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mit, Amtlichem Kreisblatt". Wochcllbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag.

preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum {5 Pfg.

F 84.

Samstag, den 19. Oktober 1918.

69. Jahrgang.

Unserer Kaiserin zum 60. Geburtstag.

Zeut ist ein Tag, den festlich wir begehen L ganzen, großen deutschen Vaterland, AN dem die Fahnen von den Türmen wehen Und froh wir sind trotz allem Weltenbrand; An dem sich an des Zollernthrones Stufen Das deutsche Volk in sichten Scharen drängt, Um seiner Landesmutter zuzurufer, Wie sehr sein Herz in Liebe an ihr hängt.

©

M grüßen dich, die h.ut im Schmuck der Krone Ihn trägt, der sechzig Jahre vollen Kranz, Die du so gerne stets herab von deinem Throne qu deinem Volke gehst, schlicht, ohne Glanz; Die jederzeit mit gücevollem Herzen, Nicht nur ab unsre Fürstin zu uns kam, Die Teil an unsren Freuden, unsren Schmerzen, Als echte deutsche Landesmutter nahm.

Und nun, da uns umstürmt des Weltkriegs Branden, Wie bist du uns da innig nah gerückt, Wie hast du da in allen deul;chen Landen, Dein Volk so oft getröstet und beglückt.

Du machtest feine Schmerzen zu den deinen, Nicht achtend eigner Mullersorgen Leid, Und warst zu füllen bangstes Weinen Der Witwen und der Waisen stets bereit.

Heil dir, die uns als Kaiserin beschtcden Bon Gottes werser, gnäd'ger Fügung ist! gt schirme dich, daß du noch lang im Frieden Zu unsrer Mitte, treue Fürstin, bist. Wir nahen huldigend dir heut aufs neue Und wir geloben dir mit Herz Ntnd H nb, Du hohe, edle Frau, die alle Treu«

Dt: 7*

Johanna Weltzkirch.

Wilsous Antwortnote.

Neue Forderungen Wilsons. Anklage statt Entgegenkommen.

Haag, 15. Oktober.

Nach einem drahtlosen Telegramm des Nieuwe Bureaus aus Washington hat Staatssekretär Lansing dem schweizerischen Geschäftsträger, der die deutschen Interessen in Amerika vertritt, folgende Note zugestellt:

In Erledigung der Mitteilungen der deutschen Re­gierung vom 12. Oktober, die See mir heute überreich­ten, habe ich die Ehre, Sie zu bitten, folgende Antwort an Deutschland zu übermitteln:

Die unbedingte Annahme der in der Botschaft des Präsidenten Wilson an den amerikanischen Kongreß vom 8. Januar 1918 und in dem späteren Beschlusse niederlegten Bedingungen durch die heutige deutsche Regierung und die große Mehrheit des deutschen Reichstags berechtigt den Präsidenten, die folgende offenherzige und direkte Erklärung abzugeben über die Entscheidung, die er auf die Erklärungen der deutschen Regierung vom 8. und 9. Oktober getroffen hat:

Es muß klar verstanden werden, daß die Entschei­dung über die Räumung des Gebietes und die Be­dingungen des Waffenstillnandes Fragen sind, die der Entscheidung und den Ratschlägen der militärischen Ratgeber der Regierung der Vereinigten Staaten und der assortierten Mächte vorbehalten sind. Der Präsi­dent erachtet als seine Pflicht, zu sagen, daß keinerlei Abmachungen durch die amerrtanische Regierung ange­nommen werden können, welche nicht absolute und befriedigende Garantien und Sicherheiten bieten, daß die heutige milltänsche Ueberlegenhelt der amerikanischen und alliierten Streilträfte im Felde aufrechterhalten bleibt. Der Präsident vertraut, mit Sicherheit an= nehmen zu dürfen, daß dies ebenfalls die Meinung und Ansicht der alliierten Regierungen ist.

Der Präsident meint weiter, -. es ebenfalls seine Pflicht ist, Hinzuzufügen, daß weder die amerikanische L egierung noch er selbst vollkommen überzeugt ist, daß die Regierungen, die mit den Vereinigten Staaten affotiiert sind, dem zuftimmen, einen Waffenstillstand in Erwägung zu ziehen, solange die bewaffneten Streit- kräfte Deutschlands ihre gesetzwidrigen, unmenschlichen Handlungen fortsetzen. In der gleichen Stunde, wo die deutsche Regierung sich an die amerikanische Re­gierung mit Friedensvorschlägen wendet, find die deutschen U-Boote damit beschäftigt, auf der See Schiffe zu versenken und nicht nur diese Schiffe selbst, sondern auch die Rettungsboote, worin die Passagiere und Mannschaften ihr Leben zu retten versuchen. Bet ihrem jetzigen erzwungenen Rückzüge in Flandern und

