für die Stadt und den Kreis Schlüchtern.
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Sonntagsblatt.
Samstaq, den 3. August
1918.
Telefon «5.
e oder deren Raum 15 Pfg.
J-Nr. 8555. Auf Veranlassung der KriegSamtsstelle zu Frankfurt a. M. ersuche ich d Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher dringend, die Urlaubs- und Zurückstellung^ gesuche der Heeresangehörigen gewissenhaft dahin zu prüfen, daß alle in den Gesuchen enthaltenen Angaben, insbesondere auch diejenigen über die Größe des Giundbc- fitzes den Tatsachen entsprechen.
Gleichzeitig ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher darauf zu achten, daß die für die Urlaubs- anträge vorgeschriebenen Formulare in alle« Teilen sorgfältig und vollständig ausgefüllt werden.
Erneut weise ich auch darauf hin, daß neben den formularmäßigen Gesuchen besonders angefertigte Gesuche nicht vorgelegt werden dürfen und daß alle Gesuche, nachdem sie von dem Bürgermeister and den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses geprüft und begutachtet worden, an den Unterzeichneten einzureichen sind. Durch die direkte Einsendung der Gesuche an die Truppenteile, das Generalkommando oder Kriegsministerium wird die nachgesuchte Beurlaubung nur verzögert.
Die Herren Büraermeister werden ersucht, den Wirt schastsausschüssen diese Verfügung alsbald bekannt zu geben.
Schlüchtern, den 25. Juli 1918.
Der Königliche Landrat. v. Trott zu So^z.
J.-Nr. 8888. Nach § 9 der Bezirks-Polizet-V rd- nung vom 21. April 1902 (Negierungs-Amtsblatt S. 56) muß eine Ausfertigung dieser Verordnung leicht lesbä. und bemerkbar, in jeder öffentlichen Barbier-, Friseur- und Haarschneidestube angebracht sein.
Ich ersuche daher die Oc:spolizeibehörden, darauf zu achten, daß diese Vorschrift streu durchgeführt wird um der Ausbreitung der Bartflechte entgegen zu treten.
Schlüchtern, den 29. Juli 1918.
Der Königliche Landrar. I. V.: Schultheis, Kreissekcetär.
J.-Nr. 8641. D': Herren Bürgermeister, die mit der Erledigung meiner Vers lgung vom 17. Juni d. Js. J.-Nr. 7299 Kreisblatt N. 48 betr. Gemeinveumlagen noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldsze Erledigung erinnert
Schlüchtern, den 1. August . '8.
Der Königliche Landr I. V.: Sa-ultheis.
J.-Nr. 9007. Diejca^ 'i ^.-»ppolize" örden, welche mit der Einsendung des B-rre!- . sses der Tt.„gen- rp.Handlungen noch im Rückstau , , werden hie"^ t wiederholt daran erinnert. (Sieh-- ireisblätter Nr. 7 für 1898 und Nr. 27 für 1910).
Schlüchtern, den 30. Juli 1918.
Der Königliche ndrat. J. V.: Schul'
Allgemeine Berfüguuz des Finanzministers vom 34. Juni lf>18 über die Riickiagepflicht beim
Kommissionshandel mit Kunstwerken.
Im Sinne occ Verordnung zur Sicherung einer Umsatzsteuer von Luxusgegenständen vom 2. Mai 1918 (R. G. Bl. S. 379) find, der Auslegung des Warenumsatz- steuergesetzeS (vergl. Auslegungsgrundsatz: Nr. 111) folgend, bei kommtssionswnsem Verkauf, wenn der Kommissionär den Gegenstand in Natur übertragen erhält und seinerseits weiter gibt, zwei Lieferungen, nämlich eine zwischen Kom- miltent und Kommissio när und eine zw schen Kommissionär und Kunden anzunebmen. Handelt es sich um ein von einem Künstler einem Kunsthändler in Kommission gegebenes Kunstwerk, so ist danach die Lieferung zwischen Kunsthändler und Kunden rücklagepflichtig, die Lieferung zwischen Künstler und Kunsthändler dagegen nach § l Nr. ^ Abs. 2 der Verordnung (= § 7 Nr. 2 Avs. 2 oes Gesetzentwurfs) frei.
Berlin, den 24. Juni 1918.
Der Finanzminister. J. A.: Dr. Hoffmann.
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Tgb.-Nr. 19. W. U. Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 29. Juli 1918.
Warenumsutz-Steuerstelle des Kreises Schlüchtern.
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Betr.: Militärische Ausrüstungsstücke.
Beksuutmachung.
In letzter Zeit sind vielfach im Besitze von Fam.lien militärfiskaltsche Bekleioungs- und Ausrüstungsstücke gefunden worden. Zum Teil handelt es sich dabei um solche Stücke, die durch strafbare Handlungen in oen Besitz der Betreffenden gelangt find, vielfach aber auch um Ausrüstungsstücke, die von Heeresangehörigen widerrechtlich nach Hause geschickt oder auf Urlaub zu Hause zurückgelassen worden waren.
