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it, Amtlichem Kreisblatt". Wochcllbrilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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^L^scheint Mttwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,80 Alk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Saum ^3 Pfg.

fßL Mittwoch, den 31. Juli 1918. 69. Jahrgang.

Zum neuen Kriegsjahre.

gilt neues Stulmjahr wuchtet schwer heran. Macht uns der He den Jahre Zahl vcrdrosscn? Kohl jammert uns de» Blutes, das verglssen; Wohl jammert'- uns um manchen tcimn Mann. Doch sind wil's von den Vätern her gewöhnt: Schön ist es, für das Vaterland zu fallen. Unsterblich wird der Sure tcr Lobpreis Hallen, Da» ist ein Los, das edle Seelen krönt.

Groß hat fürwahr sich unser Volk und Heer Bewiesen in lebendigem Vereine. Doch ach, es haftet manche- Kleingemeine Noch an uns. Leiden, leisten wir noch mehr.

Mir bauen für Iah.Hunderte ei» Hau». Drum müssen ale Eigensucht- schweigen. Werk einer großen Zukunft uns zu zeigen, Sei unser Stolz. Und so mit ®ott voraus!

Friedrich W. Fuchs.

Zns fünfte Kriegsjahr.

Al» der große Krieg ausbrach, glaubten viele, er je in vier Monaten längstens beendet sein, heut? vier Jahre in den Schog der Vergangenheit ge- m, und noch steht Mac» aufrecht unter und über Völkern, und sein Schwert fordert jeden Tag, Stunde neue Opfer. Blut ist geflossen, da» nicht Bächen, nur in Strömen zu fassen ist; Tränen i gemeint, die jedes andere Feuer in sich zusammen- en ließen, die aber doch nicht stark genug waren, ^gewaltige Flamme zu löschen, deren Autbcuch die Fladen teuerster Trauer-, der Mulle >: gcw.^r te. Seufzer sind gen Himmel gestiegen, die klangen ! das Sterben eines ganzen Volke». Junge Hoff, »gen sind zelbrschen mtuionenhast, und junge Leiber, der Zukunft vcrtrauend entgegenwuchsen, hat eine zel gefällt, Gtflga» erstickt, der Hunger zermorscht, furchtbares Erlebnis in die Nebel des Wahnsinns tt ewiger Dunkelheit gehüllt. Was heute über die Je schreitet, ist eine gewaltige Projektion dessen, waS feie Vorfahren mit Tramn und Schauder die Schrecken l Krieges nannten.'

Vier Jahre Weltkrieg! Zählt man die Zahl der Pachten zusammen, die Zahl der Kämpfer, der denen Helden der Krieg der 39 Jahre verblaßt c dem der vier. Und noch ist das Ende nicht abzu- |en! Hätten wir neben unsern zweifelhaften ku tureücn rtschritten nicht die unzweifelhaften der Zivilisation, e uns durch die Hygiene »or Pest und untern alten liegsvasailen bewahren, nur weiß, wie es heute auf t Welt auSsahe. Dieser Krieg hatte bestimmt nicht führt werden können. So gleichen sich Fortschritte, e nicht rein kulturell sind, aus, und am Ende weiß in nicht, haben sie die Leiden der Menschen verkleinert er vergrögcrt.

Schuld und Sühne

Roman von Käthe Lnbomski.

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Die anderen erheben dagegen Einsprnch, ohne eine 8miiesändernng herbeiführen zu können. Bachhof hört lwtzdem nicht auf in seiner kindlichen Art, um eine Siiijabe von wenigen Minuten zn betteln, so daß Bibra fich am liebsten zur Nachgiebigkeit bekeuueu möchte.

Habeu Sie wirtlich noch einen Gewiß vom Hier- Weibcm?" fragt Rastiugeu beu uuersättlicheu Bachhof. «Sie können unmöglich noch etwas derartiges emp« Huben. Und von dem Tabacksgiialm und bei schwü- lealluft müßtest sie nachgerade auch genug haben.

Sie sind zwar ein weiser Mann, aber zn leben ver- Hien Sie nicht," ist die Antwort.Sie sind lediglich ffiiltolilter, reingezüchtete Arbeitßrasse, Lastganl. Das Vibrieren der Nerven ist Jh»e» fremb. So ein Ziehe» nein Scheitel bis znr Sohle runter, wissen Sie, daß es einem wie Ameisen im Blut fribbelt.

