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mit Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Mittwoch, den 20. März 1918.
69. Jahrgang.
Der deutsche Militarismus.
Bon Oberstleutnant A. Buddecke.
Immer noch rufen es Herr Wilson und die übrigen Wortführer der Westmächte in die Welt hinaus, daß ste den Krieg führen gegen den. deutschen Militarismus, das soll heißen gegen eine um den Herrscher gebildete Milttärpartei, die eine auf Vorherrschaft und Eroberung gerichtete Politik treibe. Es ist dies eine bewußte Lüge und eine absichliche Verdrehung des Tatbestandes zu dem Zwecke, sich vor der Welt den Schein des Rechtes zur Fortführung des Krieges zu geben und die eigenen Völker zu immer neuen Kraftanstrengungen aufzupeitschen. Die feindlichen Machthaber wollen eben noch keinen Frieden, da sie trotz aller Schwächung ihrer Staaten immer noch die Hoffnung hegen, den Krieg zu gewinnen und ihre ursprünglichen Kriegsziele, die auf die völlige Niederwerfung und Unterdrückung der Mittelmächte aus^ehen, zu erreichen. Diese Hoffnung gründen sie weniger aus den Erfolg ihrer Waffen, als aus die Wirkung innerer Erschütterungen durch die Not oder agitatorische Umtriebe. Hierauf zielt die Kampfansage des Herrn Wilson gegen den deutschen Militarismus, die keine andere Absicht verfolgt, als einen Keil zwischen Volk und Regierung zu treiben und so die gegnerischen Staaten zu revolutionieren. Aus diksem Grunde begrüßte er auch die russische Revolution als ein „ermutigendes und hoffnungsvolles Ereignis", und daher bediente er sich jener der französischen Revo lution entlehnten Phrasen von der Freiheit, Gleichheit, Selbstregierung usw., die er als die Grundbedingungen für eine neue Weltordnung und den ewigen Frieden verkündet.
Das deutsche Volk durchschaut dieses falsche Spiel1 Wir wissen, daß der Friedensbruch nicht auf unserer <Dtw war? und die Welt hat es aus oen belguchen Akten, dem Suchomlinowprozeß und den Petersburger Geheimverträgen erfahren. Für einen Eroberungszweck wät unser Volk nicht mit einer solchen Einmütigkeit dem KriegSruf seines Kaisers gefolgt, und würde es nicht sein Letztes herzugeben bereit sein. Wenn unsere Regierung Eroberungsabsichcen hätte, würde sie nicht mitten in den Kämpfen schon wiederholt den Gegnern die Hand zum Frieden geboten haben, von dem sie doch annnehmen konnte, daß er nicht auf Grund von Gebiets zuwachs zu haben sein würde. Es ist eine völlig willkürliche Annahme, daß in Deutschland die Entscheidung über Krieg und Frieden, bei einer „Gruppe" liege, die für selbstsüchtige Zwecke „Btillionen von Menschen in den Tod sendet".
Im deutschen Volk weiß jeder, daß wir diesen Krieg in reiner Abwehr für den Bestand unseres Reiches und sür eine freie Entwickelung unseres Wirtschaftslebens, womit das persönliche Schicksal jedes Einzelnen auf das engste verknüpft ist, bis juni siegreichen Ende zu führen haben. Aber die tiefer Blickenden erkennen doch auch, und das besonders aus den Aeußerungen Wilsons, daß hier zwei verschiedene Welt- und Lebensanschauungen im Kampfe liegen, und daß es gilt, altbewährte Kulturgüter, die dem deutschen Volke heilig sind, gegen den zerstörenden Einfluß neuer Zeitströmungen zu schützen:
Wir kämpfen für die nationale Idee, für die Bewahrung völkischer Eigenart im Gegensatz zum Kosmo- politiSmus und Internationalismus.
