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M 19.
Mittwoch, der 6 März 1918.
69. Jahrgang.
Endsieg.
Von Oberstleutnant A. Bilddecke.
Nach dein dynamischen Gesetz des Krieges wechseln in ihm die Zustände von Ruhe, (Spannung und Bewegung miteinander ab. Mit der Kriegsdauer werden naturgemäß die Zeiträume, die der Sammlung neuer Kräfte und der Vorbereitung neuer Operationen dienen, immer größer, entscheidende Schläge immer seltener. Dies muß besonders in einem Kriege von so großer räumlicher Ausdehnung und so gewaltigem Kräfteeinsatz, in welchem zudem die Berührung mit dem Gegner niemals ganz abbricht, in die Erscheinung treten. Zieht der heutige Krieg schon an sich das ganze Volksleben in Mitleidenschaft, so stellt ein schleppender Verlauf und die U.cherwindung der toten Punkte in der Kriegführung an die Widerstand kraft eines kriegführenden Volkes erhöhte Anforderungen. So sehr cntschtidende Siege den Kriegsgeist und die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang beleben, so sehr drücken längere Pausen die Stimmung und das Vertrauen. Dies muß sich in der Heimat weit mehr äußern als an der Front, wo die Gegenwart des Fundes die zwingende Notwendigkeit, weiterzukämpfen, täglich vor Augen führt, und der sichtliche Erfolg die Kampffreudigkeit und Siegeszuversicht immer aufs neue belebt.
In der Heimat wird man sich besonders, wenn ermutigende Nachrichten aus dem Felde ausbleiben, aller Leiden und Entbehrungen, die der Krieg nun einmal mit sich bringt, mehr bewußt. Namentlich trifft das für jene Klasse von Menschen zu, die das Wohl der Allge meinheit nicht über ihr eigenes armseliges Einzelschicksal zu stellen vermögen. Daher bedarf nornehmlich in Zeiten des Stillstandes der heimatliche Geist der besonderen Pflege und Aufmunterung Wie aber könnte man bei uns die UnverstLudigeu ,<— Kleinmütigen besser belehren und stärken, als wenn man ihnen immer wieder den Blick auf unsere Kriegserfolge und den herrlichen Geist an unserer Kampffront lenkt. Wahrlich, wir Deutsche haben allen Giund, mit .dem Kciegser, gebnis zufrieden zu sein, denn stärker wie je ist heute unsere militärische Machtenfaltung, und der bisherige Kriegsverlauf gibt uns die volle Berechtigung zur Hoffnung auf den Endsieg.
Die Kriegshandlung bewegt sich durchaus in einer folgerichtigen, aufsteigenden Linie. Es war gegeben, daß unsere Heerführung sich zu Beginn des Krieges mit allen verfügbaren Kräften auf den am schnellsten bereiten Gegner im Westen warf, um diesen aus dem Felde zu schlagen und den Krieg in Feindesland zu tragen. Wenn es damals nicht gelang, mit den französischen, englischen und belgischen Streitkräften völlig abzurechnen, so lag dies nicht zuletzt an dem srühzsetigcn Auftreten des üaerstarken russischen Gegners, der einen Teil seiner Kriegsvorbereitung schon im Frieden getroffen hatte. Immerhin war im Westen eine Lage geschaffen, die den Gewinn fidjerkilte, eine erfolgreiche Abwehr feindlicher Gegenangriffe gewährleistete und die Möglichkeit der Wiederaufnahme der eigenen Offensive jeder Zeit gestattete. Der leitende Gedanke der Krieg- führung ivar nunmehr, den russischen Gegner nicht nur in seinem Vorschreiten aufzuhalten, sondern völlig ab zutun. Es bedurfte einer mehr als dreijährigen ge- wattigen Anstrengung der Mittelmächte, um dieses Ziel zu erreichen.
