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rilit Amtlichen! Kreisblatt". — Wochellbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,80 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum ^5 Pfg
Mittwoch, den 2. Januar 1918.
69. Jahrgang.
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werden Bestellungen auf die
„Schlüchterner Zeitung"
mit amtlichem „Kreisblatt"
von allen Postanstalten, Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
lilCÄBea'frö finden in der Schlüchterner
Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches
Betr. Drufchlisteu.
I. Nr. 11298 K G. Ich ersuche die
Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher die Druschlisten sofort hierher einz,«senden, und erwarte deren Eingang spätestens am 3. Januar
Schlüchtern, den 31. Dezember 1917.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Zum neuen ^ahre.
Und wieder kam die Mitternacht, Da um die große Mutter Sonne
=-&!#- Et-de ihren Lauf vollbracht'
„Was wird uns bringen dieses neue Jahr, Wird wohl geschehen, was noch niemals war? Steigt zu uns nieder mit dem Strahlenblick Das vielgehoffte, heißersehnte Glück?"......
„Glück? Was ist Glück? Der Jugend Traumgesicht!
Nein — um Fantome bitten mir dich nicht, Du neues Jahr! — Wenn du rastlosem Streben, Des Geistes Mühen den Erfolg willst geben, Der kommenden Geschlechtern Segen bringt Und Anerkennung auch für uns erringt, Dann gleichst du aus, was wir.so lang' erduldet Giebst endlich, was das Leben uns noch schuldet!
„Euch schuldet ? O, wer so noch rechten kann, Dem rauschet nicht der volle Strom des Lebens Sein Lied von Tatkraft, frischem Mut vergebens! Nimm fort die Last, die Geist und Körper bindet Und immer wieder and're Qualen findet, O, neues Jahr! Gesundheit gieb zurück - Was fragt der Kranke nach Erfolg und Glück? Nur mit dem Wunsch „Gesundheil" naht die Schaar Der Schmerzgewohnten neu erstand'nem Jahr!".....
Von Königsthronen, aus der Aerwsten Hütte, Der Trauernden und der Zufried'nen Mitte Drängt Wunsch auf Wunsch nach zwölftem
Glockenschlage
Hin zu des jungen Jahres erstem Tage! — - Und froh erstaunt, wie Kinderangen schauen Nimmt Bitten, Flehen und Vertrauen Der Erde jugendlicher König an:
„Ich will den strahlenden Smard Euch reichen, Der meine Krone ziert, zum guten Zeichen, Wie aller Wünschen mir zum Herzen drang! Die Hoffnung werd' ich zu Euch niedersenden, Und kann sie Gottes Wille auch nicht wenden Sie leuchtet Euch auf dunklen Lebenswegen Doch einem gottgewollten Ziel entgegen!"
Jemmette gramer.
Das vierte Arigsneujahr,
(Zur Jahreswende.)
Um die Wende des Jahres war der deutsche Kaiser bei seinen Soldaten an der Westsront, um ihnen aus überströmendem Herzen zu danken für die beispiellose Tapferkeit, mit der sie den Ansturm der Engländer und Franzosen gebrochen und, von der Defensive zur Offensive übergebend, den Briten bZ Eambrai eine schwere Niederlage befrachten. Mit Recht betonte unser Kaiser, daß die Weltgeschichte auf keinem Blatt Größeres und Ueberwältigenderes zu verzeichnen habe, als was unsere Westtruppen, ein Bruchteil des deutschen Heeres, geleistet haben gegen die gesamten Heere der Engländer, Franzosen und ihrer Hilfstruppen, die noch dazu ausgerüstet sind mit einer Gold- und Slahlriistung, an der der Reichtum der halben Welt schmiedete, während Deutschland sich ganz allein seine M inneskrafl schuf und die Karren für die Hände feiner tooesmmigen Vater- landskämpfer. Aber da unsere Westkämpfer den Hauptfeind und seine Klientel sestbannten, gaben sie unseren Ostkämpsern Gelegenheit, die Gefahr aus d.m Osten zerschellen zu lassen, den russischen Koloß zu zertrümmern und dein Frieden eine Einlaßpforte in die kriegserschöpste Welt zu brechen — und mit den tapferen Verbündeten den Italienern einen Denkzettel zu geben, wie ihn sich der Römer heiliger Banditenegoismus wohl nie er- träumt hatte „Einheitlich geführt, schlügt das deutsche Volk auch einheitlich," sagte unser Kaiser, als er den Westtruppen den Dank Hindenburgs übermittelte.
