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B, Amtlichen! Kreisblatt". Wocheubcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich {,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum (5 pfg.

Mittwoch, den 11. September 1918.

69. Jahrgang.

2lmtlid^5.

, fc. 5300 K. A.

Am Samstag, den 21. Siptemlur 1918, vormittags 10 ßlhr

fmbet in Schlüchtern an der Stadthalle eine Ziegen- bodtörung statt. Zu dieser sind nicht nur die Böcke umführen, deren Ankörung erstmalig gewünscht wird, sondern auch sämtliche bisher schon augckör- ttit Ziegenböcke.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, aus vor- sichende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Wäse (Schelle rc.) in ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 7. September 1918

Der Königliche Landrat: ron Trott zu Solz.

iTie 9. Kriegsanleihe.

[ Während unser unvergleichliches Heer in zähem Ringen dem wilden Ansturm der Gegner tapfer stand- fält und alle Durchbruchsversuche unter den schwersten kindlichen Verlusten zunichte macht, wird demnächst ron neuem der Ruf der Rrtchsleituug zur Kriegsanleihc- Zächnung ergeh n, um weiter die Mittel au»zubringen, die das deutsche Volksheer in dem Verteidigungskampfe um Heimat und Herd in seiner bisherigen Schlagfertig- feit erhalten sollen. Kein Deutscher darf zögern, zur Erreichung dieses Zieles beizutragen. In der Kraft unsmS Wirtschaftslebens, in der auperolventlichen Flüssigkeit des deutschen Geldmarktes sind die Vorbe- dingungen für einen guten Erfolg der Kriegsanleihe gegeben. Wenn jeder gegenüber dem Vaterlande seine Wicht tut, wenn jeder sich vor Augen hält, daß die KäehSanleihc-Zeichnung einen w.sentlichcn Bestandteil des Willens zum Durchhalten darstellt, der das deutsche Volk beseelt, dann wird auch die 9. Kriegsanleihe zu einer neuen, gewaltigen Großtat werden. Sie wird ben Feinden gegenüber Zeugnis ablegen von dem unge­brochenen Glauben an den Erfolg unserer guten Sache gib damit zu einem weiteren Baustein des künftigen Friede,nswerkes werden.

An den bewährten ZUchnunzsbedingungen ist auch diesmal nichts geändert worden. Es werden fünfpro- (entige Schuldverschreibungen und viereinhalbprozentige auslolbare Schatzanweisungen zum Preise von 98 Slots für 100 Mark Nennwert ausgegeben. Bei Ein­tragung der Kriegsanleihe in das Schuldbuch mit Sperre bis 15. Oktober 1919 tritt eine Ermäßigung des Zeichnungspreises auf 97,80 Mark ein. Die Aus­losung der Schatzanweisungen geschieht nach dem gl-i- ^gÜJL"^ ................ '"1

Schuld und Sühne

gemalt von Käthe Lubowski.

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Wenn er sich über den Ausgang der Revision tün­chen sollte, wenn sich während derselben das, was ihn [Estern wie ein Blitzstrahl traf, als ein belangloses Zu- sünimentreften vieler Zufälligkeiten dartnt, ihm wird niemand den gehabten Verdacht nachweisen können. Er muß auf alle Fälle wissen, ob etwas Wahres daran ist oder nicht. Ein Schritt hängt davon für ihn ab, dessen Ausführung er für die nächsten Tage geplant hat. Seine oifyielle Werbung um Marie Luise von Bibra. Sie un­terbleibt natürlich, wenn sich herausstellt, daß in ihrer Familie die Unehrenhaftigkeit erblich ist. Es wird etwas Wahres daran sein. Zweifellos !

Hat Bibra gestern nicht vor Beginn des Spieles gesagt:Rund 3000 Mark kann ich verplempern. Kei­nen Pfennig drüber." .,.

Befand er sich, als sein Verlust diese Höhe erreicht Nie, etiva nicht in größter Erregung?

