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mit Amtlichem Kreisblatl". — WichcnbciiW: Illustriertes Sonntagsblatt.
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2. Samstag, dm 5. Januar 1918. 69. Jahrgang.
Ein kaiserlicher Penjahrserlaß.
An das deutsche Heer und die deutsche Marine!
Ein Jahr schwerer, bedeutungsvoller Kämpfe ist zu Ende gegangen.
Gewaltige Schlachten, die vom Frühjahr bis zum Herbst auf belgischer und französischer Erde tobten, sind zugunsten Eurer ruhmreichen Waffen entschieden. Im Osten brächte der Angriffsgeist unseres Heeres durch wuchtige Schläge große Erfolge. Jetzt ruhen dort die Waffen. Glänzende Siege vernichteten in wenigen Tagen jahrelange Angriffsrüstungen der Italiener.
Im Zusammenwirken mit der Armee hat Meine T^e aufs neue bei kühnen Unternehmungen ihre Tatkraft bewiesen. Unbeirrt leisteten die Unterseeboote ihre schwere, wirkungsvolle Arbeit.
Voll Stolz und Bewunderung blicken wir auf die heldenmütige Schar unserer Schutztruppe.
So hat das deutsche Volk in Waffen überall, zu Lande und zu Wasser, Gewaltiges errungen.
Aber noch hoff n unsere Feinde mit Hilfe neuer Bundesgenossen Euch zu schlagen und dann für immer Deutschlands in harter Arbeit erkämpfte Weltstellung zu zertrümmern. Es wird ihnen nicht gelingen! Im Vertrauen auf unsere gerechte Sache und unsere Kraft sehen wir mit fester Zuversicht und stählernem Willen auf das Jahr 1918.
Darum vorwärts mit Gott zu neuen Taten und zu neuen Siegen!
Großes Hauptquartier, den 3p Dezember 1917.
gez. Wilhelm I. R. .
König Ludwig an den Kaiser.
München, den 1. Jan. (WTB.) Die Korrespondenz HoffmaNn meldet: Zwischen König Ludwig und dem Deutschen Kaiser hat aus Anlaß des Jahreswechsels folgender DcpeschenauStausch Pattgesundcn:
Sr. Majestät dem Kaiser:
Dir und der Kaiserin bringe ich mit Maria Therese zum Jahreswechsel die tiefempfundenen Glück- und Segenswünsche dar. Wieder geht ein Jahr der härtesten Kämpfe für Euer und unser liebes Vaterland zu Ende, erfolgreich an heldenhafter Abwehr überwältigender Uebermacht, an siegreichen Vorstößen gegen unsere Feinde, an zäher Ausdauer und Arbeit im Innern. Gleichwohl will der Wahn, Deutschland und seine Bundesgenossen niederringen zu können, bei unseren Hauptfeinden noch nicht endgiltig schwinden. Ihre Schuld ist es, wenn trotz der von uns schon vor Jahresfrist erklärten Verständigungsberütschast und trotz des Friedenswillens, der im Osten zutagetrat, das Blut- und Zerstörungswerk noch seinen Fortgang nimmt. Deutschlands Fürsten und freie Städte, das ganze Volk werden wie bisher in Einigkeit und Entschlossenheit zusammenstchen, bis uns das gute Recht auf Leben und Geltung, auf Weiterentwicklung in ehrlicher Arbeit erstritten ist. Daß dieses glückliche Ende des großen Kampfes für Deutschland und seine treuen Bundesgenossen erreicht wird, ist unsere felsenfeste Zuversicht. Gott gebe Dir und Deinem Haust hierzu seinen Schutz und Beistand.
Des Kaisers Antwort.
