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Lokales und Kramunelles.
Schlüchtern, 28. März 1918
—* Dem Herrn Landrat von Trott zu Solz wurde la§ Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen
—* Die Erneuerung der Lose zur IV. Klasse (U Pr. Klaffen Lotterie muß bei Verlust des Anrechts ^j§ spätestens den 3. Avril bends 6 Uhr erfolgt sein
Kinomatograph Turnhalle. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich hat der Unternehmer Herr Otto Mrz, um den Einwohnern von Schlültern und Um- -ebuna einige frohe und schenswürdige Stunden am 2ten Osterfeiertage zu bereiten ein sehr lehrreiches und interressantes Programm auserwählt. Es kommen zur Vorführung das 5aktige Drama „Fern Andra" die bildhübsche und beliebte Künstlerin; „Des Lebens ungemischte Freude" aus dem Leben einer Zirkuskünstlerin; "Das schwarze Huhn" Lustspiel in 3 Akten; Kriegsberichte und gutes Beiprogramm. Nachmittags 3 Uhr findet eine Kinder-Vorstellung mit erstklassigem Pro „ramm statt. Da der Unternehmer Zeit noch Mühe spart, so bitten wir die geehrten Einwohner ihn in seinem Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. (Alles Nähere im Inseratenteil.)
—* Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, steht am 2ten Ostertag den geehrten Einwohnern von Schlüchtern und Umgebung ein Etagen-Doppel Karussel nebst Schießhalle zur Verfügung. Da die Jugend so vieles zur jetzigen Zeit entbehren muß, so ist es für diese wieder einmal eine Abwechselung. Besitzer hat
weder Kosten noch Mühe gespart um dem Publikum etwas gediegenes und schönes vor Augen zu führen, ebenso hat er für gute Musik gesorgt Außerdem ist der Besitzer bereit, einen Teil der Einnahmen dem
roten Kreuz zu spenden.
saß —* Gerichtsferien und Urlaub. In den Gerichts- m serien soll nach einer Anordnung des Justizministers -d, auch in diesem Jahre auf die Wünsche der Parteien nach Beschleunigung der Rechtsverfolgung in weitem
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Maße Rücksicht genommen werden. Eine Nachweisung der Feriensachen wird in diesem Jahre nicht ausgestellt. Der sonst übliche Ferienurlaub wird gewährt, soweit es die Verhältnisse, insbesondere die fortdauernde Verminderung des Beamtenstandes gestatten.
—* Am 1. April 1918 wird für das Großherzog-
tum Hessen ein eigener öffentlicher Wetterdienst einge- ; [ richtet, der auch die telegraphische tägliche Wetterprognose ß; übernimmt. Mit dem Dienste ist durch das Großh.
Finanzministerium in Darmstadt das Landwirtschaftliche Institut der Landesuniversität Gießen beauftragt worden, welches schon am 1. April 1904 die zweitälteste Wetter- vorhecsagestelle in Deutschland einrichtete, und welches zuerst aus eigener Initiative, später in Angliederung ian den Norddeutschen Wetterdienst bis heute dieselbe -foügrfuhrt hat. Der Wetterdienst wird i ach einer
u Dienstrmweisuug-grha^ werden, welche das Großh.
