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mit Amtlichem Kreisblatt". WschcMilM: Illustriertes Sonntagsblatt.

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,M 16 Samstag, den 23 Februar 1918, 69 Jahrgang.

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Kriegszeit, Kekergangszeit u. Landwirtschaft.

Von Geheimen Finanzrat Bastian.

Sehr im Gegensatz zu manch anderer Sitzung ge­winnt man in den landwirtschaftlichen Versammlungen den befreienden Eindruck, daß auf dem Gebiet der Landwirtschaft jetzt schon erfolgreiche praktische Ueber- gangswirtschaft in größtem Umfange betrieben werden kann und betrieben wird. Man schöpft aus diesen Ver- Handlungen weiter die Zuversicht, ja die G wißheit, daß die Landwirtschaft ais eine der unerschütterlichen Haupt- säulen unserer Volkswirtschaft die Tragfähigkeit, d h. Leistungsfähigkeit, mit der sie uns durchhalf, sogar noch steigern kann. Das erleichtert und sichert nicht nur das Durchhalten, das ist auch ein fester Unterbau für unsere wirtschaftliche Erholung in der Uebergangszeit.

Die Ertragssteigerung wird erreicht, durch Steigerung des Futterbaus und der Viehhaltung; vorsorgliche Auswahl der Futterpflanzen; stärkere Ausnutzung wei­terer Oedland- und bisheriger Anbauflächen; stärkere Anwendung von künstlichem Dünger, Kali-, Phosphor-, Stickstoffdünger in der Uebergangszeit; von Fall zu Fall wohlüberlegte Auswahl, Anwendung und Ersetzung des Düngers; fürsorgliche Bodenbearbeitung, Unkraut­bekämpfung ; Auswahl der ertragsreichsten Sorten von Nahrungspflanzen und des dazu nötigen Saatguts bet stärkerer Beachtung der Hülsen- und Oelfrüchte und, wo es angebracht ist, der Zuckerrüben ; eigener Anbau von Saatgut (z. B. Kleesamen), was von andern und namentlich ausländischen Bezugsquellen unabhängig macht; planmäßige Be- und Entwässerung; Nutzbar­machung des Waldes und seiner Gaben für die Er­nährung und den Streubedarß des Viehs ; Ergänzung und Ersetzung der menschlichen Kraft durch Gerät uud landwirtschaftliche Maschinen, durch pruirmktßige Aas ntttzung der elektrischen Kraft in jeder Gemeinde; durch sie werden an Stelle der Menschenkraft die meisten landwirtschaftlichen Maschinen gehandhabt, Dreschma­schinen, Binder-Mähmaschinen, Häckselmaschinen, Pfuhl- maschinen, Kartoffelschälmaschinen, Abladevorrichtungen für Heu, Stroh und Getreide und so fort. Kurzum: Der Motor wird überall hingestellt, wo er anpacken kann.

Die Felddereinigung hat sich glänzend bewährt. Also wird sie, wo sie noch fehlt, durchzuführen fein.

Wenn die Heeresverwaltung nicht mehr aus Grün- ben vordringlicher Verteidigungszwecke die Hand auf Stickstoffverbindungen legen muß, die uns als Dünge­mittel fehlen, werden wir nicht nur unschwer unseren gesamten Bedarf decken, sondern sogar noch gegen gutes Geld ausführen können. Bis dahin hilft sich die Landwirtschaft durch wohlerwogene Verwendung des vorhandenen Kunstdüngers, da wo er am meisten nützt. Oder ste baut Nahrungsmittel, die den unzulänglich vorhandenen Stickstoffdünger entbehren können (z. B. Bohnen), ober sie baut z. B. Gelbklee, der untergeackert Stickstoff^ttngung gibt. Kali liegt im Elsaß. Phos-

In eiserner Zeit.

Kriegsromau von Charlotte Wildert.

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War Deine Verwundung sehr schwerer Natur?"

