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SchlWemerMtung

mit. Aultlicheul Krelsblatt". Wochentzilage: Illustriertes Sonn^gskl. lt.

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Erscheint TNittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich {,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum {5 pfg.

X 29.

Mittwoch, den 10. April 1918. 69. Jahrgang.

Frankreich und Jtalia, England und Amerika;

(Pfund und Dollars noch in Masse

Und erfüllt Dom Deutschenhaffe)

Wollen wir den Kamps besteh'n

Und am Schluß nicht untergeh n

Muß' ne Höhe ohnegleichen

Unf're Kriegsanleih' erreichen.

Zur wiederkehreudeu Pflicht.

Er war gestorben. Sie ordneten seinen Nachlaß und suchten, suchten. Noch nicht lange war es her, da kam er zu ihHen heim in Urlaub. Und bevor er sie wieder verließ, ihnen zum letzten Male die Hand drückte, da hatte er ihnen gesagt, sie würden, wenn er nicht mehr zurückkehre, in seinem Nachlasse eine letzte Ver­fügung finden, die möchten sie ja getreulich ausführen. Wohin hatte er sie gelegt? Man hatte die Abschieds­stunde nicht geeignet für weitere Fragen gehalten. Da ein Blatt Papier, wie er es so oft mit Zuversicht lichen Zeilen aus dem Felde sandte,Mein letzter Wille". Sie lesen:Für den Fall Gott will, daß ich mein Leben für das Vaterland lasse, laßt mich neben meinen Kameraden ruhen und tut Ihr, in der besten Erinnerung an mich, Eure Pflicht. Zeichnet aus dem, was ich Euch hinterlasse, soweit immer Ihr könnt, Kriegsanleihe, damit der Vielen Tod nicht doch noch vergebens gewesen."

Wo fragt ihr ward ein solches Testament geschrieben? Gibt es so große Seelen, die über den Tod hinaus nicht nur an sich und die nächsten Ihrigen, sondern auch so treuherzig an ihr Vaterland denken? Ja es gibt sie, gibt ihrer, Gott sei Dank, noch viele. Verbürgt ist das letzte Wort eines in Westfalen verstorbenen Augenarztes angesichts des Todes für feine Sattin:Aber Kriegsanleihe zeichnen!"

Erkennt ihr fremdem Willen tun wenn er schwarz auf weiß erscheint, nicht auch den unausgesprochenen eurer Krieger? Er tönt viel lauter als das geschriebene Wort, er ist nicht bloß mit Tinte, er ist mit Blut ge­schrieben. Versteht ihr die Blutzeichen nicht? Gewaltig rust'S von sonst stillen Gräbern deutscher Helden aus «flen Ländern:NnS war das Vaterland kein billiges Wort, wir stürben für es, wollt ihr es nur im Munde führen, aber schon eure Hände zurückziehen, wenn es

nicht einmal zu geben, sondern nur gesichert zu leihen gilt?" Guter Wille kann den Huf nicht überhören, die Mahnung, die wiederkehrende Pflicht zu erfüllen, die 8. Kriegsanleihe zu zeichnen,

Felix Joseph Klein.

Deutsches Reich.

Der erste Generalquartiermeister. General der Infanterie, Erich Ludendorff, vollendete am 9. April sein 53. Lebensjahr.

Ludendorss-Spende für Kriegsbeschädigte. Für diese große Stiftung, durch die die gewaltigen zur wirk­samen Durchführung der Kriegsbeschädigten Fürsorge er­forderlichen' Mittel aufgebracht werden sollen, hat die Friedr. Krupp A.-G. in Essen die Summe von 2 000 000 Mark gezeichnet. Daneben hat Frau Friedr. Alfred Krupp geb. Freiin von Ende der Stiftung 250 000 Mark überwiesen. Ferner hat Herr Hugo Stinnes für sich persönlich und für die ihm nahestehende Hugo Stinnes G- m. b. H. und die Hugo Stinnes A.-G- für Seeschiffahrt und Neberseehandel 300 000 Mark gezeichnet.

Staatssekretär v. Kühlmann ist am Freitag wieder nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er am Donnerstag in Karlsruhe mit dem Kaiser zusammenzetroffln war und ihm Vortrag gehalten hatte. Wie verlautet, hat es sich dabei um den Friedensschluß mit Rumänien ge­handelt. Vielleicht schiebt der Staatssekretär seine Ab­reise nach Bukarest ein bis zwei Tage auf.

Politische Uebersicht. Bei Coucy-le-Chateau.

Deutscher Abendbericht.

Berlin, 8. April, abends. (W. B. Amtlich.)

In Fortführung unseres Angriffes auf dem Südufer der Oise warfen wir de" ^'^31^... seiLF ilgrf^ Stellungen auf den Höhen östlich von Couey-le-Chateau.

Wien, 8. April. (W. B.) Amtlich wird verlautbart: An der Südwestfront nichts von Belang.

