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mit Amtlichem Kreisblatt". WochenbcüM: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich (,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum (5 pfg.

M 47. Mttwoch, den 12. Juni 1918. 69. Jahrgang.

Richtlinien für die KriegsamtssteUeu über die Regelung der BautStigkett.

Krtegsmtniflerium, KriegSamt.

Stab Tech. Nr. A 32/XIV. All. 3. 18. K. Tl. vom

15. 3. 1918.

Auszug.

Die bisherigen Richtlinien für die Mitwirkung der Kriegsamtstellen bet der Regelung der Bautätigkeit sind für das Baujahr 1918 ergänzt worden. Hauptaufgabe bleibt es, die Leistungsfähigkeit der Kriegsindustrie auf dem erreichten Stande unbedingt zu erhalten. Der Bau von landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden ist in stärkerem Maße als bisher zu fördern. Reue Ausgaben ergeben sich aus der Gestaltung der Wohnungsfrage. Das Kriegsamt hält eS für seine Pflicht, durch ge­eignete Maßnahmen der schon vorhandenen oder zu er­wartenden Wohnungsnot vorzubeugen. Die Kriegsamt­stellen sind daher angewiesen worden, soweit eine Wohnungsnot wirklich besteht und die Dringlichkeit ihrer Beseitigung nachgewiesen ist, die erforderlichen Bauten wirksam zu unterstützen und die benötigten Bau­stoffe freizugeben. Die Feststellung der Dringlichkeit er- solgt im Einvernehmen mit den zuständigen Zivilbehörden. In Betracht kommen.:

A. Um- und Ausbauten, insbesondere Umbau von größeren Wohnungen durch Zerlegung in kleinere, eine Maßnahme, die meist ohne erhebliche Schwierigkeiten ausführbar und nach Möglichkeit zu fördern sein wird. Außerdem stehen in Frage Ausbau der Dachböden für Wohnzwecke sowie Neuanlage von Kellerwohnungen, letztere sind jedoch nur zulässig in ganz besonderen Not­fällen und unter baulich und gesundheitlich besonders günstigen Verhältnissen bei schärfster Beurteilung.

B. Notstandsbauten, z. B. Barecken in behelfsmäßiger Ausführung, ein AuShilfSmittel « r beschleunigten Be­seitigung der Wohnungsnot, das nur in dringenden Ausnahmefällen zu empfehlen ist.

C. Neubauten:

a) Fertigstellung der stillgelegten Wohnungsbauten: Die Weiterführung ist von Fall zu Fall zu prüfen und kann, wenn es die Verhältnisse einigermaßen zulassen, namentlich bei geringen Anforderungen an beschlag­nahmten Baustoffen, genehmigt werden.

b) Bau von Einzelwohn- und Gruppenhäusern: Die Anträge sind von Fall zu Fall zu prüfen, jedoch unter schärfster Beurteilung, soweit eS sich um größere Wohnungen handelt. Luxusbauten sind verboten.

c) Kleinwohnungsbauten sind mit allen Kräften zu fördern. Anträge aus der Industrie auf Herstellung von Arbeiterwohnungen, sowie seitens der Gemeinden find der Bautenprüfstelle umgehend zur Prüfung vor- zulegen. Die Genehmigung ist abhängig zu machen von der Zustimmung der zuständigen Landes- und Gemeindebehörden.

Die Kriegsamtstellen sind angewiesen worden, die zur Förderung dieser Aufgaben etwa erforderlichen Elnzeldtspense oder grundsätzlichen Dispense von den be­

stehenden feuer- und baupolizeilichen Vorschristen bei den zuständigen Behörden zu erwirken. Eine Ent­scheidung über den Zeitpunkt, an dem nach dem Kriege die unter A genannten neu entstandenen Wohnungen geräumt werden müssen, hat durch die jeweils zuständige Regierung (in Preußen durch den Herrn Oberpräsidenten) zu erfolgen.

