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mit Amtlicheiü Kreisblatt". — WocheubcilSgc: Illustriertes Sountagsblatt.
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^E 31 Mittwoch, den 17. April 1918. 69, Jahrgang.
Deutschland, Halt aus!
Die teilte Gier, der gelbe Neid Schürten dem Haffen die Flammen. Da wälzte ein Brandmeer herein sich breit Und über dem Wagen und Ringen der Zeit Schlug würgend die Woge zusammen.
Stund nicht die Treue Mann an Mann?
Und stund es nicht wie ein heiliger Bann Um übst und West geschlungen?
Und haben sie nicht in Süd und Nord Gehütet des Reiches heiligen Hort, Um Scholle und Freiheit gerungen?
Es kam ins Land die kalte Not Und fraß sich in die Gemüter.
Da teilten wir treu das rauhe Brot Und standen wacker gen HunDWW Tod Als der Heim«' ernste BehÜter.U
Und während der Sohn mik^Wt Feinde sich schlug Ging ferne daheim hinter Egge uMPflug Weißstränig sein Vater, der Äle. «8 Und wackerer Frauen fleißige 'HandH
Warf fromm den Samen ins ZrhneM Land, Hoffend, daß Gott eS walte. ^
Da schrieb der heil'ge, der Musische Gott Auf unsere Stirnen den Segen.
Und aus der Feinde geiferndem Spott Und aus der Sorgen schlürfendem Trott Will siegend das Hoffen sich regen.
Wer will da Zagen mit kleinlichen Mut?
Die Adern auf! Das letzte Blut!
Der letzten Truhen letztes Gut!
Wir wollen siegen! Stegen!
Soll nicht einst eurer Enkel Hand Sich fret erheben ob freiem Land? Drum, deutsches Volk, halt aus! Halt stand! Deutschland darf nicht erliegen' . ______
Wilhelm Fladt.
Britische Verzweiflung.
Wie ganz anders hatte sich der Engländer den Krieg gedacht, als er uns seine Heloten auf den Hals hetzte. Im Grunde hatte er gehofft, es werde genügen, wenn er als Geldgeber und Kriegsgewinner sich am Kriege beteiligte, und daß er am Ende den Rahm von der Weltsuppe mühelos werde abschöpfen können, hielt er für selbstverständlich. Die andern sollten sich schwächen er selbst wollte stark und ungeschwächt bleiben und dann die Rolle des Herrn der Erde spielen. Wie ganz anders ist eS indessen im Laufe der Jahre gekommen, wie tief ist Albion von der Höhe seines Uebermuts in die Tiefe der Verzweiflung gerutscht.
Diese verzweifelte Stimmung in England erscheint y y verschleiert in einem Schreiben zweier vielgenannten Parlamentsmitglieder, Johnson-Htcks und Montagne Barlow, an die „Times". Der Anfang lautet: „Das Land schwebt in ernster Gefahr. 1914 traten wir in den Krieg ein, um Belgien zu verteidigen. Jetzt tilmpfen wir, den Rücken an die Mauer gelehnt, um unser nacktes Dasein. Warum wird diese Tatsache nicht unverhohlen vor aller Oeffentlichkeit ausgesprochen?" Der Schluß verlangt die ungesäumte Einberufung des Parlament«, das über die Lage und deren mögliche Entwicklungen aufgeklärt werden müsse. Mehr Männer und größere Anstrengungen seien das Gebot der Stunde. Zugleich läßt sich ein höherer Geistlicher, der Dechant von Manchester, vernehmen, um in dieser gefahrvollen Zeit die den KriegSbedarf herstellenden Arbeiter und Arbeiterinnen wegen ihres Verzichts auf die Osterfeier- läge zu loben. Nngemein kennzeichnen für die englische Heuchelei und Lüge ist seine Einleitung: „Es ist eine höchst tragische Wahrnehmung in dieser langen KriegS- tragödie, daß die Deutschen gerade die Woche des Leidens Christi für die schrecklichste Schlacht oder Schlachtenreihe in der Geschichte der Menschheit aus- gesucht haben. Nachdem sie alle Grundsätze der christlichen Sittlichkeit gebrochen haben, konnten sie freilich den Mahnungen des Karfreitags und Ostersonntags nicht ihre Herzen öffnen." Die Schlacht begann elf Tage vor Ostern — das wußte der geistliche Lügner recht wohl, aber die Zeitverhältnisse mußten für seinen Zweck verdreht werden. Hütte Sir Douglas Haig die Deutschen so gründlich aufs Haupt geschlagen und 60 Kilometer zurückgeworsen, so mochte er am Karfreitag beginnen, und der geistliche Heuchler würde in dem britischen Siege den Segen des Himmels erkannt haben.
