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mit Amtlichem Kreisblatt". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich (,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum X5 pfg.

M 49 Mittwoch, den 19. Juni 1918. 69. Jahrgang.

Deutsches Reich.

[ 30 Jahre Kaiser. In aller Stille aber nicht nit geringerer Anteilnahme beging am 15. Juni das Mische Volk den Tag an dem Kaiser Wilhelm II. mr 30 Jahren die Regierung antrat.

In dem Aufruf an sein Volk hatte der Kaiser bei seiner Thronbesteigung das feierliche Gelübde abgelegt: Mus den Thron meiner Väter gerufen, habe ich die »egicrung im Ausblick zu dem König aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Betspice keiner Väter meinem Volke ein gerechter und milder |ütfi zu sein, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, |en Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu Mein, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem »echte ein treuer Wächter zu sein." Mit echter Hohen |Uerntrcue hat der Kaiser dieses Programm zur Wahr­tet gemacht, und dieser treuen Arbeit verdankt Deutsch­land seine Größe. Wenn es dem Kaiser auf die Dauer dicht gelungen ist, seinem Lande den Frieden zu erhalten B lag die Schuld weiß Gott nicht bei ihm! Die Verdächtigungen seiner Friedensliebe, die sich am An­fang seiner Regierung an seinen Namen hängen wollten Knb längst und so gründlich abgetan gewesen, daß Kaiser Wilhelm im In- und Ausland als der Friedens- «tser anerkannt war. FriedenSkaiser war er in der Kai, FriedenSkaiser ist er auch heute noch, wo er mit feinem ganzen Volke im übermenschlichsten Ringen um Ehre, Dasein und Zukunft steht.

I Nur zur Verteidigung dessen, was er zur höchsten »litte geführt, hat der Kaiser zum Schwerte gegriffen. Blnjer Vaterland war unter seiner Regierung in politi­scher und wirtschaftlicher Beziehung das geworden, was »ns alle mit Stolz und Glück erfüllte, was freilich auch den Neid und die Mißgunst andere Völker erregte: A^r d^r ersten StMUeM*uer mhi, err aus eigener Kraft den Vorsprung überwand, den andere Länder in per Welt vor ihm gewonnen hatten, der kraftbewußt »nd leistungsfroh in friedlichem Wettbewerb mit allem »nd jedem zu treten vermochte und seinem Volke einen Migenden Wohlstand sicherte. Ißir vertrauen, daß auch «3 diesem Kriege Deutschland nicht verkleinert und krstückclt hervorgehen wird, sondern vergrößert und »estärkt zum Eintritt in eine weitere glänzende Zukunft, »mmt darf heute schon das Lebenswerk unseres Kaisers «e Erhebung Deutschlands zur Weltmacht, wofür er 1 einer unermüdlichen 25jährigen Friedenszeit arbeitete W voll gesichert gelten.

I hoffentlich leuchtet dem Kaiser und seinem mit ihm Mig verbundenen Volke bald der Tag des siegreichen Kliedens, der diese Entscheidung besiegelt.

I Das Ergebnis der achten Kriegsanleihe stellt ich nach Ablauf der Feldzeichnungsfrist (18. 5.) jetzt bis 15 001 425 4<J0 Mk. Die bei der ersten Meldung ^gesprochene Erwartung einer weiteren Erhöhung hat »ch also durch Hinzukommen von rund einer Vicrtel- Miarde Mark erfüllt.

I Das Ergelnis der Ludendorff-Spende wird vor­

aussichtlich nach den bisher bekannt gegebenen Resul­taten auf 100120 Millionen Mark geschätzt.

Die trostlose Lage des Zeitungsgewerbes wurde gestern auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger in Berlin beleuchtet. Es zeigte sich wie schwer gerade das Zeitungsgewerbe unter dem Ernst der Zeit zu leiden hat, wie schwer besonders die unge­heure Erhöhung der Papicrpreise den ganzen Beruf bedroht- Aus den Besprechungen, die der Vorstand mit führenden Parlamentariern aller Parteien hatte, ergab sich jedoch, daß Aussicht besteht, durch Eingriff des Reichs eine Katastrophe von der deutschen Presse abzuwenden.