Kaiser Wilhelm antwortete dem König hieraus:
Herzlichen Dank und Erwiderung Eurer freundlichen Rrujahrswünsche von Viktoria und mir. Wir können mit Dank zu Gott auf das verflossene Jahr zurückblicken, das uns neben der heldenhaften Verteidigung unserer Grenzen im Verein mit unseren treuen Ver bündeten glänzende Siege und den Keim eines Friedens gegen Osten gebracht hat. Es wird uns auch im neuen Jahr in unserer gerechten Sache zur Seite stehen und den bösen Willen der Feinde, die noch immer an ihrem frevelhaften VernichtungSvorsatz festhalten, zu brechen wissen. Mit Dir vertraue ich fest auf unser deutsches Volk, daß eS auch diese letzte uns' auserlegte Prüfung bestehen, und die Palme des Sieges in diesem großem Kampfe um Freiheit und Recht bringen wird. Gott schütze Dich und Dein treues Wrycrnvolk im neuen Jahr.
(gez.) Wilhelm.
Politische Uebersicht.
■ Berlin. Staatssekretär v. Kühlmann beim Kaiser. Montag morgen nahmen beide Majestäten im Schloß Bellevne das Abendmahl. Der Kaiser hörte Generalstabsvortrag. empfing den Staatssekretär v- Kühlmann und hörte später die Vorträge des ^hefs des Marinekabinetts und des Chefs des Ad» "'tralstabes.
Berlin. Amerikas Flottenhilfc. Wie verlautet, beschränkt sich die Hilfe, die Amerika an Seestreitkräften seinen Verbündeten zur Verfügung gestellt hat, auf eine Anzahl U-Bootjäger, etwa drei Viertel des ganzen Bestandes der amerikanischen Marine. Diese Fahrzeuge sind in Queenstown Brest und auf den Azoren untergebracht. Auch für dieses Jahr ist eine wesentliche Verstärkung dieser amerikanischen Hilfe nicht zu erwarten. Kreuzer oder andere größere Seestreitkräste hat Amerika noch nicht zur Verfügung stellen können.
— Amsterdam. Das Fiasko des Holzschiff-Pro- gramms. Einem hiesigen Blatte zufolge erfährt die „Times" aus Washington; Kontreadmiral Bowles teilte in der Senatskommission für Ähiffahrtsangelegen- Heiten mit, daß der Plan, 1000 hölzerne Dampfschiffe zu bauen, undurchführbar sei, da man nicht über genug geeignetes Holz verfüge.
— Petersburg Friedenskundgebung in Petersburg. Am Sonntag fand in Petersburg eine Massenkundgebung zu Ehren des Erfolges der Friedensverhand- lungen statt. ' Die Kundgebung begann um W Uhr vormittags und dauerte bis 5 Uhr nachmittags. U. a. nahmen mehrere hunderttausend Arbeiter, Soldaten und Matrosen teil. Der Zug setzte sich von der Umgebung Petersburg aus in Bewegung. Der Newski Prospekt bildete ein Mee: unter Fahnen und Schilder mit Ausschriften. In geordneten Reihen marschierten die Arbeiter aus jeder Fabrik mit der Roten Garde an der Spitze, alle Militärs mit Musik und Waffen. Die Ukrainer, die sich in Petersburg befinden, nahmen auch an der Kundgebung teil. Die Ausschriften zeigten in der größten Mehrzahl das Vertrauen in die vollständige Aufrechterhaltung der Sowjets, die dem Lande den Frieden schenken. Insbesondere wurde ein allgemeiner demokratischer Frieden verlangt mit einem Aufruf an die. ^nUmlschLU Völker rrau ch.er Regierung die Teilnahme an den Friedensverhandlungen zu erlangen. Die Meldung der „Pet. Tel.-Ag." schließt: Die Revolutionäre zeigen dadurch eine kraftvolle Entschlossenheit, den allgemeinen Frieden und dem Sozialismus zum vollen Siege zu verhelfen. Das auf die Straße gegangene Volk richtet den letzten energischen Aufruf an die Demokraten Europas, damit sie sich der Arbeit für den allgemeinen Frieden ^»schließen. Dieser Appell muß gehört werden.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchteru, 4. Januar 1918.