Der Chef des Generalstabes.

Das beschossene Paris

c. Genf, 8. April. Dem Beispiel der staatlich su­bordinierten Pariser-Theater, infolge des Bombardements

die Vorstellungen einzustellen, folgten gestern Sonntag sieben der großen Pariser Privattheater. Die Varietä? stellten gleichzeitig die Abendvorstellungen ein und werden für Lazarettzwccke hergerichtet. Die Wirkungen des Sonntag- und des SamStag-Bombardement find an beiden Seine Usern außerordentlich groß.

Die Stimmung in Paris

Die Vernehmung eines französischen Gefangenen, der vor kurzem von einem Urlaub nach Paris an die Front zurückgekehrt war, gibt ein ziemlich klares, wenigstens durch die amtliche Zensur nicht beeinträchtigtes Bild von der Stimmung in Paris anläßlich der deutschen Offen­sive. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln und Knebelung der Zeitungen ist der tatsächliche Stand der deutschen Truppen allgemein bekannt. Man weiß, wie sehr Amiens bedroht ist. Man hofft aber noch, die franz­ösischen Reserven seien stark genug, die Offensive zum Stehen zu bringen und die Deutschen wie bei Verdun durch eine starke Gegenoffensive aus die alten Stellungen zurückzuwerfen. Sollte das nicht gelingen, so werde die französische Regierung es nicht darauf ankommen lasten, daß die Deutschen bis Paris vordringen, sondern vorher in Verhandlungen eintreten. Schon jetzt hat der Erfolg der deutschen Offensive in Frankreich die Stimmung gegen England sehr ungünstig beeinflußt Man ist enttäuscht, daß die französische Armee den Engländern, die sich wider alles Erwarten schlecht schlügen, zu Hilfe kommen müsse An den Kämpfen bei Verdun hätten sich seinerzeit überhaupt keine Eng­länder beteiligt.

Persische Reprefsalie.

Nach einer Meldung aus Teheran ist die Empörung über die rechtswidrige Gefangensetzung des Führers der persischen demokratisch-konstitutionellen Partei, Prinzen Suleiman Mirza durch die Engländer und seine Ver­schleppung nach Baadad so gewaltig, daß unter dem "Druck der Wsenkkichen MttffßnH ein Konsul in der am Kaspischen Meer gelegenen Provinz Mas«i- deran als Repressalie sür die Behandlung des angesehenen persischen Politikers festgesetzt wurde.

Armiens Schicksal.

: c. Basel, 8. April. DieDaily Mail" meldet von der Front in Frankreich : Die Stadt Amiens liegt unter dem schweren Artillericfeuer des Feindes. Man hat

Freiwillige vor!

Erkundung! Das Vaterland läutet Sturm:Kriegsanleihe zeichnen!" Wer will zurückbleiben?? - Darum alle Mann

heißi es noch einmal vor Kriegsende. Nicht in den Kugelregen, nicht in den Granathagel! Nicht zum kühnen Handstreich, nicht zu todesmutiger

Ä

t die Zahlsrönt!

In eiserner Zeit.

Kriegsromau von Charlotte Wildert. 54

»Ach, hm, sehen Sie mal da vorne, da bei dem Trupp Infanteristen, da steht ein junger Unteroffizier mit dem eisernen Kreuz, der möchte gerne mal mitJhnen sprechen I

Soool" rief Wordis erstaunt.Da muß ich mal gleich zu ihm gehen. Ach, das ist ja einer DomGarde du corpS"! Ach, Himmel, der Fliegenbarth!"

Wie ein Pfeil schoß er auf den braven Soldaten los, der bis hinter die Ohrlappen errötet» und streckte ihm mit strahlendem Lachen beide Hände entgegen:Fritz Fliegenbarth 1 Bist Du es wirklich, Kamerad, mit dem eisernen Kreuz und zum Unteroffizier befördert! O, wie ich mich freu», Dich vorher noch malwiederzufehen, Dir. meinem tapferen Lebensretter, meinen tiefsten, heißesten Dank auSzufprechen!"

Ach, ach, Herr Leut LeutnantI Es"

Ach was, Papperlapapp I Hier wird sich nichts ae- leutuantet! Wir sind Freunde, echte, gute Freunde! Du hast mein Leben gerettet, ohne Dich wäre ich längst ver­modert! Aber durch Deinen Mut, Deine Treu» lebe ich und habe das höchste, schönste Glück der Erde ich habe ein treues, süßes Weib!"

Verdutzt sah Fritze den Leutnant an, als begreife er das nicht ganz.

Da packte ihn GordiS bei den Schultern, sah ihm strahlend inS Gesicht und rief:In dein Lazarett, wo­hin ich durch Deine Hilfe getommen bin, pflegte mich mit aufopfernder Liebe ein Mädchen, dahich schon von Berlin her kannte, daS ich liebt» und nu£r~ steh hier meinen Ring nun ist sie mein Weio, mein süßeS, liebes Weib!"

