SchlkchlemerMung
mit Amtlichein Kreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
Telefou «S. :: Postscheckkonto Frauksurt a. M 114M :; Telefou «8.
Lrscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich {,80 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum sä pfg
M 11. Mittwoch, den 6. Februar 1918. 69. Jahrgang.
„Die Deutschen können nur durch Deutsche besiegt werden!"
Vor WO Jahren hat ein römischer Schriftsteller dieses harte Wort ausgesprochen. Er hatte Recht und hat noch heute Recht.
Hermann der Cherusker wurde durch Deutsche verraten und Deutschland an Rom ausgeliefert. Im Dreißigjährigen Kriege brandschatzten die Russen Berlin, drangen die Franzosen bis nach Thüringen vor, weil wieder einmal Deutsche Deutsche bekämpften. Sieben Jahre konnte Napoleon Deutschland in Fesseln halten, weil ein großer Teil der Deutschen sich aus seine Seite schlug.
Und heute ?' Die Feinde haben die alte Wahrheit wohl erkannt, daß sie uns nicht besiegen könen; darum versuchen sie es mit dem alten Mittel der deutschen Uneinigkeit. Darum hetzen Flugblätter feinglicher Agenten die Massen zum Streik auf. Leider finden sie bei ur- teilslosen Menschen Glauben, wenn sie ihnen vorreden, daß dadurch der Krieg zu beendigen sei. Er wird durch den Streik nicht beendigt, sondern nur verlängert, denn die Arbeiter Englands und Frankreichs stehen heute noch hinter den Raubzielen ihrer Regierungen, deretwegen der Weltkrieg entfesselt wurde. Unsere Feinde schöpfen neuen Mut aus der Hoffnung auf eine Revolution in Deutschland, die unsere Soldaten an der Front wehrlos madjen soll.
Wer jetzt streikt, macht sich mitschuldig an der Verlängerung des Krieges, macht sich mitschuldig am Blut unserer Brüder, das umsonst geflossen ist, wenn es den Gegnern gelingt, einem ohnmächtigen Deutschland seine Raubziele zu diktieren!
Die Behauptung der Feinde und mancher Deutschen, wir verhinderten den Frieden, ist unwahr. Wir haben den Gegnern zwei Friedensangebote gemacht, beide wurden mit Hohn zurückgewiesen. Wir haben in Brest- Litowsk erklärt, daß wir zu '«Ugenieimu Frieden?» er- handlungen bereit wären. Die Entente hat dieses Angevor ubelyaupt nicht beschiel. Solange mi ^evnui maffen Englands und Frankreichs ihre Regierungen nicht zwingen, von ihren Eroberungsabsichten abzulaffen, gibt es nur ein Mittel zum Frieden zu kommen: ihn mit unseren Waffen zu erzwingen!
Deutsche können nur durch Deutsche besiegt werden. Unsere Feinde wissen das. Vielleicht werden auch die, die glauben, daß sie die deutsche Arbeiterschaft zum Frieden führen, erkennen, daß auch sie Einflüssen aus Paris, Petersburg, London unterliegen — nicht aber die deutschen Arbeiter zu einem Frieden führen, der deren Existenz sichert.
Deutsches Reich.
Beratungen in Berlin.
Berlin, 4, Febr. Die Zusammenkunft hoher Per- fönlichkeiten der Staats- und Heeresleitung in Berlin
steht, zum Teil mit Ernährungssragen, d. h. mit Fragen des Nahrungsmittelaustausches unter den verbündeten Ländern, vor allen Dingen aber mit den Verhandlungen in Brest-Litowsk, und zwar besonders dem erhofften Abschlüsse mit der Ukraine im Zusammenhang. Neben dem Leiter des österreichischen Außenministeriums weilen seit einigen Tagen auch wieder Vertreter der österreichischen Ernährungsleitung in Berlin. Hierbei dreht es sich um Verhandlungen über die restliche Verteilung der rumänischen Beute/
Berlin, 4. Febr. In hiesigen politischen Kreisen bringt man die gleichzeitige Anwesenheit des Generalquartiermeisters Ludendorff und der Brest Litowsker Unterhändler mit dem gegenwärtigen Stande der Verhandlungen in Brest Litowsk in Zusammenhang. Es gewinnt den Anschein, daß die Verhandlungen-mit der Ukraine weiter gediehen sind, während die Hoffnung, mit dem Weltaufwiegler Trotzki zu einer Verständigung zu gelangen, immer geringer wird. Unter diesen Umständen liegt es nahe, daß die Fragen der Regelung der Verhandlungen im Osten gegenwärtig einer gründlichen Beratung unterzogen werden. Der Abschluß eines - Friedens mit der Ukraine wird jedenfalls als möglich erhofft.