Der Briefverkehr mit Amerika durch Vermitt­lung des Deutschen HilfsvereinS in Stockholm mußte eingestellt werden, da nach amerikanischem Gesetz das anscheinend dem genannten Hilfsverein bisher noch nicht bekannt war, es den Deutschen in Amerika verboten ist, Briefe an Angehörige in Deutschland unmittelbar oder durch neutrale Hilfsvereine zu senden ober zu empfangen. Briefe an deutsche Kriegsgefangene in Amerika sind zulässig.

Aus dem Reichstage.

Im deutschen Reichstage stand der Heeresetat zur Verhandlung. Begonnen wurde mit kleinen Anfragen, deren erste der Kriegstabackmischung gewidmet war, von der der Abgeordnete Müller-Meiningen behauptete, sie fordere mehr Opfer als das feindliche Gas. Dann erregte die Bekanntgabe des Lynchmordes in Amerika mit Recht den Abscheu des Hause- und energisch wurde nach Repressalien gerufen. Bet der Behandlung des eigentlichen Verhandlungsstosses hielt Kriegsminister von Stein eine Rede, in der er vtnen Ueberblick über die Kriegslage gab. Der S! ^ ^ Datschen KrA-, Prinzen sei die schwerste Niederlage, die die Entente bisher erlitten habe. Die französischen Reserven seien aufgerieben und der Materialverlust der Entente sei ungeheuer. Die einzige Hilfe werde von Amerika erhofft.Noch ist der Feind zum Frieden nicht gewillt, noch hat das Schwert das Wort. Aber das Schwert ist scharf geblieben, und mit voller Zuversicht sehen wir dem Ausgmge des Ringens entgegen." Zum Schluß kam der Kriegsminister auf das Gesetz, betreffend Milderung im Militärstrafgesetzbuch, zu sprechen. Die Nerven der Soldaten würden durch den langen Krieg auf eine ungeheure Probe gestellt. Verschiedene Redner behandelten sodann noch verschiedene Militäcfragen, und am zweiten Beratungstage nahm der Kriegsminister v. Stein nochmals das Wort und wehrte die Angriffe gegen den Wert des Eisernen Kreuzes energisch ab. Auch er würde es als den idealen Zustand ansehen, wenn jeder in seiner Pflichterfüllung Genüge fände, aber die Orden seien im Kriege auch in den demo­kratischen Ländern nicht zu entbehren gewesen. Gewiß verstehe der eine seine Taten in besseres Licht zu rücken als ein anderer, der im geheimen große Taten vollführe. Trotz mancher Jcrverlcihung bleibe das Eiserne K-euz

doch ein Ehrenzeichen. Sodann brach der Kriegs­minister eine Lanze für die aktiven Offiziere, denen man schließlich doch auch nur die tüchtigen Reserve­offiziere verdanke. Am Donnerstag wird die Beratung des Heeresetats fortgesetzt.

Politische Uebersicht.

Die Gefangeneuzahl auf 81000 erhöht.

Wien, 17. Juni. (W. B.) Amtlich wird ver- lautbart:

An der venetianischen Gebirgsfront wurde gestern die Kampftätigkeit durch Wetter und Nebel beträcht­lich eingeschränkt. Westlich der Brenta behaupteten alpenländische Regimenter die tags zuvor erkämpften Gebirgsstellungen gegen heftige Angriffe. Im Höhen- gelände des Montello schoben sich die Divisionen des Feldmarschalleutnants Ludwig Goiginger kämpfend ge­gen Westen vor. Beiderseits der Bahn Oderzo Treviso scheiterten starke italienische Gegenstöße. Die am Süd- flügel der Heeresgruppe des Feldmarschalls von Boroevic vordringenden Streitkräfte des Generals der Infanterie von Esteseri entrissen dem Feinde westlich von San Dona weiter Boden und nahmen Capo Sile. Mit deutschen, österreichischen und ungarischen Mannschaften wetteifernd, legten hier tschechische und polnisch-ruchentsche Bataillone durch ihr tapferes Verhalten Probe ab, daß die seit Monaten täglich wiederkehrenden Versuche des Feindes, sie zu Verrat und Schurkerei zu verleiten, erfolglos geblieben sind. Für die Piavekämpfe am 15. Juni verdient außer der über alles Lob erhabenen Infanterie das junge oberungarische Regiment 106 be­sondere Erwähnung. Wie immer, haben unsere bra­ven Sappeuer und unsere Schlacht- und Jagdflieger anch am Erfolg der letzten Too? beworragenden Anteil Die Zahl der an der Südwe^Mn: ei., reorachten Ge­fangenen erhöhte sich auf 21 000.