Wir kämpfen für das tief im germanischen Wesen wurzelnde VolkSköntgtum, für das monarchisch-konstitutio nette RegierungSprinzip, gegen eine republikanische oder kommumstische Staatsordnung.
Wir kämpfen für die wahre Gemeinschaft der Staatsangehörigen, die sich mit dem Bewußtsein und innerer Freiheit dem Staatsganzen einfügen, für die Erhaltung staatlicher Zucht und Ordnung gegenüber einer nur gesetzlich zusammengehaltenen Gesellschaft, einem Mißbrauch der Freiheit und einer Selbstherrlichkeit des Individuums, die zu Zügellosigkett und Arnachie führen muß.
Wir kämpfen für ein verinnerlichtes religiöses Leben, für das Vorwalten von Herz und Gemüt gegen eine im Aeußerltchen erstarrte Kirchlichkeit, Irreligiosität und kalte Verstandestätigkeit.
Wir kämpfen für eine ideale LebeuSanschauung, für die Geltung innerer Werte, Abstufung nach Wesen und Verdienst gegenüber dem iVlukriuliamuS. Militarismus, einer öden Gleichmacherei und geistigen Verfluchung.
Wir kämpfen für die Pflege und Veredelung des persönlichen Lebens, für die Pflicht als Lebensprinzip, für Selbstzucht, Sittlichkeit und Aufrichtigkeit gegenüber der Selbstzucht, rein äußerlicher Arbeitsdisziplin, einem M Genuß gerichteten Leben der Heuchelei, Lüge und Phrase („uant“).
Aus dieser Wesenheit des deutschen Volkes erklärt
sich sowohl seine Stellung zum Kriege, wie seine Haltung im Kriege. Gegenüber einer unfruchtbaren pazifistischen Bewegung bekennen wir uns zum Kriege als einem zwar fruchtbaren, aber heilsamen Weltvorgang, der die Völker auf Herz und Nieren prüft und der gesunden Kraft, der Wahrheit und dem Recht zum Siege verhilft. ' Und wir schätzen den Kriegsgeist, wie er sich in der selbstlosen Hingabe des Einzelnen an die große gemeinsame Sache offenbart, höher ein als die Kriegstechnik, die „rage du nombre“ und die „silbernen Kugeln".
Das ist der Geist, den Herr Wilson und seine Verbündeten bekämpfen. So sieht unser falsch verstandener und vielgeschmähter Militarismus in Wirklichkeit aus. Dieser Geist ist mit Nichten das Privileg einer „Militärkaste" er ist vielmehr so alt wie das Volk und die Welt und wird getragen von den Besten der Nation in Wort und Schrift und Tat. Es ist der deutsche Geist von 1813, 1870 und 1914, der nicht durch die Waffen, nicht durch Ränke, am wenigsten durch die Wilsonschen Weltbeglückungstheorien zu besiegen ist. Man müßte schon das ganze deutsche Volk vernichten, wenn man ihm diesen Geist aus der Seele reißen wollte.
Deutsches Reich.
Aus demHReichstag
Im Reichstag kam es am Dienstag zu einer ausgesprochenen Mittelstandsdebatte, in der der Staatssekretär des Reichswirtschaftsamtes v. Stein das Wort nahm. Ein erschöpfendes Programm lasse sich heute noch nicht aufstellen, doch sei die Frage der Rohstoff beschaffung die wichtigste für das Handwerk. Es sei erfreulich, daß auch das Handwerk zu Gesellschafts- bildungen geschritten sei; eine Revision der Handwerk- und Gewerbeordnung sei vorgesehen. Der Sozialdem. Brühne polemisierte sodann gegen dir ftricgSrttCdWien; der Fortschrlttlel Doormann meinte, der Krieg habe die Entbehrlichkeit des Handwerks nicht erwiesen, der Mittelstand sei in jeder Weise zu stärken und zu fördern In der letzten Sitzung beschäftigte sich der Reichstag mit der Frage der Verhältniswahl in großen Reichstags- Wahlkreisen. Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Wallraf begründete den Gesetzentwurf und gab die einschlägigen Daten.
