Lokales und Provinzielles.
Schlüchteru, 8. Januar 1918.
—* Sonntag auf Montag Nacht wurden Herrn Mühlenbesttzer Hadermann hier aus einem Entenstall 7 Enten gestohlen. Die Achte fand man morgens im Stalle tot liegen. Vermutlich hatte dieselbe der Dieb in der Eile und Dunkelheit liegen gelassen.
—* Kinomatograph — Turnhalle. Am Freitag und Sonntag abend y*8 Ilhr findet je eine Vorstellung mit auserwähltem Programm statt. Zur Vorführung gelangen der große Schlager „Die Filmprinzessin", Drama in 3 Akten von Egede Nissen, „Der Stolz der Firma", Lustspiel in 4 Akten, „Das Gesetz des Westens" aus Wildwest. Eine Kindc.vorstellung findet Sonntag Nachmittag 3 Uhr statt. (Weiteres im Anzeigenteil ersichtlich).
—* Preissturz. Der Preis des Rotweines ist in letzter Zeit um 1000—3000 Mark das Stück heruntergegangen.
—* Der Höchstpreis für Zündhölzer beträgt jetzt für eine Schachtel Sicherheit- oder überall entzündbarer Streichhölzer 5 Pfennig, für zwei Schachteln imprägnierte bunte oder flache Hölzer 11 Pfennig.
—* Was kosten die nächstjährigen Spargel? In einigen Gemeinden Rheinhessens sind bereits feste Ver- kaufsabschlüffe der nächstjährigen Spargelernte abgeschlossen und zwar zu dem Preise von 1 Mark das Pfund.
—* Neue Reisebrolmarkcu. Entgegen anders- lautenden Meldungen kann festgcstellt werden, daß tatsächlich demnächst neue Reisebrotmarken dem Verkehr übergeben werden. Sie sind kleiner und um "Nachahmungen zu erschweren, auch sorgfältiger ausgeführt als die bisherigen. Die Bestände der alten Marken sollen jedoch aufgebraucht werden, so das sie einige Wochen hindurch — wahrscheinlich bis zum 15. Februar neben den neuen in Geltung bleiben.
* Marboru. Dem Landwirt Peter Noll wurde ein Tag vor Neujahr, wo er schlachten wollte, ein Schwein von 250 Pfund gestohlen. Die Diebe schlachteten dasselbe im Stalle ab, luden es auf einen Schlitten und fuhren in der Richtung nach Soden davon. Im Walde vor Soden fand man das Eingeweide vor. Von den Dieben fehlt jede Spur.
* Uttrichshauscu. Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde verliehen: Dem Lehrer Wilhelm Jost, gebürtig von Uttrichshausen. (W. Jost ist Lehrer au einer höheren Mädchenschule in Frankfurt a. M.")
* Alteugrouau. Dem Erst Rest K. Trunk von hier, in der 11. Komp. Landw. Jnf.-Regt. Nr. 80, wurde wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde am 10. Nov. 1917 das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
* Frankfurt a. M. Am Samstag vormittag würbe die Leiche des ermordeten Schutzmanns Ertl auf dem Sachsenhäuser Friedhofe zu Grabe getragen. In dem großen Trauergeleite, das Zeugnis ablegte von ver Beliebtheit und Wertschätzung des Verstorbenen, waren außer dem Polizeiprässidenten fast alle höheren Polizei- beamten, Kriminalkommissäre und alle abkömmlichen Beamten, sowie fast die ganze uniformierte Schutzmann schast vertreten. Der Polizeiprässident widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Die Schutzmanns- kapelle geleitete die Leiche zu Grabe.
* Maiuz. Die Witwe des 1915 gefallenen Metzger- meisters Woll vergiftete ihre drei Kinder im Alter von 6, 4 und 2 Jahren mit Lysol und machte dann ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Als Beweggrund zur Tat werden Erbschastsstreitigkeiten und Nahrungs- sorgen angegeben.
