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F 96.
Samstag, den 30. November 1918.
69. Jahrgang.
Armee Oberkommando 5. M. ^ ^„ Nov. 1918
^n öie Heimat!
, Die Truppen der ^-Armee, bie heldenmütig allen Angriffen vor Verdun getrotzt haben, kehren unerschüttert nach unerhörtesten Anstrengungen in die Heimat zurück.
Aufrechten Hauptes, im Bewußtsein, ihre vaterländische Pflicht bis zum letzt.» erfüllt und die Heimat vor den Schrecken des Krieges im eigenen Lande bewahrt zu haben, ziehen sie mit klingendem Spiel und Gesang durch die deutschen Gaue ihrer engeren Heimat entgegen.
Bnvohner der schönen Lmde an Mosel und Rhein, von Naffau, H.-ffen und Franken, bietet den heimkehrenden tapferen Söhnen u seres Vaterlandes einen
Dank- utt-'MMKsWWMgnch nach dem sie verlangen.
Schmückt Kure Käufer und Straßen und laßt die deutschen Laudesfaröen wehen, damit wir daraus die Liebe der Keimat erkennen, —— die wir so lange entbehrt haven. :- ■■ '■■ —
Helft ale den Soldaten! Vereine und jeder einzelne, greift zu, wo ihr könnt, zeigt die Quartiere, die Wege, sorgt mit für die Pferde, helft das Gepäck tragen, faßt in die Speichen, wo es nötig ist, erleuchtet die Straßen, bietet Eure Hilfe an.
Betrachtet es als vaterländische Pflicht, uns durch Ordnung. Arbeit und Geduld zu unterstützen, um das schwere Werk zu vollbringen, die Armee geordnet und in G.sundheit nach Hause zu führen.
Ein jeder fieffe da^u!
Unseres Dankes sind alle gewiß, die in treuer Selbstverleugnung und mit vaterländischem Opferfinn uns die Heimkehr erleichtern'
Der KSerüeLchE^^M
von der Msrwiy
General der Kavallerie.
Bekanntmachung.
Hier und da vorgekommene Mißverständnisse ver- Mlaffen uns, darauf hinzuwefen, daß die Fronttruppen selbstverständlich nicht zu entwaffnen sind. Zu den Kronttruppen zählen auch vorausgestickte, in dienstlichem Interesse tätige Militärpcrsoncn, wie Quartiermacher, Berdindungr-Offiziere usw.
Frankfurt a/M. 25. 11. 1918.
Der Arbeiter- und Soldatenrat beim stellv. Generalkommando 18 A. K.
Au die Landbevölkerung!
WTB. Berlin. Ihr habt die Aufrufe, die Euch tut Bildung von Bauernräten, Orts-, Gemeinde- und WirtschaftS-Ausschüssen und dergleichen auffordern, zur
Schuld und Sühne.
Roman ooii Käthe LnbowSki.
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Die Angst hatte sie von NastingenS Hergen griffen. Die Furcht vor der Vererbrliig gleicher Anlag-n. Ihr Blut hatte sich als zu schwerflüssig erwiesen. @5 war bei dem Geständnis jenes Morgens aus dem heißen Fraueiiherzen in den Kopf geströmt und fand später den alten Weg nicht inehr zurück. Sie sah sich als Mutter seiner Kinder, frischer, herrlicher Geschöpfe, die vielleicht bewundert wurden. Sie sah sich von bem Berge des Glückes langsam herniedergleiten den Untiefen entgegen, die dem Leben ein Ziel setzeii. Und sie hörte die entfetten Fragen der Menge: „Wie ist daS gekommen? Die Eltern sind doch Prachtmenschen." Sie allein wußten, daß eS anders war. Der Mann trug die Stunde der Schwachheit als Kette an der Seele, die Frau stammte aus einer Familie, die das Leben abschnitt, wenn es zu lang wurde. Da mußte neues Blut hinein. Eine Rasse, die in Ehrenhaftigkeit über, treibt, sein Gesetz Übertritt. Die Diederslebensche Art.
So kam's. Der Wahnsinn einer Stunde zeitigte die grelle Klugheit der Zukunft. Nun hatte sie Diedersle- den ein Kind geboren, Gottlob, daß es ein Knabe war. Ihre Augen wandten sich ihm wieder zu.
Und langsam stieg, aus Schwäche und Einsamkeit geboren, ein wehes Mitleid mit dem Kinde in ihr auf.
