für die Stadt und den Kreis Schlüchtern.
F?s. Mittwoch, den 25. September 1918
Telefon 65.
J.-Nr. 5683 K. ä.
Die nächste Bulle nkörnng finbet am 5. Oftober
H. J^- ,n
(nicht Schlüchtern) statt. Die Herren Bürgermeister eriuche ich, dies in ihrer Gemeinde öffentlich bekannt zu geben.
Die letzte Bulenkörang im Jahre 1918 findet am 14. Dezember 18 in Schlüchtern nah.
Schlüchtern, den 23. September 1918.
Der Königliche Landrat
J-Rc. 10310. Dem Flüschbeschauer und Tcichinen- schauer Joh. Rüster in Ahlersbach wird vom 1. 10. d. Js ab die Schlachtviehs und Fleischbeschau, sowie die Trichinenschau D den Gemeindebezirk HeroJ übertragen. Dessen Stell Vertreter ist der Fleischbeschau» r und Trickinenschauer Bür- nermeiftcr Valentin Nöll in Herolz.
Schlüchtern, den 18. September 1918.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
. . J.-Nr. 10774. Für die bevorstehende Unlerrichts- Periode der ländlichen Fortbildungsschulen bestimme ich den 18. November d. Js. als Anfangs- und den 28. gebruar 1919 als Endtermin Die Zahl der gesamten Unterrichtsstunden wird sonach in den Schulen mit 6 wöchentlichen Unterrichtsstunden 78 und in den Schulen mit 4 wöchentlichen Unterrichtsstunden 52 betragen.
Die Herren Bürgermeister werden auf Veranlassung des Herrn Regierungspräsidenten darauf aufmerksam gemacht, daß die Gemeindebehörden nicht befugt find, ohne Genehmigung der Aufsichtsbehörden den Unterricht in der Fortbildungsschule auszusetzen oder zeitweise ausfallen zu lassen.
Schlüchtern, den 18. September 1918.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Betr. Saatgut-Menge.
Ich gebe hiermit bekannt, daß dem Anträge des Kreisausschusses auf Erhöhung der Saatgutmengen bei Roggen und Gerste nicht entsprochen werden konnte. Es sind als Saatgntmengen zugelassen worden bei Winter-Roggen je ha 170,5 kg bei Handsaat Winter-Roggen „ „ 160 „ „ Drillsaat Winter-Weizen „ „ 200 „ „ Handsaal
Winter-Gerste „ „ 176 „ „ Handsaat Mehr zu säen ist nicht erlaubt und ersuche ich die Herren
.——---„----------T-r, ...... —»<».v|u.ug.ni<irjn^»~ »ten bäten, können bis zum doppelten Beilage der M gezeichneten Schatzanweisungen umgetauscht werden. Die günstigen Gewinnausfichten, die Verringerung in Anzahl der Schatzrnwetsung.n durch die Tilgung, am b:e gute Verzinsung werden, zumal die glücklichen
Bürgermeister die Einhaltung dieser Sätze zu überwachen. Schlüchtern, den 24. September 1918.
Der Vorsitzende des Kreis Ausschusses.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung wiederholt ortsüblich bekannt zu machen. Schlüchtern, den 24. September 1918.
Der Vorsitzende des Kreis Ausschusses.
Abt. I Va Nr. 19003.
Betrifft: Ausweiskarten für Heeresnäharbeite«
Im Nachgang zu den Versügunaen vom 4. 12. 16 I Vu Nr 22250 bezw. 14. 12 16 I Va Nr. 23345 und vom 15. 8. 18 I Va Nr. 17920 ersucht das stelln. Generalkommando, daß bei der Ausstellung von AuSweiSkarten für Hceresnäharbeiten arbeitsuchende Schwangere, brüst- . stillende und Kinderreiche Mütter besonders berücksichtigt und im Rahmen der hierfür geltenden Grundsätze möglichst bevorzugt werden.
Frankfurt a. M., den 13. September 1918.
Stelln. Generalkommando 18. Armeekorps.
J.-Nr. 10549. Unter Bezugnahme auf die Bekanut- machungep in den Kreisblättern Nr. 40. von 1899 und Nr. 41. von 1903, die Erteilung von Wandergewerbeschetnen betreffend ersuche ich die Ortspolizeibehörden, die Anträge auf Erteilung von Wandergebescheinen für das Kalenderjahr 1919 baldigst hierher einzureichen.
