkchrenden Krieger nicht nur an Staat, Gemeinden und öffentliche Angestellten, sondern auch an alle Privatbetriebe und Privathaurhaltungen. Neberall werden Arbeiten oder