Das vierte Kriegsjahr! Wer hätte bei Kriegsans- bruch zu prophezeien gewagt, daß vier Winter hindurch sich d^ Völker gegenseitig zerfleischen würden, wer hätte voraussagen mögen, daß deutsche Kraft vier Winter hindurch die Hablast der halben Welt zu tragen imstande wäre, sich ^ nähren und zu wehren vermöchte gegen Englands Abschnürungstaktik und die zehnfache Waffen- übermacht- Da es uns gelungen ist, dürfen wir mit stolzer D^ut wie unser Kaiser sagen, „daß das deutsche Volk einen unbedingt sicheren Verbündeten in dem
Herrn der Heerscharen dort oben hat, auf den eS sich bombenfest verlassen kann, ohne den es nicht gegangen wäre." Nach Jahrtausenden spricht die Welt noch voll höchster Bemundernng von den Taten der Griechen gegen die Perser, von denen der Römer gegen die Völker Europas, Asiens und Afrikas — was sind sie, verglichen mit den Taten unserer deutschen Truppen gegen die der Briten, Franzosen, Muffen, Japaner, Portugiesen, Amerikaner, Kanader, Australier, Inder, und wie alle die braunen, schwarzen, gelben und weißen Heloten der Entente heißen. Der Grieche besiegte Splitter der verweichlichten Perser, der Römer unter warf schlecht bewaffnete Barbarenvölker durch seine überlegene Kampftzsausrüstung, der Deutsche stand ganz auf eigene Kraft angewiesen Rivalen gegenüber, die ihm an Zahl, an KampfeSmitteln überlegen waren, die tapfer stritten, aber unterliegen mußten, weil gegen die helle Tugend deutscher Vaterlandsliebe und Gottvertrauen die dunkle Tugend der Eroberungssucht und Gewinngier bei den Feinden nicht standzuhatten vermochte. Ueber drei Jahre haben wir gesümpft, gedarbt, gelitten Schlappen ertragen, aber immer wieder gesiegt, haben die letzte unserer Kolonien verloren, und allein Held Lettoiv-Vorbeck kämpst noch in Afrika auf portugiesischem Gebiet unter der schwarz-weiß-roten Fahne, durch zehnfache llebermacht zurückgedrängt, aber unbesiegt. Die Engländer haben an der Peripherie des gewaltigen, erdumspannenden Kampfkreises Vorteile errungen; sie haben die Komödie von Jerusalem aufgeführt, aber wir schlugen drei Königreiche in Trümmer und das vierte »vankt auch schon; wir befreiten den russischen Riesen, der uns umgarnen wollte, nach schweren Schlachten ay3 den eigenen Fesseln und sitzen mit ihm in Brest-Litowsk am Tisch des Friedens. Belgien fiel, von Frankreichs Gauen liegt der beste Teil fest in unserer Hand und durch die tapfere Weawchr arm es wie ein. ~
rung von Morgenluft" — sie hat da feste Gefühl, im neuen Jahre nicht mehr allein auf eigene Kraft trotzen zu brauchen, sondern mit neuer Kraft aus dem Osten dem verhaßten Feind ins hochinütige Herz stoßen zu können — wenn er es nicht anders will Das Kaiserwort voin Wittern bet Morgenluft wird uns ein zuversichtlicher Führer ins neue Jahr hinein sein. Unsere U-Boote nagen weiter am Lebensmark der stolzen Briten, selbst durch die hochtrabenden Reden des Lloyd George klappert die bange Angst, die nur das Schellen geläut der amerikanischen Hoffnung noch übertönt. In Frankreich wächst die Kriegsmüdigkeit rapid, und in Elmeneeaus Zerschmetterungsgekräh klingt für Galliens Herrscher mißiönig hinein (iatiaur' Verteidigungs-. rede, die längst mehr Angriff als Verteidigung ward. Schon scharen sich um Eaillaur die Totengräber Clemeneeau's, wie in Italien um die Avantileute die Totengräber der Sonnino. Was geschieht in Portugal, was in Griechenland? Ueberall dürfen wir Deutschen aus der Moderluft Morgenluft wittern. Australien hat troh der Frauenstimmen, die „schützengrabenfrei" sich für b'c allgemeine Wehrpflicht aussprachen, diese
In eiserner Zeit.