Die vereinigten deutschen und österreichisch ungari schen Streitkräste, denen zunächst nur die Türkei sekun dierte, waren bereits auf dem besten Wege, den russi schen Gegner niederzuzwingen, als das treulose Italien iich auf die Seite der Entente schlug und Oesterreich zwang, gegen dieses eine neue Kampffront zu bilden, die zunächst nur der Abwehr dienen konnte. Dennoch gelang es den Verbündeten, den russischen Gegner zu schlagen unb aus Polen, Litauen und Kurland und teilweise auch aus Galizien zu verdrängen.
Danach wurde es durch den Beitritt Bulgariens möglich, die Schranke zu beseitigen, welche die Mittel machte von ihren östlichen Verbündeten trennte, und Serbien und Montenegro niederzuwerfen. Vergeblich versuchte Rumänien, die Lage der Entente im Osten und am Balkan wiederherzustellen. Durch eine gemein same Offensive deutscher, österreichischer, bulgarischer und türkischer Streitkräste wurde der Rumäne aus dem Felde geschlagen und auf die Flanke seines russischen Verbündeten geworfen. In vereinzelten verzweifelten Vorstößen, zu denen russische Heerführer mit allen Mitteln die erlahmenden Massen auspeitschten, kündete "ch alsdann die militärische Agonie an, welcher der russischen Gegner nunmehr verfiel.
Das Bestreben der Engländer, Franzosen und Jta urner, sich auf der Balkanhalbinsel festzusetzen, wurde bei Gallipoli durch die siegreiche Abwehr der Türken
ver< itelt, während man sich vor Saloniki zunächst darauf beschränkte, die dortigen feindlichen Streitkräste in Schach zu hatten. Den Unternehmungen der Engländer in Mesovotamien und Palästina gegenüber vermögen sich die Türken nach vorübergehenden Erfolgen zur Zeit nur defensiv zu verhalte».
Während dieser über drei Jahre sich hinziehenden Operationen hat der westliche Gegner alle menschenmöglichen Anstrengungen gemacht, um den Alp abzu- schütteln, der seit dem Beginn des Stcllunaskampses auf ihm lastete, und um gleichzeitig das Schicksal des russischen Verbündeten zu wenden. Abmechsend folgten einander Durchbruchsversuche und Entlastungsoffensiven, die an Schwere und Furchtbarkeit alles weit hinter sich fassen, was die Kriegsgeschichte bisher zu verzeichnen hat. Ausharren einem überlegenen Feinde gegenüber ist schwerer als siegreiches Vorschreiten gegen den unterlegenen, es ist gleichbedeutend mit Siegen. Daher waren wir bisher auch im Westen schon siegreich!
Das Ausscheiden Rußlands als kriegführende Macht hat die militärische Lage der Mittelmächte außerordentlich verbessert und das Stärkeverhältnis zu ihren Gunsten derart verschoben, daß sie die operative Vorhand und die Möglichkeit gewonnen haben, auf anderen Kriegsschauplätzen offensiv zn werden. Der erste Kräfteüber- schuß wurde zunächst dazu verwendet, Italien einen solchen Schlag zu versetzen, daß es nicht nur seine in 11 Angriffsschlachten mühsam gewonnenen Vorteile fallen fassen mußte, sondern sich nunmehr im eigenen Lande auf das Schwerste bedroht fühlt und auf die Hilfe seiner Bundesgenossen angewiesen sieht, die dadurch auf dem Hauutkriegsschauplatz des Westens geschwächt werden. Was hier noch geschehen wird, steht in Gottes und Hindenburgs Hand Es-scheint als wenn der Krieg seinen Ausaana da nehmen wird, wo er begonnen hat. Jedenfalls hat sich auch hier b'e Lage trotz der amerikanischen Hilfe durchaus zu unsern Gunsten gestaltet, zumal die Erfolge des Unterseebootkrieges hier in be- । deutsamer Weise die Landoperationen beeinflussen. Man müßte der Kriegskunst aller Gesetzmäßigkeit absprechen, wenn man bezweifeln wollte, daß der Rhythmus dieses fortgesetzten Siegesmarsches nicht in einem gewaltigen Schlußakkord ausklingen sollte! —
Der Endsieg -wird uns gehören ! Und dieser Sieg wird uns nicht nur den Bestand unseres Vaterlandes sichern, sondern auch eine glückliche Zukunftsentwicklung bringen, an der jeder teil hat, und den inneren Frieden bewahren!
