mit Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbeiiage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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5. Mittwoch, den 16. Januar 1.918 69. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, 15, Fan. (W. B. Amtl. Seine Majestät der Kaiser empfing gestern vormittag Se. K. H den Kronprinzen, und den Reichskanzler Grafen v. Hertling ,nd den Generalfeldmarschall v. Hindenburg. Ferner jörte Seine Majestät den Generalstabsvortrag des Zeneralfeldmarschalls v. Hindenburg und den Vortrag des UnterstaatSsekretärs von dem Bussche.
In Berlin hielt der Major im Generalstab der Armee von Olbcrg, Chef der Oberzensurstelle im Kriegspresseamt einen Vortrag über die Entwicklung der militärischen Lage im vierten KriegSjahr. Sei, so faßte der Redner usammen, 1917 das Jahr der Vergeltung gewesen, so olge nun das Jahr der Entscheidung. Die Front von Flandern bis Venetien sei die Entscheidungsfront. Dorthin missten wir unsere Herzen richten und unsere Augen osreißen von den augenblicklichen Friedensverhandlungen im Osten ; denn deren Ausgang sei militärisch bedeutungS- o«. „Heute haben wir den Rücken frei und die Reserven zur Verfügung, die uns 1914 fehlten, als wir Ostpreußen vor dem Einbruch der Feinde schützen mußten. Der große Schlag kann erfolgen ; dann gnade Gott, Albion! Wann und wo das geschehen würde, ollten wir getrost Hindenburg überlassen, der uns durch Sieg zum Frieden führen würde.
Politische Uebersicht.
Wilsons „Friedensprogramm".
Wo alles redet, darf Mister Wilson natürlich nicht chweigen. Und es ist ja auch so leicht, als Ententestaatsmann zu reden, da man dabei weder auf Vernunft und Logik und die gegebenen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen braucht. Die reinen Redemühlen sind die E«t«8teftLrrr längst geworden, ihre Rel^a u^elu fi y wie ein faules Ei dem andern. Sie sind nicht wohlriechend, da sie das älteste und abgedroschenste Zeug immer wiederholen und gerade Phrasen die Eigentüm- tchkeit haben, sich nicht allzu lange frisch zu erhalten. Rase und Ohren möchte man sich zustoppen gegen Rede- kloacke der Entente, aber das geht leider nicht, denn eS gibt immer noch Leute, deren Aufnahmewerkzeuge jetzt o zerrüttet sind, daß sie nur noch am stinkendsten Redemorast Vergnügen finden. Denen muß geholfen werden, ndem man immer wieder auf den Widersinn der Ententereden hinweist, so sauer einem das auch ankommt, veil man glauben möchte, jeder Mensch müsse ihn von sAbst erkennen.
Nach Lloyd George ließ sich nun also wieder Wilson los und gab seinem neusten ausgewärmten Unsinn den Titel — „Programm des Weltfriedens". Ein nettes Programm. Wie sein englischer Freund kennt auch Wilson nur eine Möglichkeit, die Blume des Friedens zu pflanzen und zu pflegen, nämlich wenn Deutschland als hingeschlachteter Kadaver den Boden düngt. Vier- >ehn Punkte stellt der amerikanische Autokrat für sein friedensprogramm auf. Die ersten mögen noch leidlich singen. Oeffentlichkeit der FriedenSverträge — schön; Freiheit der Schiffahrt — bravo; Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken, unter Ausschluß derer, die ich nicht dem Frieden anschließen, — nicht leicht durch- usühren, ja unmöglich, und uns deshalb kalt lastend; Herabsetzung der Rüstungen — Deutschland hat sich angst damit einverstanden erklärt; Kolonien nach dem -elbstbestimmungsrecht