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mit, Amtlichem Kreisblatt". Wochcnkilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Telesou «8. :: Pofrschk,«onto Frankfurt a. M. 11468 :: $ekf9n 83.

Erscheint Rkit.woch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 15 pfg.

F 81. Mittwoch, den 9. Okiober 1918. 69. Jahrgans.

Dir önilfdje Flöte an Mson.

W Berlin, d. Oktober.

Die durch Vermittlung der Schweizer Regierung an den Präsidenten Wilson übermittelte Note hat folgen« ben Wortlaut:

Die deutsche Regierung ersucht den Präsidenten b£r "üercintgten Staaten von Amerika, die Herstellung beä Friedens in die Hand zn nehmen, alle krieg- jührenden Staaten von diesem Ersuchen in Kenntnis u setzen und sie zur Entsendung von Bevollmächtigten Leb Aufnahme der Verhandlungen einzuladen. Sie nimmt das von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongreßbrtschaft vom 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen, namentlich der Rede vom 27. September ausgestellte Programm als Grundlage für die Fitedensverhand bangen an; um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deutsche Regierung den sofortigen Abschluß eines allgemein.n Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Lust herbeizuführen.

Max, Prinz von Baden, Reichskanzler.

Wie der Reichskanzler in seiner Rede bereits ange­deutet hat, steht die Türkei im Begriff einen gleichen Schritt zu tun.

.Ginstehe für Pflichterfüllung

bis zum Aeußersten!" Das hat einst ein deutscher Offizier dein Kaiser aus dem fernen Kiautschou gedrahtet, als schon der Tod an die Tore seiner Festung pochte.

Auch vor der Festung Deutschland steht der Tod. Acht Mal schon ist der Aussall geglückt, der grinsende Schnitter zurückgetrieben. Jetzt wird zum neunten Male Sturm geblasen. Bis in die letzten Ecken und Winkel des Reichs dringt der Ruf zur neuen Offensive des Geldes, zum neuen Wettkamps der , silbernen Kugeln, wie eitler Feindredünkel sich einst ausgedrückt Hot.

Svammng hält die Welt gefangen. Wird die Sesch chte einst den Enkeln wieder erzählen: . . und all«, alle kamen! ?" Sie dürfen nicht« anderes hören und werden nichts anderes hören, unsere Enkel, wenn jeder für uns einsteht für Pflichtersüllung bis zum Aeuhersten.

Darum zeichne!

Die Kreuz-Zeitung mdbet:

Auch . die konservative Fraktion des Reichstages stellt wie die ganze Welt unter dem Eindrücke der wcltgeschichtlichen Bedeutung dcS von dem Herrn Reichs­kanzler verkündeten Friedensangebotes. Von den Ereignissen, die daran antnüpfen werden, hängt auf Jahrzehnte und Geschlechter hinaus die Zukunft dcS Deutschen Reiches und Volkes ab. Als der Herr NeichStagspräsideut erklärte, daß die Mehrheit des Reichstages mit diesem Schritte einverstanden sei, hatte die konservative Fraktion sich einer solchen Erklärung zurzeit nicht anzuschließen vermocht. Ueber die Gründe für diesen Entschluß, über die Nolwendigkeit des Friedensangebotes, seine Ausführung im einzelnen und seine Aussichten zu reden, schien ihr, bis die Antwort erfolgt ist, nicht am Platze, und deshalb unterließ sie es auch, auf einer Erölterung im Reichstage zu be­stehen. Nachdem der Schritt getan ist, gebietet die vaterländische Pflicht ausschließlich, alles zu tun, um i^m den mög'ichst günstigen Erfolg zu sichern.

Daß auch wir Konservative unserem Heere und unserem Volke von ganzem Herzen einen baldigen Frieden wünschen, daß auch wir mit dem Herrn Reichs kanzler einig und entschlossen einem redlichen Frieden zustreben, dazu bedarf es nicht vieler Worte. Volle Zustimmung aber finden auch bei uns die Erklärungen des Herrn Reichskanzlers und des ReichStagspräsiden- ten, nach denen das deutsche Volk ebenso entschlossen zu dem letzten Kampfe auf Leben und Tod ist, wenn v.e Antwort der Feinde zeigen sollte, daß sie weiter »«ihrem V.-rnichtungSwtllen festhalten. Einen schmach­vollen Frieden, einen Frieden, der Deutschland den ~ebensatem unterbindet, will in Deutschland kein -otenfdj. In solcher Lage, wie die unsere es ist, ver- failt sicherlich schmachvollem Untergänge, wer sich der Gefahr ehrenvollen Unterganges entziehen wollte. Zur Verteidigung unserer Zukunft als Nation wird darum

Heere wie in der Heimat nach wie vor ein jeder vas letzte Opfer zu bringen bereit sUn. Lebt so in und Heer der fest entschlossene Wille, den Kampf, ^nn es nötig ist, durchzuführeu, bis ein Friede in ^hren und in Sicherheit erkämpft ist, so steht ebenso MMfest die Zuversicht, daß dieses Ziel erreicht werden wird. Noch stehen unsere tapferen Truppen in eiserner Unüberwundener Mauer weit in Feindesland; noch

sönnen und wollen sie dort auf lange Zeit hinaus Stück für Stück des besetzten feindlichen Landes ver­teidigen, so daß der Feind jeden seiner Schritte nur mit dem größten Einsatz blutiger Opfer erkaufen kann; noch tun unsere U-Boote unabwendbar ihrZerstörungs- werk. Schmachvollen und vernichtenden Friedensbedin- gungen will und braucht das deutsche Volk sich nicht zu fügen.

