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W-cheOtila-ie: Illustriertes Sonntagsblatt

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Telefon 65.

(Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitUreisblatt" vierteljährlich j,80 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 15 pfg

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Samstag, den 16. Februar 1918

69. Jahrgang

Die Ukraine.

Der Friede mit der llkraine ist unterzeichnet! In ,er Nacht vom 8. zum 9. Februar 1918 ist der erste Friedensschluß innerhalb des seit fast vier Jahren die igelt durchtobenden Völkerringens zustande gekommen; liefe Nacht bildet einen Markstein und Wendepunkt in ler Geschichte des Weltkrieges.

Wer kennt das Land, mit dem wir Frieden geschlossen »oben? Wer ermißt feine Bedeutung, die es für ßußland hatte und nunmehr für uns haben soll?

Die Ukraine, das Land, welches sich bei dem allge- neinen Kampf der russischen Randvölker um die staat- iche Unabhängigkeit bisher am erfolgt : jften betätigt )at, ist gleichzeitig dasjenige, dessen Lv trennung von um Rjesenreich des ehemaligen moskow'üschen Zaren- umS für dieses von schwerstwiegendem Einfluß sein muß. Solange es zu Rußland gehört hat, haben die Zaren nit allen erdenklichen Mitteln versucht, eine Eigenart u unterdrücken, und es zu einem Ausbeuti igsgegenstand jUererften Ranges gemacht. Jnfolgedefft i ist die Gc- chichte der llkraine eine einzige Kette "on tragischen tnb empörenden Vergewaltigungen.

Die Ukraine war ursprünglich ein frei t und selbst- ländiger Staat, zu dessen Hörigen auch die Slawen des Noskauer Gebietes gehörten. Teilungen des Reiches md dadurch hervorgerufene innere Kämpfe ermöglichten ;§ den Moskowitern, sich schon bald nach dem Jahre 1000 unabhängig zu machen, und bereits im 12. Jahrhundert wurde zum ersten Male die Ukraine ihrer- eitS eine Vasallin von Bios kau. '.'lach vielfachen vechselvoll'en Schicksalen geriet sie enbgüülg im Jahre 1676 unter russischer Herrschaft, nachdem schon 1654 eine freiwillige Unterordnung im Vertrage von PerejaSlaw vereinbart worden war. Dieser #ei. ag enthält die >ts heute noch nicht geänderten staatsre i sieben Grund-

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Mo^aii"iHKiew. Aber an seine Bestimmungen haben :$ seit Peter dem Großen die russischen Zaren durchaus nicht mehr gehalten. Sie haben die einstmals zuge- taudene eigene Verwaltung, das eigene Heerwesen, die eigene Gerichtsbarkeit, ja selbst die ukrainische Sprache, Literatur und Religion bekämpft und auszurotten ge­sucht, wo und wie es sich nur mit administrativem Druck, Gewalt und Wortbruch machen ließ.

Und warum? Ein Grund ist sicherlich der zaris­tische Imperialismus, dem das Beherrschen der kleineren Grenzstaaten ein innerer Selbstzweck war. Aber wichtiger erscheint doch als Grund die Tatsache, daß die Ukraine, oder wie das Land zur besseren Vertuschung seiner Eigenart seit Alexander, dem Zarbefreier, genannt wurde, Kleinrußland, ein an Fruchtbarkeit und Bodenschätzen so überaus reiches Land ist, als welches es für das großrussische Reich geradezu einen Lebensnerv darstellte.

Rußland wird immer als eine Kornkammer Europas »»gesehen; seine Getreideausfuhr wurde aber in einzelnen Jahren von der Ukraine allein mit 90 v. H. gedeckt! Die ukrainischeschwarze Erde" liefert bis zu 40 v. H. ves gesamten russischen Ernteertrages und fast zwei Drittel des im ganzen Reiche hervorgebrachten Weizens.

KriegSroman von Charlotte Wildert.

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.Na, freilich. Sie verstehen ja auch die Schwere der Strafe nicht, die auf der Uebertretung der Militärge- wie lastet. Ich danke bestens dafür. Und bannt Schluß I )ch bedauere"

Schroff hatte der Unerbittliche diese Worte hervor« Goßen, jetzt mit langen Sätzen auf das Statiausge- mude zueilend.

»Eo'ne unbarmherzige Rotmütze!" Der Schwester tunegrete waren hastig die Worte entschlüpft.