Der Chef des GeneralstabeS.

Amtlicher deutscher Abendbericht.

Berlin, 17. Juni, abends. (W. A. Amtl.)

Von den Kampffronten nichts Neues.

Unermittelte Heeresangehörige, Nachlaß- und Fundfachen.

Die 21. Nummer der ListeUnermittelte HeereSan - gehörige, Nachlaß- und Fundsachen" ist am 1. Juni 1918 als Beilage zurDeutschen Verlustliste" erschienen. Die Liste enthält diesmal ein Verzeichnis sämtlicher mit Kennzeichen versehener Ringe, die bei der Zentralstelle für Nachlaßsachen in Berlin W. 15, Joachimsthaler Str. 10, lagern. Vervollständigt wird die Liste ferner durch ein Namensverzeichnis von Gefallenen, deren An­gehörige nicht zu ermitteln waren. Eine Bildertafel liegt diesmal nicht bei. Die Liste kann znm Preise von vierteljährl.ch 50 Pfg. durch die Post bezogen werden. Einzelnummern (zum Preise von 20 Pfg, einschließlich Porto), sowie sechs ältere Nummern nach freier Wahl des Bestellers (zum Preise von 60 Pfg. einschließlich Porto) können soweit der Vorrat reicht gegen

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe LubowZki.

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Wie schrecklich traurig!" wollte Erich Rastiugen wen. Aber er besann sich. Ihm fiel ein, was Bibras wer einst zu dem seinen von dem steinharten Bruder fiprocheu, daß er für die Weichheit und die Seele sei- 16 Weibes gefürchtet; und wie er vielleicht gerade in frStiiude, üi her er seinen Tod beschloß, gefleht hatte, zu schützen', damit sie nicht innerlich zerbräche. Und war keiner mit ihr und neben ihr gewesen, der ihr Hen Liebesdienst erwies da brach sie eben znsam- tn.

, Hub er riß sich empor und sagte scheinbar ruhig P teilnahmsvoll, während seine Gedanken doch be* über der richtigen Antwort ängstlich hin und her kürten:Wie kam das eigentlich, Bibra, mit Ihrer rilltet?

I «Sie wissen doch, daß, wenn das wärmste Herz ans Fernst gerissen wird und fortan kalt und unbedeckt Mgeu muß, es endlich zu zucken aufhört. Mit dem Wii meine ich hier den Sitz aller Enipfiudungeu. Der k«lsch kaun ganz gut ohne dasselbe weiterleben, es rf sich nur, ob dieser Zustand danach noch die Be- WuugLeben" verträgt. Nicht wahr, so was gibt r'ausendmal! Wenn ein Mensch erst so weit ist, er- Manch eine Sehnsucht nach der andern, biSschließ- V der Geist leer und leerer und das Auge für Freude WSchnierz blind wird. So mag eS auch mit meiner r^er gekommen sein."

Feind in ihm witterte, der sich deß begangenen Verbre­chens mitschuldig macht, indem er seine Früchte ver- zehrt.

In seinem Kopf pochen diese Gedanken mit tausend Hämmern. Das ruhige Erwägen aller Lebensfragen, das 'ihm unter den jüngeren Kameraden ein geistiges Uebergewicht verleiht, geht verloren. Er denkt nur, daß er vielleicht den Verstand verlieren könne, wenn er wei­ter hier in seinem Regiment bliebe.

Und aus diesem Gefühl heraus sagt er brüsk:Ich möchte mich in ein anderes Regiment versetzen lassen, Bibra."

Der wird ganz starr vor Schreck.

