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mit Amtlichem Kreisblatt". Wochenbeilagt: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Politische Uebersicht.

Was wollen unsere Feinde?

i Nachdem Herr Trotzki-Braunstein gelesen hatte, daß ihn einige phantasiebegabte Reporter mit Napoleon und Trommel! verglichen, hielt er es auch für nötig, sichr danach zu benehmen. Er glaubte faklisch, er sei über Nacht das Zünglein an der Weltwage geworden und |önne die Weltfakel unter die Völker schleudern, nachdem er von Kerenskis Schultern aus das heilige Rußland durch die Fackel der Revolutionerlöst" hatte. Wie sich diese Erlösung ausnimmt, danach frage man die Petersburger und zähle die Leichen der durch die revo­lutionierten Massen in Rußlands Städten ermordeten Mirger-^-Jn Brest-Litowsk spielte Herr Braunstein Allerdings das Diplomatenspiel ältester Ordnung, ar­beitete mit Lug und Trug und Advokatenkniffcn und suchte hinzuhalten, um Zeit für die Arbeit seiner roten Garde zu gewinnen. Das Spiel gelang ihm allerdings [nur recht unvollkommen, denn der preußische General strich ihm eklich durchs Konzept, und die Erfolge der roten Garde machten sich in den Depeschen, die Trotzkis Freunde verfertigten, bedeutend imposanter als in der Wirklichkeit. Finnland sollte am Boden liegen als 'Beute der Bolschewiften, aber eher ist das Gegenteil der Fall und die Ukraine hat sich durch den Mund ihrer Vertreter in Brest-Litowsk sehr energisch von den Trotzkianern abgewandt und ihnen in herzfrischenden Worten die Meinung gesagt. So ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß die nächste Zeit einen glatten Frieden mit der Ukraine bringt, und wenn die Bolsche- wtsten dann versuchen sollten, ihn zu stören, könnten sie vielleicht manches erleben. Sie haben doch nur noch Soldaten, die in Straßenkämpfen gegen wehrlose Pürger zu verwenden find, nie auf dem Schlachtfelde. Das wird auch wohl nun Trotzki längst fühlen uud sich >anach richten und auf die Würde des neuen Napoleon ver-schtL^ VieLciLt erfüllt Ach des Her.-. ^uiweat MiS Genossen Geschick aber noch in ganz anderer Weise, denn der Staatsbau,' den sie errichteten, ist stur danach ungetan, seine Erbauer unter sich zu begraben. Aber das sind innerrussische Fragen und gehen uns nichts an. Wir ziehen aus den Ereignissen nur die Folge, daß der Osten kampffrei ist und bleiben wird und vom Sttdosten der Frieden kommen wird.

Wie aber wird es im Westen? In Versailles haben die Alliierten getagt und ihre Häuptlinge haben gesprochen. Sehr zuversichtlich haben sie gesprochen und die Reden unserer Staatsmänner mit lässiger Handbewegung abge­tan. Sie bleiben dabei, es kann erst Frieden werden, wenn Deutschland sich für besiegt erklärt, reumütig um Entschuldigung bittet, Entschädigung anbietet und sich 20 Prozent seines Besitzstandes vor dem Kriege ab­knöpfen läßt, ganz zu schweigen von den Kolonien, wenn Oesterreich-Ungarn 30Proz<nt abgibt und die Türkei gar 50. Wenn solche Forderungen heute noch offiziell von unseren Feinden aufgestellt werden, so weiß man wirklich nicht was man dazu sagen soll. Unsere Ant­wort darauf kann dann eben nur eine sein, nämlich die mit der Waffe. Es machen sich deshalb auch selbst in rankreich und England warnende Stimmen be­merkbar, die auf die deutsche Kraft im Westen Hinweisen und auf die lange Zeit, die noch vergehen muß, ehe amerikanische Hilfe in Europa eintrifft. Bleibt also. alles so, wie es nach den Versailler Erklärungen un- serer Feinde scheint, so wird das Frühjahr die große Entscheidung mit den Waffen bringen müssen. Wir sind bereit, darüber dürfte nirgendwo Täuschung herrschen. Sollten sich unsere Feinde an die Hoffnung innerer Unruhen bei uns geklammert h chen, so haben sie sich dieselben selbst zerstört, denn selbst ein Brite wird ja den Deutschen kaum für so borniert einschätzen, daß h glaubt, es gäbe einen deutschen Arbeiter, der sich und sein Volk die Kehle abschttüren läßt. Auch die Törichten bei uns dürften jetzt wohl überzeugt sein, die Feinde wollen unseren winschaftlichen Ruin und den können wir nur durch einen Waffensieg abmehren. Es H die Gegner bekehrten sich vorher. Möglich ist heute alles, alles ist im steten Umschwung, aber tritt es nicht ein gut, wir sind gerüstet und bereit.

