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IM 13 Mittwoch, den 13. Februar 1918. 69. Jahrgang.
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Politische Uebersicht.
Per Irieden mit der Ukraine abgeschlossen.
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Brest-Litowsk, 9. Febr. (WB ) Am 9. Februar, zwei Uhr morgens ist der Friede zwischen dem ^Merbaude und der Ukrainischen Volksrepublik abge- " schlössen worden.
Der Friedensvertrag.
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Brest-Litowsk, 10. gibt. (WB.) Die hauptsäch» ^lichsten Artikel des zwischen den Verbündeten und der Lwkrainischen Volksrepublik abgeschlossenen Friedensver- t trageS werden veröffentlicht:
- Die Vertragschließenden erklären, daß der Kriegs- "zustand zwischen ihnen beendet Ist und sie entschlossen find miteinander fortan in Frieden und Freundschaft zu leben. Die Räumung der besetzten Gebiete wird unverzüglich nach der Ratifikation des Friedensvertrages beginnen und die diplomatischen und konsularischen Beziehungen alsdann sofort ausgenommen werden. Die vertragschließenden Teile verzichten gegenseitig auf den Ersatz ihrer Kriegskosten, sowie auf den Ersatz der
" KriegSschäden einschließlich der Requisitionen. Die 5 beiderseitigen Kriegsgefangenen werden entlassen. Für ^bie wirtschaftlichen Beziehungen ist möglichst bald ^Warenaustausch bei freier Durchfuhr vorgesehen. Die * Ratifikation des Friedensvertrages soll baldmöglichst
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n Wien erfolgen.
Die Unterzeichnung des Friedensvertrages.
Brest-Litowsk, 10. Febr. (WB.) Bei Eintritt der letzten Verhandlungspause konnte bekanntgegeben werden, ‘ daß die Grundlagen für den Abschluß eines Friedens zwischen dem Vievbunde und der ukrainischen Volks- epublik gefunden seien. Nach der Rückkehr der Dele- zation nach Brest-Litowsk war aus dieser. Grundlagen -Kter-rrsrh-ndeL ssrd--Li Dank enerb"' '. uurrmüd-
icher arbeit aller Kommissionen und Dank dem Geiste »er Versöhnlichkeit und des Entgegenkommens, der alle teile beseelte war eS im Laufe des gestrigen Tages gelungen, eine Einigung in wesentlichen Punkten her- ustellen, so daß zur Schlußredaktion der Verträge und u deren Unterzeichnung geschritten werden konnte. Die mit der Herstellung von Vertragssätzen verbundenen technischen Schwierigkeiten führten dazu, daß die feierliche Schlußsitzung und die Unterfertigung erst in den ersten Morgenstunden des 9. Februar möglich war. Staatssekretär v. Kühlmann eröffnete als Vorsitzender Die Sitzung kurz vor 2 Uhr nachts mit folgender Ansprache:
Meine Herren! Niemand von Ihnen wird sich der historischen Bedeutung dieser Stunde verschließen können, in der die Vertreter der vier verbündeten Mächte mit den Vertretern der ukrainischen Volksrepublik in diesem Saale zusammengekommen sind, um den ersten Frieden zu unterzeichnen, der in diesem Weltkriege zu Stande kommt. Daß dieser Frieden unterzeichnet wird mit dem jungen Staats- mesen, das aus den Stürmen des großen KriegeS hervorgegangen ist, gereicht den Vertretern der verbündeten Delegationen zur besonderen Genugtuung. Möge der Frieden der erste von einer Reihe segensreicher Friedensschlüsse sein, segensreich sowohl für die verbündeten Mächte als auch für die ukrainische Volksrepublik, für deren Zukunft wir alle die besten Wünsche hegen!