Frankreich fahren die deutschen Armeen damit fort, alles rücksichtslos zu vernichten. Dies wurde und wird immer als ein direktes Vergehen gegen die Regeln und Bestimmungen der zivilisierten Kriegsführung angesehen. Aus Städten i nd Dörfern, so weit sie nicht völlig zerstört, werden alle Dinge, die sie enthalten, geraubt uud oft sogar ihre Bevölkerung verschleppt. Den Re­gierungen, die mit den Vereinigten Staaten affotiiert sind, darf man nicht zumulen, daß sie einen Waffenstillstand genehmigen, solange diese Taten der Unmenschlichkeit, Raub und Verwüstung fortdauern, welche sie bercch- tigterweise mit brechenden und brennenden Herzen betrachten.

Es ist ebenfalls notwendig, damit keinerlei Möglich- keit des Mißverstehen? bestehen bleibt daß der Präsident feierlich die Aufmerksamkeit der Deutschen aus die Be- oeutung und den klaren Inhalt eines der Friedens- punfie- lenkt, den die deutsche Regierung jetzt angenommen hat. Dieser Punkt ist enthalten in der Rede, welche Präsident Wilson am 1. Juli bei Mount Vernon gehalten hat und lautet:Die Vernichtung jeder willkürlichen Macht, die es in Händen hat, allein geheim und aus eigener Willensbestimmung den Weltfrieden zu stören, oder falls diese Macht gegenwärtig nicht ver­nichtet werden kann, wenigstens ihre Herabminderung bis zu tatsächlicher Ohnmacht." Und die Macht, die bis jetzt das Schicksal der deutschen Nation bestimmt hat, ist gerade eine von denen, die der Präsident in dieser Rede im Auge gehabt hat. Es liegt in der Macht des deutschen Volkes, dies zu ändern.

Die Worte des Präsidenten enthalten die berechtigten und naturgemäßen Bedingungen bevor es zu einem Frieden kommen kann. Wenn es zu einem Frieden kommen soll, muß es durch das Eingreifen des deutschen Verirr selbst g-schechen. Der ---resident suhlt sich ge­zwungen, zu sagen, daß die ganze Entwicklung des Friedensschlusses seiner Ansicht nach von der klaren Entschiedenheit, demsgenügenden Charakter der Garantien, die in dieser fundamentalen Angelegenheit geboten werden bestimmt wird. Es ist unvermeidlich, daß die Regierungen, die gegen Deutschland verbündet sind, ohne die Möglichkeit irgend einer Täuschung wessen müssen, mit wem sie zu tun haben.

Der Präsident wird ferner eine besondere Antwort an die österreichisch-ungarische Regierung senden.

gez. Lansing.

*

Es muß darauf hingewiesen werden, daß der vor­stehend übermittelte Text nicht ohne weiteres mit dem amtlichen Wortlaut der Note übereinzustimmen braucht. Dieser liegt noch nicht vor. Abweichungen vom obigen Text find sehr gut möglich.

Staatssekretär des Reichsschatzamtes Graf Roedern über die Kriegsanleihe:

Ob Krieg, ob Frieden, die Zeich-, nung der Kriegsanleihe bleibt in jedem Falle das wichtigste Gebot der Stunde.

Der Kanzler bleibt.

Berlin, 15. Okl. In der heutigen Sitzung hat die sozialdemokratische ReichStagsfraktion beschlossen, mit Rücksicht auf die politische Gesamtlage gegen das Ver­bleiben des Reichskanzlers Prinzen Max von Baden im Amte nichts cinzuwenden.

Da die bürgerlichen Pruteien der Mehrheit sich be­reits für das Verbleiben des Kanzlers auf seinem Posten ausgesprochen haben, ist damit die Kanzlerkrise minde­stens vorläufig beigelegt._________________________________

Deutsches Reich.

Der Kaiser und König hat den Reichskanzler und den preußischen Justizminister beauftragt, solche Personen, die vom Reichsgericht oder von preußischen Mvilgerichten, einschließlich der außerordent ichen Kriegs­gerichte, wegen politischer Verbrechen und Vergehen zur Strafe verurteilt sind, insbesondere wegen Straftaten aus Anlaß oder bei Gelegenheit von Streiks, Straßen- demonstrationen, Lcbensmtttelunri'hen, und ähnlichen Ausschreitungen bestraft find, in weitem Umfange ihm

zur Begnadigung vorzuschlagen. Ein gleicher Anftrag ist von den deutschen BundeSfürsten und Senaten der freien Städte wegen der in ihrem Gebiet begangenen gleichartigen Straftaten ergangen.

Zur militärischen Lage.