der Ureinwohner - bitte, Eng- and fange mit Indien usw. an, dann haben wir nichts '«gegen; Räumung der russischen Gebiete durch die Deutschen — nach den nötigen Garantien ließe sich Wüber vielleicht reden; Räumung Belgiens — auch '«rüber wird sich reden lassen, wenn uns dafür eine Entschädigung geleistet wird. Aber von uns noch Ent- chädigung zu verlangen, ist verrückt; Räumung Frankreichs und Entschädigung für die durch den Krieg eingerichteten Schäden von uns verlangen klingt wahnwitzig, ind noch wahnwitziger das Verlangen, wir sollten AsasiLothringen an das besiegte Frankreich abtreten; sie Habsburger Monarchie ist autonom zu zerlegen - " wäre dadurch als Großmacht erledigt; Berichtigung italienischen Grenzen nach klar erkennbarem nationalen Besitzstand — hätte Italien ohne Treubruch haben Wnnen, jetzt ist es zu spät; Rumänien, Serbien und »Montenegro müssen für ihr Eintreten für die Entente Dröhnt werben, auf Kosten Bulgariens und Oesterreichs « 7 da sagen ivir glattweg: ausgeschlossen; die Türkei beschnitten werden, so daß eigentlich von ihr nur ■ et Rame übrig bleibt — das werden wir nie erleben;
.""abhängiger polnischer Staat ist zu errichten — E bereits geschehen, wenn auch nicht ganz nach dem Euh 9cu Mister WilsonS. Im 14. Punkt aber kommt »," °" wieder auf die allgemeine Vereinigung aller M^ationen.
Was bedeutete die Durchführung dieses Programms? Deutschland, das siegreiche Deutschland und seine Bundesgenosten zahlen die Kriegskosten, lassen sich hier einen Fetzen abschneiden und da einen anderen, und die Entente geht ungeheuer gestärkt aus diesem für sie als Besiegte beendeten Krieg hervor. Für die Mittelmächte gilt das Prinzip der Autonomie, der Selbstbestimmung der Völker, für England und seine Genossen besteht es nicht- Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, wie ist es nur möglich, daß ein Staatsmann solchen Unsinn als ein „Programm" bezeichnet. Ein Muberhauptmann würbe sich genieren, es aufzustellen. Nach Durchführung dieses Programms wären die Mittelmächte ruiniert, als Staaten degradiert und der Laune eines Lloyd George und Wilson ausgeliefert. Unsere Feinde sind eben trotz aller Schläge wirklich noch Hochmuts übergeschnappt. Antwortete doch ein Engländer kürzlich auf die Frage, -woran sich der Deutsche halten solle, wenn der Besten Gnade ihm für die Zukunft dies und das verspreche: An unser Wort! Der Britte hat nock nie sein Wort gebrochen." So sprach einer von der Dation, die alles was sie erreicht hat, nur der Lüge und dem hartnäckigen zähen Verrat verdankt. Zäh ist der Engländer, und e^ wäre gut, wenn wir in der Beziehung von ihm lernten. Meinte doch kürzlich ein anderer Engländer, „Wir werden siegen, denn England gewinnt jeden Krieg diese Ueberzeugung saugt der Brite mit der Muttermilch in sich ein." Täte eine ähnliche Ueberzeugung nicht auch den Deutschen heute bitter not ? Muß er einem solchen Friedensprogramm gegenüber, wie es Wilson da wieder aufstellte, nicht auch sagen: „Wir müssen den Endsieg erringen. Etwas anderes sann es für uns nicht geben." Der englische zähe Hochmut darf unter keinen Umständen recht behalten, denn dann würbe bet deutsche Name nicht nur mit ewiger Oeöm,.^ v^at sein, sondern allmählich ausgelöscht werden unter den Völkern. Wer dies „Programm" Wilsons beantworten soll? Allein Hindenburg und Ludendorff.
Ein bolschewistischer Gewalrakt.
