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mit, Amtlichem Kreisblatt"

Wochenbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt

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Telefon 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Kaum 15 pfg.

Mittwoch, den 7. August 1918

69. Jahrgang

Deutsches Reich.

Noch keine Entlassung des Jahrgangs 1870. M Mtltch wird mitgctcillt, daß die schon mehrfach be- W sprochene Entlastung des Jahrgangs 1870 noch nicht M möglich ist; auch einer teilweisen Entlastung dieses D Jahrgangs kann zur Zeit noch nicht näher getreten N Anden. Anordnungen, die von einigen Dienststellen in > dieser Richtung getroffen waren, sind wieder rückgängig < gemacht worden.

Des vierten Kriegsjahres Ergebnisse. Die M Leistungen des deutschen Heeres während des vierten L KiiegSjahres kommen in folgenden Zahlen zum Aus­tz druck; Den Feinden wurden entrissen und von beut« Truppen besetzt: Im Osten 198 256 Quadrat i kllometer, in Italic^ 14 4*23, an der Westfront 5 323 M (geräumtes Geb.et an der Marne ist abgerechnet), das I ist im ganzen 218 002 Quadratkilometer. Ferner I halfen unsere Truppen vom Feinde beziehungsweise von f räuberischen Banden säubern: in Finnland 373 602 ^ Quadratkilometer, in der Ukraine 4 52 033 Quadratkilo- | Mter, in der Krim 25 727 Quadratkilometer. An I Beute wurden eingebracht: 701)0 Geschütze, 24 600 | Maschinengewehre, 751 972 Gewehre, 2 867 500 Schuß I Artilleriemunitton, 102 250 900 Schuß Jnsanteric- I Munition, 2000 Flugzeuge, 200 Fesselballone, 1705 [ Feldküchen 300 Tanks, 3000 Lokomotiven, 28 000 Eisen- tz bahnwagen, 65000 Fahrzeuge. Die Zahl der im vierten I Kriegsjahre gemachten Gefangenen beläuft sich auf I 838 500, somit hat die Gesamtgefangenenzahl die Höhe | von nahezu 3V- Millionen erreicht.

Ehrung unserer Heerführer. Die finnische I Abordnung traf in der Befehlsstelle der Obersten i Heeresleitung ein und überbrachte dem E meralfeldmar- | schall von Hindenburg und dem Ersten G. «eralquartier- [ Meister General Ludendorff das Großkreuz des ^nmschen | Freiheitskreuzes

Helffertchs Mission. Die Ernennung Helfferichs ! zum deutschen Geschäftsträger in Rußland begleitet die iNowoje Wiedomostt", mit folgendem Kommentar : Der i neue deutsche Gesandte in Moskau ist der Kandidat ! der deutschen Handels undJndustriepartei, welcher weniger die politische als die ökonomische Frage lösen soll. Die Ernennung Helffertchs ist ein Beweis, daß in Deutschland die zur gütlichen Einigung neiginten Tenden­zen gesiegt haben. So ist die Ernennung Helfferichs ein Zeichen, daß die durch den Brester Vertrag hervor­gerufene Atempause fortbaueit und die Wolken, die von selten Deutschlands über den Sowjets Rußlands siegen, wenigstens für einige Zeit sich zerstreut haben.

Das Attentat in Kiew. Aus Kiew wird ge­drahtet: Die Untersuchungen über die Urheber des Attentats auf den Feldmarschall v. Eichhorn nehmen ihren Fortgang und haben zu weiteren Verhaftungen geführt. Einzelheiten können zmzeit nicht bekannt ge­geben werden. Durch die bisherigen Feststellungen wird

bestätigt, daß das Verbrechen auf eine Organisation der unter dem Einfluß der Entente stehenden russischen Sozialrevolutionäre in Moskau zurückzusuhren ist. Die Vermutung, daß bei der Dingung der Mörder englisches Geld eine Rolle spiele, gewinnt an Wahrscheinlichkeit.

Politische Uebersicht.

