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mit Amtlichem Kreisblatt". Wochellbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mit"Kreisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum J5 pfg.

M 46 Samstag, den 8. Juni 1918. 69. Jahrgang.

Aufruf!

Mit tiefer Bclmndmnlg, mit jubelnder Freude vernimmt das deutsche Volk die gewaltigen Taten seiner Besten, liest es die frohe Botschaft von schwerem Kamps und glänzendem Sieg, die unser

lndenborts

mit wuchtigen Worten einträgt in das Buch der Geschichte. Neue Zuversicht und frohe Hoffnung erfüllt unser aller Herz: es muß gelingen, es wird gelingen!

Und zu der jnbelnden Freude, und zu der Bewunderung für unseres herrlichen Heeres invergleichlichc Taten, da gesellt sich der tiefe und herzliche Dank gegenüber denen, die mit ihrem Blut und Leben, nicht achtend Tod nnd Gefahr, den Feind uiederringeu.

Wohlan denn, deutsche Männer, deutsche Frauen!

Gebt dem Dank, der Euch im Herzen glüht, sichtbaren Ansdrnck, setzt ihu um in die Tat!

Opfert frohen Herzens, opfert auch besten Kräften für die

Lttöenösfff-Äpen-e!

Unser Kaiser aus dem Schlachtfeld.

Wo seine Soldaten harte Arbeit haben, da ist auch unser Kaiser. Er weiß, daß das Auge des ober­sten Kriegsherrn anfeuernd wirkt und daß nach getaner Heldenarbett ein Lobeswort aus K^isermund hoher Lohn ist. So sah auch das Kampsgelände am Ehcmin bei DameS den deutschen Kaiser, und der Krtegsbertcht- erstatter desTag" schreibt über diesen Schlachfeld- besuch des Monarchen am 1. Juni folgendes: Der Kaiser hat heute einen an starken Eindrücken überreichen Tag in dem riesigen Neuland unseres Raumgewinnes zwischen dem Lhemin-des-Dames und der Vesle ver­bracht. Gemeinsam mit rein Generalfeldmarschall von Hindenburg, der alle außerordentlichen Anstrengungen

und Anforderungen dieser arbeitsreichen und Verant­wortungsschweren Zeit mit voller Frische und Gesund­heit erträgt, ist er zu früher Stunde schon am Stand­orte des Generalobersten von Boehn gewesen, um dort den Vortrag des Oberbefehlshabers der an der Marne kämpfenden Armee über die Lage zu hören. Von dem Armcekommando hat der Kaiser sich nach Pinon begeben, wo er im Herbst 1914 kurze Zeit wohnte. Das einst­mals so herrlich schöne Schloß ist ein Trümmerhaufen, der Park ein Feld von zerwühlter Erde und zerfetzten Baumresten. Im Dorfe Pinon, das gleich Anizy, Allenant und allen anderen benachbarten Ortschaften völlig vernichtet ist sagte der Kaiser:Immer wieder wenn ich solches Kriegsgrauen sehe, das Tausende von Menschen heimatlos macht und blühende Landstriche

Frankreichs in grauenvolle Wüsten verwandelt, muß ich daran denken was Frankreich sich und seinen Menschen an Leid und Elend hätte ersparen können, wenn es mein Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 nicht so frevelhaft abgewiesen hätte."

Im Laufe seiner weiteren Fahrt begab stch der Kaiser in den Raum von Laffaux und 65nbe, um bei zwei GruppenkommandoS vorzusperchen und sie über die Kampftage zu hören. An beiden Kommandostellen, deren Truppen auf dem rechten Flügel unserer An­griffsfront kämpfen, konnte er mit Genugtuung die Nachricht von neuen starken Erfolgen entgegennehmen. Der Kaiser fuhr alsdann weiter nach Süden auf eine erst in den jüngsten Tagen genommene Höhe, von der aus er die Kämpfe westlich Soiffons beobachten konnte.

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Lnbowski. 10

Wi« kam dieser starke, auch jetzt noch lebenS- freubige Mann dazu, mich zum Vollstrecker seines Wil­lens zn machen? Er lag doch nicht auf bem Sterbe­bett. Konnte er nicht tausendmal besser daS um, ivas er von mir verlangte? Er wußte aber auch diese Siebenten zu zerstreiten. Er sprach von seiner nahen Seife inS An Stand und davon, daß iiiemaub wissen könne, wieviel Tage ihm noch geschenkt seien. So nahm ich denn sein Letztes entgegen. Ohne Schnldschein gab er es hin. Im festen Vertrauen auf meine schneeweiße Ehrenhaftigkeit."

Erich Nastingen ist innerlich viel ruhiger geworden. Er hat mehr nüd mehr die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Geschichte, unter der Einwirkung der Fieber- fluumung erzählt, beß gefürchteten tragischen Schlusses entbehren wird. Vielleicht sogar durch die Ueberreizung her Nerven entstanden ist, von der ihm der Arzt gestern sprach. Er macht den Versuch, den Vater abzulenken, inbeni er ihn aus die Bemerkung hinweist, die er als licjache für die Enthüllung der Geschichte angab.

Was hat denn mein AnSsprnch und Ewald von Bibra mit Deiner Erzählung zu schaffen, Vater?"