Die Beteiligten, insbesondere die Angehörigen von Verwundeten oder Gefallenen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß diese Sachen Eigentum der Heeresverwaltung und umgehend entweder an das nächste Bezirk-kom nando oder die nächste Polizeibehörde abzuliefern find, die fie dem Bezirkskommando zuführen wird.
Fernere Zurückbehaltung dieser Ausrüstungsstücke zieht strafgerichtliche Verfolgung wegen Hehlerei nach sich.
Frankfurt a. .M., den 13. Juli 1918.
18. Armeekorps. Sie! vertretendes Generalkommando.
Den Herrn Sammelleitern.
Das Kriegswirtschaftsamt teilt unter dem 26. Juli folgendes mit: „Nach den letzten Berichten bleibt das Er-
69. Jahrgang
>en, was ein Volk vermag, das für ig über Deutschland waltete, dürfen Senn unserm Volk in seinem Kampf t haben. Wie hätte die Wehrmacht ng eingestellt worden wäre? Dank Insbesondere unserer treuen, uner- lastet.
gen nicht ersparen. Aber wa» auch
üsse gesichert ist, was im Westen sich en warf, stark und kraftvoll hervor-
werden mußten. Tiefe Lücken find
zer Begeisterung die ersten Truppen
es zu tun, daß diese» kostbare Blut et im feindlichen Lager die Stimme vollen die Feinde den Frieden nicht, irtführer, daß Deutschland vernichtet gegen ihren übermächtigen Ansturm
Wilhelm I. R.
glich das Privatorgan Stampfers, d« : leider nicht den politischen Einfluß ide Parteiorgan geschert, der absolut il die Narre! f^t lchw^en Stabes ' in der letzten Sitzung der R«>ch«. elementaren Ausbruch, und erfreulicher- c Vorstand selber, der unter lebhafter gesamten Fraktion die Haltung des verhängnisvoll" und „gefährlich" für riete und Besserung in Aussicht stellte, rte Stampfer ist der Hauptschriftletter
und seiner Staatsangehörigkeit nach
W^Wgen Dluyres zu vericpievem'n ^raaicn ocfchaf- tigt. Man hält bedeutende Beschlüsse für bevoist hend, denen eine päpstliche Botschaft folgen soll.
Der Endkampf nicht zweifelhaft.
Die neue freie Presse bringt einen „Das fünfte
Schuld und Sühne.
Rouiaii dcui Kalbe Lnboivski. 26
Wenn sie auch noch znineilen matt anfblitzte, es war nur ein Junten ihrer angeborenen Herbheit, die sich in dein starken Gefühl einer ersten Liebe zu verlieren drohte.
Er fühlt, daß er ihr nicht mehr gleichgültig ist. Aber das darf ihm noch nicht genügen. Erst nachdem er die Genüßheit gewonnen, daß ihr Gefühl dem seinen gleicht, wird er als seines Vaters Sohn die Hand nach ihrem Besitz anSstreekeu. Wie oft hat er zu ihr stürzen wollen Hub flehen: „Sei mein —ich lehre Dich das gewaltige Gefühl."
Hub immer wehrten die Schatten der Vergangenheit imiiet. Erst wissen, überzeugt fein, daß sie ohne ihn so eleub ist, wie er ohne sie. Er beugte sich knirschend bem Zwange und lernte begreifen, daß e$ für ihn kein all- mähliches Sinterten ihres Herzens, dessen Regen sich ihm zum ersten Mal in dem Blick durch die Liudeublü«. ten antiinbigte, geben darf. Etwas Volles, Starkes muß das fein, das sie niederschmettern würbe, meint er es nicht entgechennahm unb barg. Daray-f wartet er nun Tag und Pacht. Auch in diesem Augenblick. Er ist zu den Negeusteinschen Damen gegangn, um sich von ihnen zu verabschieden. Vielleicht, daß er in das Manöver hinaus eine Hoffnung milnehiuen darf.
Bibrn hat noch mit bem Bercchneil der Kasinokasse, den» Oetonomen und den Bestellnngen für die znküns- tigen Weine zn tun. Er wird erst abends zu feiner Brant kommen. Die Damen sitzen auf der Veranda hinter tief« grünen, »itr Hälfte hernntergelassenen Vorhängen, als Äastingen zu rhueu geführt wirb. Ruth Regeusteiu und das alte Frünlein unterhalten sich lebhaft mit einem Offizier, dessen Gesicht Raslingen nicht sofort erkennen taun. Seine vom brennenden Svimenlicht geblenbeten Putzen brauchen einige Zeit, um sich in dies Düiimlern
^er „vorwärts*' tii liuytawi.. —
In der sozialdemokratischen Wochenschuft „die Glocke" schreibt der Rcichstagsabgeordncte Dr. Paul L n^ch. Der „Vorwärts" tü, waS die politische Auffassung der wichtigsten Situationen angeht, zum
zu gewöhnen. Als es ihnen endlich gelungen ist, fährt er erschrocken zusammen.