Für die Zuführung der notwendigen Baustoffe ist als Grundsatz festzuhalten, daß die nächstgelegenen Be­zugsquellen zu wählen sind und daß Landfuhrwerk so­wie Wasserwege für den Transport möglichst auSgenutzt werden.

Deutsches Reich.

Im Reichstage wurde die Vorlage über die Er­höhung der Diäten für die Abgeordneten nach kurzer Aussprache gleich in allen drei Lesungen angenommen.

In der Sitzung des Bundesrats wurde der Friedensvertrag zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn Bulgarien und der Türkei einerseits und Rumänien andererseits angenommen.

Das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz teilt mit, daß alle Gefangenen aus Frank­reich nach einer Gefangenschaft von 18 Monaten nach der Heimat entlassen bezw. die Offiziere in der Schweiz interniert werden. Der Abtransport wird bei der großen Zahl erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Ge­suche um beschleunigteren Austausch des einen oder anderen Gefangenen sind zwecklos.

Bekanntlich hat der Bundesrat die Einziehung und die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke mit Aus­nahme der in Form von Denkmünzen geprägten Stücke zum 1. Januar 1918 mit einer Frist zur Einlösung bei den Reichs- und Lav^skassen bis zum 1. Juli 1918 beschlossen. Wer also noch Zweimarkstücke im Besitz hat, muß sie in den nächsten Wochen einlösen.

Politische Uebersicht.

Im Kampf mit neuen französischen Kräften.

Berlin, 10. Juni, abends. (Amtlich.) Südwestlich von Noyon machten wir im Kampfe mit neuheran- geführten französischen Kräften Fortschritte.

Oefterreich-nnaarischer Tagesbericht.

Wien, 10. Juni. (W. B.) Amtlich wird verlaut: Feindliche Vorstöße bet Capo Silo und gegen mehrere Stellen der venetianischen Gebirgsfront wurden, wie an den Vortagen, glatt abgewiesen.

Eines unserer Bombengeschwader erzielte bei einem Angriff auf die italienischen Flugplätze von Treviso und Monte Belluno zahlreiche Treffer.

Das Artilleriefeuer, daß der Feind seit längerer Zelt gegen die hinter unserer Piavefront liegenden Ortschaften richtet, kostet täglich italienischen Staats­bürgern das Leben.

Der Chef des Generalstabs.

Der Reichskommiffar für Kurland und Litauen.

Zum Reichskommiffar für Kurland und Litauen ist Unterstaatssekretär Freiherr von Falkenhausen ernannt worden. Der Reichskommiffar untersteht dem Staats­sekretär des Innern. Friedrich Freiherr von Falken­hausen wurde 1869 als Sohn des Gegenwärtigen Generalgouverneurs von Belgien, Generalobersten Frei- Herrn Ludwig von F. in Potsdam geboren.

Aus den Parlamenten.

Im Reichstag gedachte Graf Hertling des ver­storbenen Präsidenten Dr. Kaempf in warmen Worten. Dann wandte sich der Reichstag Zensurfragen und Fragen des Versammlungsrechts zu. Auch wurde die Frage einer Aufwandsentschädigung für den Präsidenten vorgebracht. Im Abgeordnetenhaus wurden Landwirt- schaftsfragen behandelt.

Die mazedonischen Kämpfe.

DasEcho de Bulgarie" bespricht die griechischen Angriffe auf das Lumaplateau und schreibt: Der müßige, wir möchten sagen skandalöse Streit um die Frage, ob Griechenland im Kriege ist, muß aufhören. An den Wardaufern fallen Bulgaren und Deutsche Seite an Seite unter grichischen Kugeln; griechische Divisionen, die von der Entente ausgerüstet find, greifen die von Bulgaren und Deutschen gemeinsam gebauten und ver­teidigten Stellungen an. Wenn dar kein Feind ist, so muß man eine neue Definition und neue Formeln für Krieg suchen. Die mazedonischen Kämpfe sind eine Ergänzung der Kämpfe an der Westfront. Sie be­kräftigen mit Blut die Einheit der Front, die gemein­samen Ziele und Interessen von Freunden und Feinden.