Großes Hauptquartier, 5. August. (W. V. Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

An der Front zwischen Dpern und südlich von Mont- didier nahm die Feuertätiglett am Abend zu und blieb auch die Nacht hindurch lebhaft. In Flandern, nörd­lich von Albert und beiderseits der Somme wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen. Nördlich von Mont- didier nahmen wir unsere auf dem Westufer der Avre und des Dom-Baches stehenden Kompanien ohne feind­liche Einwirkung hinter diese Abschnitte zurück. Bei kleineren Unternehmungen südwestlich von Momdidstr machten wir Gefangene.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

An der Vesle hat die Feuertätigkeit zugenommen. Erfolgreiche Vorfeldkämpfe südlich von Gonte und westlich von Reims. Nach Abwehr feindlicher Teilvor­stöße wichen unsere Nachhuten stärkerem Angriff des Gegners auf FtSmeS befehlsgemäß auf das nördliche Vesle-Ufer aus.

Heeresgruppe Gallwitz und Herzog Albrecht.

Westlich der Mosel, in den mittleren und oberen Vogesen wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen. Im Sundgau machten wir bet eigener Unternehmung Gefangene.

Vizefeldwebel Thom errang seinen 27. Luftsieg Der Erste Generalquartiermeister Ludendoisi.

Gin russisches Urteil.

In Besprechung des Rückzuges der Deutschen an der Marne führt der militärische MitarbUter der Js- westija, des amtlichen Organs der russischen Sowjetre gteiung, aus, daß eS sich Hsir nicht um eine tallische Niederlage, sondern um einen wohlüberlegten Rückzug aus stialkgischeu Gründen handle. Hindenburg strebe Verkürzung der Front und dadurch Freiwcrdung von Reserven für Schlage in anderer Richtung an. Es unterliege keinem Zweifel, daß Hindenburg einen Teil des eroberten Gebietes opfere nicht zu Berteidigungs- zwecken, sondern für eine Offensive. Für einen Schritt rückwärts hoffe Hindenburg in nächster Zukunft zwei und mehr Schritte vorwärts zu tun.

Wo ist Kerenski?

Kerenski soll nach Londoner Presseberichten in Neuyork eingelassen sein. Das Schiff, aus dem

Kerenski fuhr, soll an der isländischen Küste gleichzeitig mit derJusticia" von einem deutschen U-Boot ange­griffen worden sein, habe aber entkommen können. Die Abreise Krrenskl ist streng geheim gehalten worden. HavaS dagegen gibt gleichzeitig die Meldung aus, daß diese Nachricht desTemps" unrichtig sei. Kerenski sei nach London abgereist. Wo also ist der große Kerenski, der auf seiner Mission bisher überall so kalten Empfang erhielt und seine Revolution doch nur im Dienste der Entente vornahm. Er hat jetzt oft Gelegenheit, über das nachzudenken, was man englisch- französische Dankbarkeit nennt.

Unser neuester Feind.

Es ist immer gut, seine Feinde etwas näher kennen zu lernen. Unser neuster Feind ist die Republik Hon­duras. Sie ist die drittgrößte der Mittelamerikanischen Republiken, zählt ohne die wilden Indianer rund 5900Ü0 Seelen. DaS Land ist äußerst fruchtbar, trotzdem aber hat es so gut wie fast keinen Handel auszuweisen. Die Haupterwerbszweige der Bevölkerung bilden Landwirtschaft und Bergbau. Die Hauptpro­dukte sind Kakao, Zucker, Kaffee, Bananen, Bohnen, Reis und Tabak. Der Bergbau wäre imstande, bet rationellem Betrieb große Erträge zu liefern. Jedoch ist von Industrie tn dem Lande keine Rede. Trotz seiner großen natürlichen Reichtümer steht die Republik in wirtschaftlicher Hinsicht an letzter Stelle unter den mittelamerrkantschen Staaten. An der Spitze der StaatSwesens steht ein Präsident, der vom Volke je­weils aus vier Jahre gewählt wird. Diesem wieder stehen fünf Minister zur Seite, die er sich selbst wählen kann. Die gesetzgebende Gewalt untersteht dem Kon­greß, der sich aus 24 direkt auf vier Jahre gewählten Mitgliedern zusammensetzt. Für VerwaltungSzwecke ist

dem euroväischen Kriegsschauvlatz schwerlich bemerkbar machen können. Sie zählte im Frieden jeweils ganze 500 Mann. Die Miliz beträgt 20000, die allerdings nur auf dem Papier stehen. Dienstpflichtig ist übrigens jeder Staatsangehörige zwischen dem 18. und 45. Le­bensjahre. DieSeemacht" wird von zwei Dampfern mit zusammen acht Geschützen repräsentiert.

