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M 21 Mittwoch, den 13. März 1918. 69. Jahrgang.
Die auslosbaren 4 7, "/„igen Zchatzanmeisungen der 8. Kriegsanleihe.
Wir bereits mitgeteilt, werden zur 8. Kriegsanleihe neben den 5°/„igen Schuldverschreibungen wiederum 41, r^ige Schatzanweisungen ausgegeben, die den Ausgabebedingungen nach mit den zur 6. und 7. Kriegs- anleibe aufgelegten Schatzanweisungen überninstimmen. Der Ausgabekurs von 98% gewährleistet den Zeichnern einen Zinsgenuß von 4,6°/0 und der Auslosungskurs von 110% eröffnet ihnen die Aussicht aus einen Gewinn von 12%. Die Schatzanweisungen werden halbjährlich gruppenweise ausgelost und müssen spätestens zum 1. Juli 1967 getilgt sein. Der AuslosungSgewinn kann im übrigen in späteren Jahren noch größer werden, weil bet einer Herabsetzung des Zinsfußes auf 4%, die i— im Wege der Kündigung — frühestens am 1. Juli 1927 erfolgen kann (aber erst viel später zu erfolgen braucht), der Auslosungskurs auf 115% heraufgesetzt wird. Bei einer weiteren Herabsetzung des Zinsfußes auf 3'/»%/ die das Reich frühestens 10 Jahre nach der . ersten Kündigung vornehmen kann, steigt der Auslosungs kurs sogar auf 120%. Wer aber von diesen gesteigerten Gewinnmöglichkeiten von 17% oder 2270 keinen Gebrauch machen will, kann sich bei jeder der beiden Kündigungen seine Schatzanweisungen zum Nennwert (nicht zum Ausgabekurs) auszahlen lassen.
Unter diesen Umständen wird auch bei Manchem der Wunsch rege werden, seinen Besitz an früheren Kriegsanleihen in neue 4'/,°/Jge Schatzanweisungen umzu- tauschen. Entgegenkommender Weise hat daher die Reichsfinanzverwaltung bestimmt, daß die Zeichner von 4'/»°/Jgen Schatzanweisungen zugleich den doppelten Betrag der vorher erwähnten Papiere Umtauschen können.
Die günstigen Gewinnaussichten, die Verringerung der Anzahl der Schatzanweisungen durch die Tilgung, ferner die gute Verzinsung w-%en, zumal die glücklichen Besitzer von ausgelosten Stücken stets geneigt sein werden, sich Ersatzstücke zu beschaffen, zweifellos die beste Wirkung auf den Kursstand dieses Wertpapieres ausüben. Die Entschließung, ob man Schuldverschreibungen oder Schatzanweisungen wählen soll, muß natürlich jeder selbst treffen. Aber gerade für denjenigen, der sein Geld auf längere Zeit anlegen will, bilden die 4'/,°/Jgen Schatzanweisungen infolge des sicheren Gewinnes eine vorzügliche Kapitalsanlage. Daher sollte jeder Kapitalist, insbesondere die großen VermögungSverwaltungen, die Banken, Sparkassen, Genossenschaften, Versicherungsgesellschaften, industriellen Unternehmungen usw der Frage der Zeichnung von Schatzanweisungen besondere Beachtung schenken. Die erste Auslosung dieses anläßlich der 6. Kriegsanleihe neugeschaffenen Wertpapiertyps hat übrigens schon stattgefunden Am 1. Juli dieses Jahres werden vier Gruppen der Schatzanweisungen mit 110% surüef- gezahlt. Den Inhabern der Schatzanweisungen der 8. Kriegsanleihe winkt die erste Auslosung ebenfalls sehr bald, nämlich im Januar nächsten Jahres, und zwar wird im ersten AuslosungStermin, um diese neuen Schatzanweisungen denen der 6. und 7., Kriegsanleihe völlig gleichzustellen, die dreifache Anzahl von Gruppen wie in den gewöhnlichen Terminen ausgelost werden.
Politische Uebersicht.