Zugleich bestimme ich gemäß Ziffer 65 Schlußsatz der Ausführungsanweisung zur Gewerbe Ordnung vom 1. Mai 1904 — Sonderbeilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 24. für 1904 — daß sämtliche Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen für das Kalenderjahr 1919 aus den Ortschaften Ahl, Ahlersbach, Altengronau, Bellings, Breitenbach, Breunings, Eckhardroth, Eim, Gundhelm, Herolz, Heubach, Hintersteinau, Hohenzell und Hütten nach Muster A. und B. des Antragsformulars zu behandeln sind. Im übrigen sind die Anträge der Pferdehändler und Kcfselfl cker pp. stets nach Maßgabe der Muster A. und B. des Antrags formulars zu prüfen. Alle in den Antragsformularen enthaltenen Fragen müßen genau beantwortet werden; ein Strich statt der Antwort genügt nicht, auch ist es nicht zulässig, die Frage einfach durchzustreichen. Auf die richtige und ausreichende Beantwortung der Frage 9, betreffs des Unterhalts der Kinder, ist besonders zu achten Unter „Unterhalt" ist nicht allein die Bestreitung der Beköstigungskosten, sondern die Wartung, Pflege und Erziehung der Kinder überhaupt zu verstehen.
Die Wandergewerbescheine muffen mit der Photographie des Inhabers, gemeinsame Wandergewerbescheine wie derjenigen des Unternehmers, wenn ein Unternehmer nicht
er deren Raum {5 pfg.
69. Jahrgang.
rbreiteste Zeitung im Kreise
ctalswechsel vermeiden will, der Nur diejenigen auswärtigen stellt haben, können verlangen, rt wird. Wer später bestellt, Pfg. bezahlen. — Jede Post-
uer Zeitung"._________•
lern fanden, ist nicht ermutigend.
lg begleitet aber den neuen Ver ihr ersehnten, gesicherten und erbringen, mit dem aufrichtigen iß die von einem tiefen Ver- edlec Menschlichkeit eingegebenen R. Regierung den diesmal er« >cn mögen. Im Namen der tat der Unterzeichnete die Ehre, stand bereit ist, an dem vorge- ausch teilzunehmen.
deusbewegung.
Berner Tagblatt" erfährt, daß andslos geworden sei, denn es ur auf Wilson ankomme. Wäre leben getreu als Friedensfreund atente garnicht gedacht, etwas furchtbare Verantwortung fällt cn der Vereinigten Staaten, gefallen; die Welt erkenne, daß zweier großer europäischer ' kommen habe.
J «uervu sia.^rW
Lchr.olichkeit des innerdeutschen Formen angenommen hat, die veranlaßten, vor den Kruppschen sindringlichen Ruf nach Einigkeit ct sich Havptschriftleitcr Cuno 9crl. Morgenpost,,, indem er Professor Dclbrücks Irrwege" Berliner Univerfitätsgeschichts- chen folgendermaßen kennzeichet: cn w r wiederholen, daß die des Herrn Dr. Delbrück uns mindestens ebensoviel, wenn
KW-fptkM-M-rRftkM'-ilNM'lltAl Lälilli! Uött ütl'UMM^ Prinzipien des Friedensschlusses entspricht dem Geiste der Fcicdensbereitschnft und Versöhnlichkeit, den die verant- wotlichen Staatsmänner des Vierbundes und die berufenen Vertreter der verbündeten Völker immer wieder bekundet haben. Die Aufnahme, die frühere ähnliche
gen wie die Alldeutschen. Es lieg fortbauert, weil alldeutsche )tgung unmöglich machen. Das ■tfi Min? mrhwuutzigr «ktschleierung der Wahrheit. Wahr ist vielmehr, daß per Krieg fortbauert, weil sich der Feind mir uns nicht verständigen, sondern uns vernichten will. Warum verhehlt Prof. Delbrück die Tatsache, daß die Alldeutschen in Deutschland ein Haufe von Querköpfen find, die in der praktischen Politik nichts
Schuld und Sühne.
Stonian von Käthe Lubowski. 40
„Es gilt ein Menschenleben, Jgnaz."
„®ut. So werde ich mich auffetten und es befor» steil. In fünf bis sechs Stunden sollen Sie es haben."
„Ich muß es in einer haben, Jgnaz."
„Unmöglich. Aber gehen Sie mal znm David. Er W zwar mein schlimmster Feind, aber was tut man Hidii um ein Menschenleben."
Und Rastingen geht zn David.
„Wo der Herr Lenluant verkaufen seine Mull und tem Getreide, wirb er auch erhalten koscheres Geld. Ich hebekeins."
. „Ich gebe Ihnen morgen 4000 Mark zurück, David."
„Tut mir leid. Ich mach's nicht."
„Ich gebe Ihnen 4200 Mark."
„Bedaure. Ihr Vater selig hat mich geschlagen mit 6(111 Stock, weil ich ihm verhandelt hab' inS Vorgespann 'inen Krippensetzer, ivo ich selbst mit betrogen war."
„5000 Mark!" sagt Rastingen monoton.
„Und wenn Sie mir bieten 10000. Was kann ich kaufen vor Versprechen? Der Hanptmann Müller sinnig hm mir versprochen für 20 000 Mark 40 000. -‘ll't ich hab' das Geschäft gemacht. Und ich hab's >!»vze Geld verloren. Ich borg' Ihnen nichts."
. Da geht Rastingen. Er stürzt fort auf die Post. EUkicht ist es gerade in diesem Angenblick gekvin- »teii. Es ist nicht da.