(Siti russisches Ultimatum a» die Polen.

Petersburg, 5. Februar. (P. T. A. Am 26. Januar bemächtigten sich polnische Legionäre in einer Stärke von tausend Mann verschiedener Waffengattung, die unter Führung des Generalstabes des Hanptquar- ""s standen, der Stadt Rogatschew. Die Sowjets der Mauern sowie die Kommissare wurden verhaftet. Das Schatzamt, in dem sich 600 000 Rubel Bargeld befanden, wurde mit Beschlag beleg'. Die russischen und polnischen Sozialisten wurden gleichfalls in Haft genommen. ^.völkische Generalstab erklärte Rogatschew und den mm ftÄohuewabh ängigenB ezirk M elneisTellv ci pol­nischen Monarchie. Züge wurden in Rogatschew zurück gehalten und russische Soldaten erschossen. Der aus- Mührende Ausschuß betrachtet die gegenrevolutionäre

Samstag, den 9. Februar 1918.

Entwickelung der polnischen Bourgoetsie und ihre Legi­onen als Bedrohung der Macht der Sowjets und hat die Verhaftung der Vertreter der Grundbesitzer und der Führer der Kadettenpartei verfügt, die mit dem Feinde in offenem Kampfe gegen uns gemeinsame Sache machen. Fürst Swiatopolk-Mirski und der Erzbischhof von Stzek wurden imEinverständnis mit der polnischen Sozialisten- partei verhaftet. Das russische Hauptquartier ergreift strategische Maßnahmen. Es werden Aufrufe verbreitet werden. Die sozialistische Regierung hat dem polnischen Generalstab ein Ultimatum lüberreicht, in dem die Räumung von Rogatschew und die Einstellung von Ge- waltäigkeiten und Verhaftungen gefordert wird.

Finnlandfeindlicher Aufruf der Bolschetvicki.

Berlin. Die Bolschewicki-Regierung hat am Montag nachstehenden offenen Funkspruch abgeschickt:

An Alle! Dringend!

An alle Schiffe.

Kameraden Reservisten! Kein einziger soll seine Ent­lassung zur Reserve nehmen, solange die bürgerliche weiße Garde von Finnland nicht vernichtet ist Ihr Sieg ist der Nachteil unserer Revolution. Bewaffnung wird in der nötigen Menge gesandt werden.

Die Kurländer.

Berlin. In derNordd. Allg. Ztg." wird über die kurländische Landesversammlung und ihre Entschließung eine Mitteilung von gutunterrichteter Stelle veröffent­licht. Diese Landesversammlung faßte eine Entschließung, die besagt, daß sie den Schutz und Schirm des Deut­schen Kaisers und des Deutschen Reiches erbitte und vertrauensvoll als die von der Bevölkerung Kurlands entsandte Vertretung ihr Geschick in die Hand des Deutschen Kaisers und der von ihm eingesetzten Ver­waltung lege. Außerdem bittet sie darum, einen aus ihrer Mitte gewählten Landesrat zum Ausbau ihrer geschichtlichen Verfassung und Verwaltung stellen zu dürft", .^' q-mesirsam mit der dusche» Lerwuliung an diese Aufgabe heranzutreten. Es ist unverständlich, heißt es in der Nordd. Allg. Ztg., wie behauptet werden darf, daß dieser Landesrat nicht den Willen der Gesamt bevölkerung zum Ausdruck bringe, da er auf vollkommen verfaßungsmäßigem Wege zustandegekoinmen ist. Alle Schichten der Bevölkerung sind herangezogen. Die Gesetzlichkeit der zustandegekommenen Beschlüsse ist nicht zu bezweifeln.

