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Telefon 65.

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Deutschlarids Schicksalsstunde.

Wirkt. Geh. Rat Prof. Dr. Ulrich v. Wilamowitz- Moellendorff.

Wie richtig haben die gesehen, die bei Ausbruch bc5

:: Postscheckkonto Frankfurt a. M 11468 ::

Xükfcü fiS.

Lisch«'»' UUNwoch u»d SamÄag. p-«>- mitÜr-Isbl-U" »i-ll«,jährlich j,so Mk. rlnj-M» Men di- N-in- s-ii- «dir kSTK YSY

Mittwoch, den 16 Oktober 1918

r|eüt3 die Parallele mit dem siebenjährigen Kriege tn, Wir täuschen uns nicht darüber, daß Deutsch- ß in den Kampf um seine Existenz trat wie damals nuKn. Das schreckte uns nicht. Entschlossen alle Kpict zu bringen, zweifelten wir nicht an dem Aus- nee. Wohl veiführ:en uns die ersten glänzenden i zu der Hoffnung auf rascheren und leichteren n^golg, aber die Zahl der Feinde wuchs, die Opfer nb Entbehrungen wurden stärker und stärker, ganz il! zu König Friedrichs Zeiten. Noch ist das Ende licht abzusehen, das'kein anderes fein darf, als es der i König erzwäng. Indem er f ine Weltstellung ^schmälert behaup.etc, war er von der Welt als gieger anerkannt.

I Die Zeit schreitet so rasch und bringt so Ungeheures ^ wir nur zu leicht vieles vergessen. Wie gerieten ,n doch in den Krieg? Weil wer Oesterreich betzu- chu verpflichtet waren, das Serd.en für ein gemeines «drcchen bestrafen mußte. T aS führte notwendig zu m Woffengange mit Rußland und Frankreich. Sioch Jahre 1887 hatte Vlsmark den Krieg mit den zwei tonten gefürchtet, den feine überlegene Staatskunst vkrhmdern wußte. Der Drcidunb itchirte uns dann ine R.ihe von Jahren gegen jeden Angriff. Jetzt i.:--; er nur roch auf dem Papicc, denn Italien leugnete feine Verpflichtung und bereitete in Wahrheit kreubruch vor. Rußland war nit franjöfijchim bt ;:s$ -«der» gerüstet, ple.^2... .ugr.;r, - » ' feinbliche Diplomatie verstand es geschickt, die Sache o zu drehen, daß wir der Welt die Angreifer zu sein chieu.n. Trotzdem zeigte sich, daß wir in dem Kriege Degen die zwei Fronten des Sieges sicher waren. Nach ahretfrlst standen wir tief in Frankreich und Rußland, er erste Gang war gewonnen.

Aber England war sofort zu unsern Feinden ge- Intin, die es in Wahrheit immer geleitet hatte. Ge- M hatte es in unserm Durchmarsch durch Belgien tuen Vorwand gefunden. Es lockte Italien zum Itat, später Rumänien. Trotzdem gelang die U.ber= Inbung von Serbien und Montenegro, die Verbindung mit Luigarten und der Türkei, die sich uns angeschlossen hatten. Wohl mußten unsere Kolonien erliegen, aber linglcnbS Flolte wagte keinen Angriff auf unsere ästen, versuche dagegen ganz Deutschland wie eine gefung auszuhungern. Auch dieser Versuch ist miß- lungen. Rußland ist kampfunfähig geworden, hat ebenso wie Rumänien Frieden schließen müssen. Dem englischen Heere sind wir nichr als gewachsen. Auch bei zweite Gang ist gewonnen.

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Schuld und Sühne

Roman von Käthe Lnbowski.

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»Habe ich Dir weh getan, Bibra?"

Du," keucht der andere da mit neuerwachendem Willen,Warum tust Du mir das au? Ich hab' Dich ss lieb gehabt, mich an Dich festgeklammert. Jetzt stößt mich abwärts, erniedrigst mich zum Hund. Laß mich doch gehen."

Da merkt Nastiugeu, daß ihm nichts erspart bleiben f | soll. Er erzählt ihm die Geschichte seines Vaters.