Es ist ja aber eine allbekannte Tatsache, der geprügelte Knabe schimpft und gebärdet sich unter den l Hieben als ein Feind aller drastischen Glittet Es wird noch soweit kommen, daß.-Lloyd George Pazifist wird I und alle Kriege als etwas Barbarisches und Menschen- AMwürdiges verdammt, dann nämlich, wenn er einsieht, faß alle Mittel seiner Verteidigung den deutschen
Barbaren gegenüber versagt haben. Wir sind jetzt schon scheußliche Barbaren in den Augen der Briten. Das ist jeher, der einen Engländer nicht für das vollkommenste irdische Wesen hält; wer aber gar Engländernester mit Hunderten von Offizieren und Tausenden von Soldaten aushebt, sich Tausende von englischen Kanonen aneignet und die Söhne Albions immer näher an die Stelle drückt, von wo aus er die heilige englische Küste mit seinen Riesenkanonen bestreichen kayn, der ist ein Neberbarbar. Unsere Heeresberichte rühmen immer wieder die Tapferkeit der englischen Soldaten! Wir Barbaren sind eigenartige Menschen, wir erkennen selbst am geschlagenen Feind noch Tugenden an. Da ist der Brite anders. Wer ihn am Sonntag prügelt, entheiligt den Tag des Herrn, wenn der Brite aber am Sonntag einen ? eutschen verprügelte, so täte er damit ein Gott wohlgefälliges Werk. Es führt wirklich keine Brücke vom englischen zum deutschen Charakter, wie keine Brücke von Deutschland zum Jnselland führt. Nun, wir werden auch ohne das uns am Ende den Engländern noch recht verständlich machen und werden wissen, wie wir Albion auch ohne Brücke in seinen Grundfesten erschüttern. Das fühlt England jetzt — daher seine Verzweiflung, daher sein doppelt lautes Geschimpfe.
Deutsches Reich.
Vertrauen auf die Zukunft.
Der Staatssekretär des Innern Wallraf hielt anläßlich der Hofmann-Feier in der Deutschen Chemischen Gesellschaft einenTrinkspruch,der sich in herzaufflammender Weise mit den großen Taten und den großen Zielen der Deutschen in dieser großen Zeit beschäftigte. Der Staatssekretär sagte, nachdem er festgestellt, daß unser herrliches Heer den deutschen Acker und die deutsche Werkstatt vor Feivdestücke bewahrt habe, u. a. folgendes:
-Auf-Uns asten lastet hie l^*^- -- Sar gelt mit, ihren. Opfern, Sorgen und Mängeln. Da tut eS gut, einen kurzen Augenblick zu ruhen und zurückzuschauen auf das, was wir vollbracht. Wie klang doch das Wort aus englischem Munde? Die Zeit sei nahe, daß mit den Don- Kosaken die glutäugigen Gurkhas in den kaiserlichen Gärten von Potsdam sich treffen sollten. Und wie ernst, ja wie furchtbar ernst war die Gefahr! Wenn der russischen Hydra ein Kopf abgeschlagen war, wuchsen zwei neue nach; zahllos wie der Sand am Meere wälzten sich die russischen Heerscharen gen Westen. Und jetzt ist die Hydra erschlagen; der Boden, von dem aus der russische Heerbann unsere Grenzen überfiel, hat sich dem Feinde abgekehrt und Deutschland zugewendet. Die eherne Kette, zu unserer Erdrosselung bestimmt, liegt in Stücken am Boden. Und jetzt im Westen? In Tagen ward vollbracht, was unseren Feinden nicht in Monaten gelang und in Jahren. Paris erzittert unter den Donner- schlägen deutscher Ferngeschütze. Auch dort birst die Kette, die den Atem uns rauben sollte.
