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Zur N Kriegsanleihe

schreibt der Fuldaer Zeitung Herr ReichötagSabgeordneter Richard Müller in Fulda.

Flaumacher und Betrüger suchen auch jetzt wieder auf dem Lande und in der Stadt gegen die KriegS- anleihe Stimmung zu machen, wahrscheinlich weil sie sich daraus wucherische Vorteile versprechen. Wenn nu: jedem dieser Biedermännerssgleich die richtige Antwort gegeben würde.

Um alle Zweifel zu beseitigen, muß deshalb noch­mals darauf hingewiefen werden, daß:

1. Die Kriegsanleihe die sicherste von allen Kapital­anlagen ist, und daß die 9. Anleihe die gleiche Sicher­heit bietet, wie die erste und alle anderen Kriegsanleihen daß für die Sicherheit der Kriegsanleihe nicht nur das Reich, sondern auch die deutschen Bundesstaaten und die Steuerfreist, mithin auch das gesamte Eigentum aller Einwohner des Deutschen Reichs haften, daß kein anderes Werlpapirr eine bessere Sicherheit bietet, als die Anleihen der deutschen Reichs.

2. Daß es Pflichl eines jeden Einzelnen ist, soviel zu zeichnen als er nur irgend kann, daß es nicht genügt, wenn die Banken, Sparsamen, Darlehnkassen zeichnen, sondern daß auch alle einzelnen Personen und alle Gemeinden zeichnen müssen.

Die Erfahrung der letzten 14 Tage hat gezeigt, daß an vielen anderen Wertpapieren schweres Geld verloren ging, an den Kriegsanleihen wurde nichts ver­loren.

Deshalb haben hier fast alle Leute, die etwas von der Sache verstehen, auch bei der 9. Kriegsanleihe, wenn sie es konnten große Beträge gezeichnet; ich selbst habe m.in ganzes verfügbares Geld wieder in 9. Kriegsanleihe angelegt, schon am ersten Zeichnungs tage und am 19. Oktober nochmals nachgezeichnet. Möge jeder diesem Beispiel folgen und möge insbe­sondere auch die Landbevölkerung ihre Schuldigkeit tun. Nur dadurch wird ein baldiger Friedensschluß erleichtert.

Ganz unvernünftig und töricht ist es, wenn manche Leute anstatt Kriegsanleihe zu zeichnen, Paviergeld Hamstern. Sie haben dadurch die größten Nachteile und laufen dadurch Gefahr, ihr ganzes Geld zu ver­lieren.

Sie erhalten von dem gehamsterten Papicrg-ld keinerlei Zinsen, sie riskieren, oaß es gestohlen wird oder verbrennt, sodaß sie dann gar nichts haben, sie riskieren aber auch, daß es für kraftlos erklärt wird, bevor sie es mr Einlösung br ngen können, dann ist es gleichfalls verloren.

Jeder, der noch größere Beträge Papiergeld zu Hause hat, versäume keinen Tag mehr, sondern trage es sofort auf die Kasse oder auf die Bank, wenn er sich vor Schaden bewahren will.

PgjnMrlh sann, niemals die gleiche Sicherheit Tiefen wie Kriegsanleihe aus den oben angeführten Gründen, wer sich also vor Schaden hüten will, sollte nur das im Hause behalten, was er zur Bestreitung der laufenden Ausgaben unbedingt nötig hat.

Es sei also jedermann vor den Hamstern von Papiergeld gewarnt, wer trotzdem nicht hört, wird sehr bald zu seinem Leidwesen den Schaden spüren.

Zum Schluffe nochmals: Wer es gut mit sich und seinem Vaterland meint, lege sein Geld in 9. Kriegs- anleihe an._______

koturlss und KrovinsieSes

Schlüchtern, den 25. Oktober 1918.

* Wegen PapiermangelS konnte die Samstags Nummer unserer Zeitung erst einen Tag sväter zur Ausgabe gelangen.

* Den Herren Pfarrern Römheld in Steinau, Kurz in Salmünster und Eringhaus in Mottgers ist das Verdienftkreuz für Kriegshilfe verliehen worden.