Aus dem Abgeorductenhaufe.
Das preußische Abgeordnetenhaus behandelte den Haushalt der Handels- und Gewerbekammern. Den Bericht erstattete der Fortschrittler Oescr. Ein starker Unmut herrsche über die Kriegsgesellschaften. Dann nahm der Konservative Dr. Roetger das Wort. Von der reichlichen Beschaffung der Rohstoffe aus dem Ausland hänge die Zukunft des Reiches ab. Nach einem deutschen Frieden werden wir Arbeit in Hülle und Fülle haben. Unsere Friedensbereitschaft werde uns von den Gegnern als Schwäche ausgelegt. Der Zentrumsab geordnete Dr. Bell konstatierte, daß unser Welthandel und unsere Weltwirtschaft ohne unsere Kolonialwirtschaft unmöglich gewesen wäre. Ein Land, das , aus eigenen Mitteln 13 Milliarden Kriegsanleihe ausgebracht, sei nur zu bewundern und werde seine wirtschaftliche Stellung in der Welt wieder zu erringen wissen. Der Freikonservative Dr. v. Woona brach vor allem eine Lanze für den Handwerker- und Mittelstand, der National- liberale Dr. Wendland begrüßt die Gründung des deutschen Industrierates und bespricht verschiedene Uebergangsmaßnahmen. Zum Schluß sprach der Sozialdemokrat Huö über Auswüchse der Kriegs- lsiferungen und die Zukunft unserer Lebensmittelversorgung"
In der letzten Sitzung des Hauses zog der Fort^ schrittlcc Roscnow wieder den Fall Daimler in bi‘ Debatte, wies auf den Riesenerfolg der Leipziger Messe hin, der die Hoffnung auf die wirtschaftliche Zukunft stärke. Handelsminister Dr. Spdow wies sodann da rauf hin, daß eS unsere Pflicht sei, alle Mittel für die Zwecke der Kriegsanleihe zusammenzuhalten. Der Fall Daimler spiele sich in Württemberg ab und sei nicht geeignet, verallgemeinert zu werden. Nach einer Polemik mit dem Abgeordneten Huä betonte auch der Minister, daß die Versorgung mit Rohstoffen die allergrößte Bedeutung für uns habe Die Uebergangs wirtschaft sei möglichst rasch zu durchschreiten. Eingehend beschäftigte sich dann der .üonservative Hammer mit der Lage des Handwerks und dem Schleichhandel. worauf Minister Dr. Sndow nochmals betonte, daß die Regierung alles nur mögliche im Interesse des Mittel standes tun werde. "Nach kurzeil Bemerkn:.gen ver schiedener Abgeordneten vertagte sich das Hau >
AuS dem AdgeorduetenhauS.
Das preußische Abgeordnetenhaus beschäl tigte Uch in seiner letzten Sitzung" mit der Frage der TeurungS
zulagen. Finanzminister Hergt betonte, die Regierung spare nach besten Kräften und beschäftigte sich sodann mit der Vorlage der Aufbesserung der Beamtengehälter. Auch die Pensionäre seien besser zu stellen, ungefähr um 30 Prozent. Es sollen 10 Millionen aus Staatsmitteln zur Verfügung gestellt werden für Darlehen an die Beamten. Ministerialdirektor Hoff teilte mit, daß die Regierung bereits am 1. April wieder eine Lohnerhöhung für die Eisenbahner vornehmen werde
Indianer auf dem Kriegspfad.
„New Hork Herald" meldet, daß 5000 Indianer in die Armee eingestellt seien. Das wirst ein ganz eigenartiges Licht aus die vielgerühmten Bestrebungen der Amerikaner, die trauigen Reste der Ureinwohner ihres Landes vor dem Aussterben zu bewahren. Nebenbei bereichert diese Maßnahme das farbenfreudige Bild unserer Feinde um eine neue Schattierung.
das Jeldheer braucht dringend
Hafer, Heu und Strolj!