Aus dem österreichischen Kaiserhaus,
Kaiserin Zita ist gestern vormittag 10 Uhr 40 Minuten in Baden von einem Knaben entbunden worden.
Berleguug der russische» Regieruug
Trotz der Unterzeichnung des Friedens hat die russische Regierung beschlossen, mit der Verlegung der Etaatseinrichtungen nach Moskau, Rischni-Nowgorod und Kasan fortzufahren. Mit der Verlegung der Kommissariate für auswärtige Angelegenheiten, für das Verkehrswesen und die Finanzen wurde begonnen. Die Regierung wird bald eine Erklärung veröffentlichen, daß rs notwendig sei, die Hauptstadt nach Moskau zu ver ^gen, da eS unmöglich sei, die Hauptstadt an der Grenze des Staates zu belassen, wenn Petersburg zu Unem Freihafen erklärt sein werde.
Redmoud f.
Der Führer der irischen Nationalisten John Edward Aedmond ist gestorben, womit die Engländer eine starke Stütze in Irland verlieren. Redmond war ein Gegner der irischen Sinn-Feiner und Anhänger des Ausgleichs Zwischen England und Irland. In letzter Zeit war W» Einfluß unter den Iren schon stark geschwunden.
Italien fürchtet
Dem Journal de Genöve zufolge hat der Friedens-
^ Rußland in Italien eine außerordentliche Wirkung hervorgcrufeu. Wenn die Friedensverträge, w sagt mau, wirklich bestehen bleiben, dann ist Deutsch and so maßlos vergrößert, daß es fortan für alle «deren Staaten die Sonne verfinstere. Das Blatt
glaubt aber nicht, daß Deutschland die Früchte des östlichen Friedens wird genießen können.
Nach Asten hinein
Der Londoner Speetator schreibt: „In Südrußland verfügt Deutschland über ein ausgezeichnetes Getreide magazin. Selbst wenn dies, wie wir glauben, augen blicklich nicht sehr gefüllt sein sollte, so sieht Deutschland doch den Weg zum Schwarzen Meer offen und neue Wege aus der anderen Seile eröffnen sich ihm nach Asien hinein."
Die Hoffnung auf Japan.
Havas meldet: Am 4. März fand in Tokio eine Sondersitzung der diplomatischen Kommission statt, der rößte Bedeutung beigemessen wird.
Der Künstler fühlt sich stets Gekränkt, Wenns anders kommt; wie man es denkt!
Schlierbach, den 3. März 1918.
Die Sozialdemokratische Partei — Wahlkreis Hanau-Bockenheim-Gelnhausea Orb - hatte durch Herrn | Rasch aus Hanau heute hierort- eine öffentliche Versammlung einberufen, auf der Herr Redakteur Kaul aus Offenbach über das Thema: „Was tut dem Vaterlande not?" referierte. In der üblichen Weise wurde die von nahezu 300 Männern und Frauen besuchte Versammlung mit dem Standpunkt der Deutschen So- zialdemokratie bekannt gemacht. Wiederholter Beifall begleitete die nahezu dreistündigen Ausführungen, die nicht ohne scharfe Angriffe auf die Deutsche Vater- landspartet blieben. Redner schloß seinen Vortrag mit der Aufforderung und inständigen Bitte, geschlossen und auf's schärfste die Deutsche Valerlandspartei zu bekämpfen und die Einführung des Reichstagswahlrechtes auch für das preußische Abgeordnetenhaus zu erringen.
Von den anwesenden Mitgliedern der Deutschen Vaterlandspartei — im ganzen 9 — wies Herr Quersurth aus Frankfurt a. M. nach, daß gerade die Arbeiterschaft das größte Interesse habe an einem solchen Frieden, wie ihn die Vaterlandspartei erstrebe.
