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zu reichen und vor der jungen Frau eine Verbeugung zu machen, so sehr nahm ihn die kalte Höflichkeit Herrn Dorneddens in Anspruch.
Während der den OLit zur Treppe hinab geleitete, stand Nane mit trostlos herabgestimmten Mienen mitten im Gemach.
„Er ist in seiner schlechtesten Laune", klagte sie.
Meta hörte das nicht, sie saß regungslos und starrte vor sich hin.
Herr Dornedden mußte Brink noch weiter begleitet haben, denn es dauerte eine Weile, ehe er zurück fnm. Mit auf dem Rücken zu- sammengclegten Händen blieb er unweit der jungen Frau flehen und sah sie forschend an, als erwarte er ütm ihr eine Anrede. Die erfolgte
aber nicht, so räusperte er sich denn leicht und sagte: „Was ich vorhin berührte, Frau Schwiegertochter, muß ich wiederholen. Eine Dornedden hat noch niemals ein Schmispiel gegeben. Was ich aber hier sah — der verschwenderische Licht- glanz des Hauses, die Leute darum geschart und Sie singend, so daß man jeden Ton draußen vernch cu konnte —das neuste ich ein Sch anspiel."
Meta hob das blonde Köpfchen unb sah ihm fest, fast bou, iltig triumphierend in die kalten, grauen Augen.
„Und," fragte sie, „und?"
Wieder ein leichtes Räuspern. „Ich habe natürlich den Wunsch, daß dergleichen in der Zukunft unterbleiben möchte."
Nane Grüttcfien preßte beid' Hände auf das ...
angstvoll klopfende Herz.' Ja, Alt-Hendrik war ^^ Botschcwistenführer Lenin, in seiner schlechtesten Laune und wer ihm dann bet 2e,lei ^" ^Me« Friedensbewegung.
gegenübertrat . . . und doch mußte sie sich murr dern, die chlonde Frau zeigte nicht im mindesten etwas von
Furcht. Ihre Stimme klang kindlich und klar, wie immer, als sie fragte: „Bewegt Sie ein geschäftliches Interesse zu diesem Ausspruch, Herr Hendrik Dorncdden?"
Die Falten um seinen Mund zogen sich zusammen. „All mein Interesse geht vom Geschäftlichen aus — ist bald enger, bald loser mit ihm verknüpft. Wenn Sie es denn deutlich hören wollen . . ." er stockte doch.
„Ich bitte darum!" sagte Meta fest.
Seine Stimme wurde noch kälter, erkältender für die, die sie jetzt hörten.
„Die Dornedden haben sich seit mehr als hundert Jahren, seit zwei Jahrhunderten kann ich sagen, als streng solides Hans gezeigt. Es kam nie irgendeine Ausschreitung vor, die in den Augen der Leute dieser strengen Solidität hätte schaden können.
Darum gefiel mir der heutige Abend nicht — Sie verstehen mich jetzt, Frau Schwiegertochter?"
„Vollkommen", war die ruhige Antwort. Dann erhob sie sich aus ihrem Sessel und stand vor ihm, mäd- chenbeft schlank, aber mit einer wund, rlichen Entschlossenheit in ihren Zügen, von denen plötzlich jeder kindliche Ausd uck gewichen zu ■ sein schien. „Ich ver° st. He Sie vollkommen," wiederholteste —„aber
— da nur die Solidität des Hauses in F^age kommt" — das klang sehr hohnvoll von den frischen Lippen —„nicht Gewinn und Verlust
— so ... so, Herr Tor- nedden, sehe ich mich doch veranlaßt, Ihnen
Beorderung der Feldpost in der syrischen Blüstc. Blwt. A. Grohs, Berlin. (Mit Text.)
