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F 75

Mittwoch, den 18 September 1918.

69. Jahrgang.

«.»ticklands friedliche Entwicklung. Der Vernichtungs­wille der Feinde.

In Essen, wo er als Gast der Kruppschen Familie weilt, «der Kaiser gestern eine länger« Rede an die Arbeiterschaft tata, nachdem er von Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach worden war. Der Kaiser sprach in warmen Worten e Anerkennung für die gewaltigen Leistungen bei deutschen Eilinie und Technik aus und gedachte der unermüdlichen ililikeü der Arbeiterschaft, m der heute auch die Frauen in Keilbein Maße ch rangezogen werden. Die Wirksamkeit der ^ch um so höher einzuschätzen, als sie auch für -Haus und wilie zu sorgen hätte uub oft noch um den Mann im Felde M Sie Anforderungen, die jetzt ohne Unterschied des Alters

Geschlechts au jeden gerichtet würden, seien beispiellos. ^ solle nicht glauben, daß ihm als Landesvater die Not der [neu unbekannt geblieben sei. Auch er habe ihre Sorgen tiefsten Herzen empfunden und oft in Gesprächen mit ^ern, mit Witwen von Landsturmleuten erfahren, was diese ist Dann fuhr der Kaiser fort:

Es hätte manches anders gemacht werden können, und daß mer hie und da Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder, r wem verdanken wir dies letzten Endes? Wer hat davon am Anfang beS Krieges gesprochen, daß die deutsche M und das deutsche Kind ausgehungert werden sollten? Wer e« geweseii, der den furdjtbaren Haß in diesen Krieg hinein- recht hat? Das waren die Feinde! Wir wollen uns doch über klar sein, wie die Dinge stehen. Ein jeder von Euch, i in die fernste Ecke unseres Vaterlandes hinein, weiß, daß i keinen Schritt unversucht gelassen habe, unserem Volk und IKsamtheil der gesitteten europäischen Welt diesen Krieg ichü eJukürzeir Im Dezember des Jahres 1916 habe Hu offene s, klares und u N - «i e rbe n t1 g s

unsere Feinde. Wir tarnen ihnen an die Nähte, und ;war!"W erdet stark wie Stahl, und der deutsche Voltsblock durch ersprießliche Arbeit und ersprießliche Entwicklung: Jn-^>isamniengeschweißt, der soll dem Feinde seine Kraft zeigen, busirie und Wissenschaft, Künste und Volkserziehung, sozialerer also unter Euch entschlossen ist, dieser Meiner " Gesetzgebung usw. Dadurch kam unser Volk in die Höhe, nd da saut der Neid und veranlaßte unsere Gegner zum Kampf, und es kam der Krieg über uns, Die wir ahnungslos gewesen "aren, und jetzt, da die Gegner sehen, wie alle ihre Hoffnun- gen, die sie in den früheren Jahren gehegt haben, trügerisch gewesen sind, wie unsere gewaltigen Heerführer, nach deren Namen mit Recht Eure neuen Werkstätten genannt wurden, Schlag auf Schlag ihnen versetzt haben, nun erhebt sich auch noch der Haß dazu.

Meine Freunde, wer haßt? Der Deutsche, der ö e r m anet e nntkeiue n H a ß. Wir kennen nur einen ehrlichen Zorn, der dein Gegner einen Schlag versetzt, wenn er aber darniederliegt, reichen wir ihm die Hand voll Sorge für seine Heilung. Der Hag zeigt sich nur bei den Völkern, die sich unterlegen fühlen. Wenn also Meine Landsleute betrübt sind oder sich darüber wundern, daß ein so furchtbarer Haß bei unseren Feinden vorhanden ist, so liegt das daran, daß ihre Berechnungen verfehlt gewesen sind. Ein jeder, der den ilarakter der Angelsachsen kennt, weiß, was es heißt, mit ihnen ;u fechten, der weiß, wie zähe sie sind. Im vergangenen Jahre in Flandern, wo unser Heer monatelang einer fünf« sachen Ueberlegenheit standbot, habe Ich gesagt:Kinder, seü>

tschloffen ist, dieser Meiner Aufforde­rung nachzukommen, wer das Herz auf dem rechten Fleck hat, irrt die Treue halten will, der stehe letzt auf u. verspreche Mir an dieser Stelle der gesamten deutschen Arbeiterschaft:

Wir «vollen kämpfen und durchhalten bis zum Letzten. Dazu helfe uns Gott!

lind wer das will, der antworte mit einem Ja ! (Die Ver­sammelten antworteten mit einem lauten Ja). Ich danke Euch. Ätit diesem Ja gehe ich jetzt zum Feldmarschall. Es gilt nun für jeden von uns, die gelobte Pflicht aud^u erfüllen und an Geistes- und Körperkraft das Aeußerste einzusetzen für das Vaterland. Jeder Zweifel muß aus Herz und Sinn gebannt werden. Jetzt heißt es: Deutsche, die Schwerter hoch, die Herzen sta rk und die Muskeln ge. st r a f s t zum Kampf« gegen alles, was gegen uns steht, und wenn es noch so lange dauert. Dazu helfe uns Gott! Amen.