Herr Amtsgerichtsrat HengSberger, Schlüchtern, wieß die Behauptung, die Deutsche Vaterlaudspartei bestehe nur aus Schwerindustriellen, Großagrariern, Oberlehrern, Tierärzten und Heloten erfolgreich zurück und betonte, daß das Wort „Heloten" besser auf die Sozialdemokrati passe, im Hinblick auf die Jugendlichkeit einer großen Anzahl ihrer Gefolgsmannen. Des weiteren stellte er die unwidersprochen gebliebene Hypothese auf, daß die Sozialdemokratie aus reinem Eigennutz die Deutsche 'Valerlandspartei bekämpfe, da sie nur zu gut wisse, ihr Weizen blühe nur in einem geschwächten Deutschland und nicht in einem siegreichen, wie es die Vaterlandspartei erstrebe. Redner ließ sich sodann über die Wahlrechtsvorlage und die Stellung seiner Partei — der Freikonservativen — aus, wobei er ausdrücklich betonte, daß diese Ausführungen von ihm als Abgeordneter und nicht als Mitglied der Deutschen Vaterlandspartei gemacht würden.
Herr Dr. Strünckmann wies die Notwendigkeit eines „Deutschen Friedens" im Interesse aller Berufs stände nach und fragte, warum die Sozialdemokratie, die Förderer und Verfechter des Verständigungsfriedens den wahren Verständigungssrieden mit. der Ukraine abgelehut hätte. Nach dem Motto: Wer im Glaskasten sitzt usw. empfahl er bem sozialdemokratischen Redner Mäßigung in seinen Angriffen. Als Augenzeuge und Teilnehmer jener Versammlung der Deutschen Vater- landspartei in Berlin von der Herr Dr. Bressin nebst Anhang wegen fortgesetzter Störung ausgewiesen werden mußten, wieß er den aus der Versammlung gemachten Vorwurf, die Vaterlaudspartei habe Kriegsbeschädigte mißhandelt, sehr wirkungsvoll zurück
Zu den von Herrn Momsen, Schlüchtern, vorge- legten Frügen äußerte sich Herr Kaul wie folgt:
1) Die von der Sozialdemokratie erstrebte Verständigung bezieht sich auch auf die Herausgabe aller von unseren Feinden besetzten Kolontun einschließlich Südsee und Kiautschan und deren gänzlichen Wiederaufbau; sowie Rückgabe aller widerrechtlich entwendeten Güter und die Wiederherstellung des »entschen Auslandshan- dels, der Patentrechte und Herausgabe der gestohlenen Schiffe. Solange unsere Feinde diese Forderung nicht voll und ganz erfüllt hätten, werde auch die Sozial bemotratie die Waffen nicht niederlegen.
2) We»» ein VerftÄldigungSfriede, den alle Kriegführenden aunehmen tönnren zustande käme, so würde der Vertrag auch gehalten werden; insbesondere auch von England. Eine Burgschaft, daß England nicht wie z. B. der Kongoatte, der Algceierasakte, der Hager Konvention usw. rückfällig würde, böte ein Versländig- ungSsriede allerdings nid)L A , nn_ ,
3) Die Frage nach der Aufbringung der Mittel für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, den weiteren
Ausbau unserer sozialen Gesetzgebung, eine würdige und angemessene Versorgung unserer Kriegsinvaliden, -Witwen und -Waisen bei Uebernahme aller unserer ■ Kriegslasten ohne durch neue Steuorgesehe den Arbeiter- und Mittelstand, deren Schutz die Sozialdemokratie sich angeblich angelegen sein lasse, mittet- oder urmrittelbar schwer zu treffeu, wurde vom Referenten leider nicht beantwortet.
Herrn Momsen's letzte Frage, warum unsere und unserer Kinder Zukunft dem zweifelhaften Wohlwollen der Feinde überlasten werden sollten, anstatt sie Hinden- burg und Ludendorff, den Männern unseres bedingungslosen Vertrauens, zu überlassen, wurde ebenfalls nicht vom Referenten beantwortet sondern aus der Mitte der kleinen Gruppe der Deutschen Vaterlandspartei, die als wesentliche Ergänzung zum Vortrag des Herrn Kaul nachstehende Resolution einbrachte, welche mit großer Mehrheit der im Saale Anwesenden angenommen wurde:
Die am 3. März in Schlierbach versammelten Deutschen Frauen und Männer legen mit Dank und Vertrauen die gegenwärtige und zukünftige Sicherheit unseres Vaterlandes in die Hände von HIndenburg und Ludendorff. __________________________
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 12. März 1918
—* Dem Herrn Kreisausschuß-Sekretär Schäfer von hier, wurde die Amtsbezeichnung „Obersekretär" beigelegt.
