", ™ Wochcübcrlagc: Illustriertes Sonntagsbllltt
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Erscheint Mittwoch an* Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljäbrlich (,8O Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum {5 Pfg.
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Mittwoch, den 24. Juli 1918
69. Jahrgang
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A nrtliches
I. Nr. 4136 K. A.
An die Herren Jagdvorsicher des K eiseS.
Auf Anocdnuiig des Herrn LandmirtschaflS^MinisterS ^ fortab bei jeder öffentlichen Verpachtung eines Melnsämftlichen Jagdbezirks (Gemeinde) eine Karte in Maßstab von 1:25000 (Meßstischblatt) den auszu- c-cndcn Bedinaungen beigefügt werden, aus der die Zienzen und sonstigen Eigentümlichkeiten des Jagdbe- ttks genau ersichtlich sind. Ich gebe hiervon Kenntnis mb bemerke, daß Mcßstichblalter zu dienstlichem Gc- neuch zu ermäßigtem Preise von der Kartenvertriebs- tclie in Magdeburg, Fürstenwallstraßc 11 direkt )cjogm werden lönnen. Bei E nreichung der Jagd- mchlbedingungen ist künftig die Karte mitvorzulegen. 0le Grenzen des Jagdczlrks müssen darin genau nächtlich gemacht sein
Säluchtern, den 17. Juli 1918.
Der Königliche L mb rat.__
Deutsches Reich.
— Unsere erfolgreichsten Lufthelden. Taß trotz ,cs Ausscheiden) der Füegech rc» Im uelinann, Boelcke mb Richthofen es der deutschen FUegerwosse nicht an änem reichlichen und sehr leistungsfähigen Nachwuchs chlt, der seinen großen Vorbildern völlig ebenbürtig zu verden bestrebt ist, zeigen folgende Zahlen : Wir besitzen uch dem Staude vom 1. Juli 1918, 47 Flieger, die [2 und mehr L lfisiege errungen haben, davon 26 mit M und mehr Siegen, und 6 mit 30 und mehr Siegen, sicht weniger als 16 haben den Pour le merite er- ungm; es sind mit der Zahl ihrer Luftsiege: Hpt. Bertbold (37), Lts. Bongantz, Sudler, Ubet und PitMoff (je 39). Oblt. Schleich (^ StS v Richt- )ofen und Loewenhardt (je 29), ORt. Be ncrt (27), A. Wüsthoff (27)," Oblt. £>ostier (26), Oblt. Loerzer 25), Lts. Kroll und Püttcr (je 25,) Lt. Hans Klein 22); Goerinz (21). Ferner haben Luftsiege errungm : Lt. d. R. Kirschsiein (27), ScS. Rum h (23), Windisch Velljcns und Lt d. R. Säumer (je 22), Lt. Thup (21) Vermißt sind von diesen: Wüsthoff, Postler unb Würd sich.
— Cin b.merkenswertes Geständnis. Bei der Aussprache über unsere auswä-tige Politik im Reichstage hat der sozialdemokratische Patteiredner, Abg Notte, folgenden Ausspruch getan : „Es ist gerat» zu närriP). davon zu sprechen, das Heer schütze nur die Besitzenden. Unter einer feindliche» Invasion, utitec einer Niederlage haben bte Proletarier überall am meisten zu leiden!" Nach dem Bericht des sozial- dcinokiaiischcn Zentrachrzans wurde dieses Geständnis des Parletredners durch ein „Sehr war" bet den Sozialdcmokeatcn unter ste chen und als zutreffend abgestempelt. Die bürgerlicher^ Parteien werde» gut tun, bicfeS sozialdemokratische Gefrändnis dauernd im Gedächtnis zu bewahren.
»dntlö und Suyne
Roman von Käthe LuboivSki.
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„Aber Du? Geht er Dich im Grunde genommen (thu mehr an wie jeder andere Pan, der uns für ehrliche Arbeit einen verdienten Entgelt bietet?"