Der dunkle Tag geht auf leisen Sohlen dem Mit- )Miog entgegen. Bibra leidet fortivähreud unter Auwaud- ungeu großer Schwäche. Aber er sagt nicht mehr, daß ft zu seinem Obersten gehen nnd die Angelegenheit klären will.

Der Arzt bringt gegen Abend eine Grane Schwe- ter mit, die Vibras $ siege übernehmen soll. Er äußert >ch nicht über Bibras 'Zustand, aber die Pflegerin meint, daß etwas wie ein Nervenfieber im Anzug sei. lit Rastingeu tut bis zu seinem offtziclleu Ausscheiden 'einen Dienst mehr. Er sitzt am Nachmittag desselben Dages in seiner Wohnung an dem Schreibtisch nnd denkt über die Worte nach, mit denen er Marie Luise »in das Recht bitten will, sie auch vor der Welt die II feine nennen zu dürfe». Nicht einen Augenblick zweifelt er daran, daß sie eine frohe, beseligende Antwort m «eben wird. Was hat das Tragen der Uniform denn mich mit der Liebe zn schassen, deren Glut ein ganzes Leben durchwärmen soll! Er denkt doch,daß sie ahuuugs- 11,1 los ist, was heute tu der Frühe vor bem Obersten gesprochen wurde. Sie soll es auch vorläufig wp ler bleiben. Vielleicht erzählt er ihr einmal davon, wenn sie in Boldrouw beisammensitzen und das ««nüufenev lodert. Rastingeu ist nicht etwa niederge- brochen über sein Schicksal. Das stolze Beivußtsein der «wele» Anständigkeit niacht ihn für jetzt noch mm»p.

In dem dritten und schwersten Gang stehen wir. Amerika, das heimtückisch von Kriegsbeginn an hinter unsern Feinden stand, sendet seine neugeb ldeten Heere herüber und stellt alle seine materiellen Machtmittel in Dienst. Fast die ganze Erde hat sich den Feinden an- schließen müssen. Und nun enthüllen sie die Kriegsziele, die sie von vornherein im Auge hatten. Die Zertrüm­merung Deutschlands, die Vernichtung unseres Hand.ls und unserer Industrie, die LoSretßung deutscher Lande streben sie offen an, Straßburg und Danzig sollen wir preiSgeben.

Es ist gut, daß sie es offen bekennen. Nun muß jeder begreifen, daß Deutschland seine Schicksalsstunde erlebt, die über Sein oder Nichtsein entscheidet. Keiner soll in der Zuversicht wankend werden, daß der Sieg uns trotz allem bleibt. Denn daß sie un^r Heer nicht überwinoen können, daß Deutschland nicht zu bezwingen ist, das gestehe» die Feinde durch ihre krampfhaften Versuche, unsere Einigkeit zu zerstör.». Daher die blendenden schönen Phrasen, die sie wie Gasbomben herüberschießen, unser Urteil zu betäuben.

Tyrannen, bie ihr eigneS Volk mundtot und recht­los machen, wollen uns einreden, wir sollten eine Frei hett suchen, wie fie sie haben. Die Henker Irlands und Griechenlands spielen sich als Befreier auf. Die Schein- heiligkeit orakelt von einem Völkerbünde und von ewigem Frieden. Das wäre ein schöner Friede und ein schöner Völkerbund, in dem die Angelsachsen die Führung hätten. An Portugal kann jeder den Segen dieser britischen Bevormuneung sehen.

Dennoch liegt in diesen Lockrufen die größte Gefahr. Die Phrasen tönen so süß, daß es verzeihlich ist, wenn

Politische Uebersicht.

Räumung kann nicht erzwungen werden.