« ausarbeiten ließ. Die bevorstehende Aenderung ist nach l]r zwei Seiten hin erfreulich. Einmal können jetzt die eigenartigen Witterungsverhältniffe aller Gebiete Hessens
«
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orgfältig berücksichtigt werden. Insbesondere kann die Landwirtschaft darauf rechnen, daß ihren Wünschen lezüglich der Ausgestallung der Vorhersage wie bezüglich ihrer Sicherheit weitgehendste Rechnung getragen wird. So wird das Großherzogtum für die telegraphi- che Prognose in vier besondere Vorhersagegebiete eingeteilt, um die hochgelegenen Ortschaften, ebenso wie die Rheimbene getrennt mit Prognosen versorgen zu können. Auch bürgt die genaue Vertrautheit des Gießener Landm. Instituts mit den verschiedenen Verhältnissen der vier Gebiete von vornehercin für ihre Jnteressen- Wahrnehmung. Auf der anderen Seite wird den Studierenden der Landesuniocrsicät, ganz besonders den jetzt dort studierenden zahlreichen Landwirten für alle Dauer die Mogüch. gesichert, sich nicht nur theoretisch mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen, sonocrn auch praktisch mit er Technik der Wettervorhersage genau vertraut zu machen. Schon früher ist aus Gießen eine Reihe von praktisch im Wetterdienst geschulten Personen hetvorgegangen. Daraus wird auch in Zukunft Wert gelegt. Äeußcrlich werden der ; ügcmcinheit alle Einrichtungen des öffentlichen Wetterdienstes genau so wie bisher zur Verfügung gestellt Im Sommer wird täglich wie bisher allen Ortschaften des Großherzogtums telegraphisch das Wetter für den nächsten Tag mitgeteilt Mb durch öffentlichen Aushang bekannt gegeben. Der
Bezug von Wetterkarten durch die Post (zu 50 Pfg. monatlich) bleibt wie bisher bestehen. Zeitungen und sonstige Interessenten können die Prognose wie früher täglich telegraphisch durch die Post beziehen, oder tefe- fonisch durch den hessischen öffentlichen Wetterdienst Gießen (2090) sich (durch Abonnement zu 2 Mark monatlich ohne Postgebühr) sichern. Das Landw. Institut Gießen hofft, durch diese Einrichtung dem ganzen Lande auch nach dieser Seite hin von nexem einen wesentlichen Dienst zu erweisen.
* Büdingen. Ein Beispiel edelster Nächstenliebe bekundeten die Einwohner des Dörfchens Bindsachsen. Als hier im Februar d. I. der Wirtschaftshof des im Felde stehenden Emil Gerhardt abbrannte, stellten die Ortsbewohner das gerettete Vieh bei sich ein und pflegen es noch heute. Sodann brachten sie eine erhebliche Summe zum Wiederaufbau des Hofes zusammen. Nicht ein einziger Ortsbewohner schloß sich von diesem Werke aus. In kurzer Zeit kann die Familie Gerhardt wieder ihr neues Heim beziehen.
* Gclnhauseu. Die städtischen Körperschaften beschlossen den Ankauf des Solsprudelbades und bewilligten dafür 37 400 Mark.
* Fulda. Dem Hochwürdigsten Herrn Bischof von Fulda Dr. Joseph Dansian Schmitt wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Eiserne Kreuz am weißschwarzem Bond verliehen.
* Hünfeld. Hier wurde ein Bahnbeamter dabei ertappt, als er sieben Zentner Mehl, das ein auswärtiger Schieber hier zusammengekauft hatte, an die Bahn transportieren wollte. Das Mehl wurde beschlagnahmt, der Schieber verhaftet. Ein größerer Geldbetrag konnte ihm abgeonmmen werden. In der selben Nacht wurde am hiesigen Bahnhof noch ein frisch geschlachtetes, in einen Schließkorb verpacktes Kalb beschlagnahmt. Das Mehl stammt zum Teil aus einer hiesigen Mühle, die wegen Schieberei» geschlossen und erst vor kurzer Zeit wieder geöffnet worden war.
* Kassel. Freiherr Riedesel zu Eisenbach, Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau und des Bezirksverbandes Kassel tritt am 1. Oktober ds. Js. in den Ruhestand. Er steht jetzt im Alter von 68 Jahren, seit 1894 ist er Landeshauptmann.
Zur 8. Kricgsanleihe:
Willst du immer weiter schweifen Sieh', das Gute liegt so nah, Lerne nutz das Glück ergreifen Denn das Glück ist immer da.
(Goethe).