Vor einiger Zeit erschienen Vertreter des A. u. B.- Rates in Reval im Hause der estländischen Ritter- und Landschaft in Begleitung von zehn Mann der „Roten Garde" und verlangten im Namen der Bolschewitischen Regierung die Herausgabe des ganzen beweglichen und unbeweglichen Vermögens der estländischen Ritterschaft sowie die Herausgabe des Archivs. Diese verweigerte der estländische Ritterschaftshauptmann Baron Delling- hausen. Erst, nachdem die Bolschewiki auf die Waffengewalt. hinwiesen, mußten die Vertreter der estländischen Ritterschaft der Gewalt weichen und das Ritterhaus verlassen. Daraufhin hat Baron Dellinghausen im Auftrage des ritterschaftlichen Ausschusses, der in der Zeit, wo der Landtag keine Sitzung abhält, diesen vertritt folgenden Protest veröffentlicht: „Di. estländische Ritterschaft ist im Frieden zu Nystadt als besondere Körperschaft international anerkannt worden und steht, wie jede andere Körperschaft, im Dienste ihrer Mitglieder, sodaß die Beraubung dieser Möglichkeit und Beschlag ^ahme des Eigentums eine Verletzung des StaatSge dankens und der Unantafrbarteit der Mitbürger . . Gemäß dem Beschluß des ritterschaftlichen Ausschusses erhebe ich energischen Protest gegen das Verfahren, das RitterhauS mit Waffengewalt zu besetzen. Nach einer Verwirklichung freiheitlicher Grundsätze, auf bie die Bolschewiki doch angeblich eingeschworen sind, sieht dieses Verfahren nicht gerade aus.
Lokales und Provinzielles.
Schlächter», 15. Januar 19!8.
-* Die in voriger Nummer dieses Blattes Murrn t gegebene General Versammlung des landwimchaftste-nn KreiSvereinS findet nicht Mittwoch, den 23. d - Mrs., sondern Freitag, den 25. Januar vormittag 10 übe statt.
—* Dem Fahrer August Fuchs von hier, wurde wegen Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreu: 2. Klaffe verliehen.
— Kinomatograph Turnhalle. Am Freitag ane Sonntag Abend 7,8 Uhr findet, je eine Vorführung mit reichhaltigem, interessanten Programm statt. Von den zur Vorführung gelangenden Stücken sei besonders das Aufsehen erregende Drama „Der Weg bc Tränen" mit Hella Moja in der Hauptrolle erwähnt. Außerdem findet Sonntag Nachmittag 3 Uhr eine Kindervorstellurg statt. (Näheres im Anzeigenteil ersichtlichst
—* Beim Anfahren des vordem Cunfahrlsigual zum Halten gekommenen Güter zuges 7002 riß am Sawsrag an einem Mägen die Kuppelung Dadurär liefen Achsen auf den vorderen Zugteil auf. Ein mit Heu beladener Wagen entgleiste, wodurch die Hauptgleise ge
sverrt wurden. Die Züge wurden über das Ueber- Holungsgleis geleitet.
—” Laßt die Vögel nicht darben! Scheinbar unbedeutende Abfälle, Brotkrumen, Kartoffelreste, Knorpeln ganz klein geschnitten usw. die sonst in den Kohlenkasten wandern, leisten den Vögeln noch große Dienste. Die danken dadurch, daß sie im Frühjahr und Sommer das Ungeziefer vertilgen, das den Ertrag der Ernte nicht unwesentlich herabmindert.