Der hohe, fremde Herr wandte sich nun zu Lilli, ihr achelnd die Hand reichend. Mit seiner sonoren Summe prach er freundlich: ,Mein gnädiges Fräulein, ich danke ihnen nochmals; es tut mir leib, daß Sie vergeblich »r mich gebeten haben. Nochmals meinen verbindlich­sten Dank!"

Errötend neigte Lilli das hübsche Köpfchen.Ach, e« »t mir leid; wir haben so viel Plas

Mägen gemacht hätte, Sie, mein 7 Mut. Es ist schade!"

.i$, daß eS uns Ver­zerr, initnehmen zu

I Sie sah zu ihm auf, sah ihm voll inß Gesicht und WsUfte zusammen. Um GotteS willen, war sie verrückt, r^'idjte sie ihre Phantasie? Dieser Fremde dort er

1 W)ili ihrem Phili. O, Zng um Zug, diesel« t s^^'den, blauen Augen, die hohe, gewölbte Stirn, iwrfe, energische Kinn, baS alles waren genau die jHge ihres Bräutigams, ihres geliebten Phili. Ach, sie war ja eine Törin, wie konnte dieser Fremde denn ihrem Pml: gleichend Das war Einbildrnig I Sie mußte schließ­lich über sich selbst lachen.

Tier Fremde hatte mit Annegret« gesprochen, die teile <»Ü bie Rot üb* geschimpft horte in lhrer lnfirge» lachenden iXrt Iegt sprach der tfrlll^,* » 1 .»®^ ^U-J'-'Hl. ^ "WM^

Und wie mit Getreide, so verhält es sich auch mit an- I deren landwirtschaftlichen Erzeugnissen: von dem rus­sischen Zucker erzeugt die Ukraine ebenfalls beinahe neun Zehntel, und ihr Anteil an der Tabakgewinnung beträgt 70 v H. Hand in Hand mit dem Ackerbau geht eine bedeutende Viehzucht, so daß die ukrainische Gouver­nements mehr als ein Drittel des ganzen russischen Viehs beherbergen.

Auch an Bodenschätzen übertrifft die Ukraine bei weitem alle anderen Gebiete des europäischen und asia­tischen Rußland. Von der ganzen russischen Kohlener- zeugung entfallen allein auf das ukrainische Donezbecken 70 v H.! Die Roheisengewinnung in der Ukraine stellt denselben Prozentsatz dar, und die Erzeugung von Stahl und Eisen läßt sie mit 60 v. H. der gesamt russischen auch an erster Stelle unter allen Randvölkern stehen. Im Zusammenhang damit steht es, daß die ukrainische Industrie in Rußland eine außergewöhnliche hohe Stellung einnimmt: sie beschäftigte im Jahre 1906 reichlich 380000 Arbeiter, eine Zahl, die fil in den folgenden Jahren bis zum Kriege noch wesentlich erhöht haben dürfte.

Diesem Reichtum an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Bodenschätzen kommt die geographische Lage des Landes außerdem sehr zugute. Die Häfen der llkraine gehören zu den besten Rußlands und bewältigen an­nähernd zwei Drittel der gesamten russischen Ausfuhr

26 v. H. seiner sämtlichen ©intimste zog der russische Staat aus der Ukraine! Dabei aber wurde es wohl­weislich unterlassen, für die Hebung des Landes und seiner wirtschaftllchen Möglichkeiten irgend etwas zu tun. Das natürliche Wasserstraßennetz des Don, Dnjepr und Dnjestr wurde absichtlich nicht ausgebaut; den Bau eines Kanals vom Dnepr zur Düna, der das ganze Wirtschaftsgebiet der Ostsee mir dem d.S Schwarzen Meeres verbinden könnte, würde die , trifiif^e AuSbeu-

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system, das den Süden mit dem Moskauer Zentrum verbindet, ist außerordentlich dürftig

Wie kurzsichtig aber diese Niederhaltung der natür­lichen Entwicklungsmöglichkeiten ist, dafür mögen als Beweis nur die beiden Tatsachen dienen, daß in der Ukraine noch weite Raphtha- und Ecdwachsfelder gänz­lich ihrer Erschließung harren, und daß die Ukraine das einzige Gebiet in ganz Rußland ist, in dem Queck­silber vorkommt. Das nötige Kapital großzügig hinein­gesteckt : und das Land böte noch ganz andere Ertrags­möglichkeiten!