KriegSroman von Charlotte Wildert. W
Er reichte Frau Gertrude die Hand. „Geralde erhäsche ich noch einige Sekunden Zeit, um Ihnen, hochverehrte Frau, ein „Lebewohl" sagen zu können. Doch, sehe ich recht, Sie weinen? Sehen Sie doch Ihren Herrn Gemahl, die ganze Erscheinung flößt einem schon Mut «in. Seien Sie stolz, doch weinen Sie nicht, gnädig« Frau." Er küßte ihr ehrerbietig die Hand, dann trat er zu Willi Er stutzte, als er in ihr bleiches, tränenüber« strömtes Gestchtchen sah.
Frau Gertrud« schritt still und tränenden Auge« davon, sie fühlte und wußte, das war ein harter, schmerzlicher Moment im Leben ihres KindeS.
„Fräulein LilliI" Er faßte nach ihrer Hand und preßte sie in der Seinen. Zinn ersten Mal, daß er sie beim Vornamen nannte Wie klang das so lieb, so traut. Sie schlug die schönen Augen voll »u ihm auf, seinem Blicke begegnend. Da ertönte schrill und schneidend der Pfiff 'der Lokomotiv«, der letzte Befehl zum Einsleigen. Lilli wollte etwas sagen, aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Fester preßte Philipp di« zart« Hand des Mädchen«. Tief, forschend sah er ihr in die Augen. „Fräulein Lilli, denken Sie öfter an mich, beten Sie auch für mich. Leben Sie wohl l" Er wollt« gehen, da hielt e« da« gequälte Mädchen nicht länger, sie brach in fassungsloses Schluchzen auB. Er zuckte zusammen, wandle sich zurück und plötzlich nahm er ihr leise die Hände vom Gesicht, zog sie leise, bebend an seine Brust, ein nie geahnte«, jubelnde« Glücksgefühl durchzog seine Brust, an der Lilli schluchzend ihr Köpfchen barg. Er hob das liebe Gesicht zu sich empor, er sah ihr in seligem Glück in die klaren Blauaugen. „Lilli - Mädchen — sage — liebst Du mich?" Ein Blick au« ihren Augen sagte ihm alle« Aufjauchzend preßte * sie an sich. „Lilli - Lilli - Du holde«, süß«« MÜd-
chen, Du — Du liebst wich wirklich? O, das ist das schönste Abschiedsgeschenk für den abziehenden Krieger, so nebin ich denn als Talisman Deine treue, goldene Liebe mit in die Schlacht, ins Feld. O Du mein Glück, mein Lieb." Im langem, innigen Kusse fanden sich ihre Lippen, glückberauscht hielt er sie in seinen Armen. „Wenn ich wiederkomme, mein Lieb, dann — dann komme ich und bann gibst Du mir diese kleine, süße Hand — für immer, ja?"
„Ja, mein Geliebter, für immer soll sie Dein, mit Dein fein, meine Hand und mein Herz!" So flüsterte Lilli jubelnd vor seligem Liebesglück.