Die Verführten
In Heller Begeisterung werden in London und Paris die natürlich stark übertriebenen Berichte über den Arbeiterstreik in Deutschland ausgenommen. „Der Zu- sammenbruch der Mittelmächte", so lauteten die riesen- fetten Ueberschriften in den Londoner Blättern. Engländer und Franzosen, die Arbeiter eingeschlossen, rieben sich die Hände und freuten sich über die starken, aber dummen Deutschen, die aus Phrasen Wahrheiten heraus- lasen und den Kopf in eine Schlinge steckten, die ihnen der schon besiegte Feind gelegt. Schon sah man an der Themse und an der Seine den deutschen Simson durch eine Delilatorheit entkräftet und hielt das glühende Eis-u bT^r ihr tu blenden und schänden. A^er man hatte doch reichlich zu früh triuinvhiert Wohl streikten in Deutschland stärkere Arbeitermaffen, wohl kam es in einigen Gegenden zu Zusammenstößen mit der Polizei, aber die Unruhe Stifter waren doch fast nur grüne Jungens, die der Krieg früh, nur allzufrüh zu Verdienst und damit um ihren Verstand gebracht hatte.
Die eigentlichen Drahtzieher des Streiks aber sind die, die innerpolitischen Vorteil aus ihm erhoffen, die mit ihm einen Druck auf Volk und Regierung ausüben wollen, um sich „Rechte" zu erringen. In demselben Augenblick erweisen sie aber durch ihr ganzes Verhalten, daß sie nicht vaterländisch, ja nicht einmal staatsrechtlich zu denken verstehen, also wirklich die ungeeignetsten Personen sind, denen der Staat irgendwelchen verantwortlichen Einfluß zu geben vermöchte. Sie richteten sich selbst, als sie am lautesten nach neuen Rechten schrien, wo sie doch wahrlich alle Rechte haben, denn
es gibt bei uns weder eine Ungleichheit vor dem Rechte noch bei der Erkürung für leitende Stellen. Gerade der Krieg hat doch wohl erwiesen, daß jeder, der fähig und tüchtig ist, an die rechte Stelle gestellt wird, soweit das bei der allgemeinen menschlichen Unvollkommenheit überhaupt möglich ist. Ganz bestimmt herrscht bei uns der Grundsatz : „Freie Bahn dem Tüchtigen" nicht erst seit heute oder gestern, ein Blick in unsere Geschichte erhellt, daß er schon seit Jahrtausenden bei uns Geltung hat. Unsere Regierung aber hatte sich doch gerade in unseren Tagen den Wünschen des Volkes nach Erweiterung der politischen Rechte entgegenkommend gezeigt, wie kaum eine Regierung vorher. Daß sich jetzt, bei der parlamentarischen Durcharbeitung des Stoffes zeigt, der größte Teil des Volkes billigt nicht alle von unten heraufdrängenden Wünsche, hat die Dringenden so „bolschewistisch" gemacht, daß sie mit Gewall zu erzwingen suchen, was sie auf rechtlichem Wege nicht ganz so leicht zu erringen vermögen. Trotzkis FreiheitS- rezept hat in den Hirnen leicht Verwirrter und immer nur ohne eigene Verantwortung arbeitender heilloses Unheil angerichtet, sie möchten trotzkisch arbeiten und wenn darüber auch alles in Trümmer geht, was sich die Menschheit in Jahrhunderten aufgebaut, ja, wenn dabei selbst das eigene Vaterland eine Beute seiner Feinde würde. Es mag da manches „unklar" sein, was sich jetzt an die politische Oberfläche wagt, gerade deshalb ist es doppelt gefährlich und muß energisch be kämpft werden, hundertfach energisch in dieser Zeit, wo das Schicksal des. Vaterlandes von dem Zusammenhalten aller Volkskräfte abhängt.
