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mit, Amtlichem Kreisblatt". Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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M 55

Mttwoch, den 10. Juli 1918.

69. Jahrgang.

Aus dem Reichtage.

Im deutschen Reichstag nahm am Mittwoch als erster Redner der Sozialdemokcat Scheidemann das Aort, äußerte erhebliche Bedenken gegen den rumänischen Friedensvertrag und behielt sich endgültige Stellung­nahme vor. Dann kam er auf die Froge der Flieger­angriffe auf offene Städte, die er internationaler Re­gelung empfahl, zu sprechen und behandelte dann die heutige Loge in seiner Art. Vor akem glaubte er gegen dieMilitä diktatur" lorwettern zu müssen und an dasTrauerspiel der preußischen Wahlreform" er- innern zu müssen. Die Rgleiung verstehe nicht die Leichen der Zeit und deshalb werde ihr die Sozial- demokratie icn Etat nicht bewilligen. Mt Fragn der gant großen Politik beschäftigte sich sodann der Unab hängige Ledebour. Er wertterre gegen angebliche Pläne mit Elsaß-Lothringen und Kurland und drohte am Ende so deutlich mit der Revolution, daß kaum noch etwas zu drohen übrig blieb. Er sagte direkt: Die deutschen Proletarier haben die Pfl chc, überall zur N.vo lution aufzurufen. Herr Ledebour erhielt dafür einen Ordnungsruf des Präsidenten, nachdem ihm das HauS die Quittung durch große Unruhe gegeben haue.

Darauf nahm der Slcllvcrtrelee des Reichskanzlers Dr. von Paper das Wo.t. Mir Herrn Ledebour sich auseinanderzusetzen, lehnte er ab, konstatierte, daß die EtatSverwetgcrunz der Sozialdemokraten doch nur leere Demonstration ohne praktische Folge sei und bleibe und kam dann auf die Friedensanzapfung ScheidcmannS. Programmatische Erklärungen wolle er nicht abgeven, sie würden von den Gegn rn ja doch nur m ßbraucht uud absichtlich falsch ausgelegt. Das WortSchluß in Ehren" und keine Beeint: ächtigung Deutschlands^ bei den Friedensbedingungen könne die Regierung ohne WfUct.4Hunterteilen. Der Friede c-roe kommen, sobald der Kriegs- und Vernichtungswille unserer Fe nde gebrochen ist. Was He r Scke.bemann über das Verhältnis der Obersten Heeresleitung und der zivilen Re chsleitung gesagt habe, sei grundfalsch und bekunde Undank gegen die Obcifte HieeSlettung. Derartige Aeußerung n brächten nur Beunruhigung in die Be­völkerung.. Wie könne man von militärischem Absolu­tismus sprechen! Im übrigen h-rrschc in allen Ländern ein Eegensotz zwischen Militär und Zivilleitung. Dar bringe die Länge des Krieges mit sich. In Deutschland seien die beiden L-itungen jedcrzcil bestrebt, sich zu ^erstand gm In den heutigen Zelter lasse sich eine schematische-Scheidung der beiden Gewalten nicht durchsühren, andererseits säßen in der Regierung keine Männer, die ihr Amt nicht gegen jeden Ucbergriff zu verteidigen vermöchte. Auch in der inneren Politik muß auf die schwere Zeit stets Rücksicht genommen werden. Gew.sse Freiheitsbeschränkungen bringe der Krieg immer mit sich. Für die Gesamtheit steht eben ungeheuer viel auf dem Spiel. Die deutiche Mehrheit

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe LubowSki. 18

Mir fiel das gestern auch auf, Herr Rastingen. Und gerade bei ihren Feldern besonders. Ich hatte einen weiten Spaziergang gemacht und sah mich plötz­lich einem Gulshofe gegenüber, der wie ein mächtiger Würfel zwischen den wogenden Feldern lag."