Mitbürger!"

Die Schicksals/tunde unseres Vaterlandes, unserer Heimat nahe! Ein gewaltiges Ringen an der äußeren und inneren Front der Deutschen und unsrer Verbün­deten hat eingesetzt zur Entscheidung für Wahrheit und Recht oder für Lug, Trug und List. Entweder gibt es in Zukunft ein freies oder ein geknechtetes deutsches Volk. Wie den alten Römern und Griechen das Vaterland das höchste Ideal war, so soll und muß auch uns unsere Heimat, unser Vaterland ein Heiligtum sein, in dem wir alle ausgehen. Wenn gerade jetzt die äußeren und inneren Fronten unserer Verbündeten hier und da ins Wanken zu geraten scheinen, so ergibt sich für uns erst recht die Notwendigkeit der Einsetzung aller Kräfte. Nicht mutlos werden und fragen, was soll es werden! Nein- wir fragen, wir müssen und werden siegen! Dazu gehört in erster Linie die Hin­gebung an das Ganze? Banne den Egoismus und die Gewinnsucht? Was nützet Dir ein Sack voll Geld, wenn ihn Dir die Feinde wieder abnehmen! Sei kein engherziger Selbstling, sondern verkette Dein Wohl und Weh mit dem Deiner Mitbürger, dann wird die Begeisterung und die Kraft des ganzen Volkes wieder aufleben! Denke nicht, wenn ich nur lebe; nein wir Alle müssen, das Ganze muß und unser geliebtes Vaterland soll leben!

Da wir Deutschen auf die Produktion unseres eigenen Landes angewiesen sind und bet der Verschie- benanigteit der P^uktüu.swoffe iu den einzelnen LanteSieilen zur Erwährnvg der Gesamtheit Anordnungen für die richtige Verteilung der Nahrungs- mittel getroffen werden mußten, nach welchen der Kreis" als kleinste Lebensgemeinschaft zur selbstän digen Versorgung anzusehen ist, so darf ich mich nun an die Kreiseingesessenen wenden und zunächst an unsere Landwirte oderSelbstversorger". Es ist ja schon so manches Wort an Dich lieber Bauer, an Dich liebe Bäuerin gerichtet worden, daß ich es wohl wagen darf, dies noch einmal in der bittersten Zeit oder Stunde unseres gemeinsamen Lebens zu tun. In der FriedenSzeit und bis auf den heutigen Tag haben wir doch immer gemeinsam je nach unserer Leistungs­fähigkeit Opfer für unsere engeren und weiteren LebcnSnotwendigkeiien gebracht. Gib doch diese Ge­meinschaft im Leben jetzt in der Zeit schwerster Not nicht auf! Gib Dich nicht der schnöden Gewinnsucht hin! W.rf nicht das Kreuz der Liebe und Barmherzig­keit von Dir und solltest Du es getan haben, so nimm e§ wieder auf und halte es hoch und rein. Eine Liebe ist der anderen wert! Gedenke in erster Linie derer, die ohne Halm und Ar Dir auch sonst im Leben nahe gestanden sind und Dich unterstützt haben. Laß Dich durch hohe Geldangebote für irgend welche Nah­rungsmittel nicht verführen, Deine zunächst liegenden Pflichten nicht zu erfüllen. Wenn Dir Beispielsweise irgend einer12 Mk." oder mehr für ein Pfund Butter bietet, so schlag ihm den Schädel rin, denn er ist nicht würdig einDeutscher" zu sein, er ist ein Selbstling, der keine Rücksicht nimmt auf seine ärmeren Mitmenschen und so die Solls traft und den Willen des Turchhaltens schwächt. Hast Du etwas übrig, so laß es nur denKreiseingesessenen" zukommen und halte Fremdlinge fern, denn wir sind innerhalb des Kreises zunächst auf einander angewiesen und der Kce.S in seiner Gesamtheit hat wieder Verpflichtungen anderen Kreisen oder Großstädten gegenüber zu erfüllen. Auch die VersocgunzSberechligten innerhalb des Kreises wer- den Dich für das Dargebotene ausreichend zu entschä­digen wissen und sie sind im eigenen Interesse ver­pflichtet, alle Schäden und Handlungen, die eine Er­nährung im engeren Kreise gefährden, rücksichtslos zur Anzeige zu bringen und deren Abstellung zu fordern. Ich halte es für daS größte Unrecht, daß man taufende von Fremdlingen im Kreise duldet, die auf Kosten der Kreise gesessenen VcrsorgungSb.rechtigten es sich wochen­lang wohl sein lassen, und daß wir dadurch anderen Kreisen die Last der Ernährung abnehmen. Ich halte es ferner für wenig rücksichtsvoll seitens der Fremden, in unsern sechstversorgenden Kreis einzudringen und die notdürftige Ernährung der KreiSeingesessenen zu gefährdiN. Dir Unterhaltung dieser vielen Menschen

