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F 57

Mittwoch, den 17. Juli 1918

69. Jchrgang

Der Rücktritt des Staatssekretärs von Kühlmann.

WaS vorauszusehcn war, ist eingetreleu: Heir von Kühlman hat bei seinem Besuche im Großen ßauptq jartiet sein Abschiedsgesuch vorgetragen, und der Kaiser hat das Abschiedsgesuch angenommen. Kit ihm scheidet ein Staatsmann aus dem Dienste, der zmefffeitos über hervorragende Fähigkeiten verfügte und in überaus schwierigen Zettläusten sein Bestes für das Vaterland leistete. Die Friedensschlüsse von Brest und Bukarest, die uns den Frieden im Osten brachten und damit unsere gesamte Heercskcaft für den Westen verfügbar machten, werden für alle Zeit mit seinem Namen verknüpft bleiben. Det Dank oes Vaterlandes sur seine anstrengende Arbeit folgt ihm in das Privatleben.

'Richard von Kühlmann wurde am 3. Mai 1873 in Konpantinopel als Sohn des damaligen Direktors der Anatolischen Eisenbahnen geboren, er wuchs in eimm Zentrum auf, in dem sich d:e weltpolitische Ver­knüpfung des neuen Deutschlands deutlich und viel« faltig offenbarte. Nach dem Aff-fforexamen, das er als beyelischer Staatsangehöriger in Bayern ablegte, trat er 1899 als Atrachtz in den auswärtigen Dienst des Reiches. Seine Laufbahn führte ihn als Legations- sekretär, Legationsrat unb' Botschaftsrat nach PsterS- durg, Teheran, London, Tanger, Washington, dem Haag und von 1908 bis 1914 zum zweiten Male nach London, wo er als erster Mitarbeiter de. ver- fjoibcnen Boischasters Freiherrn v. Marjchall und später i es Fürsten Lichnowsky die für das deutsch- englische Verhältnis so wichtigen und problematischen Jahre erlebte, bis bet Ausbruch des Krieges die B.- mühungen, dieses Verhä.tats zugunft n de» We lfc.edens auf eine feste Formel zu bringen, jäh zufammenbrachcn. Nach kurzer Tätigkeit in Konstaminopel im Wint.r 14 und 15 wurde er am 14. März 1915 zum Ge­sandten im Haag berufen, wo er sih um die Focc- fuhcung des alten freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Deutschland und Houand in beiden Ländern anerkannte Verdienpe erwarb. Im Oktober 1916 wurde Herr v. Kühlmann, als der Botschafter in Konstantincpcl, Gras Wolff M.lterntch, feine Entlassung nahm, zum Botschafter in außerordentlicher Misfion bei der Hohen Pforte ernannt, bis er im August 17 unter der Kanzlei scha l von Michaelis als Nachfolger des Staatssekretärs Zimmermann nach Berlin berufen wurde.

Demsches Reich.

Im Reichstage wurden am Donnerstag und Fceitag die Steüergcs tze beraten. Bei der Beratung der Umsatzsteuer zeigte sich wieder einmal die soztalocmo- kcatische Mittelstandsfetvd ichkeit tm hellsten Lichte. Von den bürgerlichen Parteien war ein Komp omcß-

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe ßuboivSfi.

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Mehr, als Dn denkst. Damals, als der schöne Wei­zen auf dem Halm answnchs, weißt Du noch, es sah aus, als oh eineii Meter über der Erde eine neue Saut aiifgegangen wäre, hat manch einer hier in Boldrowo bitterlich geweint, Vaterle."

Ich hübe sie nur lachen hören, Kind. Sonntags in ecßrabowifS elender Schenke haben sie sich znge- tnmteii mib vor Freude geschrien, weil sie meinten, eS ginge dem Pan ans Leben."

Sie glaubten doch nicht etwa, daß er selbst"

Rein, so nicht. Sie glaubten nur ganz fest, daß Voldroivo seinen Herrn wechseln müßte. Aber sie bat« tm sich geirrt. Weiß Gott, es war mir selbst ein Rät- fel, aber er hielt es durch. Er mußte doch noch einen kleinen Rest Bargeld für solche Zeiten im Spinde ha- den."