Da konnte ich meine Nengier nicht bezähmen. Ich fragte nach dem Namen und hörte, daß ich auf Boldro- woer Gebiet stände."

O!" sagt er ganz glücklich und sieht sie strahlend an.Wo standen Sie da eigentlichk"

Sie lacht ein wenig.

DaS ist schwer zu beschreiben, Herr Rastingen. Je­denfalls dicht vor einem dunkeläugigen Polenmädchen, daS viel schöner und vornehmer anssah wie die ge­wöhnlich«» Arbeiterinnen. Namentlich ihre Augen ha­be» es mir ungetan. An so viel Unschuld und Rein­heit habe ich früher gar nicht geglaubt. Sie führte ein Kälbchen am Strick hm und her und erzählte in wohl- gesetztem Deutsch, daß es sichverfangen" habe."

Erich Rastingen wird ganz eifrig. .s^

DaS ist ihre gewöhnliche Rede, wenn ein Stück Vieh krank wirb. Nicht mal die Aermsten rühren eine Hand, wenn eS ihre Knh trifft. Sie meinen, daß ir- «end ein Böswilliger ihm den leidenden Zustand an- vehe;t hat. Davon lassen sie sich nicht abbringen."

Das Polenmädchen wirb sicherlich Judwiga Matu- lchek, die Tochter meines Verwalters, gewesen sein, denn die hat solche Augen." M* -M^

0, sie war anßerordenllich freundlich und gesprä- chig zu mir. Sie zeigte mir die Perlhithner und er­zählte, daß die Himbeeren zu reifen beginnen."

RastingenS Seele streift zum ersten Mal seit jener D'betlvollen Stunde dm dunklen Bann der Xrpmr ab,

hoffe auf einen Frieden der Verständigung aus einem deutschen Sieg heraus.

Scharf polemisierte darauf Graf Westarp besonders gegen die Rede SchetdemannS. ES sei leicht als Minderheitsmann derartige Reden zu halten. Deutschland habe nie nach Weltherrschaft gestrebt, müsse aber durch diesen Krieg sich die Sicherheit verschaffen, in Zukunft gegen Uebersälle grenzlich besser gesichert zu sein. Was Scheidemann gesagt, b.de sich schlecht mit dem Dank, dem wir einem Hindenburg schuldeten. Der Nationalliberale Thoma variierte darauf das Thema Schluß in Ehren,, und die Herren Scheidemann und Ledebour nahmen das Schlußwort in der General- diskussion. Ledibour empfahl den internationalen Massenstreik.

Das Schlußthema bildete die Behandlung der deutschen Gefangenen in Rumänien. DaS mehr als dunkle Blatt ve langt nach Ansicht aller die schwerste Sühne seitens Rumäniens. Einmal der ausgleichenden Genchligkeck halber, andererseits um unseren Feinden die Lust zu nehmen, ihr Mütchen an den gefangenen Deutschen zu kühlen. Die rumänischen Greuel sind sicherlich einer d.-r du leisten Punkte in der Geschichte der Geiangenenbehandlung während des Weltkrieges. Jeder Deutsche hofft auf gerechte und durchgreifende Sühne.

Deutsches Reich.

AuS dem Abgeordnetenhause. Im preußischen Abgeordnetenhause war erster Gegenstand der Tages­ordnung die Beratung des Nachtrags zur Denkschrift über die Beseitigung der Kriegsschäden in den vom feindlichen Einfall berührten Landesteilen. Nach oer* schiedcnen Rednern eahm '..; M nister jeS stanaa Dr. DrewS das Wort und betonte freudig, daß aus allen Red n bei Abgeordneten die Anerkennung herauS- geklungen habe für da?. was der preußische Staat in schwerer Zeit für Ostpreußen geleistet hat. Diese Leistungen sind zurückzuführen aus die hingehende Mitarbe t der Bevölkerung Ostpreußens, dann aber auch auf Mitarbeit, die der preußische Landtag mit der Regierung bei der Ausarbeitung der Grundsätze geleistet hat, die für die Entschädigung festgestellt worbey sind. Es ist eine Revision der Pauschalsätze in Aus­sicht genommen. Nach dem jetzigen Entschädigungsmodus können die ganz Abgebrannten nicht zur vollen Ent­schädigung kommen. Zur Beseitigung von besonderen Härten ist ein Dispositionsfonds in Aussicht genommen. Die Hauptsache bei HilsSaksion bleibt, daß sie unter Fernhaltung eines kleinlichen Geistes in großzügiger Weise durchgeführt wird, und daß der Geist der Ordnung und Straffheit der Organisation dabei herrscht. Das Werk wird ein Ruhmesblatt der preußischen Ge schichte bleiben.