ist doch nur durch Umgehung behördlicher Anardmrnge möglich, denn wie wäre eS anders möglich, daß diese Leuten täglich Fleisch, Butter, Milch, Eier pp. vorge setzt werden konnten, während die Einheimischen am Hungertuche nagten! Nur durch Geheimschlächterei und Schleichhandel! Bleibe jeder z« Hanse und nähre sich redlich, dann wird keiner zu klagen haben! Den armen Kranken aber wollen wir gewiß gern hilfreiche Hand bieten. Die Geheimschlächterei fol ja einen er­schreckenden Umfang angenommen haben und bet Schleichhandel noch sehr im Kreise blühen. Bo bleibt da die Geheimpolizei! Wo bleibt der WirtschaftSauS- ausschuß! Mit der Ehre, Mitglied dieses AuSschusseS zu sein ist es nicht getan, die Arbeiten find umfangreich und vielseitig. Wir Alle wollen dem Grundsatz hul­digen:Leben und leben lassen, Lieben und nicht hassen " Wenn wir Alle selbstlos uns dem großen Ganzen hingeben, dann wird es um» vergömu sein, demnüchstwieder ein mächtiges, freies, Achtung gebieten­des Vaterland zu sehen, in dem wir uns einer sittlichen Wohlfahrt erfreuen dürfen.

Denke ja niemand an die Verwirkltchmrg MMt»« politischer Ideen des schlauen Fachs«» jenseits der großen Teiches, hinter denen nur der »nerschitlerliche Wille unsrer Erdrosselung steckt. Wenn unsere Feinde

und an deren Spitze Wilson den Frieden diktieren sollten, so wird es unter Andrem heißen: Gold her, Silber yer, Getreide her, Kartasieln her, Vieh her, Kleider her, friß Dreck Du deutscher ®U*»e und Deinen bloßen Körper werde ich mit Knutenhiebeu bedecken." Denke doch niemand an eine ritterliche Be­handlung und ^Nachsicht seitens unserer Feinde! Schenke doch keiner demMiesmacher" Gehör, der den Lügen in schwungvollen, verlockenden Worten unserer Feinde mehr traut, als dem einfachen und ehrlichen Wort unserer eigenen Führer. t m.' dem Mtßmut vud Jammern! Es gilt um unsere Ehre, um Gut unh Blut, barum mache Deinen Arm frei - nn schwerer Schlag, mache Dein Herz tr - -ten .tfuamig ^-n - Pflichten, sei treu ein jeder auf seinem Posten suf den ihn das Schicksal g^Uk hat, und wir werden bald wieder die Msrgeuröte des heranfsteigendeu Glanzes unseres deutschen Vaterlandes schauen Mimen. Dem Schwachen, Zweifelnden und Ttrauchrludm sei zum Trost und zur Aufmunterung n>$ nachstehende Weissagung" des DichtersRobert Homerliu," (gestorben im Jahre 1889) bekannt gegeben. (Origi­nal im Staatsarchiv in Hamburg.)

Meine Hellen Sehcraugcu tauch' ich ein im ewgen Lichte" Und vor meine Seele treten zukunftstreue Traumgefichte. Durch das tuchverhüllte Dunkel totenfchwangerer ferner Zeiten

Sey' ich eine hohe Göttin nah und immer näher schreiten..

Tu, o zwanzigstes seit Christi, wassenMrrend und bewundert

Wird die Nachwelt einst Dich nennen dasgermanische Jahrhundert."

Deutsches Volk, die weite Erde wird not dir im Staube zittern,

Denn Gericht wirst Du bald halten mit den Feinden in Gewittern.

Englands unberührter Boden wirb dein starker Fuß zerstampfen,

Ueberall wird auf zum Himmel hoch das Blut der Feinde dampfen.

Und den tönernen Gigantcn Raßland stürzest du zerborsten,

Ja der Ostsee reichen Landen, wird der deutsche Adler horsten.

Ocilerreich, Du tot geglaubtes,eh' die zwanzig Jahr" vergchn,

Wirst Du stolz und jagendkräftig tot don ».elen £(!** stehn.

Und sie werden Dich, erzitternd beugen sich »or.Doin«» Ruhm,

Herrscherin des Ostens nennen, weites dentschs« Kaisertum.

Mit des neuen PolenS Krone wird sich stolz ein Habs- bürg kränzen,

Unter ihm in junger Freiheit neu wirb bte Ukraine glänzen. ~ ,

O geliebtes Volk, ich hör» schon die ZymSsl«, Geigen Und die Pauken und Lvompeten p- dem groß'» HimmelSreigen.

Freue Dich der Heldenzeilen! Das Geschick ist Dir verbündet,

Fürä t« nichts von deinen Feinden, Wahrheit hab' ich

Dir verkündet I Deutschland hoch!"

Anackpr.