Der Vorsitzende der ukrainischen Delegation, Herr Sfewrjuf, entgegnete:
Mit Freuden stellen wir fest, daß vom heutigen Tage an der Frieden beginnt zwischen dem Vier- bunde und der Utratne. Allerdings sind wir hergereist in der Hoffnung, es zu einem allgemeinen Frieden bringen zu können und ein Ende zu machen dem brudermordenden Kriege, die politische Lage ist aber so, daß nicht alle Mächte sich hier zusammengesunden haben, um einen allgemeinen Frieden zu unterzeichnen. Beseelt von der glühendsten Liebe zu unserem Volke und in der Erkenntnis, daß dieser lange Krieg die kulturellen und nationalen Kräfte unseres Volkes erschöpft hat, müssen wir nunmehr alle Kraft darauf verwenden und das unsere tun, um eine neue Zeit der Wiedergeburt herbeizuführen. In der festen Ueberzeugung, daß wir diesen Frieden ^schließen im Interesse unserer breiten demokratischen Massen und daß dieser Friede beitragen wird, zur allgemeinen Beendigung deS großen Krieges, stellen wir hler gerumst, daß die lange und schwere Arbeit, die [ hier in Brest-Litowsk geleistet wurde, von Erfolg ^gekrönt ist und wir einen demokratischen und für beide Teile «hreuuotleu Frieden erzielt habe». Vai Heutigen Tage an tritt die un
Iiu einem neuen Leben geboren, als selbständiges Reich tu den KreiS der Staaten ein. Sie Itelli auf ihrer Front den Krieg ein und wird dafür Sorge tragen, daß alle Kräfte, die in ihr verborgen sind, zu neuem Leben erstehen und erblühen.
Staatssekretär v. Kühlmann lud sodann die bevollmächtigten Vertreter ein, zur Unterzeichnung des Friedensvertrages zu schreiten. Um 1 Uhr 39 Minuten unterzeichnete Staatssekretär v. Kühlmann als erster die für Deutschland bestimmte Ausfertigung des Friedens- Vertrages. Um 2 Uhr 20 Minuten waren sämtliche Unterschriften geleistet.
Ende des Kriegszustandes mit Uußkand.
Brest-Litowsk, 10. Februar. (W. T. B). In der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende der russischen Delegation mit, daß Rußland unter Verzicht auf die Unterzeichnung eines formellen Friedensvertrages den Kriegszustand mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bnlgarteu für beendet erklärt und gleichzeitig Befehl zur Demobilisierung der russischen Streitkräfte an allen Fronten erteilt hat.
Nichts geändert!
Berlin, 11. Febr. Die Zerrüttung im russischen Heer geht weiter ihren sicheren Gang. In Petersburg und Moskau herrscht die Arnarchie. Einen erneuten Beweis für die Unehrlichkeit der gegenwärtigen russischen Machthaber bet ihren Versicherungen der Friedensbereitschaft gegenüber den Mittelmächten geben die Veröffentlichungen des Oberkommandierenden, in denen die russischen Soldaten aufgefordert werden, ihre Offiziere und Generale zu beseitigen. Der Befehl stammt von dem augenblicklichen Vertreter der Regierung, die vor aller Welt den Eindruck zu erwecken versucht, als dächte sie wirklich daran, einen Frieden mit uns abzu- schließen. Schon sind Anzeichen vorhanden, daß Wilna nicht mehr ganz frei von bolschewistischem Einflusie ist. Solange wir also Vertreter gegenüberstehen, die nicht wie die der Ukraine ihren ehrlichen Friedenswillen zu erkennen geben, solange wird die tatsächliche militärisch- diplomatische Lage gegenüber Rußland sich nicht ändern können. Eine Verschleppungstaktik, wie sie Herr Trotzki le^t' wieder tn Brest-Litowsk getriev«» hat,- gestattet unsere militärische Lage weiterhin nicht mehr. Sie »erträgt auch die durch Trotzkis Erklärung versuchte Lösung nicht, die nur im Interesse der Bolschewicki sein soll. Solange nicht volle Klarheit herrscht, ist nicht daran zu denken, daß wir an eine militärische Aenderung der Lage an der Ostfront gehen können.
Die Folgen für Rumänien.