Unser» tapfern U-Bootern

Der Kaiser hat durch einen Erlaß vom ersten Mu- jahrstage des uneingeschränkten U-Bootkrieges, ein be­sonderes Kriegsabzeichen für die U-Bootsbesatzungen ge­stiftet alsAnerkennung ihrer während des Krieges erworbenen Verdienste". Das Abzeichen kann von Offizieren, Deckosfizieren, Unteroffizieren und Mann­schaften der vor dem Feinde tätigen U-Boote erworben werden, nachdem sie sich auf drei Fahrten gegen den Feind besonders hervorgetan haben. Von dieser Be­dingung dars nur im Falle einer Verwundung abge­wichen werden. Das Abzeichen wird auf der linken unteren Brust getragen, von Unteroffizieren und Mann schaften auch auf dem Ueberzieher. Es verbleibt den Beliehenen auch nach dem Ausscheiden aus der lb Boots-Waffe. Der Staatssekretär des Reichsmarine- amts ist beauftragt worden, dem Kaiser Entwürfe für das Abzeichen vorzulegen.

Die vlännfche» Wähle».

Brüssel. Das zentrale vlämische Pressebüro meldet: Die vlämischen Volksabstimmungen für den Rat von Flandern gehen ihren normalen Gang. Bisher fanden an etwa hundert wichtigen Mittelpunkten des vlämischen Landes große Volksversammlungen mit vielen Tausen­den von Teilnehmern statt. Eindrucksvoll vor allem gestalteten sich die Kundgebungen in Gent, Brüssel, Antwerpen, Loemen und Löftren. In Gent bewegte sich ein Zug von 8000 bis 10000 Personen durch die Stadt nach dem Markt, wo das Standbild des Jakob von Artevelde, des größten vlämischen Volkshelden, durch die begeisterte Menge mit Blumen geschmückt wurde. Die Stadt Antwerpen bot am 3. Februar den Anblick eines echt belgischen Wohltages, bei dem es nach Landesbrauch nicht ohne Handgreiflichkeiten abging. Die vlamenscindlich Gesinnten vermochten freilich trotz aller Krastvergendung nicht, den großen vlämlichen Kund- gebungSumzug, dem die ^roßi Mehrheit der Bevöl­kerung sichtlich zustimmte, zu vereiteln.

Englands gefährlichfte Periode.

Rotterdam, 6. Febr. N. 916 tt. Cour. zufolge berichten Times" über eine Rede des englischen Landwirtschafts- ministerS Prothero aus einer Konferenz der Vertreter aller Landwirtschaftsvereinigungen,. in England und Wales über die Vorräte an KMfütft^ und bb Maß ZeftmBer^Mnisftrft werde r

den nächsten 8 Monaten die gefährlichste Periode feiner Geschichte durchleben Aus der Berechnung der im Lande vorhandenen Mengen Hafer und anderen Vieh-

69. Jahrgang.

futters gehe hervor, daß nicht genug da sei, und daß eine drastische Aenderung eintreten müsse, da es sonst zu einer Katastrophe kommen würde. Zum Schlüsse sagte der Minister noch, daß alle Kutsch- und Lurus- pferde abgeschlachtet werden oder von Gras leben müßten.

Tagung des Dereinsausschusses der Wrandenöurgischen Landwirtschaftskammer.