Oberst von WaUenwyl stellt in derZüricher Post" fest, daß, falls die Entemch.ere den deutschen Rückzug aus Nordfcar.kceich und Letgien mit Waffengewalt erzwingen wollen, diese LäaRr für lange Zeit hinaus dem Kriege zum Opfer fallen würden, auch solche, die unter dem Krug bisher v-rhäAniSmäßig wenig gelitten haben. ES sei dab i völlig ungerecht, die aus KcicgS- Handlungen entstehenden Zerstörungen einfsttig den Deuifchen zur Last zu legen. Die in vorderer Kampf­linie liegenden Ortschaften unr Städte seien dem Unter­gang mit absoluter Sicherheit verfallen, ohne daß dabei böswillige Zerstörungen milwilkei müssen. Der Schw izer Ovelft, der St. Qurnttn vergangenes Frühjahr besichtigte, kann ni - t ve- s ehen, was die Dcuychen heute angeblich noch verwüsten sollten, nach­dem doch damals schon St. Oaenun eine Trummer- stätte war. Ganz ähnllch seien die VerhaUnisse in Cambrai, das im Frühjahr zwar wesentlich besser erhalt,n gewesen sei als Sl. Ouentin, j tzt aur wieder wochenlang b.n Fliegete»griffen uns dem Ge­schützfeuer der Angreifer auZgefetz: war. Weder a ..- drohung auf Wicdcrvcrgeliung an deutschen Städten noch GAdentschaolgungen in irgendwelcher Höhe sonnten das vom Krieg migeetie G.biel wieder heil machen.

England in Erwartung.

Rotterdam, lu. Olt. Nach holländischen Blätter- meldungcn aus London vom Mittwoch mittag ver­breiten die Londoner Zenm.g.u SondKauegaben mit dem Wortlaute der W lssiischeii Amwoi. u o i ttig land. Die »Dailu News" r 8 d«

er frein

en.

Die Macht dcs Mammon, der keine Ehre und kein Vaterland kennt, ist überall so gewaltig, daß es auch an solchen nicht fehlt, die durch die Baisse des eigenen Volkes zu gewinnen hoffen. Genau so war es in Na poleons Tagen, und damals war Deutschland nur ein geographischer Begriff, und Preußen war zu Boden geworfen. Und doch gelang die Befreiung.

Aufwärts darum die Herzen!

Aufrecht steht auser Heer, unsere F otte steht nicht in der Verteidigung, sondern im Angriff. Todesmutig streben unsere Zuuglinge, unsere Knaben zu den Waffen. Willig bringt duS Volk seine Ersparnisse dem Vater- lande. Immer besser lernen wir uns in die Einschrän­kungen des Lebens schicken. Auch in dem letzten Gange werden wir Sieger sein, wenn wir nur einig bleiben, den Mutigen folgen, und unsere Enkel sollen ein leich­teres und reicheres Leben kereinst uns danken, wie wir den Mutigen danken, die in ungleich schwerer Stunde 1813 das Schicksal bezwungen haben, das dem mutig Ausharrenden hold i|t.

tF»«4.w >ww»i»na-e-a- ver L-itiror: Wuwim die Einleitung zu auge-netnen Frledensbe,. rrchungcr

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filidlich gegen die kleinen Nadelstiche, die folgen müssen. Es ist ihm, als ob er auf einem Berge stehe und in die fernste Weite blicken könne, weil er den Aufstieg und den Nebel übetnmnben hat. lind neben ihm ist Marie Luise und sagt ganz leise:

Und können wir nicht in den Himmel hinein,

So werden wir ihm doch nahe sein.

Seine Feder gleitet über das Papier. Es ist etivas Freies und Starkes in ihm. Er sagt ihr alles, was sein Herz an Znknnflshvffnnug und Schmerzen bewegt. Mit jebem Satz zeigt er ihr, wie hoch er sie emschätzt, indem er das schrankenlose Vertrauen, das nicht fragt und forscht, als selbstverständlich mm ihr fordert. Zum Schluß bittet er sie um schnelle Antwort.

Als Rastingens Bnrsche diesen Brief in der Regen- steinschen Villa abgeben will, sieht er Hauptmann von Diedersleben in großer Uniform hineingehen. Er zer­bricht sich über daswozu" erfolglos den Kopf. Es ist heute doch weder Parole noch sonst irgend etivas loS. Auch hat er den Herrn Obersten vorher auf seinem Schimmel ausreiten sehen.