Der alte Rastingen öffnet nnd schließt die mnökulöse Hand, die breit und voller Schwielen wie die eine» Tagelöhners erscheint. Es ist, als ob er etwas z«rdrücken wollte. \

Was das damit zu tun hat, wirst Du schon noch erfahren. Wo war ich denn stehen geblieben? Ach so - Ich fühlte mich also durch daS Vertrauen innerlich gehoben nnd nicht mehr so zertreten wie vordem. Wenn man einen Bettler für ehrlich hält, dann muß er es zanz gewiß sei», dachte ich mir. Und an biefein Tage war ich es nach noch. Am nächsten kroch die Versuchung bereit» an mich heran. 229,18

Der Arzt kam wieder zu Deiner Mutter und sagte das nämliche wie vor wenigen Wochen. Da tat ich den ersten Schritt dem Abgrund der Treulosigkeit ent­gegen. Ich überlegte, daß meine Not ein Ende hätte, wenn ich mir einen kleinen Teil von der auvertrauten. Summe leihen würde. Ich sträubte mich anfangs gegen die Wiederholung ähnlicher Gedanken wie ein Verzweifelter. Ich wollte nicht. Vom frühen Morgen bis zur stickenden Nacht bin ich auf dem Felde her» umgeritten. Dann habe ich hier im Lehnstnhl ein paar Stünden gesessen, bis der neue Tag aufstieg. Wochen­lang so. Ich wollte nicht. Ich wollte ehrlich bleiben. Als ich es beinahe überwunden hatte, bekam Deine Mutter Lnngenblnten. Da sagte mir der Arzt, daß es grausam wäre, wenn ich sie jetzt nicht fortschickte. Ich mußte eS also doch tun. Zwei Wochen später brächte ich ste nach DavoS. Ich hatte mir von den 50000 Mark 3000 Mark aus unbestimmte Zeit geliehen. Als ich von DavoS zurückkam, las ich in der Zeitung, daß die Gräfin Polska nebst Kindern für die ihr anläßlich des plötzlichen HiuschecdeuS ihres Gatten dargebrachten Be­weise der Teilnahme danke. Meinem ersten Fehltritt folg­ten bald weitere. Als ein Jahr vergangen war, hatte ich die mwertraute Summe bis auf den letzten Heller verbraucht. Ich würbe den Ekel vor mir selber keine Se­kunde los. Aber die Hoffnung, daß ich die volle Summe durch glückliche Eruleu und günstigen Viehverkauf wieder zusammen bringen würbe, stand doch noch hinter mir. Es gelang mir nicht. Der Weizen verdarb mir zwei Jahre hintereinander auf dem Halm, und unter bem Rindvieh wurde ich die Seuchen nicht los. In­zwischen hatte ich Deine Mutter und die Hoffnung auf das Wiedererlangen meiner Ehrenhaftigkeit begraben. Du staubest neben mir nud halfst mit Deinen vertrauen- den Kmderblicken den Hügel zuschmifeln, der sich über meiner Anständigkeit wölbte. Ich wollte nicht, daß sie Dich den Sohn beß Baukerotteurs heißen sollten. Damals hab« ich um mich herum Ordnung geschafft.

Mein Erbarmen war dahin. Ich habe bit Peitsche gebraucht, wenn die polnischen Arbeiter mit den Au­gen rollten, und ihnen so lange Fußtritte versetzt, bis he herankrochen und mir den Rock küßten. Allmählich brächte ich Boldrowo hoch. Der Preis dafür war wohl der höchste, den ein Mensch jemals gezahlt hat. Ich bezahlte mit der Ruhe meines Lebens, der Selbst» achtung und bem dauernden Verlust des Platzes, der mich unter die Ehrenmäuu«r reihte. Ganz nebenbei war ich auch noch ein Wortbrüchiger geworden. Seit 5 Jahren bin ich imstande, dir veruntreute Summe mit Zins und Zinseszins zurückzugeben. Aber ich fühlte mich dazu nicht stark genug. Wer bezichtigt sich denn auch wohl freiwillig der Unterschlagung und beB Ver» tranenSbrnches ? Zudem ahnte ich nicht einmal, ob sein« Familie noch lebte. Ich hätte fit finden können. Na» türlich. Wurden sie mir aber geglaubt haben? Hast Du nicht schon einen Augenblick an meinem Verstand gezweifelt, als ich meuie Geschichte begann? Hätte meine Erzählung nicht wie ein Märchen, meine Rene nicht rote Wahnsinn auf sie wirken müssen? Niemals hatten sie meinen Namen gehört. Der Brief, der mich hätte legitimieren können, existierte längst nicht mehr. Ich hatte ihn in einer verzweifelten Stutibe vernichtet. Auch hatte ich furchtbare Angst, daß sie Dich mit Schmus bewerfen konnten, wenn sie mir doch Glauben schenken sollten. So erlosch das Feuer der innerlichen Borivürfe allmählich. Du warft Heraugewachsen und Offizier geworben. Ich glaube, Du hast bis heute auge- iwmmen, es fei auf Deinen gant besonderen Wunsch geschehen. Nein, ich verwirklichte lediglich den meinen damit. Ich pflanzte ihn Dir ein. Ich hegte ihn unablässig.

AlS Dn zum ersten Mal mit dem Portepee vor mir standest, es war anch an dieser Stelle, pflückte ich bie Frncht meiner Bemühungen. Ich bildete mir ein, daß td) daS alles nur geträumt hätte, daß meine Ghr« so blank und rein fei wie einst. Aber die Nächte belehrten | mich eine« andern. Sie blieben weiter gleich furchtbar.'