, In fieberhafter Hoffnung durchwühlte er seine Ta­schen und fand nichts. Aber warum ixies er dann die Hilfe seines Hauptmanns zurück, die er um so freudiger hätte annehmen können, als ihm das An­erbieten etwas verriet, das doch eine hohe Ehre für 3^u und seine Schwester bedeutete ?

, Wenn er nur diese Lücke noch auszufüllen vermochte.

Vielleicht tat er es aus falscher Scham, daS dieAngst «uigab:Nur nichts von dem Mann annehmen, der "asthaste Absichten auf meine Schivester zu haben scheint, es möchte ihn doch noch zurückschrecken."

»Nur so konnte er sich Bibras Ablehnung er- klären. Diedersleben atmet freier und beginiet die Verdachtsmomente iveiter zu sammeln: Darauf eilt» W.te sich Bibra aus dem Saal, angeblich um Luft zu Wpfen. Er hatte indes nicht die Schwelle des Entrees Mrschritten. Diedersleben Ivar il)m ein wenig spater

chen Plane und gleichzeitig mit den Schatzanweisungen der letzten 3 Kriezsanleihen; auch die Verlosungsbc- dingungen sind die gleichen. Die Zeichnungsfrist läuft vom 23. S.ptember bis 23. Oktober. Die Zeichner können die gezeichneten Beträge vom 30. September an vvll bezahlen. Die Krtegsanlrihe braucht indes zu diesem Termin nicht etwa voll bezahlt zu werden. Es steht den Zeichnern vielmehr frei, die Einzahlungen in 4. Raten zu leisten (30 Prozent am 6. November d. 1, 20 Prozent am 3. Dezember d. J., 25 Prozent am 9. Januar n. J., 25 Prozent am 6. F.bruar n. I). Der erste Zmsschcin ist bei den Schuldverschrei­bungen am 1. Oktober 1919, bei den Schatzanweisungen am 1. Juli 1919 fällig. Auch diesmal.nen wieder die älteren fünsprozentigen Schuldverschreibungen und die Schatzanweisungen der ersten, zweiten, vierten und fünften Kriegsanleihe in Schatzanweisungen der 9. Kr egsanleihe unter den bekannten Bedingungen umge- tauscht werden.

Deutsches Reich.

Der künftige deutsch-finnische Eisenbahnverkehr.

Das zwischen Deutschland und Finnland angebahnte enge Freundschaftsverhältnis bringt es mit sich, daß in Finnland auch die Frage einer Verbesserung des Eisen­bahnverkehrs zwischen beiden Ländern in den Vordergrund getreten ist. Dabei kommmt namentlich die Verbindung beider Hauptstädte, Berlm und Helfingfors, durch eine Exoreßlinie in Frage. Ueber eine wesentlich abgekürzte Fahrzeit zwischen beiden Erlen haben bireiis vorläufige Verhandlungen stattgefunden. Mit der Verwirklichung des Planes stände in der Tat dem deutsch-finnischen Reiseverkehr eine sehr wesentliche Förderung in Aussicht. Die Fahrzeit BerlinHelsinerS ließe sich durch geeig- nele Anordnungen bis auf 3u Stunden heradmindern, wobei freilich Voraussetzung ist, daß eine unmittelbare Verbindung RigaReval zustande kommt. Während des Krieges haben die Russen eine vollspurige Eisenbahn von Riga längs der Ostlüsie des Rigaischen Meerbusens bis nach Pernau gebaut. Diese Bahn müßte bis Reval verlängert werden. Ferner bezeichnet es Generaldirektor Woulle als eine Voraussetzung der Virwirklichung der Linie BerlinHelfingforS, daß die Bahn Riga Reval deutsche Spurweise erhält, namentlich wenn Trajeltsähren zwischen Reval und Helfingfors in Betrieb gefitzt werden sollen. Denn zur Vermeidung kostspieliger Umladungen ist es wünschenSweri, daß die deutschen Wagen bis nach Helfingfors gehen können, woselbst dann für etwaigen Weitertransport eine Umladung erfolgen kann. Ja maß­gebenden finnischen Eisenbahnkreisen tritt üv.rhaupt schon jetzt der Gedanke hervor, alle finnischen Bahnen auf deutsche Spurweite zu bringen: wurden doch auf diese Weffe deutsches rollendes Material auf dem ganzen finnischen Bahnnetz und finnische Wagen und Lokomo- rivcn in ganz Deutschland verkehren können. Wenn