„Darauf versteh' ich nicht zu antworten, Vater. Ich habe ihn eben auch lieb. Er war niemals stolz, sich um[;te kommen, als er zum ersten Mal in Uniform hier war, zur Firmelung schellkte er mir das kleine Herz mit den weißen Perlen, und als der alle Pan starb, war ich anch bei ihm. Er ist so gut, Vater. Er kann gar nicht weh tun. Neulich sah ich, wie er die Rosenraukeu, die auf dem Wege lagen, hochhob und Miickbaud. damit er sie nur nicht zertrete."
Der alte Malulchek kennt daS Leben. Er weiß mich, daß mancher, der sich scheut, seinen Fuß auf eine '-Blume zu setzeu. nicht zaudert, ein Meuscheuleheu zu vertreten. Freilich, Pau Erich ist wohl nicht so geartet.
Aber wenn auch. Sein Kind ist heißes, junges Blut und ohne Weitster, darum muß er ihr Herz doppelt schlitzen, wenn der Tag des ErlKichens naht. Unb er sagt ganz rilhig imd beherrscht: „Vielleicht ist Pan Erichs zukünftige Braut unter dem altgesagten Besuch. Dannu tust Du recht, alles so schon wie nur irgend möglich zn besorgen."
Sie wechselt die Farbe, ohne daß sie es weiß.
„Sein Vater ist erst wenige Monate in der Erde, und st ist noch so jung," sagte sie leise, als wollte sie sich beruhigen. , . ,
„Und doch wird er bald eine Frail nehmen; sehr bald sogar. Er erfüllt damit den allergrößten Wmüch des verstorbenen ^mi. Und eine rei he Frau anSoonach- niem .yame wird es sein. Vielleicht gar von .nel.
Jadwiga wirb abwechselnd rot und blaß. Die Stimme bei alten Verwalters grillt immer heftiger. Er will das, waS sich, von ihr selbst noch nicht e,-
— Nachdem die deutsch-französischen Veihandlupgen über gegenseitigen Austausch zum Abschluß gelangt sind werden, wie wir erfahre?, monatlich 10 090 Unter« offigtere und Mannschaften und 3000 Zivilpersonen von Frankreich nach Deutschland abtranSporltert werden. Während bte Offiziere in der Schweiz interniert werben werden Unteroffiziere und Mannschaften in die H.imat entlassen. Da die AuSzetau'chten Mannschaften nicht wied.r an die Front und in der Etappe verwendet werden dürfen, so werden sie, nachdem sie ihren Ersatz truppenteilen übetwiefen worden sind, als Ersatz der zum Austausch gelangenden französischen Kriegsgefangenen der deutschen Kriegsindustrie zugesühit werden. Vorher erhalten sie einen vierwöchtgen Urlaub. Der Abschluß des Gesa-genen Austausches mit Frankreich bedeutet für taufende und abermusende Deutscher die Befreiung aus langjähriger q talvoder Gefangenschaft; sie dürfen gewiß sein, daß die Heimat sie mit offenen Armen empfangen und sich nach Kräften bemühen wird, sie die Heiden der G.fangenschaft nach Möglichkeit vergessen zu machen.
— Nach M.ldungen aus dem Haag sind die Verhandlungen wegen Gefangenenaustausch zwischen Teutsch land und England so gut wie abgeschlossen und haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Die Delegierten werden voraussichtlich heute abreifen können. Die Nattfizierung soll so rasch wie möglich erfolgen, sodaß mit dem Gefangenenaustausch bereits in len nächsten Wochen begonnen werden kann.
Politische Uebersicht.
Die vierte deutsche Angriffsschlacht,
Der bekannte Schweizer Militärkritiker Hermann Stegmgun schreibt im Ikrnr Band - Di,1^--"»- d-u sche Angriffsschlacht dürfte keinen anderen Zweck haben, als die Zertrümmerung der Hauplkräfte der Entente fortzusetzen und die deutsche Heeresleitung werde dabei geographische Ziele aus operativen Gründen ins Auge Tuffen. W nigstenS liege das in der strategischen Eniwickelung begründet. Die französische Heeresleitung müsse gewisse geographische Punkte um jeden Pr.is verteidigen, weil sonst schwere Folgen für sie kommen können; sie müsse unbedingt an Reims, AmienS, Arras, Hazebrock und Poperinghe sesthalten, solange sie kann, und sie dürfe die Schlacht keinesfalls mehr in eine Nückwänszusammenziehung münden lassen. Ge ade dies aber fei ein gewisses Schwächemomet, denn eine solche Verteidigung erfordere die größten Opfer.