Wie man daraus ersieht, dürfte uns unser neuster Feind kaum sehr gefährlich werden. HondruaS hat seine Beziehungen zu uns adbrechen muffen, genau wie die Schwesterrepudlik Guatemala, weil er Mister Wilson so wollte.

Die Amerikaner ein Volk von Sklave«.

Amerika galt bisher vielen alsdas Land der Freiheit". Das war schon immer nicht viel mehr als eine Phrase, ist aber während des KriegeS eine absolute glatte, ja platte Lüge geworden. Der Autokrat Wilson hat das Land in Ketten eingehüllt, wie sie schwerer

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Lubowski.

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Ich will es Dir sagen, weil die Zeit immer näher rückt, die midi ganz mit Ewald vereinen wird, die Jahre, in deren ©erlauf er mich innerlich erstarken und reifen lassen wird."

Und Du bist fest überzeugt, daß sich diese Hoffnung erfüllt?"

Ruth nickt mit strahlenden Augen.Er ist baitn doch mein Herr, Marie Luise." Es liegt eine grenzenlose Demut und Eingebung in diesen Worlen.

DaS ernste, schöne Mädchen antwortet ihr nicht so­gleich. Sie denkt an all das Ungesunde und Uebertrie- bene. das in dein letzten Jahrzehnt gegen dies wmi- derschöne Bibelwort geeifert hat. Wie sie selbst vor mcht zu langer Zeit auf ben Knien gelegen uud^ sich gegen diese Zukunftsoerheißung mit dem BefehlEr soll Dein Herr sein" ivehrte. Und wie doch ihr stolzes, miß­trauisches Herz darüber allmählich bemütig geworden ist und ihr Eigenwille untergegangen, daß sie nun glück- erfüllt sagen taun, wenn er kommt und sie fordert :Wo Du hingehst, da gehe auch ich hin." Erich Rastingens kraftvolle Männlichkeit hat sie bezwungen. Sein gera­der, gefestigter Charakter hat ihr mit beut Glauben an den moralischen Wert des Mannes Halt und Sicherheit genug verliehen, damit sie sich endlich in dem Sturm ihrer Gefühle zurechtfindeu sonnte, zu ihm mn. Ganz anders wie Raslingen aber ist ihr Bruder veranlagt.

Ewald ist teine Herrennatur, Ruth," sagte sie end- lich.Darum wird er Dich auch nicht cmpvrtrageu und erstarken lassen. Es wird vielniehr einer fortwährenden Krastattsstromnug von Deiner toeite bedürfen, bannt er in feinen guten Vorsätzen erhalten bleibt."

DaS ist Ruth denn aber doch zu arg.

, .Du bist eben hypermodern, meine Llebe, sagt sie

ein wenig von oben herab, mit einer nachsichtigen Miene, die ihr allerliebst sieht.Du willst mir in anschaulicher Form die oft gehörte Geschichte derKraftiveibcheii" auslischen, nach bet unsere Männerwelt klafterlief unter uns steht. Mir klarmachen, daß es nur zwei Lebens­wege gibt. Entweder sie imponieren ittib knechten nnS, ober wir tun das nämliche mit ihnen. Weißt Du denn auch, waS durch alle übertriebenen Bestrebungen er» reicht werben wird? Sie werben tm§ burd) das rechte Hervorkehren ihrer körperlicheu Ueberlegenheit, durch Brutalität in Schach Hallen, damit wir sie nach außen hin nicht etwa durch eingebildetes ober vielleicht in we­nigen Ausnahmefällen wirflid) vorhandenes geistiges Uebergewicht in den Staub ziehen."