—* Die Abfindung von Kriegerwitwen bei Wie- derverheiratung. Ueber die Abfindungssumme an Kriegerwitwen int Falle der Wiederverheiratung haben die Erfahrungen und die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse zu neuen Bestimmungen durch das Kriegsministerium geführt. Die Frage des Bedürfnisses ist in wohlwollendster Weise ohne jede Engherzigkeit zu prüfen, um die Wiederverheiratung zu erleichtern. Peinliches Eindringen in bie PriMrtverhältnisse, namentlich des Bräutigams oder eines Ehemannes, ist zu vermeiden. Es wird von der Forderung eines bestimmten Verwendungsnachweises im einzelnen abgesehen. Es genügt, wenn eine nützliche und zweckdienliche Verwendung der Abfindungssumme, selbst erst für später, gewährleistet erscheint. Die bewilligte Summe gilt als Vorschuß für den Fall, daß später eine gesetzliche ober anderw.fflc Regelung der Angelegenheit mit rückwirkender Kraft eintritt. Dies schließt die spätere Nachzahlung der Restsumme nicht ohne weiteres aus. Wenn der Ehemann sich zur Zeit der Verheiratung mit der Krieger- witwe im Heeresdienst befindet, so soll dies an sich kein Grund für die Ablehnung des Bedürfnisses sein. Es empfiehlt sich aber dann einen angemessenen Teilbetrag des Geldes bis zur Rückkehr des Ehemannes aus dem Felde für dessen Wirtschaftsbedarf beim Uebergang in die Zri.ÄEveichÄtiLp»' umer unzuiexe».» - g ir”
— Landaufenthalt für Stadtkinder. Im Hinblick auf die noch andauernden Ernährungsschwierigkeiten in den Großstädten und Jndustriebezirken haben die Ministerien des Innern, bei Kultus und der Landwirtschaft dem Verein „Landaufenthalt für Stadtkinder" für den Sommer 1918 wiederum die behördt che Unterstützung zugesagt. Die Dauer des Landaufenhaltes der Stadtkinder ist auf 3 bis 4 Monate vorgesehen.
—* Der Fortbestand der kleinen und mittleren Handelskammern. Durch die Absicht der Gesetzgeber, Industrie und Handel eine wirkungsvollere amtliche Vertretung in großen Kammern zu verschaffen, wird der selbständige Forcoestand bet kleinen und der mittleren Handelskamme n vielfach in Frage gestellt. Die Handelskammer Hanau hat beschlossen, zunächst ihre Selbständigkeit nach Möglichkeit zu wahren und für den bedauerlichen Fall, daß dies nicht zu erreichen sein sollte, für den Anschluß ihres ungeteilten Bezirks an bie Handelskammer in Frankfurt (Main - einzutreten. Diese Sem. prahme ist ' dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe in einer persönlichen Verhandlung . mit drei Vertretern der Handelskammer aus Hanau und Fulda unterbreitet worden. Der jetzige Bezirk der Handelskaiipnxr Hanau umfaßt die Kreise Hanau, Gelnhausen, Schlümtern, Fulda, Gersfeld und Hünfeld.
* Soden. Der Heimatbund veranstaltet am nächsten Sonntag (den 20. d. Mts.) wiederum einen Vortragsabend. Während die letzte Veranstaltung der Ortsgruppe Soden einen ernsten Charakter trug uud im Vortrag deS Herrn Pfarrer Nüdling die sittlichen Kräfte wachgerufen werden sollten, wirb der nächste Abend einen anderen Charakier tragen, indem er im Bilde uns eine Großtat unserer deutschen Flotte vorführen wirb. Redner ist der bekannte Lehrer Spehukuch am Offenbach, der im vergangenen Winter durch seinen Flottenvortrag große Begeisterung au rulösen verstände Diesesmal spricht er über bu Se» ac am Skagerrat. Am 'Aachmucag rtrb -| . i. Rad. .äs Ausenau eine heitere Stutr.' deu • tbcrnunb Jugendlichen bereites die dem letzten Bortra des Herrn Pfarrer Radling nicht beiwohnen konnten. So )0. Ernstes und Heiteres im Wechsel an den einzelnen Ab.uden des Heimatbundes geboren werden Auf das harte Dur am Reujahrs-Abend soll am nächsten Sonntag ein doppcktes Moll folgen. (Nähere- stehe in der Anzeige in der Sonnabend-Nr.!)
' Bebra. Bei der birigeS GüterabfertigungSstelle mürbe am Saun tag un r großem Andrang ein Herren- lost miß Kor ora ntwein (200 Liter) zum ansehnlichen
; von 10 Rl k von einem Brebcaer Spirituosen- gefoult e standen. . ....
bschwegk. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten Im fahre 1917 im Kreise Eichwege 15 Paare. In 10 Fällen wurde ihnen da Kaiserliche Gnadengeschenk von je 50 Mark gewährt, 5 Paaren wurde die Ehejubiläumsmedaille verliehen.