Vor einiger Zeit tagte der Vereinsausschuß der Brandenburgischen Landwirtschaftskammer. Die Tagung wurde mit einer Ansprache des Kammervorsitzenden Herrn Grasen von der Schulenburg-Grünthal eingeleitet die einen Ueberblick über das gab, was die deutsche Landwirtschaft im Stiege geleistet, wie auch über das, was sie zu leisten noch berufen ist. Die Rede des Grafen Schulenburg war geboren aus märkischem Geiste und rief die Landwirte Brandenburgs zu eiserner Tat­kraft auf. Aber die Gedanken dieser Ansprache passen für das ganze Reichs wenn Graf von der Schulenburg unter anderem ausführt:Der General Ludendorff sagte neulich einmal:Nicht die Armee allein, das ganze Volk bringt heute die Entscheidung des Krieges herbei." Das ganze Volk und in dem Volke in erster Linie die schaffenden Stände, in erster Linie Industrie und Landwirtschaft! Die Industrie hat die schwere gewaltige und verantwortungsvolle Aufgabe, in erster Linie alles das bereitzustellen, was das Heer bedarf: Eisen, Stahl und Kohlen, sie hat die Kriegsmtttel herbeizusühren, sie hat vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß die gewaltigen Ansprüche an Munition, Ansprüche, die iu den letzten Jahren in einer Weise gestiegen sind, wie man es früher niemals auch nur annährend für möglich gehalten hatte, befriedigt werden. Denn jede Stunde, die hier unnütz gefeiert wird, jede Stunde, wo die Munition nicht rechtzeitig zur Stelle ist, kostet vielen von unseren Kämpfern draußen das Leben. Und die Landwirtschaft hat die gleich schwere und verantwortungsvolle Aufgabe unser Volk mit den nötigen Nahrungsmitteln zu versehen. Da ist es in erster Linie Pflicht der Landwirtschaft, dafür zu sorgen daß die Produktion nicht zurückgeht, daß die Produktion aufrechterhalten wird, denn nur so ist es möglich, dem Volke die nötigen Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen.

Zur Aufrechterhaltung der Produktion ist alle Energie nötig, denn die Schwierigkeiten, die sich chr entgegenstellen, werden von Jahr zu Jahr größer. Ich habe1 im vergangenen Jahre auf die Schwierigkeiten, die sich hier darbieten, in ausgiebiger Weise hingewiesen. Ich will mich daher nur kurz darauf beschränken, auf die Schwierigkeit aufmerksam zu machen, die dadurch entsteht, daß die Betriebsführer in vielen Wirtschaften fehlen, ferner, daß die Arbeitskräfte nicht in genügender Zahl vorhanden sind. Statt dessen treten Frauen, Greise und Jungmannen ein. Sie alle geben ihr Bestes her, aber die Kraft des Mannes, der sonst die Arbeit getan hat und der jetzt draußen im Schützen­graben steht, wenn er nicht schon unter dem grünen Rasen ruht, die ist niemals voll zu ersetzen.

Ich weise ferner hin auf die Schwierigkeiten, die daraus erwachsen, daß das Spannvieh nicht mehr in genügender Menge vorhanden ist, und daß das Spann­vieh, das noch vorhanden ist, infolge der geringen Ernährung nicht mehr in der Lage ist, auch nur annährend die Arbeit zu leisten, die es früher geleistet hat.

Ich weise hin auf die Produktionsminderung, die sich daraus ergiebt, daß der Dünger nicht mehr genügend vorhanden ist. Der animalische Dünger ist wen'ger geworden und der, der vorhanden ist, hat nicht annährend mehr die Qualität, die er früher gehabt hat, weil das Vieh schlechter ernährt ist. Künstlicher Dünger ist zum großen Teil überhaupt nicht mehr zu haben. Zwar wird Stickstoff produziert in einer WAsc und in einer Menge, wie wir es früher nie für möglich gehalten haben, aber dieser Stickstoff kann nicht der Landwirt­schaft zugeführt werden, sondern er muß jetzi in erster Linie verwandt werden, um die Erfordernisse des Heeres zu befriedigen, er wird verwandt, um Muniton zu schaffen. .

Und alle die anderen Dinge, die wir brauchen sei es Schmieröl, sei es Leder, sei es Eisen, alles das ist nicht in ausreichender Menge vorhanden. Neue Maschinen können nicht mehr geschaffen werden, die alten Maschinen können kaum und dann auch nur not­dürftig repariert werden, ja nicht einmal die Pflug schare sind oft zu haben, und so ist es nicht zu ver­wundern, wenn der Acker verpädet und verquickt, und wenn die Erträge zurückgehen. Es muB mit aller

die Erträge in der alten Höhe zu erhalten, denn das ist notwendig um durchzuhalten, und wo ein Wille ist, da findet sich auch ein 98eg.