Der Postverkehr mit der Ukraine.
Nach der Ukraine können fortan offene Briefe, Postkarten und Warenproben befördert w-.rdcn. Zu gelassen sind vorläufig die deutsche und die russische Sprache. Die Sendungen sind nach den Sätzen des Welipostvorkehrs frei zu machen.
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sannt, in Äre Seele gestohlen hat, herauZreißen, ehe es Wurzel schlägt.
„Geld muß sie nämlich baden," fahrt er fort. „Darauf muß er sehen, das ist sozusagen seine Pflicht. Ein Pra- duck (Hnndeseele), der es anders täte. Ich lebe doch auch nicht ewig. Und er versteht nichts von der Wirtschaft. Er wird 'sie mit der großen Tasche voll Menschen- liebe höchstens ruinieren. Da muß er später von dem Gelde seiner Frau hier Mette» können, wenn eS hapert."
„Wie fNchkbar traurig, Vater."
„Was ist traurig, was verstehst Du davon?"
"Ich denke es als das allerschliinnrste, um solcher Sachen ivillen das heilige Sakrament der Ehe, auf sich zu nehmen. Wßer wenn er es wirklich tun sollte, Pater, weil er nicht anders kann, und tust beide sind noth am Heben, dann wollen wir doppelt lieb und gut zu ih>n sein, nicht wahr?" . .
Der alte Mann atmet hoch aus. Der beängstigende Druck weicht von seiner Brust.
Gottlob, es hat sich doch noch nichts fremde- tu ihr Herz gestohlen. Es liegt klaKnnd offen vor ihm, wie in bet Kindheit. Er sah wieder einmal zu schtvarz. Schwerfällig steht er auf und nimmt ihren Kopf zwischen seine fandet „Die Vesperstunde ist aus Kind. Geh jetzt nach Hans und suche ans Küche und Garten das Schönste und Seltenste zusammen. Es versteht lich natürlich von selbst, daß wir dann Pan Erich lieb haben, und daß wir imS von Herzen auf sein flammen freuen, ist unsere Pflicht." .
Er küßte ihre weichen Lippen und steht ihr in die Augen, die wieder ganz fröhlich auSschaueu, dann laßt er seine sonnverbrannten Hände auf ihre Schultern gleiten.
„Wie alt bist Du jetzt eigentlich, Kind?"
„Ich werbe sechzehn Jahr, wenn die Kartoffeln aus den Standen müssen, Valerie."
,6 Boje moi (o Du mein Gott), so ein Kind noch und hält schon Reden, die einen alten Mann beinahe ängstlich machen können." .
Kertliche Kärnpfr fäblid) des ©urtq.
Berlin, 22. Juli abends.
(W. B. Amil.)
An vielen Stellen der Schlachtfront zwischen AiSne und Marne Ruhe. Oertsiche Kämpf südlich der Ourcq.
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Die 5rämpfe in Albanien.
Wien, 22. Juli. (W B.) Amtlich wird verlaut- bart:
An der italienischen Front keine besonderen Ereignisse.
In Albanien nahm vor drei Tagen der Feind nörolich von Berat und im oberen Devoli-Tale seine Angriffe wieder auf. Von örtlichen Schwankungen abgesehen, gelang es ihm nirgends, Vorteile zu erringen Die Kamp e dauern an.
Zwischen dem Someni-Knie und dem Meere drangen unsere Erkundungsabteilungen an mehreren Stellen In die italienischen Linien ein.
Der Chef des Generalstabes.
Der „Leviathan" versenkt.
Die frühere „Vaterland". — 54 282 Tonnen.
Berlin, 22. Juli. (W B. Amtlich.) Der amerikanische Truppenlransportdampser „Leviathan" (früherer Dampfer der Hamburg-Amerika Linie „Vaterland", 54 282 Bruttoregistertonnen groß), ist am 20. Juli an der Nordküste I landS versenkt worden.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Eine Mahnung zur Geduld.