Was reden Sie da,,Rastingen? Scherzen Sie um Gottes willen nicht damit. Glauben Sie mir, ich liefe hinter Ihnen her, wenn Sie wirklich gingen. Ich fühle alle Tage deutlicher, daß ich Sie noch nicht entbehren könnte. Aber es ist ja natürlich der reinste Wahnsinn, ein Schreckgespenst bloß, um Ihre Macht über mich auszuproben. Wie kamen Sie eigentlich darauf?"

Ich weiß nicht. Ich habe in den letzten Wochen wohl an wenig geschlafen und zuviel gearbeitet. Da machen sich denn die Nerven mit allerhand ungefunben Ge­danken bemerkbar. Es geht sicherlich ebenso, wie eS kam, wieder vorüber. Ich habe ja doch Boldrowo hier

Ich glaube ja. Mein Vater lebte genau so einfach wie seine Arbeiter. Er führte nicht einmal einen be­sonderen Mittagstisch. Er ganz das nämliche wie seine Leute.

Er mußte das sagen. Der Sohn des Bestohlene» sollte wissen, daß sich sein Vater ein ganzes Leben laug

kasteit hatte, wenn er auch daswarum" nicht ahnte.

Mer bei Ihnen wird es anSarten," sagte Bibra zu früh und viel Gefallen. Kom-

mißbilligend.Sie fangen ein bischen zu zit energisch an. Tun Sie mir einen C inen Sie jetzt auf einen Schluck mit ins Kasino. Wir finden Gesellschaft. Einen Tag nach dein Ersten sind sie immer emsig wie die Bienen."

1<6§ ist also, wie ich dachte," jammert Erich Ra- Mus Herz.Die Schuld wächst ja inS Mermeßliche. M Gedanke, daß ich sie jemals wett mache. Wie N das .wphl möglich

Arie LuiseS schöne- Gesicht, da? eiskalt ersch'in^ Md er

LuiseS schönes Gesicht, da? eiskalt «sch-mt. Die nehmen » in ihrer Nähe weilt, ta ncht vor ihm auf G« sen d.«S zioett. He etiuuy m.n aQebent ahn» und Öuhki -» >«* I ybiR«g .;

in der Nähe. Ich könnte gar nicht fort."

Eben!" sagt Bibra beruhigt.Daran habe ich im ersten Schreck überhaupt nicht gedacht. Aber auch ihr gesprochener Unsinn trägt seine Frucht. Au ihm sammt» mir znm Bewußtsein, daß ich lange nicht genug auf Sie, großes Kind, acht gegeben habe. Sie sehen auch wirklich hundsmiserabel aus, Rastingen. Haben Sie etwa pekuniäre Scherereien auf ihrer Klirschke?"

Nein. ES ist alles in bester Ordnung."

5)4) muß eigentlich auf solche Gedanken kommen. Die nehmen plöistich eine elende Wohnung und schaf-

Würde Ihr Vater da- wohl

Es ist mir nicht möglich, Bibra."

Sie müssen! Ich habe es mir seit zwei Wochen vorgenommen, Sie wenn nicht anders mit Ge­walt hinzuschleifen. Sie verkommen hierin Ihrermuffi» §en Bude. Meinen Sie etwa, das nähme Ihnen der Tot» bei?"

Lassen Sie ihn doch auS dem Spiel," sagt Rastingen scharf.

Bibra zuckt ein wenig auf und steht den Freund mit großen, erschrockenen Singen an. Auf seiner Stirn liegt plötzlich ein roter Schein.

Sollte das etwa eine Zurechtweisung sein, Rastingen?"

Nein, Bibra. Bei Gott nicht. Haben Sie doch Ce» duld mit mir."

Der andere ist schon wieder ganz fröhlich.

Die habe ich jetzt wahrhaftig übergenug gehabt. Meinen Sie, bei einem andern hätte ich das fertig ge­bracht? Diese unermüdlichen Budenbesuche, bei denen Sie manchmal kaum den Mund aufgetan, geschweige denn mich mit etwas Trinkbarem belohnt haben. Und eben weil meiner Ausdauer das wohlüber np zugrunde liegt, Sie au» ihrer

jhlB ob sie ettvaS voll alledem abne und