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Und nun lebet wohl, Leute!

riebe n5a u ge b o t im Namen des Deutschen Reiches und iner Verbündeten den Gegnern übergeben. Hohn, Sport b 8 era ch t u n g i st die Antwort gewesen. Der da n kennt mein Gefühl der Verantwortung. Wiederholt in vergangenen Monaten haben verantwortliche Leiter aus Regierung des Reiches in unzweideutiger Weise jedem, der verstehen wollte, zu verstehen gegeben, daß wir jederzeit be- t fjnd, die Hand zuni Frieden zu bieten. Die Antwort war ausgesprochene Bernichtungswille, die Aufteilung und Zer- ueüernug Deutschlands. Es gehören zuni Friedenmachen N Wenn nicht beide wollen, vermag der eine nichts, vor- -aseht, wenn er nicht den anderen niederwirst. So steht der plute Vernichtungswille unserer Gegner uns gegenüber, und

absoluten Beruichtungswillerr müssen wir den absoluten Heu, unsere Existenz z u wahren, entgegenstellen, str tapferes Heer draußen hat Euch diesen Willen und die t Mim,- sei es im Borstürmen, sei es in der.RÄckwärtsbr- gung, sei es im Stellungskampfe. Es kommt nur darauf , daß der Gegner möglichst viel verliert. Das ist erfolgt und ; geschieht noch weiter! unsere todesmutige Marine ha

bewiesen. Gegen starke Neberlegenheit hat sie den Fei Wagen. Unsere U.-Boote nagen wie der zehrende Wurni

Hebensmark der Gegner, mehr wie unsere Feinde es zu- i wollen, wenn es auch manchen unter Euch zu lange

Euch klar, das ist kein Krieg wie früher, das ist ein Kampf um unsere Existenz, die man uns streitig machen will". Bei einem fairen Kampfe geht es Zoll um Zoll: wir wissen nicht, wann das Ringen beendet sein wird, aber das wissen wir, daß wir den Kampf bestehen müssen. Nun, Meine Freunde, laßt Euch nod) auf etlvas hinweisen.

Ihr habt gelesen, was kürzlich in Moskau passiert ist, die gewaltige Verschwörung gegen bie jetzige Regierung. Das parlamentarisch regierte und demokratische Volk der Engländer hat die ultrademokratische Regierung, die sich das russische Voll jttzt zu formulieren begonnen ha., zu stürzen versucht, weil diese Regierung in Wahrnehmung der Interessen ihres Vater­landes dem Volke Den Frieden, nach Dem es schreit, erhalten, Der ÄiigelsaMK aber :-,»!. keine-: Jenden haben will. So sieht es also aus. Es ist ein Beweis des Gefühls der Uuterlegenheit Day es zu solchen verbred)erifd)en Mitteln greift

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Tiefen unvergleichlichen Heldentaten unseres Heeres und lerer Flotte muß ein Rücklmlt geschaffen werden. Nicht nur der Arbeit, sondern auch in Sinn und Gedanken unseres I!« Es handelt sich nicht nur darum, unserem tapferen r und unserer braven Marine Material und Ersatz nachzu- irben, sondern es handelt sich auch bamm, daß ein jeder »scher und eine jede Deutsche t^, daß wir um unsere jstenz kämpfen und ringen. Wir werden das lotste aufbieten müssen, um uns siegreich zu wehren. Ich u mir wohl vorstellen, daß mancher unter Euch in dieser «w Kriegszeit sich wiederholt die Frage vorgelegt hat:Wie das kommen können, und warum mußte uns das passieren, Wr doch 40 Jahre lang Frieden hatten?" Ich glaube, das W Frage, die einer Antwort wohl wert ist. Es ist eine W, bie auch für die Zukunft beantwortet werden muß für und unsere Enkel. Ich habe auch lange darüber nachge- l und bin dann zu der folgenden Antwort gekommen: Wir len alle aus unserer Jugend, aus unserer heutigen Lage, unserer Beobachtung, in der Welt ringt das Böse mit dem M und das ist einmal von oben so eingerichtet. Das Ja b das Nein, das Nein beS Zweiflers gegen das Ja des Er- H will ich mal sagen, das Nein des Pessimisten gegen das

Optimisten, das Nein des Ungläubigen gegen das Ja Aanbenshelden, DaS Ja des Himmels gegen das Nein der le.