Ich würbe für solch Vollblut auch verbindlichst kulen, Bachhof. Nehmen Sie mir nicht Übel, wenn ausspreche, was ich denke. Ich glaube, es ist ein Erbteil, was den Charakter verdirbt."

Mag wohl sein. Jetzt z. B. zum Jen. Seien Sie kein?

Mag wohl sein. Jetzt z. B. zivinat es mich form« lich mm Jen. Seien Sie kein Frosch. Bleiben Sie noch tiu Stündchen. Einen kleinen Kohn, Herrgott, bet wirb doch ihre Solidität doch nicht gleich umtippen. Bibra bleibt sicherlich auch, wenn Sie nicht wieder unken."

Ich bleibe »licht länger, Bachhof. Sie sollten mich M kennen."

Die Ordonnanzen haben die schweren Fensterflügel geöffnet. Die warme Angnstnacht sieht in den Saal wie eine Verführerin die den stärksten Willen mit ihrem Sauber knechtet. Ihr schwüler, buftgefdpuängerter Atem freist über Bibras Stirn. Der reichliche seklgenng

Brrgethoch ist das Leid der Menschheit unserer Tage, wer es verschuldet hat für den gibt es keinen Platz auf Erden und im Himmel, im Wasser oder unter dem Wasser, wo er vor sich selber und seiner Ricsens.buld jemals Ruhe finden könnte. Der 9leib gebar die Schuld, und unter fremder Schuld leidet heute das tapfere, duldsame Volk der Deutschen. Slot kennt kein Gebot, und der Tod ist immer noch schlimmer für ein Volk als der surchtbarste Kampf, als Tränen und Seufzer, Hunger, und Abschied von denen, die uns die Liebsten waren. ~ Wir werden sie wiedersehen, wir wissen, weswegen sie fallen müssen, wie wir wissen, weswegen wir darben und entbehren müssen. Wir büßen eine fremde Neidschuld, und die Geschichte lehrt uns, daß teia Volk je wahrhaft groß ward, ehe es nicht Opfer trug aus dieser fremden Schuld heraus. Ein Volk, das eine Mission hat, darf nie glauben, sie falle ihm zu wie ein Geschenk ge­rade sie will blutig errungen sein. Das mag uns Lebenden unendlich traurig erscheinen, die wir die Opfer in lachender Dafeinsfreude vor uns sahen eine Zukunft wird anders darüber urteilen.

Ohne Glauben ist das Leben nicht zu ertragen, doppelt nicht in unserer Zeit, dreifach aber müssen wer Glauben haben, wenn wr den Steg unseres Volte- wollen. Nicht Roß und Reisige, nicht Tapferkeit der Soldaten, Genie der Führer kann allein den Steg erring;n in diesem Kriege, der dem großen Chaos vor der Weltschöpfung natzekommt. Alle Banden sind gelöst alles Recht ist gebrochen, alle Moral mit Füßen getreten und die Ethik zur Stallmagd erniedrigt. Da vermag nur der Glaube an dastrotz, «-dem und aliebem" den Menschen hochzuhalten. Der Glaube «n den Sieg des Guten auf Erden ist uns Deutschen heute nötiger denn je. Er ist mit der Hauplfiegerfaklor. Deutsch sein heißt gut sein ! Wie werden unsere armen Gcfar g neu bei unseren Feinden gemartert, wie behandeln wer die Feinte, die in unsere Hand fielen! Wer bot immer wieder den Frieden an, ob er gleich immer Sieger war ' Der Deutsche! Wer gab dem rettungslos Besiegten Bedingungen, die es ihin kaum fühlen ließen, daß er auf Gnade und Ungnade gefallen war ? Der Deutsche! Eh.l.ch und gut will er den Frieden der Welt uno ]ur sich selbst nicht mehr, als ec nach der Kraft, die ihm das Geschick gegeben, beanspruchen muß. England möchte ihn als Knecht haben, als Arbertssklav.n de-halb tegann eS den Krieg, deshalb fuhrt es ihn durch unter Aufb.clung der Kräfte mehr als der halben Well. Amer.ka ist gegen uns und der feine Osten. Schaut man auf die Weltkarte, so ficht ein Punkt m t einer gewaltigen Fläche. Durch vier Jahre siegreich! DaS ist etwas so Ungch.urcs, Gewaltiges, das es ganz ohne Mystik einfach unverständlich erscheint. Ohne einen Giauden, der aus jedem Deutschen einen &.locn macht, ohne etncn>Glauden, der mit bergeversezender

Jahr niederhielt, packt ihn mit hrrltalerHeftigteit. Bach­hof bettelte weiter.