* Der Landflnrmmann Karl Gläser aus Herolz (Heeg), z. Zt. auf Urlaub, erhielt auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpfend das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

* KriegZanleihe-Versicherung. Auf die von unserer neuen einheimischen, unter der Verwaltung bet Direktion der Landeskreditkasse in Caffel stehenden Hessen-Nassauischen LebcnSverfichcrungsanstalt einge. führte Kriegsanleihe-Verficherung sei an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht. Wer sich dieser Ein richturg zur Zeichnung der Kriegsanleihe bedient, sorgt in bester Weise für seine Familie und hilft dem Vaterlande!

* Wie auS dem Inseratenteil unserer heutigen Nummer etfibtlidj, ist am kommenden Sonntag, den 27. Oktober wieder für Belustigung unserer Jugend gesorgt, indem Herr JustuS Noß sein hochelegantes Doppelkaruffell, sowie seine große neuerbaute Schießhalle im Hofe der Turnhalle (Grabenstraßes dahier aufge­baut hat. Wir bitten auch an dieser Stelle den Be­sitzer in seinem Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen.

* Die im Kreise Schlüchtern untergebrachten Hagener Landpflegekinder werden Dienstag den 29. Oktober, morgens 7 "Uhr vom Bahnhof in Schlüchtern zurückgeholt werden. Die Herren Vertrauensmänner werden gebeten, mit den Kindern zur angegebenen Zeit am Bahnhof in Schlüchtern zu sein. Bei späterem Eintreffen können die Kinder Hagen am selben Tage, der ungünstigen Zugverbindung wegen, nicht mehr erreichen; gegebenenfalls müssen sie am Abend vorher nach Schlüchtern kommen und im Hotel Stern über­nachten.

* Der Vorstand der Molkerei Schlücktern schreibt unS: Su'bem Artikel der Frankfurter Nachrichten vom 23. OktoberBehördliche Ursachen des Milch- und Buttermangels" bemerken wir Folgendes. Der Artikel- schreiber entstelltste Tatsachen in gröbster Weise. Er stellt sie so dar, als wenn die Molkerei Schlüchtern sämtliche angelieferte Vollmilch mit 21 Pfg. das Liter bewertet, während in Wirklichkeit eS sich nur um einzelne Lieferer handelt, die minderwertige Milch, oder solche, die saure Milch lieferten. Er verschweigt es und das wohl mit Absicht, daß diejenigen Lieferer, deren Milch im Sept drei Prozent und mehr Fett besaß, den behördlichen Preis von 36 Pfennig erhielten, wobei die Molkerei noch die Fuhrlosten übernimmt, die etwa 45 Pfennig das Liter betragen. Das Milchgeld für September ist nicht am 17. Oktober, sondern am

5. Oktober überwiesen worden. Die Molkerei Schlüch tern hat die ihr von der Behörde gestellten Richtlinien noch nie verlaffen und wird sich auch künftighin durch solche Mätzchen nicht dazu verleiten lassen.

* Brot- und Kartoffelversorgung gefährdet! Wie wir hören, gefährdet der Schleichhandel mit diesen Hauptnahrungsmitteln die regelrechte Versorgung unseres Volkes ernstlich. Es steht eine abermalige Verminder­ung der Ration in Aussicht, wenn die ungeordnete, geheime Ausfuhr aus dem Kreise nicht eingebämmt wird. Was das heißt, wieder auf Mindestmenge gesetzt sein, haben wir ja zu Genüge ei fahren und verspüren eS gegenwärtig an der Versorgung mit Fett. Unsere Landwirte werden es noch spüren, wenn sie jetzt nicht nach Vorschrift handeln. Sie werden mit dem, was ihnen zusteht, wieder schärfer herangezogen werden müssen, wenn sie jetzt wieder Recht und Gesetz von der Ernte abgeben. Auch wenn bald Friede werden sollte, kommt unsere Versorgung mit Lebensrnitteln noch lange nicht ins alte Geleise. Wir warnen deshalb nach drücklich und bitten: Hört auf diese Warnung und wehret dem Schleichhandel! Es ist Pflicht aller Ein­sichtigen, der Unvernunft zu wehren!