Der Dank, den wir für solche Großtaten schulden, er heißt auch Vertrauen auf die Zukunft, er heißt auch Selbstzucht in den Tagen, die uns vom Frieden noch trennen. Wir in der Heimat wollen und müssen mit gutem Gewiffen die Siegesheimkehr sehen; sie erleben mit dem stolzen Bewußtsein: auch wir haben auf dem Posten, auf den Gott uns gestellt, unsere Pflicht in solcher Zeit doppelt und dreifach erfüllt.
Politische Uebersicht.
Einzug deutscher Truppe« i« Helsittgsors
Großes Hauptquartier, 15. April. (W. B. Amtl.)
Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dem Schlachtfelde an der LyS fam es zu erbitterten Nahkämpfen. Südwestlich von Rieuwekerke sowie zwischen Bailleul und Merris wurden englische Maschinengewehrnester gesäubert ihre Besatzung gefangen. Gegenangriffe, die der Feind aus Bailleul heraus und nordwestlich von Bethuue führte, brachen verlustreich zusammen.
An der Schlachtsront zu beiden Seiten der Somme blieb der Artilleriekampf bei regnerischem Wetter in mäßigen Grenzen.
Osten : Mach heftigem Kampf mit bewaffneten Ban den sind unsere in Finnland gelandeten Truppen, tatkräftig unterstützt durch Teile unserer Seestreitkräfte, in Helsingfors eingerückt.
Der erste Generalquartlermeister: Ludendorff
Ju grösster Angst um Calais.
c. Rotterdam, 15. April. Die „Times" melden, die Deutschen stehen nur 40 Meilen von Palais entfernt. Man weiß mit Sicherheit, daß ein neuer deutscher Vorstoß jeden Augenblick kommen kann.
Der Pariser Berichterstatter der Kopenhagener „BerlingSke Tidente" drahtet zu den letzten englischen Berichten: „Die Schlachten in der Gegend, die die
Deutschen zum Angriff gewählt haben, entwickeln sich dermaßen, daß ein schnelles Eingreifen notwendig erscheint. Die Lage am Kanal Apern—La Baffee ist sehr ernst geworden. Es ist der größte Rückzug der Engländer in diesem Kriege.
Um die Entscheidung.
c. Rotterdam, 15. April. Der „Rotterdamsche Cour." meldet aus Paris: Die schwersten Tage der Kämpfe an der Nordfront stehen bevor, der große Zusammenstoß, der sich als entscheidend erweisen werde. Die Deutschen liefern die Schlacht zu dem einzigen Zweck, die beiden Armeen zu vernichten, Diesmal hätte die Schlacht ein strategisches und kein geographisches Ziel: sie wünschen bald eine Entscheidung zu erzielen.
Der Rentersche Berichterstatter bei der englischen Armee meldet, daß die Deutschenzahlreiche frische Truppen heranführten. Sie setzten weiter mit ungeschwächter Kraft ihren Angriff fort. Augenscheinlich wollten sie um jeden Preis Bailleul gewinnen.
Gegen Lloyd George.