Landwirte, helft dem Heere."
Politische Uebersicht.
Anerkennung des Herzogtums Kurland.
Berlin, 15. März. (WTB.) Bei dem heutigen Empfang der Abordnungen des kurländischen Landesrates durch den Reichskanzler veru • UnterstaatS,ekret^r v. Radowitz die Antwort auf den bekannten B ।ilu i- des» LandeSrateS. Dari" ''' ' ' "’“ l'W er Freude und Rührung patu. . -i - . v. . ihn gerichteten Bitte Kenntnis genommen, die HerzogS- krone Kurlands anzunehmen. Die Allerhöchste Entscheidung wird nach Anhörung der zur Mitwirkung berufenen Stellen getroffen und dem Landesrat mitgeteilt werden. Mit lebhafter Freude und Genugruung haben Seim1 Majestät ferner ersehen, daß der Wunsch des Landes- rates auf eine Verbindung des Herzogtums mit dem deutschen Reiche gerichtet ist. Der Erfüllung dieses Wunsches steht nichts mehr im Wege. Seine Majestät haben mich beauftragt, im Namen des deutschen Reiches das wiedererrichtete Herzogtum Kurland als freies unb unabhängiges Herzogtum anzuerkennen, ihm den Schutz und Beistand des deutschen Reiches beim Aufbau seiner Verfassung, die auch eine Landesvercretung auf breiter Grundlage vorsehen muß, zuzusichern und wegen der Festlegung und Formulierung der vom LandeSrat be- schlossenen eugen Verbindung mit dem teutschen Reich das Weitere zu veranlassen.
Die Wirkung der Luftangriffe aus PariS.
O. Berlin. Nach den in Gens vorliegenden indirekten Pariser Beeidungen hat der Pariser Gemeinderat nach einer mehrstündigen erregten Debatte nahezu ein stimmig den Beschluß gefaßt, der Regierung bringlldi nahe zu legen, keine Luftangriffe auf feindliches Gebiet mehr auszuführen, sofern damit für Paris eine Wieder- Holung der letzten katastrophalen Ereignipe verhütet werden könnte. In der gleichen Sitzung des Gemeinderates wurden 143 Verwundete als Opfer der Fliegerangriffe genannt. Nach einet Zusammenstellung in schweizerischen Blättern haben die zwei letzten großen Luftangriffe mehr als 300 Opfer gefordert. D^e wiederholten Angriffe haben viele Bewohner veranlaßt. nadi anderen Städten überzusiedeln. Nach amtlichen Angaben besuchen jetzt rund 11000 Schüler weniger die schulen als bisher. ___
Lokales and Provinzielles
Schlüchter«, 19. März 1911*
—* Theater im Hessischen Hof. Die Franksurter Volksbühne, Direktion: Matthäus Henß welche ivahmb der Kriegszeit in Frankfurr a. M- und ganzen Umgebung Vorstellungen mit stets großem erfolg gibt, wird diesen Sonntag auch hier zwei Jortteöungen geben. Abends 8 Uhr wird die neuste Wiener Operette „Husarenliebe". Vorher geht das neueste deutsche Märchenspiel „Sonnenschein", welches jur Herausgabe be3 Goldes geschrieben ist. Die beiden ©tuae wurden von der Gesellschaft bis jetzt in Weinheim, Worms. Frankenthal, Höchst a. M, Limburg (Lahn), Diez, Montabaur, Hademar, Idslein, Hosbeini, Venvbeim. Heppenheim, Langen, Bildet, Eronberg. Nauheim, Michelstadt i. O., Büdingen, bieten letzten Sonntag in Gclnhansen mit großen erfolg gegeben Karten dazu sind zu haben schon ab heule im Vorverkauf in der Bnchhandlung von „F. Lotz" hier.