gefolgt um ihn noch einmal unter vier Augen eine beliebige Summe zur Verfügung zu stellen. Dabei sonnte er im Schatten der Portiere, welche die Eiu- qaugstür zumgroßen Saal" dekorierte deutlich beob­achten wie Bibra vorsichtig von der Tür forstchlich und die sogenannteSchatzkammer" aufschloß.

Alehr freilich hatte er nicht gesehen. Er begab sich nach biesem zu den anderen zurück. Zehn Minuten später kam auch Bibra wieder. Seine völlig trockene Miitze strafte die Behauptung, daß er draußen gewepm wäre Lügen. Er begann von neuem zu verlieren imb verlor wie Bachhof ihm heute morgen gesagt hatte weitere 3200 Mark. War da eigentlich noch ein Zweifel

Diedersleben denkt, daß er so handeln muß, wie er es bei sich beschlossen hat. Es ist freilich nicht auszudeuken in den Konsequenzen. Und denn nach seinem Gefiihl - Notwendigkeit. Ein vorzeitiges Erbar­men mit Marie Luise will in ihm a>>fstelgen das me- leicht mit jäh aufflammeuder Leidenschaft das Pflicht- nestihl in ihm ertöten würde, wenn er wollte.

0 Aber er wollte nicht. Es war krasser Egoismus im Grunde genommen, nichts anbereS. Er wollte sich über ihre Fainilie orientieren.

Freilich ließen sich auch andere stichhaltige Gninde für die Bornahuie der Revision anführen. Solche die er imungünstigen" Falle als treibenbe» Element "^Der 'Charakter eines Offiziers muß gleichsam unter einem Gehäuse aus GlaS stehen. Man muß federzeit aus den Grund blicken können, um zu wissen, was tu

Wenn ^es unklar wird und das Glas anläuft, vom Hauch deS Unerlaubten, dann muß man ein gewalt­sames Eindringen herbeiführen. Denn Säuberten und Ordnung müssen im Heer regieren.

So liest eS Diedersleben aus seiner auerzogenen Ueberzeugung herausMlud doch bäumt sich im gehei-

auch bet der großen Ausdehnung deS finnischen Bahn' nktzeS, das bis zum Bottnischen Meerbusen reicht, eine Abänderung der gegenwärtigen russischen Spurweite auf deutsche noch in ziemlich weiter Ferne liegt, so zeigen derartige Pläne, vor allem die anzustrebende kürzere Fahrzeit zwischen Berlin und Helfingfors doch, wie sehr man in Finnland darauf bedacht ist, ähnlich wie im Handelsverkchr, so auch im E.senbahnwesen ein reges Zusammenwirken zwischen Finnland und Deutschland herbeizuführen.

Politische Uebersicht.

Feindaugriffe gescheitert.

Berlin, 9. Scpt., abends. (W.B. Amtlich.) Beiderseits der Straße PäronneCambrai sind er­neute Angriffe der Engländer gescheitert. An dem übrigen Frontabschnitten nichts Neue.

Wien, 9. Sept. (W.B) Amtlich wirdverlautbart: Auf bem Monte Pertica wurden vorgestern abend und gestern früh italienische Angriffe durch Feuer abgeschla­gen. Der Feind erlitt schwere Verluste.

Lokales und ProvinsieLes.

Schlüchtern, den 11. September 1918.