Ja, Vater, eS ging aus Leben und Tod. Hätte hier Un Lazarett die Pflegerin? mich nicht mit so unendlicher Liebe und Sorgfalt gepflegt, wäre ich Freund Hein, der lange Zeit an meiner Seite stand, nicht entkommen I"

Ja, jal Die Oberschwester scheint mir auch eine mächtig resolute Person zu sein, ick habe ihr bereits meine Anerkennung ansgesprvchen. Ueberhaupt, anck die Lage des Lazaretts ist großartig und gesund angelegt. Du hast ein tadelloses Zimmer, geräumig, hell, lustig, schöne Aussicht, und vor allen mutet einem die Rein­lichkeit und Ordnung sehr angenehm an. Wo ist denn Deine liebenswürdige Pflegerin, ich möchte sie gern ein­mal seltnen lernen?

Ja, lieber Vater, dazu dürstest Du wohl in der fol­genden Stunde kaum Gelegenheit finden. Die Schwester ist mit mehreren Kolleginnen zum Transportempfang neuer verwundeter Kameraden nach Xberg gefahren. Da wird sie schwerlich so bald zurückkommen.

Mit steigendem Interesse hatte der alte Graf zuge­hört.Ach," rief er lebhaft,ich bin ja doch mit dem Sanitätszug und mit den Pflegerinnen hierher gefah. ten; die sind schon längst wieder im Lazarett mit sechs Verwundeten!"

Ueber PhiliS Besicht flog eine leichte Röte.Du bist mit den Schwestern gefahren, hast mit ihnen gesprochen ?"

Selbstverständlick! Ach hör' nur zu, was mir da aus dem Bahnhöfe in Tberg passierte: Komme ich damit dem Eilzuge, dem einzigen, den ich von Straßburg aus überhaupt kriegen konnte, um 3 Uhr 55 Minuten in Tberg an und erfahre dort, daS der nächste Zug erst in zwei Stunden nach C. abfährt. Du kannst Dir denken, keine angenehme Ueberraschung, da ich doch in dem stock- fremden Nest Mut Menschenseele kenne

vhordünger ziehen wir aus den Eisenerzen Lothringens, das uns nte^r als drei Viertel unserer Erzförderung liefert. Schon deshalb; Hand weg von Elsaß-Loth­ringen !

Um zugusten der Allgemeinheit die Erzeugung zu steigern, hat man eine wenn auch kleine Erhöhung der Getreidepreise vorgeschlagen. Die berufsständische Ver­tretung der Landwirtschaft hat das abgelehnt, weil sie die Verantwortung für eine Erhöhung des Brotpreises nicht übernehmen will. Man sieht, die Landwirtschaft, die uns den Verteidigungskrieg gewinnen hilft, denkt nicht bloß an sich.

Hpfer!

Alles haben sie gegeben,

Maienlust und Sonnenschein, Hoffnung, Liebe, Glück und Leben!

Solcher Söhne wert zu sein,

Gib dein Gold, gib Ring und Ketten, Niedrer Güter nicht'gen Tand.

Hilf, wie sie, das Höchste retten:

Freiheit, Ehre, Vaterland!

Alex Ctto.

Der Kaiser hat durch den deutschen Gesandten ein Telegramm des Präsidenten von Mexiko erhalten, in dem Earranza anläßlich des 27. Januar den Kaiser unddie befreundete deutsche Nation" beglückwünscht. Deutschland hat also doch noch Freunde draußen!

Reichstag und Friedensvertrag.

Berlin. Da Staatssekretär v. Kühlmann genötigt ist, am Mittwoch ub^nd be. m den ll-rlkr-'-dlaLLen mit Rumänien abzurelsen, sind in den Dispositionen des Reichstages noch in letzter Stunde Veränderungen notwendig geworden. Deshalb war bereits am Diens­tag nachmittag 5 Uhr der Hauptausschuß inoffiziell zu­sammengetreten, um den Bericht Kühlmanns über die Friedensverhandlungen mit der Ukraine entgegen zu nehmen, politisch durchzusprechen und die notwendigen Fragen daran zu knüpfen. Diese Aussprache ist am Donnerstag vormittag fortgesetzt worden. Dann wurde am nachmittag im Plenum des Reichstages Staats­sekretär v. Kühlmann den Friedensvertrag mit der Ukraine einbringen und begründen. Das Plenum wird die Weiterberatung alsbald an den Hauptausschuß offiziell verweisen. Im Hauptnusschnß war dann am Donnerstag in Abwesenheit des Staatssekretärs nur noch die wirtschaftliche und ' rechtliche Seite des Ver­trages zu besprechen. Man nimmt an, daß am Freitag der Friedensvertrag mit der Ukraine tm Plenum von sämtlichen Parteien außer den unabhängigen Sozialisten und Polen angenommen werden rhird.