Die Ukrainer wissen, daß sie wohl ohne Rußland, Rußland aber nur schlecht ohne die llkraine leben kann. Solange sie unter russischem Joche seufzen, haben sie ihre Wünsche nach Befreiung genährt und haben wieder­holt Versuche unternommen, sich unabhängig zu machen. Auch an Preußen wandten sie sich schon einmal vor mehr als hundert Jahren mit der Bitte um Hilfe im Falle eines Aufstandes. Preußen konnte ihnen nicht helfen, und so unterblieb damals der Aufstand. Je schärfer aber die Unterdrückungsmaßnahmen der Zaren waren, um so lebhafter schwellte unter der Oberfläche die Glut, die nach Befreiung rang.

der Gebote, man kann es ihm eigentlich gar nicht krumm nehmen."

Und übrigens, die Militärverwaltung nimmt es mit ihren Strafen bekanntlich sehr genau, der Mann wäre ein Tor, wollte er"

Plötzlich brach der Fremde ab, seine Augen hasteten forschend aus der schönen schneidigen Gestalt, die hoch auf feurigem, stolzen Rosse dein Stationsgebäude zu« ritt, es war ein höherer Offizier, ein Kommandant des Städtchens Lberg. Der Fremde schaut« immer gespann­ter nach dem Reiter hin, in den Bart murmelnd:Don« nerwetter, man könnte meinen zum Krickuck kein Zweifel, er ist es. Da soll doch gleich"

Er lief mehr, als er ging, auf den nahenden Reiter zu, wie grüßend den Hu: schwenkend.

Der Offizier stutzte, dann aber lachte er laut und fröhlich auf, und griff salutierend an die Mütze:Ach Gott, Gordis, das nenne ich eine Ueberraschung. Wie kommst Du Menschenskind denn hierher?"

Grüß Gott, Wielsing! Alleivetter, wie ich hierher lamme? Nun, ich wollte nach C., mein Junge, der Phi« lipp, liegt dort im Lazarett. Nun krieg ich aber in diesem elenden,' verflixten Nest keine Verbindung, bis heute abend. Mit dem Sanitätszug, der C. zum Ziele hat, darf man ja absolut nicht mitfahren. Ich hatte eben eine ziemlich lebhafte Debatte mit dem Stationsvorste« her."

Ja, Edmund, das ist erklärlich, es liegt ein direk­tes Verbot vor, Zivilpersonen ohne besondere Bescher« nimma vom Kommandanten, in den Sanitüötjüöeii zu befördern. Wu würde das auch Umführen' DaS geht ja nicht. Unser Stationsvorsteher ist i'.""^'"^ ' Lenebuna der reinsteCerberus" 21a, " brauchst Dir keine Sorge zu machen, ich null Dir sogleich eine Be« Peinigung anSsteUe... Da - ihrft ielbfwerftinNi* mit.

Wir -t oi es einem Sohne?"

.Ach n einen J m 'dmH, nt schon wieder aw M-n.ru»r, <* h.n nur -M>. » n»t*r,»h » h > e «»»>

Wesentlich war es dabei für die Ukraine, daß ein Stück von ihr an Oesterreich gefallen war; dorthin konnte sich die in Rußland verbotene Sprache flüchten, von dort aus konnten die politischen Führer der Unab­hängigkeitsverbände ihre Schriften ausgehen lasten, und dort entstand denn auch im Laufe der Zeit eine recht beachtliche ukrainische Literatur.

Die große russische Revolution hat den Anstoß ge­geben zur Loslösung der Ukraine. Und frei vom rus­sischen Joch, in freundnachbarlichem Verhältnis zu den mitteleuropäischen Kulturstaaten, kann das Land einem hohen kulturellen Aufschwung und einer ungeahnten Blütezeit entgegengehen.

Der nun vollzogene Friedensschluß des Vierbundes mit der Ukrainischen Volksrepublik eröffnet die Mög­lichkeit, die reichen Schätze des Landes teilweise für uns nutzbar zu machen. Und wenn auch der Umfang der dort lagernden greifbaren Vorräte noch nicht zu übersehen ist; wenn auch wegen der zerstörten Eisen­bahnen, infolge Mangels an Schiffsraum und wegen der im Schwarzen Meer noch herrschenden Minengefahr in der nächsten Zeit größere Zufuhren wohl noch nicht zu erwarten sind, so knüpfen sich an den Friedensschluß dennoch begründete Hoffnungen, die außerdem beweisen, daß die zukünftige Gestaltung des Geschickes der Mittel­mächte in vertrauenswürdigen Händen liegt. In diesem Sinne darf uns der 9. Februar als ein Tag hoffnungs- froher Vorbedeutung gelten.