Fritz Fliegenbarth war zu diesem FrendenauSbruch feines Leutnants ganz verblüfft.Ich grat gratuliere untertänigst, H»rr Leut Leutnant!" Stockend vor Bltlenennelt h» ,*#» »e her (mm Änlh«» e»niw

GordiS brüllte ihm plötzlich in die Ohren, daß Flie- geubarth zusammeufchreckteiWill er wohl den Ge­horsam verweigern, Kerl! Wie hat er zn sagen?'

Da stotterte unser Ritter oom eisernen Kreuz, iu strammer Positur die Hände ander Hosennaht:Ich ich gratulier Dir zu zu Seiner seiner Frau! Herr Herr Leut Leutnant! Ich"

Jetzt kam auch Lilli herbe»; als dann Phili ihr Fritz Fliegenbarth Dorftefite, reichte sie ihm mit heißen Dankesworte» die Hand.

Als darauf der frischgebackene, tapfere Unteroffizier die harte, schwielige Rechte hineinlegte und in ihre dankbaren, blauen Augen sah, war er gar nicht mehr im Zweifel, daß fein neuer Duzfreund, der Herr Leut­nant, doch, ein ganz allerliebstes, scharmantes Frauchen hätte!Hm! Hm!"

Ein letztesLeb'wohl auf Wiedersehu!" ein letz­ter Kuß auf die zuckenden Lippen seines Weibes, ein letzter, langer, heißer Blick in die blauen Augen, die klar und voll, ohne Tränen zu ihm aufschauten, und bann giugs, von dem fauchenden, zischenden Stahlroß getragen, fort ins Feindesland, der Front zu.

Lilli sah lange dem dnhiurolleudeu Zuge nach, der ihr Glück, ihr ganzes Glück mit sich nahm Aber tapfer drängte sie die Tränen zurück, preßte die Haud auf das wildschlageude Herz, wäbrenb ihre Lippen flüsterten: ,Auf Wiedersehu auf Wiedersehu!"

Da plötzlich fühlte sie sich von weichen Arme» um- schluttge», eine wohlbekannte Stimme flüsterte:Mein Kind, mein tapferes Kind!"

Matter meine Mutter!"

Lange, innig hielten sich die beide» unischlliuge».

Meuie Lilli, ich wollte bei Dir fein, denn ich kenne und fügte den Schmerz in Deinen, Herzen. Aber ich bewundere auch Deine» Mut, Deiue Tapferkeit 1"

Doch jetzt gielten die gewaltsam gurücfgebraimten tränen nicht länger, herzzerbrechendj weinend lag Lilli an hat fflliitf« SHrutt I

O Mutter Mutter! O, ich wollte ja nicht weinen v, ich kann ja nicht anders! O Mutter!"

Kiud! Tränen bringen dem schwersten Schmerze Erleichterung, der Tränen braucht man sich nicht zu schämen, aber nun, meine Lilli, komm, laß uns gehe», laß uns beten, ja beten, laß uns auf Gottes Güte »er« trauen, dann wird das Wiedersehen noch schöner, noch erhebender, bann werden wir alle tufammeu glücklich sein!" ----

In feinem Studierzimmer saß am Schreibtisch Graf Franz von Arirdorf. Seine Haud hielt eine goldumrän­derte Karte, die Bermä hlnngsanzeige seines FrenndeS Philipp mit der kleinen Lilli von Brücken. Und dabei lag noch ein Brief, worin ihm Phili all tein Glüll mit» teilte. Gedankenooll sah Franz vou Brirdors vor sich hin. Bis jetzt hat sie das Glück noch nicht betrogen, die bei» den lieben Menschen! Ob es ihnen standhalteu wird? Es ist so launig im Verteilen feiner Gaben ; oft gibt es dem Einen alles, den Anderen vergißt es ganz Es i|t wie ein leichter bunter Schmetterling, der von einer Blume zur andern fliegt! Ich habe auch an das Glück geglaubt, glaubte es festznhalten sür immer. Ich Tor es hat mich üfjmäDlidj betrogen, da? mische Glück! @§ ist iwrbei! Mich hat das Leben, die Ersah- taug gereift, ich bin auf der Schule des Lebens geioeieu, ich habe die Prüfung gliktub überftauben. Ich denke an die turne Zeit meines Glücks znrilck wie an einen Traum, der in graue, bittere Wirklichkeit zerronnen ist!"

Den Kopf in die Hände vergraben, saß Graf Brix- dorf da. Bald würde ja anch er hiuansziehen m den Kampf für Deutschlands Ehre, denn bald war sein Arm vollständig geheilt. Er sehnte die Stunde herbei, wo er im Kugelregen und Geschützdonner stehen bunte, die Waffe in ber yaub, wo er vollständiges Vergehen suchen bürste und konnte, für die bittere, harte Erfahrung, bte ihm das Leben das Glück gebracht!

Endet 23ö,18*