Der Frieden mit Rußland unterzeichnet.
Berlin, 3. März (W. B Amtl.) Der Friede mit Rußland ist heute 5 Uhr nachmittags unterzeichnet worden.
Pes Kaisers Dank.
Berlin, 3. März (W. B.) Seine Majestät der Kaiser und König haben anläßlich des Friedensschlusses mit Rußland an den Reichskanzler Grafen Hertling folgendes Telegramm gesandt:
Großes Hauptquartier, 3. März 1918.
Das deutsche Schwert hat, geführt von großen Heerführern, den Frieden mit Rußland gebracht. Mit tiefer Dankbarkeit gegen Gott, der mtt uns gewesen ist, erfüllt mich stolze Freude über die Taten meiner Armee, über die zähe Ausdauer meines Volkes. Daß deutsches Blut und deutsche Kultur hatten gerettet werden können, ist mir eine besondere Befriedigung. Empfangen auch Sie für Ihre treue starke Mitwirkung mir großen Werke meinen warmen Dank Wilhelm K. !
— Die Verhandlungen mit Rumänien. Paris, März. (W. B.) „Echo de Paris" schreibt über die Zusammenkunft des Grafen i' ;ermn mit dem König von Rumänien: Der König antwortete, daß er Czernin nur nach beut Guibeisuu s inc3 Kabinetts- empfangen werde. Da die Entscheidung seines Kabinetts zustimmend auSfiel, fand eine Zusammenkunft statt: sie dauerte eine Stunde. Die von den Mittelmächten gestellten Bedingungen sind folgende: Abtretung der Dobrudpl,a und Grenzberichtigung an der ungarischen Front.
Die S. Kriegsaulelhk-.
Berlin, 4. März Zur gewohnten Zeit, ein halbem 3abr nach der 7. Änliche, rüstet sich die ^"anzver- watlnng des Reiches, eine neue Kriegsanleihe auszu legen. Nichts kcnnzeiämct die unerschütterliche Wirt chaft- liche und finanzielle Kraft Deutschlands bey er als die Stetigkeit und Ruhe, mit der sich im Gegensatz zu unseren Feinden unsere 'inanzielle Krtt-<-sriiMng vort zieht. Die gewaltigen Erfolge der bisherigem Klicgo- anlethrn berechtigen zu Vertrauen und Zumuttchl aus
die Bereitwilligkeit des deutschen Volkes, auch dieses Mal wieder fein Geld in den Dienst des" Vaterlandes zu stellen, und ermöglichen es der Reichsfinanzverwal- tung, an den bewährten und gewohnten Bedingungen der letzten Kriegsanleihen auch bei der Begebung der neuen festzuhalten.
Es werden wieder die bekannten 5%igen Schuldverschreibungen und daneben die 47*70igen auslosbaren Schatzanweisungen, beide zum Preise ven 98 Mark für 100 Mark Nennwert aufgelegt. Die Schatzanweisungen unterliegen den gleichen Verlosangsbedingungen wie die der 6. und 7. Kriegsanleihe. Wird die Kriegsanleihe in das Schuldbuch eingetragen — mit Sperre bis 15. April 1919 — so ermäßigt sich der Zeichnungspreis auf .97,80 Mark. Die Zeichnungsfrist läuft vom 18 März bis 18 April. Um den Zeichnern die Möglichkeit zu geben, alle ihnen im Laufe der nächsten Monate noch zufließenden Einnahmen der Anleihe zu widmen, können die Einzahlungen in 4 Raten (am 27. April 30%, am 24. Mai 20%, am 21. Juni unb 18. Juli je 25° '0 des gezeichneten Betrages) geleistet werden. Wer aber die Mittel bereit hat und möglichst bald in den Genuß der 5%igen Verzinsung gelangen will, kann die Vollzahlung schon vom 28. März an leisten. Der Zinsenlauf beginnt am 1. Juli 1918, bei früheren und späteren Zahlungen werden Stückzinsen wie herkömmlich verrechnet Der erste Zinsschein ist also am 2, Januar 1919 fällig. Ein Umtausch der ältern 5%igen Schuldverschreibungen und der früher ausgegebenen Schatzan- weisungcn in Schatzanweisungen der 8. Kriegsanleihe ist in demselben beschränkten Maße wie früher ebenfalls wieder zugelassen.