Der Schwerpunkt im Westen.

Der Friede mit der Ukraine ist geschloffen und in einem ausführlichen Dokument festgelegt. Mit Recht sagte unser Kaiser zu diesem Ereignis, zum erstenmal erscheine dadurch das Ende des gigantischen Krieges in greifbare Nähe gerückt. Da die neue Volksrepublik Ukraine einen Staat von ungefähr 10 Millionen umfaßt, die fruch: barsten und «läuten GUuE «n cha>«t»>«"- -* ^ schließt und in seiner staatlichen Konstruktion immerhin die Gewähr eines Bestandes garantieren kann, fc ist mit diesem Friedensschluß immerhin viel erreicht Vor allem ist auch der Umstand von Wichtigkeit, daß es sich um ein Land handelt, dessen Grenzen an Mitteleuropa anstoßen, so daß die Hoffnung besteht, die auf dem Papier festgelegten wirtschaftlichen gegen­seitigen Beziehungen werden sich auch bald in greifbaren Tatsachen für uns nicht unerfreulich gellend machen. Nicht ungünstig ist ferner für uns der Umstand, daß die Ukraine notgedrungen nach Westen gravitieren muß denn der Osten dürste nicht sobald wieder in einer Ver fassung sein, die einen geregelten Aust-uschverkehr ersprießlich, ja ohne Gefahr erscheinen läßt, ^o begrüßt denn das deutsche Volk die junge Volksrepublik als einen Nachbar, mit dem es Friedensworte ausgetauscht hat, und mit dem es in Zukunft in ersprießlicher Nachbar­schaft zu leben hofft.

Es war von vorne herein klar, daß der Friedens­schluß mit der Ukraine Herrn Trotzki sein Advokalen- konzept verderben werde, seinen Winkelzügen ein Ende bereiten müsse. Doch so ganz leicht trennt sich ein Advokat nicht von seinen Praktiken. Als Herr Trotzki

wieder ganz vortrefflich geht. Er lobt die außerordent» sich gute Pflege, die er im Lazarett hat."

So! Ra, Du altes HauS, stehst aber auch tadellos gut aus, tatsächlich; bist noch gerade der schöne, stolz« Gordis von früher. Na, komm, ich schreibe Dir die Be« scheinigung."

Donnerwetter, da habe ich alter Pechvogel ja mal unheimlich Glück gehabt, daß ich Dich, alter Kollege, noch getroffen habe, ja, ja, die gute, alte Freund« schaft."

Dieunbarmherzige Rotmütze", wie Annegret' den Bahnhofsvorsteher getauft hatte, überreichte vnld dar« auf dein Fremden, den ihm der Kommandani Graf Wielsing als Graf Gordis-Breüstein oorgeftellt hatte, mit vielen tadellosen Verbeugungen den Ausweis mit der Unterschrift WielsingS, zur' Benutzung des SanttatS« AUÜC&.,

Sie, Lilli," raunte Annegret der Freundin in S dr, der Fremde muß gut befreundet mit dem Komm an- bauten sein; sehen Sie nur, wie er ihm die Hand Ichul- lelt."

Der Kommandant Wielsing ist doch sonst als Knau- serer und Raisonieronkel bekannt. Ha mir macht S Freude, daß die Rotmütze jetzt doch nicht Sieger bleibt daß der fremde Herr mitfahren darf. Huu, ich kann solche Pedanten in der Seele nicht ausstehen. Brrrl"

Lilli lachte. ,

Ach, Annegret, daS sann man nun nicht pedan- lisch nennen, daS wäre nicht gerecht. Der Mann tat nur seine Pflicht, ich hätte auch daran denken können, ehe ich mich in baS Gespräch mischte. Natürlich freut es mich auch, daß der alte Herr nun doch unsern Zug benünen kann." 235,18*

Langsam, keuchend, rollte der SanitätSzug dahin. Der fremde Posi i» erhmbigte st bei Schwester UiUt über das Lazar r« in 6 doch OlU freundlich

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