Eine Taille, Bibra! Sehen Sie, Hänscherr Gloobe wird gerade in diesem Augenblick durch zioei Ordon­nanzen in die Leichenkammer auf die Cbaitelongue transportiert. Die Jugend ist also fort. Wir werden ganz unter un§ sein "

Was meinen Sie dapr, W.ifthtqeu ? sagt Bibra teile. Er zruingt sich mit der größten Austreuguug ^ur Ruhe. ES gelingt ihm aber mir sehr schlecht. Durch die küiigliche Gleichgültigkeit kliiigi das breuneiide Berlau- gen nach der ZuNinlmnng des Freuudes. Rastiugeu nimmt den Erregten beiseite.

Ich nlöchte Ihnen ein andere?mal ausführlich sa­gen, wie weh mir diese Frage uon Ihnen getan bat. Jetzt will ich sie nur an die Stunde im Boldrowoer Stall erinnern, die uns innerlich znmmmensiilnte. Sie sagten mir chr auf eine Frage ein paar Worte, an die ich seitdem oft gedacht habe, weil ich ein anständiger Kerl bleiben will. Um dieser Worte willen faßte ich baut als Zutrauen zu Jhueu, das alluiählich mehr würbe. ,

Bibra hebt sich in den Schultern. Er hat, trotz des heißen Atems der schwülen blacht, das Gesiihl, als frö­stele ihn. Er geht 31t Bachhof hinüber, der noch ein paar andere für baS Spiel wirbt, unb sagt mit for« ci^t luftigem Ton:Nee, mein Lieber, es ist uischt zu mosten. Warum quälen Sie mich überhaupt ? Sie müssen es doch endlich kapiert haben, daß eS nichts hilft."

Bachhof macht ein ganz bestürztes Gesicht unb begibt sich mit mer anderen Kameraden in ein kleines, elegant ansgestatteles Kabinett, daß schon des öfteren den glei­chen Zwecken gedient Hai. Bibra gießt noch hastig ein Glas Bier herunter, ehe er mit Erich Nastingen den

Saal verläßt.

Als sie im Entree umschnallen, hören sie beutha), wie Bacbhof nebenan stöhnend sagt -Verflacht, zum

Bestimmtheit an den Endsieg glaubt, ist der Endsieg nicht zu erringen. Wie ohne Glauben nichts Großes zu erreichen ist, wie es ohne Leid keine Freude gibt, ohne Dunkelheit keine Helle, ohne grcße Leidenschaft kein Glück, so auch keinen Aufstieg eines Volkes auf anderem Wege als den durch Disteln und Dornen, an denen sich so mancher das Herz blutig reißt. Der Kampfesweg des deutschen Volkes ist dieses Mal so lang und dorn'g, wie er wohl nie für ein Volk war, aber der Deutsche schreitet auf ihm entlang mit erhobenem Haupt, wenn sein Auge auch weit über die Opfer, die rech s und lings niedeifinken. Schaut er dem Feind, der ihn herausgefordert, ins Auge, ist sein Auge kampfeshell und siegessicher, denn er weiß, ist es anders so lauert mehr als Cinzeltsd am Wegesrand. Dann öffnet sich das Riesengrab, in das die deutsche Ehre für ewige Zeit versenkt wird. Wer heute nicht an sein Volk unb dessen Sieg glaubt, der versündigt sich aufs tiefste an ihm. Der steht in der Reihe unserer Feinde und schwächt uns die Kraft und verlängert den Krieg, denn einmal muß das Gute siegen.

JnS fünfte Jahr! E.n entsetzliche Wort! Wir sehen mit klaren Augen all die neuen Blutopfer, die mue Not aber an ben sicheren Endsieg glaubt jeder wahre Deutsche. Der deutsche Glaube aber ist der deutsche Sieg.________________________________

Deutsches Reich.