Sein ureigenstes Wesen kommt zum Durchbruch. Er will jetzt nicht grübeln. Er will diese köstliche Stunde des Zusammenseins anskusteii.

Die Himbeeren, sagt er träumerisch,ja, ja die müssen jetzt wohl so weit fein."

Ich mochte sie früher als Kind auch so gern. Aber nachher bin ich ihnen ans dem Wege gegangen. Sie gemahnten mich jedesmal an ein verlorenes Paradies."

Er verstand den Sinn ihrer Worte. Es rührte ihn, daß sie von dieser Zeit in ihrer Vergangenheit den Schleier hob.

Sie waren damals aber doch im zartesten Alter da konnte sie eigentlich das Heimweh nach der Scholle noch gar nicht so sehr gnälen."

Ich wollte, Sie hätten recht. An dem Tage, der uns aus dem Paradies vertrieb, war ich acht Jahre ge­worden. Aber die Eindriicke sind hasten geblieben, als sei ich bereits ein reifer Mensch gewesen. DaS macht, es waren ihrer damals so wenige. Später jagten sie sich. Einer verivischt den andern, ehe er sich in unser Empfinden hineinpressen kann. Wenn man die Erleb­nisse und Wünsche des späteren Lebens einmal zusam- menfassen und hcrnnterleseu wollte, würde man ihre Zeichen wohl nicht mehr erkennen." . .

Und auch die Menschen, die an Ihnen voriiber- gegangen sind, werben keine Spur hinterlassen haben, nicht wahr'k" fragt er still.

, Sie sieht ihn fest an.

tNein," meint sie ehrlich.Wenigstens keine solchen, ' ' " " meine jetzt na-

* .Nein," meint sie ehrlich.Wenigst« die man sich zu erhalten wünscht. Ich türlich nur die große Masse, die unsere Wege krenzt der gar nichis anderes übrig bleibt, als die Passage an uns vorbei zu nehmen, weil sie zu schnelledig ist,

Umwege zn machen." , **

Dann ruht das Gespräch ein Weilchen. Marie Luise ist ganz dem Zauber der Kindheit verfallen. Sie weiß J ° .. yn... nr.___..ra:,» ..;* «nafif mnnnn sie HP DVD3

Mordgeklistr eines amerikanischen Offiziers.

Von der Westfront wird uns geschrieben:Daß die weißen und farbigen Ententebrüder sich an deutschen Verwundeten vergriffen haben und sie in tierischer Weis« mißhandelten, ist zu wiederholten Malen bewiesen und durch Augenzeugen erhärtet worden. Kaum an die Front gekommen, hab>.n jetzt auch Amerikaner, zunächst Offiziere, kolonial-französisch englische Nieder­tracht sich gelehrig zu eigen gemacht. Folgender Fall beweist, wie wenig man in sittlicher Bezi-Hung auch von diesen zu erwarten hat.