zu erwidern, daß ich nicht willens bin, meiner Kunst zu entsagen. Ich habe drinnen in der Stadt geschwiegen, weil mich'die Luft verstummen machte, wie den gefangenen Vogel, aber ich kann nicht ohne meine Kunst leben und ehe ich ihr entsage —"
„Bitte," fiel Tornedden ein. „Wir mißverstehen einander völlig, wie es mir sch-inen will. Ich möchte Sie nicht am Singen hind'.rn, nur das etwas zu auffallend gehaltene Drum und Dran des Henti gen Abend« - und der Ausdruck KunK ist wohl
„Mit allem Bedacht gewählt, Herr Dornedden"', rief M« mit blitzenden Augen. „M ine Kunst! Hendrik entführte mich» Öffentlichkeit, der Kunst l Ger niemals. Ich inunbere mich, » Sie die Solidität Ihres HauseS nicht erschüttert sahen bei M driks Wahl —einds Schauspielerkindes." , k Sie lachte höhnisch (Tnf, dann aber verließ sie die Spanum und mit einem leisen Wehlaut sank sie auf » verl. ssenen Sitz zurück. 1 „Die von Gelderns sind alter Adel", sag der Kaufherr und faßte nach s hier Stirn. t
Der blonde Kopf richtete sich noch nals tret in die Höhe. „Auch ein se lidcs Haus ~ auf den einen , der der Kunst nachzog, bis« meinen Vater. Hend ik hat, wie ich s. he, nun« Stammbaum nicht völlig klar bärgest llt —B freut mich, daß ich Gelegenheit fnwe" r konnte doch nicht weiter. Sie mußte eben» Tante Kläre denken und es war ihr, als sähe! das bLffe Gesicht sich bittend, warnend zul wend t. I
„O, meine Liebe, Gute — Alt-Hendrik,» wird ihr schlecht!" jammerte Nane und e» auf sie zu. I
Ihr Bruder hörte das nicht, er sah auf fei hageren, weißen Hände, als sei ein häßlm Staub flecken d man. Meta wehrte den Beist» der blassen Witwe ab, erhob sich und ging | Türe zu. Da erst besann sich der alte Herr. I öffnete ihr mit einer Verbeugung. „Eine am nehme Nacht."
Sie konnte nur stumm nicken, denn sie w«
ihm nicht zeigen, daß Tränen ihre Stimme zu ersticken droh!
„Ein Schauspielerkind eine Dornedden", sagte er dann l blieb in der Mitte des Zimmers wi. der stehen. „Wir können eig« lich unserem Herrn Sohne danken, daß er sie nicht direkt heru» geholt hat von der Sühne.“ Es war ein Ton, wie wenn er J den Zähnen geknirscht bättL. „Hub das-ist -anspruchslos! Die M in der Stadt, wie malitiös das klang. Mine Frau wa. die rest Ecbin in Bremen, aber eine solche Antwort würde sie mir | gegeben haben."
„Nein, denn sie war cingeschüchtert, Alt-Hendrik", sagte 5 nes Stimme in sein Selbstgespräch hinein. „Du weißt wi durch wen?" I
„Du!" klang es f st verächtlich. „Glanbe mir, wir auch h ute noch Mittel und Woge, einer anspruchsvollen Thea» Prinzessin —" I
„Halt," fiel Nane h und zwar so energi daß- Herr Dornes erstaunt aufsah, | nicht, Alt-Heu» Diesmal soll es | nicht gelingen — | für sorge ich." |
Nicht überrascht,! lächelnd blickte der A der sie an.
„Gute Nacht, N» Die Seeluft hat imp etwasAüfeegeudes! sehe ich an dir. $1 du sorgen, daß m'am Licl)ter vorsichtig 1 löscht? Ich gehe I dem ersten Schiff.»
Sie war wieders los, weil ihre W» unbeachtet hlieben.fi
* * * I
Es war ein stü» scher Regentag. | Wellen gingen G heulend jagte der?f
über die Insel, f fenb rüttelte und schüttelte er an Fenstern und Türen und ein graues Halblicht herrschte statt der Tageshelle. Kein 2j war heute ausgelaufen, keins hatte angelegt. Die Beweis waren meilenweit nbgeschnitten Dom Festland und dein £ draußen in der Welt.
Nane Grüttefien war wie ein Gespenst herumgcwanki glaubte, es kehre ein Orkan wieder, wie er vor zwanzig Jak i b'' Insel umtobt, verheert und halb verschlungen hatt--. ,