Nach einer Mitteilung des Staatssekretärs des ^-.eichsschatzrnctes Grafen v. Roedern an den ReichStag'abg. Prinz zu Schönaich-Carllath hat die ReichSvermnlluna auf den nn» tb^ '-»."», und von allen Pa reien des Reichstags unterMtzü-n und «.^ mutig angenommenen Antrag, auch in dicsem Jahre die Gewährung einer einmaligen Beihilfe an die Kriegsteilnehmer des Feldzuges 1870/71 unb der vor» vergangenen Feldzüge wie im Vorjahre beschlossen.

Beihilfe an die Veteranen früherer Feldzüge. Nach einer Ntitteilung des Staatssekretärs des ReichS- schatzamts hat die Reichsoerwaltung dem vom Abge­ordneten Prinzen zu Schönaich Carolath gestellten und von allen Paileien des Reichstages unterstützten und angenommenen Antrag, auch in diesem Jahre eine einmalige Leihilfe an alle Veteranen der früheren Fcldzüge zu zahlen, zugestimmt.

Verfrüht. Von Berlin aus wirb eine Druck- schnst verbauet, die für die Ecrrchtung eines Riesen- dcnkmals zur Erinnerung an die ungeheuren Leistungen des drutschen Volke, in dem gegenwärtigen Kriege wirbt. Auch in Tageszeitungen wird bereits für den Gedanken Stimmung gemacht. DaS zu schaffende Denkmal soll geradezu ungeheure Ausmaße erhalten und alle bisher errichteten Werke gleicher Art, insbe­sondere auch das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig der räumlicheen Ausdehnung und seinem künstlersschen

Bibra steckt der Ordonnanz ein reichliches Trinkgeld zu und preßt hastig die Hand seines Retters. Aber eS ist keine Fröhlichkeit mehr in feinem Gesicht. DaS, waS er bezwungen wähnte, ist wieder aiitgewachl.--

Morgen rückt das Regiment zum Mauöoer ans. Ra­stingen ist vier Tage nach Boldrowo beurlaubt ae- wesen und heute in aller Frühe zurückgekommen. Er bat sich während bet letzten Wochen aus allerhand teil» ein iaudwirtsch,Wichen Büchern einige Kenntnisse a»- zneig'ieu oersachl, die zwar für die Praxis völlig wert­los fein würben, aber doch bewirkt haben, daß er Vlatuscheks AuSführnngeil unb Vorschlägen wenigstens

folgen kann. , m ,

Bis auf zwei Schläge Hafer ist die Ernte m Bol» browo geboraem Sie war diesmal in jeder Beziehung leicht. Niatnschek jammert über die hohen Löhne »>id ben Au Stall im allgemeinen, schlägt aber trotzdem vor, keiueuralles mit der Amveuduug kiiustlicher Diingerstoffe uachiulassen. Rastiugeu gibt ihm völlig freie Haiw

Er ist überzeugt, daß er sich selbst den größten sdfaoeii jufüqte , wenn er die Entschlüsse deS Erfahrenen in ir» qeiibeiuer Weise beeinträchtigte. Er kennt Matu,chek als den einigen, nach dessen Befürwortung fein toter Vater zuweilen ein schon gefaßte» Urteil abanoerte. Nur in etwas redet^ihm Erich Rastiugeu schon heute mit Vorliebe hinein, in die Leuteoehandlung. Er ist bet. Meinung, daß sie nicht gütig genug vehaudelt werde». Er möchte gern Mitarbeiter ch's'hiien erziehen, die nicht nur aus Furcht vor Strafe ihre Pflicht tun. Ma- tm\hef lächelt überlegen dazu und ander», den alten Kur^ nicht. Er keiliil sie länger als sein fuiiger Gebieter

Auaenblicklich konzentrieren sich RasturgenS Gedankei». anf etwas ganz anderes als auf das Wohl feiner Scholle.

®r ist in dem anfängliche» Kampf mit dem ®ntu saqenwoUe» seiner Liebe für Marie Luise endgültig uu» terlegeu Dafür ringt er nun seit Tagen um die Ge­wißheit seiner seeligen Ahnung. Ihre abwehrende Spro- digkeit ihm gegenüber ist dahin. Schon lauge. 229,18*