—* Die Neujahrsnacht verfloß hier still. Als es 12 Uhr schlug, waren nur noch wenige Familien auf, um im engen Kreise den Beginn des neuen Jahres zu begehen. Das scheidende Jahr hatte auch zuviel Trauer und Schmerz, und Sorgen gebracht, als daß in dieser Nacht sich wie früher Jugend- und Lebenslust hätte zeigen können. Aber einen ungleich größeren Gewinn hat es uns gebracht: Die Hoffnung auf den Frieden! Deü Millionen und aber Millionen Herzen vom Herrn des Himmels erfleht haben Tag für Tag. Die Hoffnung hat noch in dem scheidenden Jahre aufblühen können und die besten Wünsche richten sich für das Neue Jahr auf das Kommen des Friedens, den die ganze Menschheit seit 1914 entbehrt. Möge sich dieser Wunsch erfüllen, daß unser deutsches Vaterland einer neuen Blütezeit entgegengehen kann und die schweren Opfer dieses Krieges reichen Segen für das schwergeprüfte deutsche Volk bringen. Das walte Gott!
- * Kino (Turnhalle). Aus die am Sonntag, den r>. ds. Monats ftattfinb.nbe Vorstellung machen wir das Publikum besonders daraus aufmerksam, dasselbe zu besuchen, da das gewählte Programm ein sehr reichhaltiges ist. (Näheres siehe Inserat in heutiger Kummer.)
* Bcamtenpersoual Nachrichten. Versetzt: der F-Pgendarmerie Wachtm ister Kielhorn von Ulmbad) nach Schlüchteru und der berittene Gendarm a. Pr. Stummer von Schlächtern nach Ulmbad).
- * Der Kreistag hat die Aufnahme einer weiteren Anleihe bis zum Betrage von 500 000 Mt. zur Deckung der Kriegsfamilien Unterstützung beschlossen
* Kein Aushang der Fahrkartenpreife. Auf die heutige Bekanntmachung der Eisenbaudirektion Frankfurt a. M sei hiermit hingewiesen. ,
* Durch die Bekanntmachung Nr. Pa. 1t>00 H. 17. K. R. A. vom 5. Januar 1918 ist die Beschlag nähme aller Mengen von Papier zur Herstellung ge siebter Papiersäcke (Sackpapier) ungeordnet. Die Be schlagnahme umfaßt Veraußerungs und Verarbeitung^ verbot. Vom 20 Januar 1918 ab darf die Veräußerung und Lieferung von Sackpapier nur gegen einen Be
zugsschein der Reichssackstelle, Berlin, erfolgen. Di Verarbeitung von beschlagnahmtem Sackpapier zur Herstellung geklebter Papiersäcke von mehr als 3 000 qcm Sackflächeninhalt bleibt zulässig. Der genaue Wortlaut der Bekanntmachung ist im amtlichen Kreis- blatt einzusehen.
* Sodeu. Der von der Ortsgruppe Soden des Heimatbundes veranstaltete Vortragsabend wurde für die Gemeindeglieder und auswärtigen Gäste, die den Kurhaussaal reichlich füllten, eine Neujahrsfeier, die einen freundlich-ernsten Charakter trug. Nach der Begrüßungsansprache des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Dr. Strünckmann hat es der bereits wohlbekannte und allverehrte Vortragende, Herr Pfarrer Nüdling aus Aufenau, verstanden, die Herzen seiner Zuhörer für die beiden hohen Begriffe und Werte zu begeistern und zu packen, die dem Leben des Einzelnen wie der Gesamtheit Wurzelkraft und Inhalt geben, — wenn sie als solche in kindlich - reiner Auffassung erkannt und hochgehalten werden; wir kennen sie als unsere Heimat und unser Vaterland. Nicht Damen und Herren, sondern seinen deutschen Brüdern und Schwestern führte der Dichter Nüdling in einer feinsinnigen Erzählung von jenem Fremdling, der wohl irgendwo geboren, doch keine Heimat hatte und sich in alten Tagen eine suchen ging, — das Unglück vor Augen, keine Heimat zu haben und