Am Donnerstag, den 14. März 1918 abends 8 Uhr findet eine Stadtverordnetenversammlung mit folgender Tagesordnung statt. 1. Haushalts-Etat 1918, 2. Festsetzung des Kommunalsteuersatzes für 1918.
—* Im Inseratenteil unserer heutigen Nummer ist eine Bekannmachung über russische Staatsanleihen und staatlichgarantierte Wertpapiere enthalten, worauf wie unsere geehrten Leser besonders aufmerftam machen.
—* Waren aus der Ukraine. Nach Kiewer Meldungen hat die ukrainische Delegation die Vervflichtung übernommen bis 15. April an die Zentralmächte 30 OoO Waggons Getreide, 2000 Waggons gefrorenes Fleisch und 1000 Waggons Dörrobst zu liefern. Als Gegenleistung wird die Ukraine den ensprechenden Wert in Landwirtschaftlichen Maschinen, chemischen Produkten und Eisen erhalten.
—* Belohnung für daS Abschießen von Raubvögeln, die den Brieftauben schaden. Das Königliche KriegS- ministerium hat folgende Verordnung unter Nr. 521
1. 18. A Nch. vom 9. 2. 18 erlassen. Für den Abschuß des für das Militärbrieftaubenwesen schädlichen Raubzeuges werden folgende Belohnungen gewährt:
Für einen Wanderfalken 5 Mk.
„ „ Sperber 5 „
„ „ Habicht 3 „
Die Beurteilung der Zuständigkeit der Belohnung und die Zahlung erfolgt durch die Nachrichlen Ersatz- Abteilungen, denen die Fänge unter Stehenlaffen eines kleinen Jederkranzes einzusenden sind. Vorwiegend nützliche Arten von Raubvögeln, wie Turmfalken, Bussards, Weihen, die nach dem Reichs-schutzgesetz vom 30. Mai 1908 nicht getötet werden dürfen, find zu schonen. Die Nachrichten-Ersatz-Abteilung, bei denen die Fänge der erlegten Raubvögel einzureichen sind, haben ihren Standort für das 18. Armeekorps in Darmstadt.
—* Hk. Anmeldung des Vermögens von Ange- hörigen feindlicher Staaten. Nach Artikel 1 der Be- kanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 30. Januar 1917 ist die Verpflichtung znr Anmeldung der feindlichen Vermögens, welche nach der Verordnung vom 7. Oktober 1915 nur für England, Frankreich und Rußland nebst Kolonien galt, nunmehr auf Japan, Portugal, Italien, Vereinigten-Staaten von Amerika, Panama, Kuba, Siam, Liberia, China und Brasilien ausgedehnt worden. Die Anmeldung hat bis zum 1. April 1918 bei dem Treuhänder für das feindliche Vermögen zu erfolgen und Vordrucke hierzu können unentgeltlich von der Handelskammer zu Hanau bezogen werden. Ausgegeben sind folgende u. verschiedene Anmeldebogen: a) für feindliche Staatsangehörige, die im Inland ihren Aufenthalt haben. d) für ^ertönen ober Unternehmungen, die feindliches Vermögen verwalten oder verwahren, c) Für im Inlande ansässige Personen oder Unternehmungen, die im Auslande befindlichen feindlichen Staatsangehörigen ober im fttnb- lichen Auslande ansässigen Unternehmungen eine auf Geld lautende Leistung schulden, b) für Leiter oder Geschäftsführer eines dem Jnlande ansässigen Unter- nehmcns, an dem feindliche Staatsangehörige beteiligt sind. Beträge unter 500 Mk. sind nicht anmeldepflichtig.
Weichersbach. Der Untcroffizier Wilhelm Böhm von hier, wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz zum Sergeanten befördert.