* Gießen. D.r Kommunalverband läßt aus dem auS den Hausschlachtungen abfallenden Ueberschußfleisch Dauerware, und zwar Servelatwurst, Preßkopf, Schwartenmagen, Speck und Dörrfleisch herstellen und an die Bevölkerung ausgeben. Der Preis wird so niedrig gehalten, daß auch dem Teil der Bevoikerung, der nicht schlachtet, die Möglichkeit geboten ist, sich gegen Fleischkarten mit Dauerware zu versorgen.
* Aus dem Kreise Fraukrnberg. In einem Land orte erwarb ein fremder Mann für 60 Mk. fünf Pfd Butter, ließ sich dann an die Bahn fahren und bezahlte dann mit einem Hundertmarkschein, auf den er sich 30 Mk. herausgeben lkeß. Später stellte sich heraus, daß der Schein unecht war.
* Naucnthal bei Amorbach. Zwei Mädchen von hier hatten mit zwei kriegsgefangenen Franzosen eine Liebschaft unterhalten und ließen sich von den Franz- mäoncrn sogar überreden, mit ihnen über Holland nach Frankreich zu flüchten. Vor einigen Wochen wurde die Flucht bewerkstelligt. An der holländischen Grenze verdufteten jedoch die beiden Franzosen und ließen ihre Liebchen zurück. Jetzt sind die betörten Mädchen wieder zu Hause gelandet. Außer dem Spott, der ihnen reichlich zuteil wird, haben sie auch noch gerichtliche Strafen zu erwarten.
* Kassel. Der des Diebstahls einer Anzahl Kunst- . egenstände aus dem Königlichen Schloß zu Wilhelms- Höhe angeklagte 11jährige Hilssdievstpflichtige Wilkc
wurde von der Strafkammer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, während der Antiquar Nadel, ein geborener Russe, unter dessen Einfluß W'.lke gestanden hat, wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu l'A Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.
Dermischtes.
— Mannheim (Tragisches Verhängnis). Von hier wird uns berichtet: Der letzte Fliegerangriff auf Mannheim setzte den Schlußpunkt unter einen Liebesroman. Der 28 Jahre alte Techniker Karl Martin aus Augsburg hatte sich mit einer Schwester, Frl. Salzmann, die ihn 6 Monate in einem Lazarett gepflegt hatte, auf den Weihnachtsabend verloben wollen und hatte sich zu diesem Zwecke nach Mannheim begeben, wo seine Braut wohnt. Bei dem Fliegerangriff platzte im Hause gegenüber eine Bombe, ein Splitter flog durchs Fenster und traf den jungen Mann an der Halsschlagader. Zu den Füßen seiner Braut ereilte ihn der Tod.
— Erfurt. Ein Gesundbeter hat gegen Zahlung einer Gebühr bis zu 10 Mk. Kranke von ihrem Leiden durch Gesundbeten mit darauffolgenden Abwischen der kranken Gliedmaßen #mit einem Taschentuch oder Handtuch, das er dann vergraben wollte, zu heilen versprochen. Die Heilung sollte erfolgen, sobald das vergrabene Tuch verfault sei, unter Voraussetzung, daß die Kranken fest an die Wirksamkeit seiner Kur glaubten. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden nicht weniger als 188 Taschentücher nnd 8 Handtücher vorgefunden, die Zeugnis von dem Umfang seiner leichtgläubigen Kundschaft ablegen. Sie sind ihr Geld und Tücher los, die Krankheit aber behalten sie.
— München (Aufgedeckter Schleichhandel) Sie Münchener Polizei verhaftete 12 Lebensmittelschleichhändler, die Fleisch, Wurst, Schmalz, Butter, Eier und andere Lebeusmittel in größeren Mengen nach Berlin ausführen zu wollten. Unter den Verhafteten befindet sich ein Gast aus München- Haidhausen und ein Drainer aus Berlin. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befanden sich auch viele Zentner Rauchfleisch.
— Basel. (Selbstbezichtigung eines Verbrechers). Ein wegen Diebstahls verurteilter Taglöhner Suter von Oberiberg (Kanton Schwyz) hat dem Vorsteher des Polizeid^partements ein umfassendes Geständnis abgelegt und sich als den Täter der beiden in Frankfurt an einer Schaffnersfrau und in Zürich begangenen Lustmorde bezeichnet, außerdem eine Reihe weiterer Verbrechen, Einbrüche und Diebstähle.