Woher Du das hast, kleine Rnth, weiß ich nicht, und ob eS im allgemeinen zntrifft, schon gar nicht. Im besvnderen, bei Ewald also, nicht. Ihn wirft Dn ge­rade in den Stand ziehen, wenn Du Dich haltsucheud au ihn hängst. Versteh mich doch. Ich feinte ihn län­ger als Du. Sein guter Engel mußt Du werben, sein bester Freund, dem er, wenn seine Leidenschaften erschöpft schlummern, alles beichten, alles sagen kann, weil er alles versteht und einer Wiederholung vvrznbeugen weiß. So stark, daß er Dich emporteift, ist er eben nicht."

Marie Luise sümpft feit Wochen verzweifelt gegen die kindliche Torheit der küufligeil Schwägerin. Sie macht einen letzten Versuchs in ihr ein Gefühl ber $er« antwortung zu erwecken. Es ist umsonst. Ruths wei« dies, liebreizendes Gesichtchen behält sein strahleudes Lächeln bei. Wie ein Triumph steht eS in ihren Augen: Er ist noch viel stärker, Marie Luise. Er fliegt gera­deswegs mit mir in den Himmel. Paß aus. Soviel Kraft hat feine Liebe."

Was hat die Liebe mit ber vererbten Veranlagung eines Menschen zu schaffen?" sagt Marie Luise in höch» ster Erregung.Denkst Du, sie kann ihn im Handum­drehen zu einem neuen Menschen machen; liebe rhih

soviel Du kannst. Es wird sein Herz mit hoher Selig­keit erfüllen. Aber hüte Dich vor der Slunde, in bet er das erste Geheimnis vor Dir haben muß, weil er nicht mutig genug ist, das Götzenbild, bdS Du Dir von ihm in Deinem Herzen errichtet hast, zu zertrümmern. Die Stunde wirb kommen, wenn Du iüd)t_ Schulter an Schulter mit ihm kämpsst und ihm durchhilsst."

speisen?" fragt Ruth beinahe entsetzt.Marie Luise, es steht ivahrhafiig schliium um Dich. Traust Du ibm etwa nicht zu, daß er seinen Pslichtenkreis allein durch» lauft? Soll ich ihm vielleicht die Gvldfüchse ui Ler Ka- sinokasle sestnelleu beiseit aber ihm die Reitsirrude für die Unteroffiziere abneljmeii ? Söa# er am Abend uige» res heiinlicheu Verlöbnisses zu mir sagte, klang zivar so ähnlich. Aber der Sinn war doch ganz anders. Da hab ich ihm sogar eine Art Versprechen gegeben. Jin Anschluß an eine Beichte. Du kennst doch auch Dom Hörensagen die üblichen lo;en Geschichten, ohne die taum ein Lentnaut die beiden Sterne betommt. Ein bißchen zu viel Tollheit im Jeu und auf dem grünen Rasen. Ich aber bin ein Soldatenkind." {

Hast Du schon einmal an solcher losen Geschichte jemand verloren, Ruth?"

Gottlob nein. So tragisch kommt's nur in ganz ver» einsten Fällen. Die daran sterben, würben vielleicht auch io um die Ecke gehen wenn sie Färber oder Bäcker wären, sagt Papa. Nur Anshebeus wirb nicht

soviel davon gemacht.

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Der bunte Rock tut'» auch nicht in allen Fällen. Und Ewald hält ihn heilig, Marie Luise. Ich kann sein Per» sprechen ab acta legen. Er steht aus festen Füßen. Wie soll ich rhm da aufhelsen? Du wagst es, den Kopf darüber jn schütteln? Ich kündige Dir die Freundschaft auf. Genügt es Dir nicht, wenn Papa sagt, das; er der Solideste im Regiment ist, ausgenommen Rastingen natürlich, daß er' von seinem Wechsel spart und keine Karte augerührt hat, solange echter ist r^> ^. 229,18^