Die Jahresversammlung der Unabhängigen Arbeiter- partei in Leicester nahm eine Entschließung an, daß nur ein baldiger demokratischer VerhandlungSfriede die Völker vor gänzlicher gegenseitiger Vernichtung, Ruin und Bankerott bewahren könnte. Der Vorsitzender der Berg- manns-Union, Smillie, bezeichnete bei Einbringung dieser Entschließung Lloyd Georges kürzlich« Aeußerung, daß der letzte Mann des Landes im Kampfe den Ausschlag geben werde, als lächerlich und frivol, beklagte die auf beiden Seiten der Völker zum Haffe anstachelnde „Rinn- steinpreffe" und betonte unter Beifall, „wie ich nicht wünsche, die Deutschen unser Land überrennen zu sehen, so wünsche ich nicht, daß wir Deuschland überrennen." Frau Snowden sagte, die Entschließung unterstützend: „Wenn von dieser Versammlung ein Motto ausgehen sollte, so ist es dieses: Nieder mit Lloud George! Das ■ ist sur ning teme iyetOTW PMfS, '„33 Ich
auch ihr alle ihn stürzen wollt. Solange Männer, wie Lloyd George an der Spitze stehen, ist für unser Land und die ganz» Welt keine Hoffnung." Unter Beifall empfahl die Rednerin die Kandidatur LansdowneS für den Ministerpräsidenten-Posten zu unterstützen, sofern sich dieser für einen reinlichen Frieden erklären sollte. Die Entschließung wurde einstimmig angenommen.
Englische AushebungsPläne.
Obwohl die englische Gesetzesvorlage zur Ausdehnung des Heeresdienstes bis jetzt dem Parlament noch nicht vorliegt, werden bereits, wie die Londoner fresse berichtet, allerhand Maßnahmen zur Vermehrung des Heeres und zur Auffüllung der durch die in Frankreich erlittenen Verluste geschwächten Truppentörper getroffen. Die Nachmusterung und die Rückgängigmachung zahlreicher Freistellungen vom Frontdienst haben in den Munitionsfabr'ken, den Regierungsdureaus und den Etappenstationen sehr viele Lücken gelassen. Da die offenen Stellen sofort wichet aufgefüllt werden muffen, werden alle gedienten Soldaten bis zu 50 Jahren, die körperlich dazu fähig find, aufgefordert, sich für die Festungsartillerie, die Küstenbewachung und den Train zu melden. Diese Freiwilligen können nicht ohne eigene Zustimmung für Dienste außerhalb Englands angewiesen werden. Sie sollen möglichst nahe bei ihren Wohnorten beschäftigt werden Falls sie es selbst wünschen, können sie beim Transportdienst oder in den Werkstätten des Flugdienstes in Frankreich verwendet werden. Auch nicht gediente Männer unter 50 Jahren werden aufgefordert, sich unter den gleichen Bedingungen für den Dienst zu melden. — Wenn man das so liest, so klingt das alles recht konfuß. Man hat so den Eindruck, die Londoner Regierung will den Engländern die Kriegspille überzuckern und wagt nicht energisch durchzugreifen, weil sie nicht mehr so recht au den Opfermut der Briten glaubt. Auch an den Plan in Irland, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen, wagt man sich nicht ran, und daS ist begreiflich, wenn man lieft, welche Gegenmaßreqcln hie Sinn Feiner heute schon vorbereiten. Dann wäre die offene Revolution in Irland sicher nichl mehr weit entfernt, und davor haben die Engländer heute wohl mehr Angst denn je.
Die Vraudmarkung Clemeneeaus.
Kaiser Karl hat an den deutschen Kaiser folgendes Telegramm gerichtet: „Der französische Ministerpräsident in die Enge getrieben, sucht dem Lügennetz, in das er sich selbst verstrickt hat, zu entrinnen, indem er immer mehr und mehr Unwahrheiten anhäuft und sich nicht scheut, nunmehr auch die völlig falsche und unwahre Behauptung aufzustellen, daß ich irgendwelche „gerechte Rück erwerbungsansprüche" Frankreichs auf Elsaß-Lothringen anerkannt hätte. Ich weise diese Behauvtnng mit Entrüstung zurück. In einem Augenblick, in welchem die österreichisch-ungarischen Kanonen gemeinsam^ mit den deutschen an der Westfront donnern, bedarf es wohl