„Deutschland ist nie zu besiegen, wenn es einig ist," sagte unser Kaiser. Die Geschichte lehrt es uns überall, daß der Deutsche nur dann ein Spielball seiner Neider war, wenn er in sich uneins war.
Soll sich etwas AehnlicheS F wiederholen Herrlich staatlich festgefügt steht Deutschland da und hat einer Schar Feinde siegreich äBibetfn.ib geleistet, die es nad> menfasttchtM Cim.|>n «u^i ;<-.:,.te.«wMW <.".. ..:;;
Taten denn je vollbrachte Älldkittschumtz ja -_.«.— einer Rotte unklarer Köpfe, von verbrecherisch unvater- ländischen Leuten verführt, gelingen, die Deutschen um die Früchte all' ihrer Opfer zu bringen? Das darf nicht geschehen und das wird nie geschehen. Noch herrscht in Deutschland die starke Hand der staatlichen Vernunft und die klare Erkenntnis, daß unser aller Schicksal.'aur eine Urne sich entscheidet. Wer gegen diese fundamentale Erkenntnis sündigt, mag es auch nur aus unklaren Ideen heraus geschehen der ist ein Feind seines Volkes, der verdient nicht mehr ein Teutscher zu heißen, der treibt das Geschäft unserer Feinde, die uns zermalmen wollen. Unser Heer braucht Waffen und Munition, wer sie ihui weigert aus mißverstandenem Egoismus, ist ein Vaterlandsverräter ! Er ist aber auch nicht nur ein verbrecherischer, sondern auch ein törichter Mensch, denn er überliefert
In eiserner Zeit.
KriegSroman von Lharlotte Wildert. 44
Bald darauf trat der Doktor inS Simmer, um nach dem Befinden seines schwerkranken Patienten zu sehen. Sr stutzt«, als er an das Bett des Kranken trat. „Na, aber zum Kuckuck! Wie sehen Sie denn aus? Man könnt, bald meinen, Sie wären mopSgesund!" Erfühlte nach dein Pulsschlag, immer größer wurde sein Erstaunen. „Donnerwetter, ganz normal. Na, waS soll da« heißen, gestern noch die höchsten Fieberdilirien und heute? Na, da» ist mir sa in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommtu. Gar nicht zu versteheu. Hm! Hm!"--
Lächelnd sah Graf GordiS zu den, aufgeregten Doktor auf. „Ja, Herr Doktor, wenn Sir mir eine solch liebe Schwester als Pflegerin geben, da sollte mal einer nicht sofort gesund werden."
Erstaunt sah Doktor Bergnuister von dem jungen Offizier aus die errötende Pflegerin, die beschämt ba» Köpfchen senkte.
Phili aber sagte mit glückstrahlendem Lächeln: »Sie ist meine süß«, liebe Braut, wie ein Wunder hat unB das Schicksal hier zusainmengesührt. So, nun können Sie sich wohl die plötzliche Wendung meiner Krankheit denken, lieber Herr Doktor!"
Dieser aber sagte zuerst gar nicht», sondern schaute verdutzt zu den Beiden hin.
„Pardauz!" platzte er endlich polternd, wie eS feine- Art war, heraus „Na, ich hätte mir ja gleich so was denken können. Sie machen mir schöne Geschichten, pfu- jd)en mit da ohn« weit«r«s inS Geschäft, ich bin doch der Doktor, der den Patienten heile» feilte, nun natürlich haben Sie es noch rascher fertiggebracht als ich. Na, gratuliere, Graf GordiS. Ich sage Ihnen, '„e Frau Nie- gen Sie, ’ne Perle, um die ich — ja es ist lautere Wahrheit — um die ich alter Jmiggeseü Sie noch be- Neid« .%. ta: ua. da will ich mal wieder abreifen, ich
bin ja hier nicht mehr nötig, wo so ’ne kleine Zauberin alles allein fertig bringt. Na, so machen Sie nur weiter, lieber Graf, dann hauen Sie in sechs Wochen auch wieder feste mit druff! Auf Wiedersehen!"
Schon war der gute Doktor fort, Lilli trat zum Bette beß jungen Offiziers und flüsterte zärtlich: „So, nun muß mein Liebling aber wieder schlafen, nicht zuviel erzählen und aufregen; schön die Aeugleiu zugemacht, Deiir treues Lieb hält bei Dir stille Wacht."