.* Gemüse aus Roten Beeten. Dieses Gewächs auch Rote Rahne und Rote Rübe genannt, wird im größten Teil Deutschlands meist nur in Form von Salat oder Kompott genossen. In den öffentlichen preußischen Provinzen allerdings ist, auch dieRote Beeten-Suppe" von jeher eingebürgert, in Ost- und Westpreußen und Posen ist sie geradezu eine Art provinziellen Nationalgerichts. Ganz besonders wohl­schmeckend und nahrhaft aber ist Gemüse von Roten Beeten. Der Krieg nötigt uns, unseren Organismus noch immer mehr auf pflanzliche Nahrung einzustellen, als es bereits geschehen ist. Aber die pflanzliche Er­nährungsweise verlangt auch viel Abwechslung. Jedes neue nahrhafte Gemüsegericht ist daher willkommen. Hier das Rezept für Gemüse von Roten Beeten: Ge­waschen, weich gekocht, abgeschält und fein geschnitten oder noch besser fein gehobelt, werden sie mit wenig Wasser, das den Boden des Kochgefäßes etwa 3 cm bedeckt, zum Aufwallen gebrachl. Dann verdickt man sie mit etwas vorher angerührtem Mehl oder Kartoffel­mehl ober mit 23 fein geriebenen Kartoffeln und schmeckt das Gericht süß-sauer ab Ein Zusatz von Aepfeln und Verwendung von Nelken ober anderen Gewürzen, und Zucker erhöht den Wohlgeschmackt. So zubereitet geben die Roten Beeten ein vortreffliches

und auch jetzt unter Berücksichtigung des Mangels an Fett und Fleisch leicht herstellbares, nahrhaftes Gemüse das sich als Hauptmahlzeit für die Spätherbst- und Wintermonate für jedermann eignet. Wer es noch nidjt kennt versuche es! Die Ernte an Roten Rüben ist (n diesem Jahre außerordentlich reich ausgefallen. Während frischer Rotkohl nur bis Weihnachten zu haben ist, kann die Hausfrau mit frischen Roten Beeten den ganzen Winter hindurch und bis in das späte Frü jähr hinein Essen bereiten. Jede Familie weiß es ju würdigen, wenn sie gerade in den schwierigsten Monat., nicht auf Dörcgcmüse angewiesen ist. Wie wir hören, sollen demnächst in den öffentlichen Küchen der meisten Städte Gemüseportionen von Roten Beeten ausgegeben werden.

* Ein Hausmittel gegen die Grippe soll folgen­des sein: Sobald sich beim Patienten Mattigkeit, Hals, unb Kopfschmerzen und Husten einstellen. gurgle man stündlich mit warmem Salzwasser (eine Prise Salz in ein Trinkglas), kleide sich recht warm, besonders über die Atmungsorgane und hüte sich vor Zugluft. Stellt sich Durchfall ein, so erweisen umwickelte Decken aus den Leib sehr gute Dienste, ebenso ein Gläschen Korn­oder Kirschwasser. Der Patient ist, wenn er dieses Mittel sofort bei den ersten Erkältungserscheinungen energisch anwendet, in kurzer Zeit soweit hergestellt, daß er außer Gefahr ist Dennoch ist größte Vorsicht vor Neucrkältuug anzuralen.

* Neue Höchstpreise für Petroleum. Der Bundes­rat hat neue Höchstpreise für Petroleum ungeordnet- sie betragen bei Menge» von 103 Kilogramm aufwärts Mk. 40 ab Lager oder Grenze, bei Verkäufen von unter 100 Kilogramm 45 Pfg. je Liter ab La en und 50 Pfg. je Liter frei Haus. Petroleum ab Straßentank- wagen darf nicht über 37 Pfg. und aus dem Wagen frei Haus nicht über 40 Pfg. je Liter kosten. Holz, fässer dürfen bis zu Pik. 16 für 100 Kilogramm be­rechnet und bei vereinbartem Rückkauf nicht niedriger als mit Mk 13 zurückgenommen werden.

* Eckardroth (Kr. Schlüchtern). Ein besonders tragisches Geschick ereilte ein eben erst getrautes junges Ehepaar welches nach Ankunft in seine neue Heimat Mainz an Grippe erkrankte und beide nach zwei Tagen verstorben.

* Wächtcrsbach. Beherzte Tat! Die 18jährige Tochter des Herrn Gutspächters Map auf Weiherhos, Fcäul. Anna Map, rettete mit eigener Lebensgefahr einem auf dem GutShofe beschäftigten Gefangenen das Leben, indem sie denselben unter den Hörnern eines wütend gewordenen Stiers hervorzog Das Tier hatte den Mann bereits zu Boden geworfen und holte gerade zu kräftigem Stoße aus. Vor zwei Jahren befreite die Tapfere ihren Vater aus einer ähnlichen Lage und wurde auch diesem zur Leben retterin.