Er steht wieder vor Bibra. Sie sehen sich an. Nie- tnavd tut eine Frage. Sie verstehen sich auch so.
Nebenan schlägt eine Uhr halb acht.
Noch zivnnzig Minuten, und sie müssen sich auf den ^rg machen. RastingeuS Bursche bringt soeben den mizug herüber, den sein Lentnaut für den Herrn Oberst dntlichl.
„Wir müssen — uns — umziehen, Bibra." Der rührt sich nicht.
Endlich sind sie doch fertig zum Gehen. Eilt hastiger Schritt poltert die Treppe herauf.
„Hören Sie?" schreit Bibra, „es kommt!" Er hat alle Genmlt über sich verloren. Rastingen geht hinaus.
„Es war der Bursche, der die Biilch bringt."
In Bibras Augen blitzt wahnsiuuige Angst auf.
„Gehen Sie allein, Rastingen. Ich bleibe hier. Sagen Sie ihm, daß ich es gewesen bin, daß ich nicht mehr in das Haus kommen könnte, in beut Rnth lebt."
„Es hilft nichts. Sie müssen mit. Passen Sie auf, eS wird irgend ein Wunder geschehen!"
„Ja, Rastinaen, Sie haben ganz recht. Und Sie werben mich nicht feige schelten. Der Wunder allerbestes wirb geschehen — die große Stille, in die auch mein Vater ging."
Rastingen schiebt ihn sanft vorivärts. Er wehrt sich gegen den Zivaug. Er wirft sich über den Tisch und beißt in das harte Holz.
„Ruth — meine Ruth —!" Da nimmt ihn Rastingen ganz zart und sagt ihm ein paar Worte in das Ohr: „Sie iverden leben, Bibra. Jetzt aber kommen Sie,
eS ist hohe Zeit.
11. Kapitel.
Ruth Regeusteiu liegt noch in festem Morgenschlum- mer, als Bibra und Rastingen durch die Gartenpforte schreiten und langsam über den gelben Kies auf die Villa ihres Vaters zugehen. Sie zerreißen dabei unnachsichtig die dünnen Herbstfäden, die über ihnen schweben. Ihre Augen sind starr auf den blanken Knopf der Klingel gerichtet, den Rastingen zögernd berührt.
Rkarie Luise ist von dein Ton, der oben in ihrem Zimmer wie ein leises Kiuderiveinen durch die Luft zittert, emporgefahren. Sie hat bereits ihr Rtorgeukleid ü>nßeivorfen und sich in die Lektüre eines Buches ver
liest, daß sie jetzt beiseite legt. Sie tritt aus Fenster, um zu sehen, wer zu dieser ungewohnten Stunde vor dem (Eingang „für Herrschaften" Einlaß begehrt. Als sie gewahr wirb, daß es Erich Rastingen und ihr Bruder ist, neigt sie sich durch das bunte Geivirr der Wein- blätter weit hinaus. Die Minute, die vergeht, bis der Bursche zum Oeffueu erscheint, genügt, um ihr die beiden Gesichter da unten deutlich zu zeigen. Sie greift mit der Hand in die nickenden Ranken und preßt die Lippen zusammeu. Sie bedarf des ganzen Anfgebots ihres starken Willens, um nicht hinunterzurufLN: „Was ist Euch geschehen; ich habe ein heiliges Recht, so zu fragen, denn ich stehe Ench beiden am nächsten."
Der verzweifelte Ausdruck in den jungen Gesichtern redet eine allzu deutliche Sprache von Qual und Angst. Nur die einzelnen Buchstaben daraus vermag Mari» Luise nicht zu entziffern. Es ist ein beständig ivechseln- der Ausdruck um den Mund der jungen Offiziere, toi» ihii Kinder haben, die zil gut exogen sind, um laut zu weineu, wenn sie Schmerzen haben. Einen Augenblick kämpft die Scheu der Mädchenhaftigkeit mit der Besorgnis, die sie als Geliebte uns Schivester empfindet. Dann trägt die letztere den Sieg davon. Sie öffnet bereits die Lippen zn einer Frage hinunter. Da hört sie das Aufmachen uub Zuschlagen der Tür. Sie hat zu lange gezögert. Nun steht sie hier oben und ringt in der Vorahnung von etwas Schrecklichem die Hände. Sie wird von keiner krankhaften Einbildung genarrt, es ist kein bloßes Spiel ihrer durch den Besuch bei der Mutter überreizten Nerven. ES muß ihnen irgend ^twas geschehe» sein. So sieht kein Offizier ans, der um unwichtiger Sachen zu seinem als gütig bekannten Ober^ sie» geht.
Einmal ist ihr der Bruder ähnlich verzerrt und verängstigt erschienen, damals als der Onkel ernstlich erwog, ob er seinen Leichtsinn nicht am besten heilte, wenn er ihni durch Entziehung der Subsistenzmittel die Uniform auSzwang. 229,18^