Zeichnen Sie für sich und Ihre Familie! _____
Am 30. März 1918 feiert die deutsche Landwirtschaft den hundertsten Geburtstag des Gründers des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, Friedrich 'WilhetM^Ruiffelsens:—zem-wr März -r-Ki~8-zwHami» a d. Sieg geboren, bildete sich Raiffeisen zunächst in Köln und Koblenz zum Oberfeuerwerker aus mußte je- t och wegen eines Augenleidens die militärische Laufbahn aufgeben und wandte sich dem Verwaltungsfache zu Nach kurzer kommissarischer Tätigkeit bei der Kgl. Regierung in Koblenz und als Kreissekretär in Mayen a. d. E fel, wurde er im Jahre 1845 Bürgermeister von Weyerbuich auf dem Westerwald. Dort gründete er in dem Not und Hungerjahr 1847 einen Konsumverein zur Beschaffung von Brot und Getreide Seine zweite genossenschaftliche Gründung war der "Flammers selber Hilfsverein", den er im Jahre nach seiner Versetzung nach Flammersfeld, dort im Jahre 1849 bildete. Im Jahre 1852 wurde ihm die Verwaltung der Bürgermeisterei Heddesdorf b. Neuwied übertragen. Dort gründete er 1854 den Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein, aus welchem sich in mehr als zehnjährigen Versuchen der typische ländliche Spar- und Darlehnskassen-Verein, der sogenannte Raiffeisenve.'tin, entwickelte. Im Jahre 1865 mußte Raiffeisen wegen fast völliger Erblindung und wegen eines nervösen Leidens aus dem Amte ausscheiden. Um die Mittel für seine genossenschaftliche Arbeit zu erhalten, gründete er ein Zigarcengeschäft und später ein Weingeschäft. Ein Jahr nach seiner Entlassung erschien sein Buch über die ländlichen Darlehns- kassenvereine, das außerordentlich zur Verbreitung der Vereine beitrug. Anfang der 70er Jahre zählte man bereits über 100 Darlehnskaffenverein: in der Rheinprovinz. Um seinen Vereinen eine Geldausgleichstelle
zu schaffen, gründete er nach verschiedenen an dem Widerstand zahlreicher Gegner gescheiterten Versuchen am 30. September 1876 dieLandwirtschaftlicheZentral'Darlehns- kasse als Aktiengeselschaft, die heute noch in Berlin besteht und zurzeit ein voll eingezahltes Aktienkapital von 20 Millionen Mark hat und deren Aktionäre nach wie vor nur auf Raiffeisenschen Grundsätzen beruhende Spar- und Darlehskassenvereine (Raiffeisenvereine) werden dürfen. Der Umsatz dieser Kasse belief sich im letzen Jahre auf über 6 Milliarden Mark. War die Zentral- lasse der Mittelpunkt für dem Geldverkehr, so bildete der ein Jahr später im Jahre 1877 gegründete An- waltschaftsverband den geistigen Mittelpunkt der Organisation, als welcher heute noch der Generalverband der deutschen Raiffeisen- Genossenschaften wirkt. Vielem find 15 Landes- und Provinzialverbände angeschloffen mit rund 6000 landwirtschaftlichen Genossenschaften. Noch über 20 Jahre wirkte Raiffeisen nach seiner Entlassung aus dem Amte und brächte in dieser Zeit seine genossenschaftlichen Gründungen zu einem gewissen Abschluß. Er starb in Heddesdorf am 11. März 1888 kurz vor seinem 70. Geburtstag von seinen Anhängern verehrt als „Vater Raiffeisen".
Ruhe und Friede».
Ach, Ruhe und Frieden auf Erden, Befreiung von all' dieser Pein Wann wird es uns endlich wohl werden, Wann werden so glücklich wir sein?
Es fliehen die Tage. Der Morgen, dem Abend weicht er, doch Ruh' Bringt keiner, nur neue Sorgen Trägt jede Stunde uns zu.
Wann wird es wohl besser werden, Wann kommt der Friede und Glück? Wann endet das Morden auf Erden, Schaut nicht Leid mehr und Jammer der Blick ? Da droben, in blauen Fernen, Lädt der Herr uns zur Ruhe ein.
Einst dort bei den ewigen Sternen, Wird Frieden und Seligkeit sein.
Marie Meyer, Soden.
Eingesandt.
Ohne Verantwordung der Redaktion.