Nun, Ich glaube, Ihr werdet Mir darin Recht geben, ln man diesen Krieg bezeichnet als hervorgegangen aus st' großen Verneinung, und fragt Ihr, welche Verneinung

Es ist die Verneinung der Existenzberechtigung des beut- n Volks. Es ist die Verneinung aller unserer .Kultur. Es r Verneinung unserer Leistungen und unseres Gelteus. Tus deutsche Volk war fleißig, in sich gekehrt, regsam und irisch auf allen Gebieten. Es arbeitete geistig und korper

Gs gab aber solche, die nicht zu arbeiten wünschten, son- u auf ihren Lorbeeren ausruhen wollten. Das waren

Jetzt kommt es auf die letzte Anstrengung an. Es geht n in s Ganze. Und weil unsere Feinde es wissen, weil sie vor den deutschen Heeren den größten Respekt haben, weil sie einsehen, daß sie unser Heer und unsere Marine nicht nieder­ringen können, deshalb versuchen sie es mit der Zersetzung im Innern, um uns mürbe zu machen durch falsche Ge­rüchte und Flaumacherei. Das sammt nicht aus den Kreisen Des deutschen Volkes, das sind künstliche Machwerke; aber ein jeder, der auf solche Gerüchte hört, ein jeder, der unverbürgte Nachrichten in Eisenbahn, Werkstatt oder anderswo weitergibt, versündigt sich am Vaterland. Der ist ein Verräter und herber Strafe verfallen, ganz gleich, ob er Graf sei oder Arbeiter. Ich weiß sehr wohl, daß ein jeder von Euch Mir darin recht gibt.

Glaubt Mir wohl, es ist nicht leicht, jeden Tag die Sorge der Verantwortung für ein Volk von siebzig Millionen zu tra­gen und dazu mehr als vier Jahre all die Schwierigkeiten und Die zunehmende Not des Volkes zu sehen.

Der Kaiser sprach dann von dex Erkrankung der Kaiserin, deren Gründe er ihnen mitteilte, und fuhr fort: Wir haben ein schönes Wort, das uns die Heilige Schrift zuruft, das heißt: Alle Eure Sorge werfet auf ihn, er sorget für uns". Dazu das andere Wort:Trachtet ant ersten nach dem Reiche Gottes so wird Euch solches alles zufallen". Das soll heißen, daß wir Dir irdischen Sorgen von uns werfen, Damit wir frei sind für unsere Aufgabe. Wie können wir Gott gefallen und sein Herz erweichen? Dadurch, daß wir unsere Pflicht tun. Worin be­steht unsere Pflicht? Unser Vaterland freizumachen. Infolge­dessen haben wir auch die Verpflichtung, mit allen unseren Kräften auszuhatten int Kampfe gegen sein« Feinde. Jeder von uns bekommt von oben seine Aufgabe zugeterlt: Tu an Deinem Hammer, Du an Deiner Drehbank und Ich auf Meinem Thron. Wir müssen aber alle auf Gottes Hilfe bauen, und der Ziveifel, das ist der größte Undank gegen den Herrn. Und nun frage Ich Euch ganz einfach und ehrlich: Haben w ir denn eigentlich Grund, zu zweifeln.

Seht doch mal die vier Jahre Krieg an, w<w wir für ge­waltige Leistungen hinter uns haben. Eine halbe Welt stand gegen uns und unsere treuen Verbündeten, und jetzt haben wir Frieden mit Rußland, Frieden mit Rumänien; Serbien und Montenegro sind erledigt. Nur im Westen kämpfen wir noch, und da sollte uns der liebe Gott im letzten Augenblick noch ver­lassen? Wir sollten uns schämen über unseren Kleinmut. Der kommt aber dann, wenn man Gerüchten Glauben schenkt. Aus den Tatsachen, die Ihr aber erlebt, da schmiedet Euch den festen Glauben au die Zukunft Eures Vaterlandes.