Die Wochen woben um Häuser und Gärten das Gespinst des Winters. Marie Luise lag auf einem Diivan und hatte nach der Sitte deutscher Blätter ihr Kind an der Brust. So kauerte sie, und niemand trug he in die Sonne. Diederslebeu war freilich voller Rück- hcht gegen sie. Er hatte nicht geahnt, das so viel Schmerz übenumiben werden müsse, ehe des WeibcS höchste tSeftimmung erreicht ist. Er kam auch zu ihr, bratete ihr Blumen und Früchte und sprach davon,
Kenntnis genommen. Vielerorts hat man büfem Rufe schon Folge geleistet. Es muß erwartet werden, daß die gesamte Landbevölkerung schleunigst sich dieser Aufgabe widmet und zum Wohl des Vaterlandes m'tar- beitet. Die Aufgaben dieser Körperschaften sind zahlreich. Nicht überall ist man üb^r den Wirkungskreis Im Klaren. Die unterzeichneten Verbände geben nach stehend Richtlinien für b e Tätigkeit bekannt, die Ihr auszuüben berufen seid Wir ermarün,. daß im Interesse cer ungehinderten Durchführung der Volk-ernährung in der UebcrgangSzcit von allen Bauern-und Landarb. tter- Räten dcment pcech.md gehandelt wird. Dieser Name soll aussprechen, daß im Hauptberuf selb ändige Landwirte und Arbeiter in diesen Räten gleichberechtigt sind. Auch die Mitarbeit b r nicht landwirtschaftlichen Land- daß der Sohn in das KorpS solle, sobald es nur anginge. Aber sie war jedesmal erleichtert, wenn er Abschied nahm. Sie fror in seiner Nähe. Die langen Stunden des GrübelnS wurden ihr eine liebe Gewohu- heit. Sie fühlte Raltingen sich nahe und erschrak, wenn sie inne wurde, daß er nicht da war. Jede Stunde der letzten Vergangenheit durchlebte sie doppelt und dreifach. Langsam kam ihr dabei die Ueberzeugung, daß die Liebe, die alles vergibt und deshalb alles entschuldigt, jedes Loch in der Ehrenhaftigkeit zustopfen könnte. Damit quoll eine Todesangst in ihr auf. Eine Frage, die hundert andere gebar.
Hatte sie ihn denn mit dieser Liebe geliebt?
Brach sie nicht jetzt mit jedem Gedanken dem Va- ter ihres Kindes die gelobte Treue?
Sobald die Sonne mit bläulichem Schein in den Schwefellichtern des Westens ertrank, stand Erich Ra- stinaeuS Bild vor ihr. Sie wusste nicht mehr wie sie ich vor ihrer Sehnsucht nach ihm retten sollte. Da dachte sie daran, ihm zu schreiben, ohne doch jemals einen dieser Briefe an ihn gelangen zu lassen.
Die Chinesen haben ein Wort, das eine große Rolle im ^ebeii jedes einzelnen spielt. Es heißt „Burn-Mor nnd bedeutet die „Hintertür". Es ist überall vorhanden Selbst dort, wo die Wände glatt und fest und das Leben makellos und rein erscheint.
Das spielte auch hinfort in Marie Luisens Leben eine große Rolle. Sie versorgte ihr und leite e Hanswesen. Danach ^b sie. Und
füllten einen tiefen Kasten. Das Gebäude ihrer Ehe .ein und blaut vor den Menschen, aber durch ein Bian-Btör zogen unablässig die dunklen Gestalten ihrer Wünsche uub Träume ein und aus.
Sie hatte gar nichts gestimmtes mit diesen Briefen nur Vielleicht würden sie einst ihrem Sohn gugute tamnm! Vielleicht auch, wenn ihrer zu mele wurden,
brvölkerung ist dringend erwünscht. Ein „Bauern- uub Landarbelterrat" ist in j:dcr selbständigen Gemeinde zu wählen. Die Gutsbezirke sind in der Regel der benachbarten Gemeinde anzugliedern. Jeder Rat muß aus mindestens sechs Personen bestehen und zu gleichen Teilen aus den Kreisen der im Hauptberuf selbständigen Landwirte und A: bester bezm. nichtlandwirtschaftlicher Landbevölkerung gebildet werden. Für den Bereich jeder unteren Verwaltungt b.hörde ist an deren Sitz ein KreiS- (Bezirks- und bergt) Bauern- und Landarbeiter-Rat zu bilden. Die unterzeichneten Körperschaften bild.n den Zentral-Bauern- und Landarbeiterrat in Berlin, der Anweisungen und Ratschläge erteilt. Die Aufgabe der Bauern- und Landarbeiterräte ist die Unterstützung der zuständigen Behörden durch: 1) Mitwirkung und Beratung bei Erfassung und Schutz der vorhandenen Le- bensmittel, bet Regelung ihrer Ablieferung an die bezugsberechtigten Stellen und bei Bekämpfung des Schleichhandels; 2) Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe, Förderung der Erz ugung, insbesondere durch Sicherung von Saatgut und Steigerung des Anbaues, Wiederaufbau der V ehzucht, Förderung des Genossenschaftswesens ; 3) Mitwirkung bei Aufnahme der ent« lassenen Kriegsteilnehmer und VZchaffung von Arbeit und Wohnung für diese gemäß den Bestimmungen der Demobtlmachungsbehöede; 4) gegenseitige Hilfe beim Schutz von Personen und Eigentum. Volksgenossen! Die Not der Zeit fordert die Zusammenfassung allcr Kräfte zur Erhaltung der Volksw .rtschast. Alles Trennende hat zurückzutreten. Angesichts der großen Aufgaben tue jeder seine Pflicht. Die Stunde verlangt es gebieterisch.
Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft- Bund der Landwirte. Vereinigung der deutschen Bauernver- elne! Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft. ReichSver- band der deutschen landwirtschaftlicheg Lenesseuschasten. Generalverband her beutia, .
BezugSvereinigung der deutschen Landwirte. Deutscher Bauernbund. Deutscher Landarbeiterverband. Allgemeiner Schweizcibund für Deutschland. Hauptvcrband der laudwirtschastlichen Berufsbeamtenvereinigungen Deutschlands. V.rband der preußischen Landkreise.
Die Geschäftsstelle des Zentral-Bauern- und Land- arbeiler-Rats befindet sich in Berlin W. 9, Königgrätzer- straße 12 Jf. Dahin sind alle Zuschriften zu richten/
Deutsches Reich.
— Vom früheren deutschen Kronprinzen. W.T.B. Amsterdam. D^r frühere deutsche Kronprinz landete, der Niederländischen Tel.-Agentur zufolge, um 1 Uhr nachmittags auf der Zuidersee-Jnsel Wieringen, die ihm als vorläufiger Aufenlhast angewiesen wurde. Er begab sich nach der Landung m t seinen Begleitern und einem Holländ'schen Offizier nach dem kleinen Orte Oosterland, wo er das Haus eines Dorfpredigers be- vorher von einer Flamme müqszehrt werde». Sieschried sie, weil sie sich nicht mehr stark genug fühlte, durch stolzeS Schweigen ihre Sehnsucht zu bändigen.
DaS Geheii»nisvolle der verbotenen Stadt, die als abgeschlossener herrliches Reich inmitten von Peking lag, wirkte wundersam auf sie. Diese Residenz der Mmidschnkaiser, der edel» Frauen imb Jungfrauen, der Pasastdiener und Eunuchen mit ihren mehr als zweihundert Palästen und künstlichen Seen, ihren hängenden Garten und Tempeln, deren Dächer vergoldet sind, mit ihren schneeiveißen Marmoraltären und Götzenhainen. Eine ungeahnte Prachtentfaltiitig, ein Jpeiligtir.it für sich. Hub überall von Märchen und Sagen umgeben. Der Hügel, der ungezählte Kohlenschätze bergen sollte, der Spitzberg, von bem sie sagten, daß ihn Pulver und Blei fülle, alles Waffen, wenn der Feind ins Land kam. Alles so geheimnisvoll uub still.
Dem bildete Marie Luise das stille, verträumte Reich nach, das ihr eigentliches Sein barg. Es ging alles ganz ordnungsmäßig darin zu. Die wertoollften Schätze lagen fest verschlossen unter dein Hügel ihrer Bergan- geiiheit. Und wenn ein Feind kommen wollte, sie zu rauben, dann wehe ihm. Den Schlüssel zu diesen Schätze» hatte der dunkle Abend, die Stunde», in denen ihre Seele zu Rastingen sprach. Nenerding» rangen auch die Nächte mit schwülen Atemzügen um seinen Besitz. Aber sie ivehrte sich dagegen. Die Nähe des friedlich schlafenden Satten stachelte ihr Gewissen auf.
„Du, die einst nnerbittlich über fremde Schwächen Gericht abhielt, verlierst Dich in sündhafter Sehnsucht."
Sie biß in die seidene» Bezüge ihrer Kissen, um den Schrei der Berziveislutig zu ersticke», unb dämmerte e»dlich ein.
Aber sie schreckte doch bald ivieder empor.
„Schon lai la!" (bie Geister komme») schrie ihr jemand in die Ohren. 229,1^