Eine größere Anzahl Schwerarbeiter sieht sich genötigt, auf folgenden Mißstand hinzuweisen. Bekanntlich sind im hiesigen Kreise die Preise für 1 Paar Ferkel, die in Friedenszeiten 40—50 Mark kosteten, auf 200—240 Mark gestiegen. Unter diesen Umständen kann ein armer Mann sich unmöglich ein Schwein für seine Familie anschaffen. Da bekanntlich die Ferkel fast durchweg mit Abfällen ernährt und gemästet werden, so geben jetzt, wenn dem Arbeiter das Anschaffen eines Ferkels infolge zu hoher Preise unterbunden wird, diese Abfälle verloren. Und im nächsten Jahre wird sich ein solches Verfahren bitter rächerr! Woher sollen denn die Arbeiter das zur Ernährung ihrer ohnehin von den Nahrungsschwierigkeiten schwer betroffenen Familien erforderliche Fleisch und Fett nehmen ? Wenn es dem Arbeiter an der nötigen Nahrung fehlt, dann muß er unter der Last der schweren Arbeit erliegen. Im Interesse der armen Bevölkerung und des geprüften Arbeiterstandes möchten wir die maßgebenden Behörden bitten, die Höchvreise für die Ferkel auf die Hälfte, höchstenfalls 100—120 Mark pro Paar herabzusetzen.
Mehrere Schwerarbeiter.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Evangelische Gemeinde:
1. Osterfeiertag.
Vorm. 10 Uhr: Herr Superintendent Orth. Hl. Abendmahl.
Nachm. V.2 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.
2. Osterfeiertag.
Vorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann. Nachm. '/»2 Uhr: Herr Superintendent Orth.
Katholische Gemeinde.
Hh. Osterfest.
Vorm. 9 7s Uhr: Hochamt mit Segen und Predigt. Nachm. 2 Uhr: Vesper mit Segen.
2. Ostertag.
Vorm. 9 7s Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Andacht mit Segen.
Herr Kaplan Ramb.
Be r z e i ch n i s der am 9. März 1918 in Schlüchtern der Körungs-Kommission vorgeführten resp, angekörten Zuchtbullen.
Lsde. Nr.
Standort.
Besitzer.
Abstammung.
Alter
Monate
I Zuchtwert
11. Körperbau
III. Z-ich-n 6er Milch«: Stetig- feit Punkt;
Nutzwert
IV. Ge- samtein- druck
Punktjabl
Ist an- gekört mit Punkten
Bemerkungen
Schlag. Farbe, Ad- stammung«- nackwois
Punkl;abl
Wuchstg feit
Punktzahl
Gesundheit, Wieder- standS- kraft Punktz.
Koks u Hals
Wunft sabi
Rumpf
Punkt zabi
Sllod- maßen Slang
Punkl- zabl
Haut u. Haar
Punktzahl
Zeichen der Fleisch- leistung
Punk«.
Zeichen der Arbeit-, leistung
Punklj.
1.
Sterbfritz
yeuut. Schreiber
Simmentaler Retuzucht
16 '/2
8
7
8
3
7,5
3
3
7
6,5
7,5
10
70,5
2.
Marjoß
Johs. Schüßler
//
15
8
7
8
3
8
3
4
8
7,5
7
10
73,5
3.
Schwarzenfels
Karl Kohthepp
//
15*/«
8
8
8
2,5
8
3
4
8
7,5
7
10
74
4.
Johs. Schüßler
»»
15
8
8
8
3,5
7,5
3
2,5
7
8
7
9
71,5
5.
Carl Fuß
14
8
7,5
8
2,5
7
3
4
8
7
7
9
71
6.
Kath. Kohlhepp
17 V,
8
7,5
8
4
8
3,5
3,5
7,5
8
7,5
10
75,5
7.
Conr. Schomann
16
8
8
8
4 '
8
3
3,5
7,5
7
7,5
10
<4,5
8.
Oberkalbach
Johs. Ommert
17
7,5
7,5
8
2,5
7
3
3,5
7,5
7
7,5
9 „
70
9.
Sterbfritz
Heinrich Gärtner
15
8
8
8
3,5
7,5
4
4
7,5
8
8
10,5
77
10.
derselbe
14
7,5
8
8
3,5
7,5
2,5
3
7
8
7,5
10
72,5
11,
Gundhelm
Bürgermstr. Simon
14%
8
6,5
8
3,5
7
4
4
7,5
6
7,5 |
9
71
1 Bulle wurde zurückgestellt.
1 Bulle wurde abgekört.
Schlüchtern, den 9. März 1918.
Die Körung« • Kommission, gez. Zirkel. Maienschein. Preiß.