„Noch einen Kuß, mein Lieb, ich muß scheiden, schei- den, lebe wohl, meine Lilli, mein Glück, mein Engel, lebe wohl! Auf Wiedersehen!"
Das waren feine letzten Worte. Sie stand da, mit geschlossenen Augen, fühlte noch den letzten Kuß auf ihren zuckenden Lippen.
Fauchend, zischend, eine ungeheure Rauchwolke aus. stoßeild, setzte die Lokomotive an, ein hundertfaches „Hurra" und langsam fährt der Zug davon.
„Komm, mein Kind, winke doch noch einmal! Komm!
Wie aus einem Traum erwacht, schaute sie auf und mit ihrem Keinen Taschentuch winkte sie dein dahw- rollenbeii Zuge nach, biß er, in Rauch und Qualm gehüllt. in der Ferne verschwand.
12. Kapitel.
Sie hatten tapfer gesümpft, die braven, tapferen Deutschen. ES hatte viele huiidert Opfer gekostet, die Erde >var mit Blnt getränkt — aber sie siegten. Sie schlugen den Feind, der ohuedie« noch Berstarkuug hatte, gläiyenb in die Flucht.
Besonders die „Garde du corpS" hatten sich glau- »end heroorgetau. Wie di« Teufel stürmten sie drauflos, teilt Hiliderni« scheuend, nicht ivaukeud und md)t wel- dienb: Trotz, MumleSmut, Lebeiisverachtwig m deu markig«», glühenden Gesichter,,. Allen voran, auf seinem ^u^ft HU hpchg«lchwungen«,n Säbel, öeutnaut Gor-
bis. Hei, wie die Augen des jungen Recken blitzten, wie die Wangen glühten, der Helin war ihin oom Kopfe ge« rissen, der Wind wühtte in dein blonden, lockigen Haar. Mit kernigen Worten feine Sotdaten anfeuernd, stürmte er mitten in das furchtbarste Kanipfgeivühl hinein, ihin nach mit lautem „Hurra" die L-oldaten! »Los! Jmi» aens macht Enerw Vaterland Ehre! Los! Mir nach!
Phili von GordiS rief es immer wieder mit schallender, frischer Stimme seinen Leuten zu. Dort den kleinen Hügel, der dicht besetzt von Feinden ivar, den mußten sie haben, um jeden Preis. Mann an Mann standen die Rothosen da oben, wie gesät, dichtbeieinander. Es mürbe ein schwieriges Stück Arbeit geben, aber eß
muß gehen.
„Zur Atlackej! LoSk Nieder mit der Bandet LoS! Hurra! Hurra!" Mit flanimenden Augen rief e« Leutnant Gordis feinen Soldaten zu.
Und sie stürmten hinauf ihrem Führer nach, der in wildem Galopp voranfauste. Ein dichter Regen von feindlichen Kugeln empfing sie. Wie rasend lchoffen bie Franzosen auf die „manvais Pcnsstens", die aber ge. manuell Stück um Stück, und immer naher rückten 1«
„Hurra, Kameraden I So weiter I Er muß unser wer- den. Hurra I Los I"
ffiin lautes, donnerndes „Hurra" auß den Kehlen feiner todesmutigen Mannschaft antwortete ihm auf seine feurigen, ermunternden Worte. Da — plötzlich — entfiel Phili von Gordis der Säbel, die Hände griffen nach der Brust, ein kurzer, röchelnder Schrei und lautlos sank der brave Offizier vom Sattel. In denileiben Moment traf ein französisches Geschoß baS Pferd Gor- biß in den Leib. Wie rasend bäumte es sich am, weißer Schaum trat vor baß Maul, auß den blähenden Austern trat Blnt, das brave Tier krümmte und bog mt) vor Qnal, die di« in den Gedärmen wühlende Kuge^ ihm verursacht«.