* Dem OffizierS-Stellv. Karl Eckhardt von hier, bei einer im Westen stehenden M. G.-K. wurde nach den äußerst schweren Kämpfen an der Somme durch Sr. Majestät wegen Tapferkeit das Eiserne Kreuz 1. Klaffe verstehen. Er war Führer eines M.-G.-Z.

* Wie im Inseratenteil ersichtlich, ist der Schlüch- terner Heimatbote, Kalender für den Kreis Schlüchtern herausgegeben vom.Hfimatbund für, das Jahr 1919 erschienen. Ein Versand ins Feld vom Roten Kreuz aus findet d cses Jahr nicht statt.

* Auf das in heutiger Nummer veröffentlichte Inserat der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen.

* Mit Wirkung vom 1. Juli 1918 erhalten die Hinterbliebenen an Militärhonoraren der Unterklaffen aus dem gegenwärtigen Kriege, die Kriezswitwengeld oder Kriegswaisengeld empfangen, _ Zuschläge zu diesenKriegSoersorgungsgebühlniffcn, sofern sie Familien- unterstützung bezichtn oder bezogen haben und dies der Postanstalt gegenüber, die das Kriegswitwengeld und das Kriegswaiseng ld zu zahlen hat, durch eine Be­scheinigung des Gemeindevorstehers usw. nachweisen. . Die Zuschläge betragen monatlich für die W.twe 8 Mk., für die Halbwaise 3 Mk, und für die Voll­waise 4 Mk. Die Zuschläge werden erstmalig sogleich bei der Abgabe bet Bescheinigung i er Ortsbe- horde und Angabe der Stammkartennummer, später aber zusammen mit den Kckegsoersorgungszcbührniffen gegen besondere Quittung gezahlt. Auskunft wird am

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men seine Jugend dagegen auf. Die 33 Jahre seines Lebens fordern einen Augenblick ihr Recht. Begehrt er Marie Luise nicht mit all seinen Sinnen und Wiinschen? Ist er nicht auch nur eiu Mensch aus Fleisch und Blut? Ein Irrender wie sie alle? Sein maßloser Hochmut dämmt die Glut dieser Jugend ein.

KAu Irrender! Ein Diedersleben irrt sich niemals, wenn es sich um Dinge von Bedeutung handelt. Die Familie seiner znkiinftigeu Gattin darfnicht etwaige Flecken durch den Glanz seiner eigenen verdecken wollen.

Sie muß untadelig und sonnenhell dastehen. Er denkt an die Abschiedsstunde in der Regensteinschen Villa am Tage vor dem Manöver und an die roten Rasen des nächsten Tages, die eigentlich schon ein Geständnis waren. Er schämt sich jetzt seiner Voreiligkeit. Eine Weile grübelt er mit zusammengezogenen Brauen. Dann steht er auf und reckt seine Gestalt hoch.. Die Prüfung des Kasinovermögens wird darum doch statt- fiuden. Das weitere wirb er später beschließen.

Der Oberst Regenstein starrt den Hauptmann von Diedersleben, der ihm gegen sieben Uhr abends in dienst­licher Haltung eine Meldung gemacht hat, an, als habe der plötzlich den Verstand verloren.

Wollen Sie mir das gefälligst noch einmal ivieder- holen, Herr Hnnptmann."

Zu Befehl, Herr Oberst. Die Eutlastnngskommis- sion hat heute nachmittag auf meinen Antrag die Prü«, fung des Kasinovermögens vorgenommen.'*

Ich muß mich setzen. Wollen Sie bitte gleich­falls Platz nehmen, Herr Hauptmann."

Danke gehorsamst, Herr Oberst."

Ich bitte Sie, in Ihrem Bericht fortzufahren."

Herr Oberst werden diese Verfrühnng gütigst ent­schuldigen. Ich habe unter der Hand erfahren, daß ich in nächster Zeit zur Botschaft kommandiert werbe. Da ich vorher einen längeren Urlaub zu nehmen ge- denke, richtete ich diese Prüfung früher eiu."... 229,18