- Berlin, 16. Febr. Zangen melden aus St. Petersburg, ein Erlaß der Volkskommissare vom

Bald daran: läuit nun Euer Sanitälszug in der . Ueber Philis Gesicht, huschte ein leuchtendes Lächeln. Station ein, um aus einem großen Militärzug, der in- !Sie ist'8," sprach er leise, wie im Traum.

zwischen auck eingelanfen ivar, Verwundete 31t verla­den. Nun wollte ich den Sanitätszilg benutzen, der gleich wieder uack der Verladung abfahren, abdampien sollte, aber der SlationSvorsteher hat mir ordentlich Bescheid gegeben, daß durch Militärverbot durchaus keine Zi­vilpersonen einen Sanitälszug benutzen dürfen.

Na, was wollte ich machen, da konnte nichts nützen, selbst die liebensivürdigen Fürbitten einer reizenden Pfle» gerin blieben erfolglos. Und nun, als ich mich schon bei­nahe in mein trauriges Geschick verbissen, wer kommt da, hoch zu Roß in den Babubos hineingeritten. Niemand anderer, als der gute Wielsing in höchst eigener Per- son. Die Freude des Wiedersehens mit dem alten Kol­legen war natürlich groß, ich hatte ihn schon lange, seit meiner Reise nach Ragusa vor 5 Jahren, nicht mehr gesehen. Er sieht übrigens prächtig aus, fidel, lustig, gerade so wie früher nock, als wir beide Söhne der Alma mater in Alt-Heidelberg waren. Jetzt ist er Kom­mandant von Tberg, was natürlich zur Folge hatte, daß ich sogleich eine Bescheinigung von ihm erhielt, mit dem Saintätszug fahren ;n biufeu. Andernfalls säße ich jetzt noch auf der verflixten Station Tverg und haderte mit meinem Schicksal."

Phili frug nackdenklich:So, Du fuhrest mit den, Sanitätszug, dann bist Du sicher auch mit meiner Pfle­gerin znsammengetrvffen?" , , ..

Ach, da ivar eine, ein Prachtmädel, wahrhaftig, sag' ich Dir, eine Lust war eS, sich mit iyt unterhalten zu können, ich" , , M . ~ - Phili sprach hastig zwischen des Vaters Rede.^»» wie steht sie denn aus, Vater?" ..

Na, Junge, wie soll ich alter Erdensohn muh denn aus's Aussehen der jungen Mädel verstehen, pu ock war sie, blondlockiges Haar, blaue treue Augen, zarte, zierliche Gestalt mit einem Wort d,e Verkörpe­rung einer echt deutschen Jungfrau I"

14. Februar ordnet an, daß die Demobilisierung des 6etre§ bis 15. März durchzuführen sei. Von diesem Tag an werden alle Zahlungen und Löhne an die Armee einacstcllt.

Die Wahlrechtsvorlage der Regierung abgelehnt.

Berlin, 20. Febr. (WTB.) Fn der heutigen Sitzung des WahlrechttzausschusseS des Abgeordnetenhauses wurde der konservativ freikonservative Pluralautrag mit 20 gegen 15 Stimmen angenommen und damit Par. 3 der Regierungsvorlage, der das gleiche Wahlrecht vorneht, für erledigt erklärt- Für den Pluralantrag stimmten 12 Konservative, 4 Freikonservative und 4 National- Aberale, gegen den Plnralantrag stimmten 8Zentrumz, labgeordnete, 3 Freisinnige, 1 Sozialdemokrat, 1 Pol und 2 Nationalliberale.

Dr. Friedberg wiedergewählt. In der Ahge- ordnetewahl in Solingen wurde der Vizepräsident des Staatsministeriums, Dr. Friedberg, als Landtagsabge- ordneter Wiedergewählt.