Aber schwer genug ist es ihm doch geworden, Vu- teile. Von dem Schreien unb Lachen weiß ich zwar nichts, denn Du hieltest mich Sonntags immer ängst- lich zu Haus«, ich habe nur an einem Alltag ganz hin- teil im Park, wo die Maiglöckchen mild wachsen, den Pan weinen sehen."

Unseren alten verstorbenen Pan, Judiviga? Kind, bat hast Du mohl geträumt?"

C nein, Vaterle. Er warS ganz gewiß. Ich werbe thu doch kennen. Hub ich habe mir dantalS manchel- lei zusammenaereimt. ES war an dem Tage, als er teil schwarzen Visa (Teufel) gefragen hatte, weil er auf dem Felde immer so wüste Reden führte. Surrst meinte ich, er hielte sich nach der Anfregnng bloß den Kopf. Nachher aber sah ich dentlich seine Tränen. Sie tarnen doch mohl, weil der Jammer um die verlorene

antrag eingebracht worden, der die Großbetriebe denselben steuerlichen Bedingungen unterwerfen wollte wie die kleineren gewerblichen Unternehmungen. Der Antrag trug einen durchaus mittelstandsfreundlichen Charalter, und selbst Herr G.sthein von der Fort­schrittlichen Volkspartei erklärte ihn für gerecht, aber die Sozialdemokraten stimmten dagegen. Schließlich wurden die gefam en Steuergesttze, zumeist gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien, in zweiter und dritter Lesung angenommen. Als Kurio- sum mag erwähnt werden, daß gegen das Schaum- weinsteuer-Gcsctz nur He Unabhängigen stimmten. Ob das wohl mit Rücksicht auf die gcgenwä.tigen Scktgelage jugendlicher Munitionsarbeiter geschehen sein mag? Und so etwas nennt sichVertreter des batbenben Volkes"! In einem zusammenfaffenden Rückbl de gab der Neichsschatzsckretär Graf Rädern der Zustimmung der ve.kündeten R gierungen zu dem von dem Reichstag in daS Sleucrbukeit hireingearbeiteten neuen Besitzsteuern Ausdruck und dankte zugleich den Aucschüssen für die ernste und wertvolle Arbeit, die sie geleistet haben. Im übrigen ist aus dem letzverfloffenen Tcgrngsabschnitte des Reichstages noch eine E kiärung des Generals von Wrisberg bemerkenSw.rt, wodurch die von Scheidemann ausgestellte Behauptung, bei uns werde die Berichterstattung über feindliche Fliegerangriffe meistens unterdrückt und damit die Zahl der auf solche Weise in Süddeutschland hingemordeten Frauen und Kinver verschwiegen, seitens dce Retchsle.tung eine energische Zmückimisunz erfuhr. D^ß die Verbreitung solcher Unwahrheiten nur Wasser auf die Mühlen unserer Feinde in und zugleich Mißmut, Zweifel und Unsicher­heit in d.e Kreise der eigenen Bevölkerung hineinträgl, liegt klar auf der Hand.

DaS prcußische Herrenhaus beriet am Mit wach den Haushalt des Ministers des Inner,. Obwohl man übereingetommen war, die WahlrechtSvorlage noch n.cht anzuschneiden, warf die bevorstehende Behanolung derselben doch bereits mch sach ihre Schatten voraus. Als erster Redner aus dem Haufe ging Graf Poia- domsky auf die Vorlage ein, indem er der Befürchtung Ausdruck gab, daß in Pr.ußen das allgemeine gleiche Wahlrecht radikaler wirken weibe als int Reiche, w.nn man nicht die nötigen verfassungsmäßigen Garantien schaffe. Von den Herren von Oldenburg Januschau und von Buch wurde der Standpunkt geltend gemacht, daß d e Königliche Regierung mit Einbringung und parlamentarischer Befürwortung der WahlrechtSvorlage ihr in der Juli-Botschaft enthaltendes Versprechen vollauf eingelöst habe. W.iteres zu tun sei n:cht in^ ihrer Macht, sonst yiüffe man zum absolutistischen Staate zmückkehren. Demgegenüber vertrat der Minister beS Innern die Ueberzeugung, daß die besondere Art der Ankündigung der WahlrechtSvorlage in der Botschaft vom 11. Juli 1917 auch ihre unterschiedliche Bchand-