Am nächsten Morgen erhält Rastrugen mit der Fruh- post einen Bries, der Marie LniseS Schriftzüge trägt. Er wiegt schwer in seiner Hand

Fn heißer Seligkeit preßt er seine Lippen darauf, ehe er Um öffnet. Dann riegelt er die Tür ab unb reißt seinen Umschlag ab. Sein eigener Brief fällt ihm nner- öffnet entgegen. Ohne eine Zeile von ihr, ohne eine Er» ^Es^vergehen Stunden, ehe er begreift, was sie da- mit sagen will. Unb alS er e« begriffen hat, meint er immer noch, daß er über irgend etwas den Verstand verloren habe. Er geht zu einem Eckt. ch anf dem eine Karaffe mit Wein und geschliffenen Elafern steht. Cr zerbricht ein paar schnell hintereinander.

d Das ist doch Glas," lallt er dann mit schwerer Qnime vor sich bin,und dies ist meine Stube, und das bin ich. Kein Geist, säubern ein Mensch. Meine Hände

und zum WastLNplllfiünbe sei. D'.oTime- ' und die Morningpotz" meid.n, daß die Veroünderrn stch in ihrer Geiamlheit. die Wilsousche Stellungnahme erklären werden, unb daß sie d.e weiteren Ausführungen Deuijchlands noch für Ende dieser Wv^e e'lwarten.

N-ttcrm Druck wirkliche» MKygeis.

Die Lo»dün-.r Mornin^pchr erwähnt laut Frkf. Ztg. in einem Lettcruk-.l das en^l.jche Volk, die Ent- dtyrungcn des lom »enden Winkers ruhig zu ertragen, da die Opfer viel größer geworden seien. Die Hufs- mittel seien nicht unbegrenzt. Wir stehen auf dem Punkt, Druck den wirklichen Mangels am eigenen Luv za fühlen unb tiefer Druck muß bei uns stärker fein, damit er bei den Bundesgenossen nicht zu park wird. Die Zeit ist gekentmen, alle Hufsmittel in einer Hano zu vereinigen, wie wir es mit der Schiffahrt getan haben. Der stärkste Mangel wird an Suhlen und Levensmltteln, bejonbers Milch unb Fieifch einireteii.

Ein arktisches Eidralrar.

Anläßlich der Hisfung ler englischen Flagge au awa»g>^C*ffiir3^K^Ji<g?«^^ ^S^ : "7S"^I^?b- --- - v^ip, ^"^<5

sind ja ganz heiß. Nur irgend ettvas in mir ist gestor­ben. Das fühle ich an der Leere. Hub irgend etwas schreit und pocht. Das mwsm doch meine P 7;.- Uäae sein. Unb das hier ist mein Brief, den ich an ie schrien. Und diesen Brief schickt sie mir zurück."

Er setzt sich und starrt stnmui vor ach nieder.

Und ich bin doch wahnsinnig. Es ut ja alles gar nicht wahr. Auch die ScundebeimO r'.en n.'tebt leb ' lieh in meiner kranken Einbildung.BibraSKrankä-it :.:) dieser Brief erst recht.

Aber bet Brief ist doch da. hier. Ich "tmiitere ihn, ich balle ihn jitmmmm, ich trete mit den 7 illeu darauf. Es ist doch Wahrheit, und i>. habe meine Sinne noch."

Er schreit nur wie ein ivUdes Tier unb speit mir Marie Luise- Schriitzeichen.

Dann versinkt er wieder in Starrheit.

Als der Abend kommt, wählt er ein bmu.eS Zivil und geht auf die Straße hinab. Der Fähnr:ck> Klaube und ein bekannter Zivilist kommen an ihm vorüber. --ie sehen ihn scharf an, ohne zn. grüßen. Der haltr^bb.'u Aehulichkeit mit Lentnant Rastingeu," sagte Hänschou Gloobe.

Im ersten Augenblick, vielleicht. Aber der da i t \i ein Greis gegen Suren Rittergntsbeuher," memt der Zwilstr.

Rastingen stolpert weiter, bis er vor der Negeiutem- schen Villa steht. Will er hier etwa Innern '

Um keinen Preis. Jgn schüttelt ein 1 -albei 'Y.

Aber er geht uicht fort. Er bleibt reguKSlas stehen, ohne zu wissen, daß er es tut. Da Schrot um noen < t Fenster. Ruth Regenffm» fielst mit verweinten Augen ; i ihm herab. . .....

Warten Sie ein Weilchen. Ich mich sie -prewen, ruft sie ihm hastig zu.

Er tut ihr mechanisch den Willen. Als sls vor ih.u steht, vergißt er, sie zu grüßen. Ihr fällt es u. u am. Sie winkt ihn in den Garten. I» der nahezu ein Alter­ten Jasminlaube stehen sie sich gegenüber. 221,18*

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