Der dem in diesen Tagen zusammentretenden Reichstag vorzulegende Reichshaushaltsplan sür 1918 schließt in den ordentlichen Einnahmen u. Ausgaben mit 7 332 099 306 Mark gegen 4 491 786 060 Mark im Vorjahre ab. Diese Steigerung ist in der Hauptsache auf das Anwachsen der für die Verzinsung der ReichS- schuld erforderlichen Summen von 3 561612 248 Mark auf 5 907 578 249 Mark zurückzuführen. Die Einnahmen aus den Kriegssteuern stiegen von 1250 Millionen Mk. auf 2875 Millionen Mk. Der außerordentliche Haus­haltsplan zeigt mit 108 008 323 Mk. Einnahmen und 426 068 323 Mk. Ausgaben einen Fehlbetrag von 318 Millionen Mark, der durch Anleihe aufzubringen . Vorlagen über die

Kriegssteucrn werden . .^l.age msbuiu zugehem

Dem Tag zufolge vesteht die Absicht, die TeuerungS zulagen für die Unlerbeamten von 360 Mar.' auf 480 Mark zu erhöhen. Für die Beamten der oberen Klassen sollen nur diejenigen, die den Servisklassen A und B angehören, eine Erhöhung der Teucungszulagc um 30% erhalten, außerdem noch obere Beamten in einigen anderen besonders teuren Orten.

Politische Uebersicht.

Meber den zugefrorenen Sund nach Gffötand.

Kriegsbeute 9125 Gefangene, 1353 Geschüue.

Heeresgruppe Eichhorn.

Von der Insel Moon aus sind unsere Regimenter nach Ueberschreiten des zugefrorenen Sundes in Esth­land eingerückt und haben Seal besetzt.

Im Vormarsch am Rigaischen Meerbusen entlang wurde Pernigel und Lemsal erreicht. Bei Lemsal kam es zu kurzem Kampf, in dem 500 Gefangene gemacht

Wer? Was?

Erstaunt sah der Vater seinen

Sohn an.

Ach, ich meine, baS ist meine Pflegerin, gerade so, wie Du sie eben geschildert hast, sieht sie aus."

So! Das ist schade, das ich das nickt schon früher gewußt, da hätte ich ja schon im Zuge allerhand über Dein Befinden erfahren können. Na meine größte Sorge ivar vorbei, denn anS Deinem Brief konnte man sehen, daß alle Lebensgefahr beseitigt war. Deine Mut- ter aber kommt aus allen Sorgen und Aengsten um Dich gar nicht raus. Als in den Verlustlisten unter der RubrikSchweroerwnndet" Dein Name stand, gab es für sie furchtbare Stunden der Aufregung und der Angst."

'Wie geht es denn der guten Mutter jetzt ?

Voller inniger Besorgnis frug es der junge Offizier.

Ganz gut, mein Junge, wenn nur das alte Uebel, das" Herzlelden, sich nicht immer entstellte, eS macht sich jetzt öfters wie sonst bemerkbar."

Fest und klar richteten sich letzt Philis Augen auf deS alten Grafen Gesicht, als es fest, bestimmt, ohne zuzuk- ten aus seinem Munde kam:Da hat sich die gute Plut- ter ivohl auch bei meiner Mitteilung, daß ick mich mit SiUt von Brücken verlobt habe, sehr aufgeregt?"

Nun warS heraus, das erste Wort übet den kriti- scheu Gegenstand Phili selbst hatte es gesprochen. Wohl sah er die drohende Zoruesfalte aus des VaterS Stirn sah die jähe, dunkle Röte seines Gesichtes, aber unentwegt fuhr er fort:VaterI Ich weiß es, daß Du mit meiner Verlobung nicht zufrieden bist, ich weiß auch, daß Du nur deshalb, einer Aussprache wegen, hierhergekommen bist aber ich muß Dir von vorn- herein fest und bestimmt sagen, daß ich niemals von der offiziellen Verlobung mit Lilli zurücktrete. Ich halte mein Glück in Händen, ein Tor wäre ich, würde ich es loSlassenl" 285,18*