Ein Grenadier au« Oberschlesien war bei einem erfolgreichen Eckundungsvorfloß schwer verwundet worden. Neben ihm lag ein durch Bauchschuß ver­wundeter Amerikaner. ... Als dieser eine amerikanische Patrouille, bestehend aus einem Offizier und einem Gemeinen, nahen hörte, machte er sich bemerkbar. Der amerikanische Offizier geriet beim Anblick des deutschen Soltaten in maßlcje Wut und versuchte ihn blindlings mit seinem Revolver niederzuschießen, obwohl er an bin blutüberströmten Beinen sah, daß es sich um einen Schwerverwunreten und völlig Wehrlosen handelte. Nur den S tten des verwundeten Amerikaners, der selbst am eigenen Leibe erfahren und gesehen hatte, wie die Deutschen ihn nach seiner Verwundung als Kameraden behandelt hatten und dem energischen Austretetcu deS anderen amerikanischen Gemeinen, der deutsch sprach, ist eS zu danken, daß der Offizier den bereits erhobenen Revolver absetzte. Sie konnten aber nicht hindern, daß er den lautaufstöhnenden Grenadier mit Fußtritten von seiner Bahre herunterstieß und ihn hohnlachend seinem Schicksal überließ. Am Abend wurde dann der Grena­dier durch eine deutsche OffizirrSpatroulll« in die eigenen Linien zurückgeholt, doch war seine 'Verwundung schlimmert,g»^.^ werden mußte."

DieVaralong" Mörder und die zahlreichen französischen Quäler wehrloser Deutscher haben in diesemGentleman" aus Amrika einen würdigen Ge­nossen erhalten!

Politische Uebersicht.

Zwei englische U-Boote schwer beschädigt.

Großes Hauptquartier, 8. Juli (W.B. Amtl.)

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die Artillerietätigk.it lebte am Abend auf. Sie nahm während der Nacht beiderseits der Ly», am La Bassee-Kanal und zu beiden Seiten der Somme zeitweilig große Stärke an. Rege E.kundungstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes bei MerriS und südlich der LpS scheiterten.

chen hat. Nur seine Nähe erfüllt sie mit hoher Genng- tunng.

Die Glocke seiner starken Innerlichkeit hat'an die ihre geklungen und sie in Beioegung gesetzt. Nun schivin- gen sie sich gemeinsam über den Alltag ihres Lebens hinaus lind klingen und klingen nnd lassen die alle Heimatsehnslicht, die von braunen Ackerschollen und grünen Wäldern zu erzählen weiß, ans starrem Schlaf emporfahren. .

Ich durste allemal um diese Zeit zwischen den Halmen nmherivandern," sagte sie jetzt wieber, in einem Ton, wie man Märchen erzählt, damit laut etwas fort» setzend, was sie in Gedanken begonnen hat,Rade und Kornbliimen pflücken. Mein Vater war immer der Meinung, daß ich leicht und klein genug sei, um dem Korn keinen Schaden zu tun. Er stand dann abseits nnd sah mir zu. Und ich brächte ihm alle Blumen, die ich gefunden hatte. Dann wanden wir einen Kranz und gaben ihn der Mutter."

Sie schiveigt, von den Erinnerungen überwältigt.

Rastingen hält förmlich den Atem ein, damit er st« nicht störe. ^^>«^Mtz,» -tip^

Und sie erzählt leise weiter:Seitdem bin ich nie­mals wieder durch das Korn gegangen. Damals wußte ich noch nicht, daß seine Reife das Ende aller Hossmm- ocn bedeutet, daß danach eine Leere gähnen muß, von der man niemals wissen kann, ob sie je wieder mit frischer Saat bestanden sein wirb." ^- ^

Erich Rastingen möchte sie in seine Arme reißen und ihr inS Ohr flüstern:Komm, laß uns zusammeil durch die Reife gehen. Wir wollen jetzt statt der Blumen «ehren brecheu soviel, daß wir genug für die znkünf- tige Saat nach HauS bringen !"

- Der Wunsch brennt ufie Feuer in seinem starken, treuen Herzen. Und doch empfindet er ein Fröstein. Es ist, als ob es Winter um ihn sei und Eis und Schnee die keimende Hossnung erstickten. 22V, 18*