Lächelnd zog er ihre Hand an seine Lippen, gehorsam schloß er die Augen daraus und bald verkündeten regelmäßige, ruhige Atemzüge, daß der Patient in tiefem, «rquickeuden Schlummer lag. Seine schöne Pflegerin, sein treues Lieb, saß an seiner Seite, ein seliges Lächeln auf den holden Zügen, und wachte.
13 Kapitel.
Gräfin Maria von GordiS-Breitstein saß, gebauten- voll baß Haupt in die feine Hand gestützt, am Erker- fenfter ihre« Gemaches. Ihr Gatte, Graf Edmund von GordiS-Breitstein, ein hoher, stolzer Mann, dessen Adels- stolz durch seine ganze Haltung gekennzeichnet war, stand neben ihr, in den Händen einen Brief haltend, den «r eben mit finster zusannnengezogener Stirn gelesen. I» feinem stolze», trotz des Alters »och immer schönen Gesichte, zuckte es vor innerer Erregung.
Mit trättenverschleierten Auge» sah die Gräfi» z» ihren: Gatten auf: „Ach Sott, Gdnumd, könne» wir denn unserem einzigen Jungen, unserem Kinde, die heche Bitte versagen?"
Bittend, mit weicher Stimme kam eS von der Gräfin
Lippen.
Unwillig wandte sich Graf GordiS ab, gereut streß er aus: „Ich taun Dich gar nicht begreifen, Maria dafür haben doch unsere Vorfahren nicht durch Jahrhnn- berte hindurch die Ehre unseres RnmenS erhalten, geschafft und gerungen, daß jetzt eine Majorstochter ohne ieben Rang und Titel, sich baS Recht nehmen will, um leren Namen zu tragen!"
„Edinund, Du irrst Dich," ruhig und klar sprach Gräfin Marien „Lilli u. Brücken ist durchaus luürbig, unseren Namen zu tragen, sie ist ein «dles, liebes Geschöpf, ich kenne sie, ich kenne auch ihren achteiismerten Namen."
Unwirsch sagte der Graf, mit heftigen, dröhnenden Schritten das Ziinmer durchschreitend: „Wie naiv Du bist! Der beachtensiverte Raine I Lächerlich I Ich brauch« doch mehr als daS!" r _
„Wenn Du die voir Brücke« so gut kennst, kennst Du dann auch ihre glänzende Vermögenslage, und vielleicht auch ihre ruhmreiche Bergaugenheit, ihre» stolzen Stamm- baum ? Ha, kennst Du bemi das?"
Ernst stand nun die Gräfin vor ihrem Gatten, leise legte sie ihre weiche Hand auf seinen Arm, ihm fest in die blauen, blitzenden Augen sehend, sprach sie: „Ja, auch in diesen Verhältnissen bin ich besannt. Lill, von Brücken besitzt kein nenneuSwerteS Bermögen, dafür hat sie ein goldenes, treues Herz. Ihr hoher HerzeilSadel wird wohl tausenbmal den Blutadel ersetzen. Um gliick- lich zu sein, braucht man nicht eine ganze Galen« rou steife», alten Oelporträts der Ahnen z» besitzen, i>. .icht man sein Nachkomme eines alten, stolzen Dynasteilg-- schlechte« zu sein. WaS sann das uns helfen? Mir,st ein reines frohes Herz viel lieber, alS ein hoher, kli». genber Name und Reichtum."
Ein schiieideildes. rauhes Lacke» auS bem M»»de beß Grme» antwortet, ihr. „Na, Du scheinst ja bei o. Änik- feit und dein Jungen gewaltig die Partei zu halten; da habe ich aber doch auch ein Wort mitmreben. Als ob mau nun da mit einem Male alle Erikelte, alle Formen ,m,stoßen sollte, nur weil der Junge, bet Phili oenmmbet ist, weil das Mädel ein goldige« H«rz hat und der Phili sie einfach liebt. Da? ist ja einfach toll! Wahrhaftig, ganz fein angelegt, aber da wird absolut niibts, gar nichts drauS. Phili hat Gelegenheit genug in her Residenz mit Damen seine« Staube« besannt zu werden, er war wohl blinb, daß er »ich: schon längst die 51 m Näherung ber kleinen Komtesse stetsten verstand«» hau«.'