Mu^holyflerKmif
Aus dem Stadtwald Schlächtern kommen im laufenden Winter zum Einschlag:
250 Fst. Fichteustammholz, davon
20 Fst. 1. Kl. 80 Fst. 2. Kl. 100 Fst. 3. Kl. und 50 Fst. 4 Kl.
230 Fstm. Kiefernstammholz, davon
100 Fst. 3. Kl. und 130 Fst 4. Kl.
250 Rm. Fichteu-Celluloseholz davon
200 Rm. mit einer Zopfstärke von 10 Zentimeter auswärts und 50 Rm. von 6—10 Zentimeter Zopfslärke.
Das Holz soll im Wege des Angebotsverfahrens verkauft, werden.
Schriftliche Angebote wollen bis -zum
21. Januar d. Js varmittasg 11 Uhr
an den Magistrat eingereicht werden.
Die Oeffnung der eingegangenen Angebote erfolgt zu der angegebenen Zeit im Rathaus in Anwesenheit etwa erschienener Bieter.
Nähere Auskunft erteilt Herr Stadtsörster Klotz. Schlüchteru, den 5. Januar 1918.
__________________________Der Magistrat: S t ü ck r a t h.
Nutz- u. Brennholzverbrauch. Dienstag, den 15. Januar 19 8, vormittags 9 Uhr ab
soll im Gasthaus „zum Löwen" hier das im Stadtwald Schlüchteru Distrikt Hohenzellerberg 2a, 3a, und 4 RollmannS- Hecke 5a, 5b, und 5e, Frauenholz 10b sowie Kohlgrube 28, 36b und 37b lagernde Nutz- und Brennholz öffentlich meistbietend versteigert werden und zwar:
a. Nutzholz':
78 Eichenstämme mit 19,49 Festm. Inhalt.
38 Rm. Eichennutzrollen 2 m lang.
23,75 Rm. Eichennutzrollen 2,5 m lang.
8 Buchenstämme mit 6,21 Festm. Inhalt.
28 Nadelholzstämme mit 17,23 Festm. Jnh.
40 Lärchenstangen 1. Kl.
16 Lärchenstangen 2. Kl.
11 Lärchenstangen 3. Kl.
b. Brennholz:
13 Rm. Eichenscheit
343 Rm. Eichen-Stamm- und Astknüppel
515 Rm. Eichenreiser 3. Klaffe
62 Rm. Eichenscheit
24 Rm. Buchen-Stamm- und Astknüppel
90 Rm. Buchenreiser 2. Kl.
3 Rm. Weichholzscheit- und Stammknüppel
10 Rm. Weichholzreiser 3. Kl.
11 Rm. Nadelholzscheit.
Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.
Beim Brennholzvertanf sind Händler nnd auswärtige Bieter ausgeschlossen.
Zugleich wird bekaunt gegeben, daß der Magistrat auch in diesem Jahre Buchen- und Fichtenreiser III. Kl. zu mäßigen Preisen Raummeter etwa I Mark — au Minderbemittelte aus Antrag abgiebt.
Schlüchteru, den 3. Januar 1918.
Der Magistrat; Stüctrath.
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Niitzho!zverka»f.
Montag d. 14. Jan. 1918.
Von vorm. 9 Nhr ab, soll aus den städtischen Wald ungen Buchrasen — Ohl — Distrikt 33, 36 u. 37 folgendes Holz im Gasthaus „Zum weißen Roß" in Steinau öffentlich meiübietend verkauft werden: Fichte. 537 Stämme m. 79 Fm.
418 Stangen 1. Kl.
403 „ „ 2. Kl.
761 „ „ 3. Kl.
595 „ „ 3. Kl.
(Spitzen)
Steinau, am 21. Dez. 1917. Der Magistrat: Fink.
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Schlüchtern, 8. Januar 1918.
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