Stätten kneift.

Während B ~ fe ve-."Snziänder unir Franz >'« deren tatsächliche Lage an der Front und ihre schweren Mißerfolge mit allerlei schönen Redensarten zu ver­schleiern suchen, ist in Italien aufs neue die Ver­öffentlichung der deutschen Heeresberichte seit dem 28. Mai verboten worden. Das italienische Volk soll nicht erfahren, wie schwer seine Machthaber, die eS in den Krieg trieben, geschlagen worden find. Dies Verbot beweist aufs neue, wie die KriegSstimmung des italieni­schen Volkes einzuschätzen und das Verhältnis zwischen Regierung und Volk zu bewerten ist._________________

Die Entwertung des Geldes.

In derDeutschen Juristenzeitung" macht AmtS- gerichtSrat Dr. Levin-Schöneberg auf eine Anzahl recht­licher Folgen aufmerksam, die die Entwertung des Geldes durch den Krieg mit sich bringt. Dr. Levin führt u. a. die folgenden Fälle an:

Man denke an die zahlreichen Fälle der Entschädi­gung für verlorengegangene Kleidungsstücke (Wäsche, Stiefel u. dgl.) und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Diese Sachen find häufig vor dem Kriege

; Schuld und Sühne.

< Roman von Käthe LubowSki. 11

Allmählich verbrauchten sie meine Nerven und meinen Willen. Es gab Stunden, in denen ich zum Tiere wurde. Ach, diese Nächte! Immer ihn vor sich, mit dem Finger auf mich weisend und auSspeiend, wenn ich mich nähern wollte. In ihnen lernte ich die Macht der Toten kennen. Sie ist tausendmal brutaler wie die der Lebenden. Man kann sich nicht dagegen wehren. Man ist hilflos in ihre Hand gegeben. Ich sah, wie der Mann, dessen Geld und Hoffnung ich stahl, aus dem Grabe stieg und auf mich zukam und etwas in den Hände» hielt, das übel roch: Meine zerfetzte und beschmutzte Ehre. Daß ich nicht wahnsinnig darüber wurde, ist ein Wunder. Vielleicht hat diese Stunde die Rache des Toten geschaffen. Ja, ich habe mich mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß der Lebende ba« mals auch der Tote gewesen ist, der aufstaud, um mich zu martern.

Erich Rastiugcn sitzt immer noch neben seinem Va­ter. Aber nicht mehr so aufrecht und erwartungsvoll wie zu Anfang. Seine Gestalt ist zusammengesunken, seine Ellbogen sind auf die Knie gestemmt. In seinen Häu- den ruht sein Haupt, hinter dessen Stirn die Gedanken tobeub kreisen.

Was ist mit ihm geschehen? Wer hat zu ihm ge­sprochen?

Der Mund eine» Ehrlosen und Wortbrüchigen! Pfui! über solche Gemeinheit, Und er sitzt ruhig dabei und schlägt diesen Mann nicht zu Boden. Der Mann ist doch sein Vater!

Und plötzlich schreit er auf und tastet sich von dem Stuhl henmier zu den Knien des alten Rastingen hin. Er weist gar nicht, daß er weint. Sein Gesicht ist üuiu bell und friedlich. Nur feine Seele krümmt sich vor

Der letzte Satz des Vaters klingt in ihm nach und erfüllt ihn mit furchtbarer Ahnung:Daß der Lebende damals auch der Tote gewesen ist"

Und er schreit seine Angst gellend heraus:Welcher Lebende, Vater?"

Warum fragst Du mich das noch? Er, der meinen Mund aufschloß, weil es ihm der Tote befahl der mich nicht mit meiner Schuld sterben ließ, wie ich eS wollte, der sie mich abwälzen hieß, nach dem ich sie vierzehn Jahre getragen habe. Ich hasse ihn ich fluche ihm ich"

Vater, nenne nur seinen Namen, ich glaube eS noch nicht!"