Aus dem Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Dienstag zuerst eine An - zahl Anfragen, worauf die erste Lesung des Reichshaus Haltsplans fortgesetzt wird. In längerer Rede behandelte der Zentrumsabgeordnete Trimborn die schwebenden Fragen, betonte, daß der Kanzler das klare Wort über Belgien gesprochen habe, streifte die Streiks, gab Ausblicke auf die Sozialpolitik und meinte zusammcnfaffend, wir könnten unserem Doppelgestirn Hindenburg Luden- dorff das vollste Vertrauen entgegenbringen, aber auch unserer Reichsleitung, und voll bester Hoffnung in die outunft schauen. Sodann gibt Unterstaatssekrclär von dem BuscheHaddenhaufen den Inhalt unseres Ultimatums an die russische Regierung bekannt. Hierum nahm der Sozialdemokrat Scheidemann das Wort und mäkelte an diesem Ultimatum herum mit den sattsam bekannten Gr inben Den Schluß seiner Rede bildete die Behauptung die Zukunft nach dem Weltkriege werd^ der Soz,al- demokratie gehören. Nach ihm sprach Staatssekretär Wallraf und gab einen Ueberblick über die Streiks, deren Urheber vielfach in den feindlichen Ländern zu'suche» seien: der Streik sei geradezu vom Auslande ausgegangen. Die Regierung habe die Pflicht, mit aller Schärfe gegen derartige Manipulationen vorzu- aeben. Sodann nahm der konservative Abgeordnete von Heydebrand' unb der Laia das Wort. Schars geißelte er das Verbalten der Streikenden und besonders das ihrer Verführer und setzte sich mit der Rede des Vizekanzlers von Paper auseinander. Zum Schluß nahm der Kanzler nochmals das Wort, mahnte zur gegen fettigen Versöhnlichkeit und verteidigte und kommentierte die Rede des Vizekanzlers . , r.
Am Mittwoch wurde die Etatsdebatte sortgesetzt. Lls'erster sprach der Freisinnige Dr. Wiemer betonte. Deutschland werde an den Gedanken des Verteldigungs- krieaeS sesthalten, sei mit der von Hertling vorgeschlagenen Lösung der belgischen Frage eiiiverstanden und billige auch die Kommentare des Kanzlers zur letzten Wilsonschen Botschaft. Dann apostrophierte der Abge- orbrute die VaterlandSpartn in einer Weise die die höchste Entrüstung der rechten Seite deS Hauses hervor rief so daß Vizepräsident Dr. Paasche daraus binweiien m> ßte daß doch der Burgfrieden nicht immer wieder krochen werde. Des weiteren polemmerte Dr. Wiemer dann gegen die rechte Seite des Hauses, fritinerte bie Krffasaesetzschaften unb prägte das Wort: „Heraus aus der Zwangsjacke der Kriegswirtschaft." Hierauf sprach der" 'JlationaUiberale Dr. Stresemann. Er de- grüßte den Frieden im Osten, der uns bem Weltfrieden näher bringen werde. Durch den bevorsteheuden Friedens schluß mit Rumänien sei der Balkankrieg liquidiert. W r müssen helfen, den treuen Bulgaren eine gesicherte nationale Zukunft auszubauen. Unser Vormarsch nach dem Ostei? sei nur eine notwendige Folge der doliche- wislischen Greuel. Gegen Herrn Scheidemann sagte bei Redner, das deutsche Volk habe stärkere Nerven ale manche seiner Politiker und Staatsmänner. Unsere Osterfolge verdanken wir allein unserem Heer. Mit