Wir haben oftmals daheim und int Felde, tu bei Kirche und unter freiem HimmelEine feste Burg ist unser Gott ge­sungen, daß es hinausgeschallt hat in das Himmelsblau und in Die Gewitterwolken hinein. Ein Volk, aus Dem ein solches Luc entstanden ist, das muß unbezwingbar fein. Meine Bitte und Meine Aufforderung an Euch und durch Euch an die gesamte Arbeiterschaft, die sich so ausgezeichnet und tüchtig bewahrt hat, und durch Euch an das gesamte deutsche Volk geht dahin: Für Mich nnb Mein Verhältnis zu Meinem Volke sind maßgebend Meine Worte vom 4. August 1914:Ich kenne keine fr eien. Ich kenne nur Teutsche!" Es ist jetzt keine Zeit mhi fn Parteiungen: wir müssen uns lebt alle zusammensch u^ einem Block und hier ist am ehesten das Wort am Platze.

DieKriegspsychose".

Aus der Geburstagsrede des Reichskanzlers verdient besondere Hervorhebung der Hinweis aus die Er­scheinungen die der Krieg tu der Volksseele ausgelöst hat. Bet unseren Feinden ist der Haß bis an die Wahnsinnsgrenze gesteigert worden; bn uns dagegen hat die Neigrvig zur Kritik sich noch verschärft. Graf Hertling sagte:

Der Krieg ist das größte Gesamterlebnis für ein Volk. Er befähigt zu ungeahnten Leitungen, aber er stellt auch gewaltige Anforderungen an die N ervenkraft. Nicht umsonst spricht man von einer Kriegspsychose und bezeichnet damit die seelischen Erscheinungen, die der Krieg auszulösen pflegt. Die Kriegspsychose zeigt fuh daher bei sämtlichen am Krieg beteiligten Völkern, aber sie tritt je nach der Eigenart der letzteren ver­schied«» aus .Bei Mseren Feinden tritt ;:e in der Form eines an Wahnsinn grenzen«« Hasses gegen die Zentralmächte auf, vor allem gegen Deutschland, in Haß, der durch eine ununterbrochene Kette der utt- geheuerlichsten Verleumdungen genährt wird und sich in unerhörten Schmähungen alles dessen Lust macht, was uns wert und heilig ist. Bei uns dagegen äußert die Kriegspsychose ihre Wirkung vor allem nach innen in der Verstärkung der Neigung zur Kritik, die nun einmal dem Deutschen eigen ist und die sich mit Vor­liebe gegen die Regierung und ihre Maßnahmen wendet, und in einer Verschärfung der Parteigegensätze. Darin, meine Herren, liegt zweifellos eine Gefahr. Nicht, daß von da eine wirkliche Erschütterung im Staatsieben zu befürchten wäre, dazu ist das deut chc Volk in seiner weit überwiegenden Mehrheit zu ein- sichsvoll und verständig, wohl aber durch den Eindruck, der bei unseren Finden hirvorgeiufcn wird. Sie träumen von einem bevorstehenden inneren Zusammcn- druch, bauen daraus ihre Siegeshofsnung und ver­längern um deswillen den Krieg. Hier ist darum eine ganz besondere Abhilfe no wendig. Was wir brauchen, ist ein einheitliches festes Zusammengehen von Kaiser und Reich, Regierung und Volk

Hierzu bemeikt die Fuldaer Zeitung:

Graf Hertling hat hier eine zutreffende Unter­scheidung gemacht. Die Stimmungen und Gefühle, die sich in den Köpfen und Herzen ansammeln wie der Dampf im überhitzten Kessel, suchen ihr Ventil nach entgegengesetzten Richtungen. Da drüben richtet sich der Auspuff gegen das Ausland, also vor allem gegen den deutschen Feind; bei uns geht der Dampf- strahl der Unzufriedenheit auf die inländischen Ver­hältniße los: gegen die Regierung und gegen die anderen Parteien und überhaupt gegen die einheimischen Zustände.

Im allgemeinen ist'» ja löblich, wenn man me Schuld an Lasten- und Leiden nicht einfach auf fremde Schultern schiebt, sondern das eigene G wissen erforscht und sich zu bessern sucht. Der Haß ist nicht «, und die Schmähungen anderer Völker find nich edel. Aber die häusliche Kritik wird auch ungerecht riw schädlich wenn sie in Uebermaß, Einseitigkeit und Selbstzerfleischung ausartet Unsere sucht zu Nörgeln und Schelten hat leider vielfach das rechte Maß über schritten. Auch schon vor dem Kriege, und davon liegen die schlimmen Nachwirkungen bereits handgrcis- 1 Deutschland ist in der feindlichen Welt und auch bei treten Neutralen in den Ruf gekommen, eS fei ein Land der brutalen Knechtschaft, nicht bewohnt von Staatsbürgern, sondern von Helmen, die sich vergeblich Mimmten' unter dem Fuße der militärischen und junk.rstch n Tmaueret. Tatsächlich war Deutsch and, und das müssen in lichten und ehrlichen Augenblicke«