Wer iveiß das heute noch, Kind. Vielleicht taten ihm anch die Schläge weh."

Leiser als sonst klapperte in diesem Augenblick die von den vier kräftigen Pferden gezogene Maschine vor­bei Die Messer streiften haarscharf die Halnie, ohne sie vom Boden zu schneiden. Nur hin und wieder griff eins hinein unb rasierte nachlässig eine winzige Stelle ab. Matnschek sah scharf hinüber . .

Dnhast ja die Schraube hoher gestellt, Joso I schrie er dein Fahrer zu.Sieh Dir mal die Stoppeln an t Sofort runter unb guriidgeftellt!"

Der Knecht fnhr mit halbgeschlossenen Singen rnhig weiter. Da sprang der Verwalter vorwärts unb hob grimmig den Stock:Du bist ein Praduck ein Gatgan i Ich schlage Dich windelweich und lasse Dich als Abendbrot die hohen Stoppeln abbeißen, wenn Du nicht angeiiblicklich gehorchst!"

Der Pole sprang behende von feinem sitz herab unb drehte die Schrunde abwärts. Mit einem Blick voll ver- [tedter Feindseligkeit kletterte er wieber hinauf und trieb die Gänle an. . ,

Knirschend gruben sich die Ruder in das gelbliche Erdreich, die Halme stürzen auf dem Tisch zusammen, und die roten Arme umfingen sie aufs neue.

Sabwiga sah mit nachdenklichen Augen thren Vater je hatte die ganze Zeit über seine letzten an sie gerichteten Worte nuchgedacht.

Du fugtest doch von den Schlagen, die er auSge« teilt hatte, Vater. Oder meintest Dn andere?"

Mutnscheck sinnt ein Weilchen, ehe er versteht, was sein Kind von ihm wissen will.

, Nein, just die meinte ich. Sie Brennen manchmal den,'der sie gibt, viel mehr als den, der sie einp- ^"?,Warum schlug der Pan bann aber bei jeder Ge- legenheit, Vater?"

Weil sie ihn sonst geschlagen hätten. £

K feilte eigenen ShbeiteriT , . _-

handluug rechtfertige.In der Botschaft war nicht nur gesagt, es solle eine Lorlage gemacht werden wie andere Vorlagen, und wenn sie abgelehnt ist, steht man, wie man sonst weiter kommt. Aus der Zeit und den Umständen, unter denen diese Botschaft damals in einer für unser Vaterland ernsten und unruhevollen Zeit erlaff n worden ist, geht hervor, daß diese Vorlage mit allen verfassungsmäßigen der Regierung zu Ge- hote stehenden Mitteln vertreten werden sollte." Im engen Zusamenhang mit der Wahlrechtsrorlage gab auh bet Bmmtm-Ellaß des M.nisterS des Innern zu teilweise erregten Eiörterungungen Anlaß. Der Herr Minister rechtfertigte seine Haltung in dieser Angelegenheit mit der Berufung auf die preußische Tradition und insbesondere mit dem, was Vismark, im J«hre 1889 im Reichstage zur Begründung seines Beamten Eclaffes gesagt hat. Prallten an diesem Punkte die Ge ster h.'s.iz aufeinander, so lösten dagegen die Aeußerungen des Ministers zur Polenfcage allseitigen Beifall aus. Mit Entschiedenheit unb Wärme wurden vom Regierungstische aus die großpolnischen Aspirationen zurückgewiesen.Die polnischen Bestrebungen auf LoSreißung von Teilcn Preußens verfolgen wir mit größtem Ernst. Mit den Polen, die diesen Tenzenden huldigen, wird die preußische Regierung niemals Frieden machen können. Wenn unsere Polen nicht dafür Sorge tragen, daß diese Tenzenden zurückgedrängt werben tnnerhrlb der preußischen Grenzen, werden sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben haben." Schließlich wurde der Eiat b<ä Ministeriums des Innern genehmigt, ebenso ohne Deballe der Etat des KriegSminrstertums.