dann das Glück einer von treuen Mutteraugen und -Händen wohl behüteten Kindheit im geliebten Heimatdorfe, dessen Einzelbilder, geschöpft aus dem reichen Born eigenster Erlebnisse und Eindrücke ergreifend in Gedichten zum Ausdruck kamen, nicht ohne tiefe Bewegung in den Herzen zurückzulassen. — Der zweite Teil des Vortrags rief die Erinnerung an die Augusttage des Jahres 1914 wach, als die Frauen, Mütter, Bräute und Schwestern ihre Angehörigen von Heimat, Haus und Herd hinweg hinausziehen lassen^mußterp in Not und Tod zum Schutze dieser Heimat und der Größe^s^ben^eutscheu'Dater- landes. Heiße Besorgnis um Leib und Leben, ador auch tapfere würdige Gesinnung hat Herr Pfarrer Nüdling in den wiedergegebenen Gedichten in jener Zeit der Erhebung und noch heute den Frauen tief nachempfunden. Außerdem galt insbesondere die warme Anerkennung des Heldentums unserer Feldgrauen, den Vertretern der Vaterlandsverteidiger die anwesend waren, einer Anzahl Verwundeter aus den hiesigen Lazaretten und fand ihren Widerhall bei der übrigen Zuhörerschaftz Mit einem Ausblick und warmherzigen Wünschen zum nach harten Kämpfen friedeverheißenden neuen Jahre schloß der Vortrag, dem dankbar gespendeter Beifall folgte. Herr Pfarrer Nüdling hat dankenswerter Weise einen Nachmittagsvortrag in Aussicht gestellt für die Jugendlichen, die diesmal wegen Raummangels ausgeschlossen werden mußten. Am gleichen Tage abends 8 Uhr wird der vom vorigen Jahr bereits bekannte Herr Lehrer Schehnkuch aus Offenbach einen Lichtbilder- vortrag über die Seeschlacht am -skagerak halten. Da die Ortsgruppe über eigene Mittel noch nicht verfügt, mußte für Unkosten, Saalmiete usw. Eintrittsgeld erhoben werden. Es gelangten am Neujahrsabend eine Anzahl Weihnacht?- und andere Nummern des Heimatblattes zur Verteilung zwecks Werbung neuer-Mitglieder.
* Offenbach a. M. Nachdem der Krieg infolge seiner langen Dauer große Lücken in die Reihen der technischen Berufe gerissen hat, ist es mit Freuden zu begrüßen, daß die im Reiche und den deutschen BundeS- staaten anerkannten Baugewerk- und Maschinenbau schulen der Technische» Lehranstalten Offenbach.am Main die Ausbildung von Technikern, trotz verschiedener Einschränkungen auch im nächsten Sommersemester fort« sehen können und besonders die technische BcrufsailSbil- dung Kriegsbeschädigter pflegen. Gelernten schloßern, sowie Angehörigen des Baugewerbes, die infolge ihrer Beschädigung ihrer früheren Tätigkeit nicht mehr nach gehen können, ist daher falls sie entsprechende Begabung zeigen, beste Gelegenheit zur Einschulung in einen neuen Beruf geboten.
* Oberfoübad). Ein überoascheudeS Ereignis wurde hier dem Landwirt und Gemeinderechner Schmidt oitrü Eine Kuh desselben warf drei gesunde und muntere Kälber, ein Fall, der gewiß zur Seltenheit gehört.
Bieder. Nach einer Truppenschau im Westen hielt Se. Majestät der Kaiser in einer größeren Stadt am 23. ds. einen FeldgotteSdienst ab. Anschließend an diesen verteilte er eine Anzahl Eiserne Kreuze., Zu den AuSzuzeichnenden war auch der Obergcndarm Heinr. Wachmann ' aus Bieber befohlen. Nach Uebergäbe des Eisernen Kreuzes sprach der Kaiser in leutfeligner Ubeur Lachmann an, erkundigte sich, wo L. stationiert sei und wußte sofort, daß Bieder in der Nähe von «chUtz gelegen ist. Er frug L., ob er den verstorbenen Grasen