Von als objektiv und gleichzeitig im höchsten Maße sachverständig anerkannten Militärkritikern im neutralen Ausland können sich alle Kleinmütigen und verzagten bet uns ermutigende Auskunft über unsere Lage an der Westfront holen. So vergleicht in denBasler Nach­richten" der Schweizer Oberst und Lehrer der Kriegs- w.ssenschaften Egli die augenblickliche Lage der Mittel» möchte mit der des Jahres 1916, wo die zunehmende Gefahr in Deutschland anscheinend bis dahin brachlieg­ende Kräfte ausgelöst hätte und beantwortet die Frage Werden auch dieses Mal die Mittelmächte die Kraft finden, eine Wendung zu ihren Gunsten herbeizuführen?" mit fetzenden Worten :Was ich in den letzten Tagen an der Front gesehen habe, läßt mich erwarten, daß der deutsche Soldat wie bisher seine Pflicht auch gegen Uebermacht tun wird. Von einem Heere, das wirklich hart bedrängt ist und das nur mit Mühe eine Nieder­lage abwenden kann, gehen nicht täglich Zehntausende in Urlaub nach Hause, als ob auf dem Kriegsschauplatz eine Kampfpause eingetreten wäre. Außerdem sind die Ortschaften hinter der Front noch voll Soldaten, die zu Divisionen gehören, die in Ruhe liegen und nicht nur Käste zu neuem Kampfe sammeln, sondern auch fleißig neue Kampfverfahren üben. Und bei den höheren Stäben herrscht eine unverwüstliche Ruhe und Sicherheit, die mir gerade in der gegenwärtigen Lage einen großen Eindruck gemacht hat.

Im BernerBund" aber läßt sich der bekannte Militärschriftsteller »Uz.. an a.-^vernehmen:

Wenn die deutsche Front ihr; Festigkeit bewahrt und elastisch in Bewegung bleibt, so ist das Ganze trotz der geistvollen Führung Fachs eine Abnützungs­schlacht von gigantischen Umrissen, die sich unbefristet in die Trübe des November hineinwälzt."

Solche Urteile unparteiischer Autoritäten sind sicherlich geeignet, jedem unberechtigten Pessimismus bei uns den Garaus zu bereiten, und verdienen daher ein­gehendste Beachtung.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchter«, den 18. Oktober 1918.

* Wie der Oberkirchenrat für die allpreußischen Provinzen, so hat das Casseler Consistorium für unsere Kirchengemeinschaft ein außerordentlicher allgemeiner Landes-Bettag für Sonntag den 20. Oktober angeordnet. Die schwere Not unseres Volkes, die Sorge um unser geliebtes Vaterland treiben uns in diesen Tagen schwerster Entscheidungen mehr als je vor das Angesicht Gottes in dessen Hand Gegenwart und Zukunft unseres Volkes liegen. Als Pcedigttcxt ist bestimmt: Klage­lieder JeremiaS Kap. 3. 3744 5557.

* Allgemeiner Landes-Bettag in Preußen. Ein außerordentlicher allgemeiner Landes-Bettag ist von der obersten preußischen Kirchenbehörde auf Sonntag, 20. Oktober, anberaumt worden. In der Verfügung heißt es:Wir stehen in einer Zeit ernster Prüfung und schwerster Note und Aengste. Besonders schwer lastet in diesen Tagen auf unserer Seele die Sorge um das geliebte Vaterland. Diese Sorge läßt aber unser Volk mehr denn je und um so tiefer das Bedürf- n.s empfinden, im gemeinsamen Gebet seine Zuflucht zu Gott, dem Herrn zu nehmen, ihn anzuflehen, daß er mit uns sei, seine Hilfe und Barmherzigkeit uns nicht versage".

* Die beiden vom Kriege eingeforderten größte» Glocken unserer Stadt sind nun von ihren Plätzen, auf denen sie Jahrhunderte ihrer Friedenspflicht genügt, ent­fernt. Am Sonntag wurde ihr Klang von allen schmerzlich vermißt. Sie find bereit zur Abfahrt; möchte es nicht mehr dahin kommen, daß sie gerufen werden!

* Wegen Auftreten der Grippe wurden die hies. Schulen geschlossen. Es liegen viele Erkrankungen von Erwachsenen und Kinder vor. Auch sind schon einige Todesfälle zu verzeichnen.

_* Die neue Reichsmarmelade. Wie die Reichs­stelle für Gemüse und Obst den Kommunalverbänden mitteilen läßt, wird am 1. November die Verteilung von Marmelade als Brotaufstrichmiltel wieder einsetzen. Die mit diesem Monat ablaufenden Pause entspricht dem auch im Vorjahr befolgten Grundsatz der Reichs­stelle, nur 9 Monate im Jahr Brotaufstrichmiltel zur Ausgabe zu bringen.