„Das ist ja Hanplinann von Diedersleben." Das unbehagliche Gefühl, das er stets in dessen Gegenwart empfindet, übertommt ihn wieber. „®a§ will bet biet ?" Er verkehrte bisher nicht freundschaftlich in dieseiii Hanse.
Und plötzlich zuckt es in wahnsinniger Angst in ihm aus.
„Marie Luise. Weini er um sie käme, unb er selber hier stände alS der armselige Rivale des Mariucs der Ahueu unb Millionen."
Dann beruhigt er sich gewaltsam. Wie kaun man überhaupt so etwas, für das jeder Beiveis fehlt, anch nur ausdeukell? Er reißt sich zusnnimeu, küßt beu Da- weu die Hand unb fühlt Diedersleben äußerste Fmger- spitzeu in seiner fiebrigen Rechtem Dauu triiikt er Tee unb plaudert vom nahen Mallöver. Hub fühlt dabei doch immer wieber v '>> neuem die furchtbare Angst in sich aiiffteigen.
Weu» er nun aber doch um He getommen wäre.' Für einen Mann von DiederSlebenS Veranlagnng bedeutet dieser Gang schon ein halbes Zugeständnis.
„Ich habe es reiflich erwogen und gebe es auch Dir zu bedenken." Es ist keine Uebertreibung ober ein Sich- hinreißenlassen bunt) bie beftenenbe »Umeigiuig in bie« fer Auffassung. Diedersleben kann mirUich nichts tun, ohne daß seinem Handeln nicht eine ganz bestimmte Absicht zugrunde läge.
Marie Anise ist heute schweigsamer denn |e. Sie tragt ein loses, weißes Kleid unb ander Brust eine rote Rose.
Weuu Du mühtest, wie schön Dn bist, denkt Rastingen unb läßt seine Blitte auf ihr ruhen, ohne daß er es tun will.
Diediusleben beobachtet ihn schart. Ein Lächeln liegt um seinen Mund, halb Hochnint, halb Mitleid.
„Dn Aermster," scheint es zu sagen, „es tut mir wahrhaftig leib um Dich, aber — ich bin nun ein "'"Rnstingeii versteht den Sinn dieses Lächeln»-^ES
ltische Uebersicht.
« Stunde« des Exzare«.
im. r.. v72i^i eingetroffincr Privatbericht au« Jekatern bürg enthält folgei^be Einzelheiten über bie letzten Stunden des früheren Zaren. Am 1. Juli 5 Uhr früh wurde der Exzar geweckt. Es erschien eine Patroille, bestehend au» einem Unteroffizier und 6
erweist das. Zittern der Leidenschaft in ihm. Die vielen halb buribwaditen Nächte mit ihrer znrückgedrängten Sehnsucht rächen sich in dieser Slnude. Die feine iee« lasse flirrt zwischen seinen Fingern und wäre zn Boden gefallen, wenn Marie Luise nicht zugegriffen hätte. Seknudenlang berühren sich dabei ihre Hände. Sie er« blassen beide vor beklemmender Seligkeit.
Das Gespräch schleppt sich mühsam weiter. Allmählich oerftummt es sekundenlang ganz. Der Lusthanch draußcii ist eingeschlafen. Die grünen Schntzwände hängen schlaff herunter. Der Teekessel summt leiser, weil bie Flamme am Verlöschen ist. und ein paar Fliegen schwirren matt um bie Schiiuapslauzen ui der Ampel.
„Morgen," sagt Rastiugen da plötzlich ganz niwer* mittelt, „morgen muß ich fort."
Es klingt so sonderbar. Wie ein Schrei oder ein Flehen um Erlösnng. Das alte Fräulein wird ein wenig rot unb rünspert'sich. Sie fühlt, daß er das nur für Marie Luise gesprochen haben kann, unb daß sie unbefugt in ein Herz geschaut habe, das voller Bangen ist.
„Wollen Sie uns nicht ein Lied fingen, Marie Laste, ein recht fröhliches, vom Wiedersehen?" sagt sie schnell, bemüht, den eigentümlichen Eindruck von RastingenS Worten zn verivifchen. ,
Marie Luise erhebt sich gehorsam. Die weißen Saume ihres Kleides gleiten leicht über das Mosaitumster beS Bodens. , . _ ,
Rnth, welche bis dahin fdjweigfam gesehen, rafft sich ans seligen Träumen empor und versiichr, die Zeit bis zum Beginn des Gesanges mit fröhlichem Geplander auszusülleu.
Diedersleben ist viel zu sehr Kavalier und Diplomat, um sich von seiner Erregung über die kleine Szene auch mir das Geringste urerken zn lassen. DaS stolze Beivnßtsein: „Ihr, die Du zu Deiner Gattin machen willst, haben sie alle gehuldigt, auch die Erusthastesteu," erstickt sein Befremden über RastingenS Gesühisän- Swing. . „ . ^^ „ .-_- 229,18^