Berlin, 11. Febr. Wie in hiesigen gut unterrichteten Kreisen verlautet, treten immer mehr Anzeichen dafür hervor, daß die Zentralmächte mit bem König Ferdinand von Rumänien nicht zu verhandeln beabsichtigen und sein Rücktritt von der politischen Schaubühne eine der Voraussetzungen dafür sei, daß die Zentralmächte sich mit dem künftigen Schicksal Rumäniens überhaupt beschäftigen.
Zu der Schiffsraumnot
„Dailp Mail" erfährt aus New Uork: Eine Million Tonnen Schiffsraum soll für Kriegszwecke dadurch gewonnen werden, daß die in den atlandischen Häfen liegenden niederländischen Schiffe, sowie für den Dienst in der Gefahrzone nicht geeigneten französischen Segelschiffe die südamerikanische Küstenschiffahrt im Stillen Ozean übernehmen.
Deutsches Reich.
Gin Grlatz des Kaisers.
Berlin, 8. Februar. (WTB). Der „ReichSanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler:
„Zu meinem Geburtstage sind mir aus allen deutschen Landen und weit darüber hinaus unzählige treue Hrüße und Wünsche dargebracht worden. Je ernster die Zeit und je größer die Verantwortung ist, -die mir von Gott auferlegt ist, um so wärmer und dankbarer empfinde ich diese Zeichen treuester Anhänglichkeit an mich und mein Haus. Das Vertrauensverhältnis zwischen Krone und Volk, von meinem Vorfahren in langer Geschichte erworben, ist gerade in den schwersten Zeiten am innigsten geknüpft. Es leuchtet mir entgegen wenn ich unseren heldenmütigen Kämpfern an der Front den Dank deS Baterlandes ausspreche, eS berührt mich tief, wenn ich an den Betten unserer Verwundeten und Sterbenden stehe, es tritt mit in allen Gauen der Heimat in mich bewegender Weise entgegen, auch da, wo es sich im offenen Ausdruck ernster Sorge um die Zukunft des Vaterlandes äußert.
Durch 26 Fahre Ist eS mein HerzeuSanliegen gewesen, das vom großen Kaiser und seinem eisernen Kanzler geeinte Reich in Frieden auSzubauen, Wirtschasts- leben, Wissenschaft und Technik und damit hen Puf-
________ mme azu mag ein jeder von Euch, vom SchulUnde dir zum Greife hinauf immer nur dem einen Gedanken leben. Sieg und ein deutscher Friede' Das deutsche Vaterland soll
Feinde mich zwang, alle Kräfte unseres Volkes zur Vertelbigung der veimischen Erde auszurufen. Veit tiefer Dankbarkeit, gedenke ich jener „olzesten Tage der Geschichte Deutschlands, als alle Stände und Parteien leben, Durra.
bewiesen, daß unser geliebtes Vaterland ihnen jed? Opfer wert war.
Seitdem sind uns dank der überlegenen Kriegführung unseres großen Feldherrn, der erhebenden Taten nnferes Heeres und der Hilfe unserer uns treu zur Seite stehenden Bundesgenossen weltgeschichtliche Erfolge zuteil geworden. Die opferwilliger Ausdauer und die gewaltigen Arbeitsleistungen der Heimat haben auch der 9lot und Entbehrung Trotz geboten, sodaß unser im Felde und im Lande bewährtes Volk mit Gottes Hilfe voll starker Zuversicht einem gutem Frieden entgegensehen' kann. Hierzu bedarf es aber jetzt der ernsten Selbstzucht, der innern Entschloffenheit, der willigen Unterordnung unter die großen Ziele und der Bereitschaft, auch das Schwerste zu tragen, des Vertrauens auf die eigene Unbesiegbarkeit und der Einstellung aller Kräfte für das eine große Ziel der Erkämpsung einer starken und sicheren Zukunft des Vaterlandes. Hierzu erbitte ich die treue Mitarbeit aller, die unser Volk lieb haben und seiner Zukunft dienen wollen. Dann wird aus der Saat dieser schweren Jahre und dem Blute der gefallenen Söhne Deutschlands ein starkes Reich und ein glückliches, an wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Gütern gesegnetes Volk hervorgehen. Dazu helfe uns Gott!
Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntnis zu bringen."
Eine Ansprache des Kaisers in Homburg.
Homburg, 10. Febr. (Priv.-Tel). Die Nachricht vom Friedensschluß mit der Ukraine traf den Kaiser an einem Tage, an dem er zum Besuch der Kaiserin in Homburg weilte. Etwa 4 bis 5000 Einwohner der Stadt zogen in festlichem Zuge in das Schloß, an ihrer Spitze der Magistrat und die Stadtverordneten. Auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters Luebke, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß bald der allgemeine Friede geschloffen werden möge, antwortete der Kaiser, der mit der Kaiserin auf den Balkon des Schloffes getreten war, folgendermaßen:
Meine lieben Homburger! Ich danke FTUch von ganzem Herzen für die schlichte Feier und die warmen Worte, die Euer Stadtoberhaupt soeben zu mir gesprochen hat. Es sind schwere Zeiten über uns hingegangen. Ein jeder hat seine Last zu tragen gehabt, Sorgen und Trauer, Kummer und Trübsqs, nicht zum mindesten der, der jetzt vor Euch steht. In ihm vereinigt sich Sorge und Schmerz um ein ganzes Volk und sein Leid. In diesem selben Hofe habe ich damals 1870 und 71^ die Hamburger als kleiner Junge stehen sehen unter Führung vom alten Jaeobi, als sie nach großen Stegesnachrichten meiner seligen Frau Mutter ihre Huldigung darbrachten, ein Bild, das sich mir ewig in die Seele eingeprägt hat. Ich habe damals nicht geahnt, daß es mir bestimmt sein sollte, zur Erhaltung dessen, was damals mein Großvater und mein seliger Vater erworben und errungen haben, käinpfen ju müssen. Er hat unser Herrgott entschieden mit unserem deutschen Volke noch etwas vor. Deswegen hat er es in die Schule genommen, und ein jeder ernsthaft und klar Denkende unter Euch wird mir zugeben, daß eS notwendig war. Wir gingen oft falsche Wege. Der Herr hat uns durch diese harte Schule darauf hingewiesen, wo wir hin sollen. Zu gleicher Zeit ist die Welt nicht auf dem richtigen Wege gewesen. Und wer die Geschichte verfolgt hat, kann beobachten, wie es unser Herrgott mit einem Volk nach dem andern versucht hat, die Welt aus den richtigen Weg zu bringen. Den Völkern ist es nicht gelungen. Das römische Reich ist versunken, das fränkische zerfallen und das alte deutsch« Reich auch. Nun hat er uns Ausgaben gestellt. Wir Deutsche, die wir noch Ideale haben, sollen für die Herbeiführung befferer Zeiten wirken, wir sollen kämpsen für Recht, Treue und Sittlichkeit. Unser Herrgott will den Frieden, aber einen solchen, in dem die Welt sich anftrengt, das Recht und das Gute zu tun. Wir sollen der Welt den Frieden bringen. Wir werden es tun auf jede Art. Gestern ist eS im Gütlichen gelungen Der Feind, der von unseren Heeren geschlagen, einsieht, daß eS nichts mehr nutzt zu fechten, nnd der uns die' Hand entgegenhält. der erhält auch unsere HanV» Wir schlagen ein. Aber der, welcher den Frieden nicht annehmen will, sondern im Gegenteils seines eigenen und unseres Volkes Blut vergießend, den Trieben nicht haben will, der muß dazu gezwungen werden. Das ist jetzt unsere Aufgabe, dafür müssen jetzt alle wirken, Männer und Frauen. Mit den Nachbarvölkern wollen wir in Freundschaft leben, aber vorher muß der Sieg der deutschen Waffen anerkannt werden. Unsere Truppen werden ihn weiter unter unserem großen Hindenburg erfechten. Dann wird der Friede kommen ein webe, wie er notwendig ist für eine starke Zukunft