* Frankfurt. Preisrückgang. Da Friedensaussichten vorhanden, bangt .s bereits den Wucherern um^thre^ aufgestapelten Warenvorräte. So konnte man am Eilgütcrbahnhof am Samstag von einem Manne gutes Schmieröl, welches in letzter Zeit mit 40 Mack^ bezahlt wurde, für acht Mark den Liter erhalten^ Der Mann gab sogar Probeflaschen ab. Da das Ocl sich als sehr gut erwies, so ging die Ware schnell ab. Auch wurden einer Hausierhändlerin von einem Ge­schäft Schwämme, gute Ware in verschiedener Größe, die man in letzter Zeit nicht mehr zu Gesicht besam und kaum noch zum Wa chen der Säuglinge erhältlich waren für 30 Pfennige das Stück angeboten. Für 3 Mark konnte man bisher keinen bekommen.

* Anspach i. T. Bei der letzten amtlichen Zählung fehlten etwa 25 Rinder und mehr als 70 Kälber an dem Viehbestand der hiesigen Landwirte und Viehhalter. Wohin diese Tiere gekommen sind, weiß heute wohl jedes Kind^

Kirchlicher Anzeiger für Lchlüchieru. Evangelische Gemeinde:

Sonntag, den 27 Oktb. 1918.

Norm. 10. Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Kriegsbetstundc 8 Uhr abends: Herr Superintendent Orth.

Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann.

Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 27. Oktb. 1918.

Vormittags 10 Uhr: Amt mit Predigt Nachm. 2 Uhr: Biltandacht.

Herr Kaplan Ramb.

J -Nr. 6182.

Betrifft: Kortofsclversorgung.

Auf Grund der Bundesratsverordnung über die Kartoffel­versorgung vom 18. Juli 1918 R. G Bl. S. 738 und der Kreisverordnung über die Her! stkartoffelversorguug im Kreise Schlüchtern veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 75 vom 25 September 1918 ist das Liesrrsoll der Stadt auf 4025 Ctr. Kartoffeln fest gesetzt Das auf die einzelnen Kartoffelerzeuger entfallende Liefer soll wird diesen in den nächsten Tagen schriftlich mitgeteilt. Auf das Liefersoll werden angerechnet:

1 .) Die auf Kartoffolkarten an Verbraucher des Kreis-s ge­lieferten Mengen, jedoch nur soweit, als der Erzeuger den Abschnitt der Kartoffelkarten als Quittung in den Händen hat.

2 .) Die von den Herrn Vorsitzenden des Kreis-Ausschusses, an Bedarsbezirke, die der Kreis zu beliefern hat, (Frankfurt, Höchst Wiesbaden und Homburg:) freigegebenen Mengen aber auch nur soweit, als Erzeuger eine Quittung besitzt.

3 .) Die durch die Firma Neuhof hier an die genannten Bedarfsbezirke zur Ablieferung gebrachten Mengen.

Außer den vorerwähnten Fällen darf der Erzeuger keinerlei Kartoffeln von den sicherzustellenden Mengen abgeben. Greift er diese trotzdem an, so werden die Fehlmengen von seinem ihm zu­stehenden Eigenbedarf abverlangt.

Schlüchtern, den 25. September 1918.

Der Bürgermeister: Stückrith.

Die mit dem 1. Juni b. Js. neu in Kraft tretenden

Schuh- Bedarfsscheine Schorustcinfegerbücher

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Warnung!

Wir machen darauf aufmerksam, daß Bierfässer, Bier- n Limouadenstascheu unveräußerliches Eigentum der Brauer­eien sind und nur von diesen benutzt werden dürfen Jede andere Benutzung zu irgendwelchen Haushaltung«, und gewerblichen Zwecken ist strafbar. Wir werden jeden uns bekannt werdenden Mißbrauch strafrechtlich verfolgen.

Brauereiverein Fulda u Umgebung. Umfassend die Brauereien in Alsfeld, ASbach, Fulda, Großen- lüder, Hersfeld, Lauterbach, Kleinlüder, Schlitz und Schlüchtern.

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