Das preußische Herrenhaus beriet am Donners­tag den Etat des Fmanzministeriums. Graf von Posadvu rly, brßca .Au. Ihr «^Jtüu Lo-MMN. naatsmänntschen Erfahrungen ein erhöhtes Gewicht verleihen, trat für eine vcrfaffungsrechltiche Scheidung der Finanzen von Reich und Bundesstaaten ein und prägte dabei das bemerkenswerte Diktum:Die F nanzhohcic unb die politische Selbstänotgkeit der Einzelstaabn sind zwei Begriffe, die gar nicht vonein­ander zu trennen sind." Fcnanzministcr Hergt erteilte diesem Stau-punkte seine vollkommene Zustimmung. Beachtenswert will uns an der Rede des Finanzministers ferner die von ihm ausgesprochene Hoffnung auf eine möglichst große Keiegsentschävigung erscheinen. Daß so etwas vom R.'gicrunzsnichö zum Ausdruck gebracht wird ist sicherlich geeignet, die zuversichtliche Stimmung in unserem Volke zu erhöhen und wird, obwohl es nichts mit der Fciedcnsresolution des Reichstages überein- stimmt, darum nicht minder lebhaften Widerhall in den weitesten K eisen find.n. Die WahlrechtSvorlage wurde ciner Kommission von 28 Mügliedern übermiefen. Am Freitag vertagte sich i ach Erschöpfung der TageS- ordnun; baS Hans. Die Mitglieder wurden vom Präsidenten G at.n Arnim von Boitzenburg mit einer

Nun ja, die Polen."

Dn bist doch auch ein Pols von Geburt, Vaterle." Die Augen des alten Mannes begannen zu glühen.

Ich bin meines Pun treuester Diener, Jadwiga." Der richtige Pan ist tot, Vater. Nun bist Du hier der Pan."

Wie kommst Du nur auf solche Gedanken? Ist nicht Ersatz da?"

Pan Erich ist kein Pan. Herren muffen harte Hände und harte Herzen haben, und Pan Erich hat ganz weiche, die gar nicht schmerzen wurden, wenn er damit schlagen wollte."

Darum muß ich eben um so strenger sein, gab» wiga." _ . t

Das Klappern der Maschine riß die Worte mit dröh­nendem Schall auseinander, daß sie wie ein Seufzer verhallten. , rr m

Und es sind doch Deine Brüder, die Du strafst, Va­lerie. Mit Dir in demselben Land geboren, ebenso glau­bend wie Du." .. _

Die dunklen Augen unter den weißen Brauen oer- suchten mit dem Ausdruck des Erschreckens in der Seele des kindlichen Mädchens zu lesen.

Aber Deine tote Mutter hatte Pan Erichs Glauben. Ich war nur nicht mehr kräftig genug, um mich auch offen zu ihm zu bekenne:!."

Unb ich, Vaterle, was habe ich eigentlich für einen Glauben? Ihr habt mich früher immer zwischen Euch und den Lehrern der Schule hin und her gerissen. Morgens mußte ich neben den andern Kindern meinen Rosenkranz beten, und abends faltete die Mutter meiiie Hände und lehrte mich das Lied vom Heilands 9hm weiß ich längst nicht mehr, in messen Hand ich stehe."

In Gottes Hand, wie wir alle, mein Kind."

"^ft das derselbe Gott, der die Aehren dicht und schwer machen kann und einen Menschen über den an- dem alS Gebieter setzt?"

Qiorlö nfl " £äD.lO