Namen? Den Namen hat der Tote, wir haben alle keinen Namen, kein einziger!"

Eine scheue Hoffnung kriecht durch Erich Rastiu- genS Glieder.

Wenn eS der Wahnsinn wäre eine Zwangsvor­stellung, au« der Macht des FieberS geboren! Er muß Gewißheit haben. Wenn er den Namen nennt, hat er sie.

Hier ist Wasser, Vater. Trinke! Ist Dir jetzt bes- ser?"

Der Alte streicht sich mit der Hand über die Augen.

Es ist schon vorüber. Es lammt jetzt manchmal. Das sind die Nerven, sagt der Doktor."

Den Namen wolltest Du mir noch nennen. Den Namen deS Lebenden."

Ja, ja. Er lebt ja auch wirklich. Jetzt weiß ich es ganz genau. Er ist mir Zug um Zug das Ebenbild sei­nes toten VaterS: Leutnant v. Bibra, Dein Regiments­kamerad."

Erich Rastinge» hätte eS nicht für möglich gehalten. Aber er hat eS' doch getan. Er hat seinem Vater da«. Ehrenwort gegeben, die Uniform weiter zu tragen und das Geheimnis, das ihm diese Stunde enthüllte, mit in6 Grab zu nehmen, wenn sich nicht ein unvorher­gesehener Umstand in sein Leben schiebt, der eine Offen« ----- ... w,.k» h« hetrn.iPH^u Geschwister notwen­

dig erscheinen läßt. Sonst aber unermüdlich un füllen wirkend, gutmachend, was der Vater gesündigt hat.

Es ist ja eigentlich sinnlos, was er damit verspro­chen hat. Aber die Kindesliebe zwang ihn dazu. Er kann seinen Vater nicht verachten. Vielleicht sind das schon die ererbten laxcntzEhrbegriffe. Gleichviel, was der Va­ter tat, geschah aus Liebe. Und solcher Liebe soll keiner fluchen, der vüm Weibe geboren ist.

Er hat die ganze Nacht bei seinem Vater gewacht. AbendS konnten sie die langschäfliaen Stiefel nicht von den Füßen des Kranken bringen. Matuschek hat sie stück­weise Herunterschneiden müssen Gegen Mitternacht hat denn der alte Verwalter seine Tochter Jadwiga herübergeschickt, bannt sie Erich Rastingen beim Wech­seln der Eiskompressen helfen sollte. Seine Finger wa­ren dabei stell und starr geworden, und die polni­schen Mägde nicht zu finden. Sie hatten sich eiligst in das HauS des Pfarrers geflüchtet. Der sollte sie segnen, damit die Krankheit des Pan nicht auch auf sie fiele.

Erich Rastiiigeu und Jadiviga haben bis zum däm. niernden Morgen kein Wort miteinander gesprochen. Er sah starr dem flinken Spiel ihrer Finger zu, ohne einen andern Gedanken fassen zu sönnen als den!Du bist der Sohn eines Ehrlosen und mußt nun doch Deine« Herrn und Kaisers Rock weiter tragen." 229,18*

Der Kranke warf sich dazwischen in fortwähren- dem Stöhnen in den Kissen hin und her. Aus seinen aerworreiien Reden merkte Erich Rastmgen, daß der Tote wieber neben ihm stand und mit seiner zersetzten Ehre spielte. Jadwiga betete inbrünstig ein paar Ro­senkränze, weil die Delirien zu wilben Schreien wurden.

Allmählich fanb er Ruhe. Der Morgen kam. Dar Gesicht des Kranken glühte. Seine Hände schlössen sich zur Faust. Unter dem Linnen des Nachthemdes traten deutlich die angespannten Muskeln hervor. Er wollte dem Toten zu Leibe. Da mußte Maullchek kommen und ihn halten helfen. Die beiden brassten er nicht mehr allein. Gegen neun Uhr traf der Arzt aus Posen em.