Im P.tit Journal schreibt Oberstleutnant der Thomasson:
Vier KciezSjahre haben in uns die wertvolle Eigen-
«A, M- M, O*
fehlst entwickelt. twL aiht r» **
nicht abwarten sönnen, end dVfazrn „Jetzt wo bte Amerikaner kommen, wird Fach seinen großen Plan ausführen, . . ., jetzt, wo die Oesterre'cher fich hinter die Piave zurückgezogen haben, wirb General Dia; sie überschreiten." Unwillkürlich denken wir immer an die napoleonischen Zeiten und erwarten jeden Augenblick den Strahl des Genies aus len Wolken hervorblitzen zu schen. Wir sollten uns aber klar werden, daß der heutige Krieg mit den ungeheuren Menschenmassen, die er in Bewegung setzt, nicht mehr der Krieg von vor 100 Jahren ist. Wenn aus Gründen, über die sie allein zu befinden haben, Fach und Diaz sich augenblicklich in der strategischen Defensive halten, so be- werfen sie dadurch besser als durch Worte, daß zwischen ihnen Uebereftimmung herrscht, und daß die Bewegung der Reserven, sowie deren zukünftige Verwendung von der Nordsee bis zur Adria einheitlich geregelt ist. Man möge sich erinnern, daß auch Napoleon mehr als einmal die strategische Defensive als von den Umständen geboten betrachtet hat. Nur waren die Kriege ju seiner Zeit kurzer. Heute haben wir allen Grund,
Hub wieder küßt er sie zärtlich.
Danach setzt er das blanke Pfeifchen wieder an die Lippen und stößt mit vollen Lungen hinein. Ihr durch- bringender Ton klang hell über das Feld. Die Heute werfen die Arme in die Hust und gähnen noch einmal herzbast, ehe sie sich emporraffen. 229,18*
Ans der schmalen Scheide, welche grasüberwachseu die blanblühenden Wicken von dem niedrigen Weizen trennt, schreitet Jadwiga mit ihrem Körbchen dahin.
Sie geht ganz langsam. Die trockene, heiße Last macht so müde. Sonderbar, auf dem Hinweg zum Vater hat sie das gar nicht empfunden, trotzdem die Sonne doch noch bö)er als jetzt stand. Die fröhlichen Gedanken, die bunt und freundlich das „Morgen" ansmalten, sind eingeschlafen. Sie muh sich immer den Spruch wiederholen, den bet Kaplan ihrer Mutter auf die letzte Reise mitgab. Und je mehr sie sich in ihn zu vertiefen bemüht ist, desto weniger versteht sie seinen Sinn. — —
Der nächste Tag ist ein Sonntag. Der Himmel hat sein blaues Alltagskleid nicht gewechselt. Die^ Sonne webt heute wie alle Tage mit sengenden Strah.en Säume von Gold und ®lut hinein. Dann und wann fährt ein kurzer Wiudstvß in den Staub der Laudstraße und jagt ihn hoch. Dadurch werden in das ytmmelu- kleid vorübergehend zerfließende Fallen von lichtem Grau gezeichnet. Auf dem Boldrowoer Gnlshof kregt das lose kurze Stroh in der Luft umher, und um die Blüten der breitäftigen Öinterhube, unter der Erich Rastiugeu mit seinen Gästen den Nmhnnltagskaffee ein- nimmt, taumelt duf,berauscht eine Schar milder Bleue»
^km selbst ist es immer noch wie ein ^rauin, daß sie wirtlich gekomme» find. Das alte Fräulein Rege», nein hat diese» Gedaiike» angeregt. Seitdem Marne Ünlie ihr von den Perlhühnern und den Himbeereil gespro- cl en hat, erzählte sie Bibra so oft, wie brennend gern auch sie diese Herrlichkeiten mit eigenen Singen sehen möchte, bis der endlich den Zweck der Wiederholnngeii begriff und Rastingen zu dieser Einladung veranlaßte.