Telefon 65.
//
Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1140Ä ::
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich j,50
Telefon 65,
die kleine Zeile oder deren Raum J2 Pfg .
X97
Mittwoch, den 5. Dezember 1917
68. I
Amtlicher
J.-Nr. 1228 V. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher zu Breitenbach, C^ckardroth, Hundsrück, Kerbersdorf, Kressenbach, Oberzell, Sarrod, Reinhards, Seidenroth, -Vollmerz, Wallroth, Weichersbach und Mntersbach werden ersucht, die bei ihnen umgetauschten uuittung§farten alsbald an die Landesversicherungs- anftalt in Caffel einzusenden.
Schlüchtern, den 29. November 1917.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts _________ J. V. Schultheis.
J-Nr. 12458. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Verfügung vom 29. Oktober ds. Js. J.-Nr. 10941 Schlüchterner Zeitung Nr. 87 betr. Anmeldung des Bedarfs an Fischereischetne, noch int Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Erledigung erinnert
17. chulthets.
Abschrift zu K. 742.
Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke.
Vom 12. Juli 1917.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 14 Nr. 1 des Münzgesetzes vom 1. Juni 1903 (Reichsgesetzbl. S. 507) und des § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichsgesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen:
§ 1. Die Zweimarkstücke sind einzuziehen. Sie gelten vom 1. Januar 1918 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Von diesem Zeitpunkt ab ist außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.
§ 2. Bis zum 1. Juli 1918 werden Zweimark- ßiicke bei den Reichs- und Landeskaffen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Retchsbanknoten, Reichskassenscheine oder DarlchnS- kassenscheine umgetauscht.
§ 3. Die Verpflichtung zur Annahme und zuni Umtausch (§ 2) findet auch durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung.
§ 4. Der Reichskanzler wird ermächtigt, Ausnahmen zu gestatten.
§ 5. Aus die in Form von Denkmünzen geprägten Zweimarkstücke finden die Vorschriften dieser Verordnung Mne Anwendung.
Berlin, den 12 Juli 1917.
Der Reichskanzler.
J. V. gez. Graf von Roedern.
In eiserner Zeit.
ten her- leg. «s es gäbe
Kriegsroman von Charlotte Wildert. 88
Nun hatte «r zu entscheiden zwischen Pflicht und Liebe. Das waren zwei heftige, hartnäckige Gegner, die °a in seiner Brust tobten, ein heißes, wildeS Kämpfen, -iervös fuhr der Graf sich an die Stirn, erregt aus- Menb: „Zum Kuckuck ! Da kann ja der gesundest« Mensch verrückt werden! Den ganzen Tag von Morgens bis Abends die schönsten Aufregungen. -*• DaS ist doch ein v'schen übertrieben I Fort jetzt mit allen dummen quälenden Gedanken, eS ist unsinnig, "'"Suplaaen, daS Schicksal läuft v Narrheit, daran überhaupt nur
enien Grund, der mich zwänge mit Liane abzubrech«»l; Unsinn! Ich bin mit ihr offiziell verlobt und sie mird 7-, meine Frau! Da gebietet ebensogut die Pflicht wie °ei Tante Wanda. Wenn ich einem Weibe. daS ich liebe, »leinen Ring, mein Wort gegeben habe, so ist eS eben- meine Pflicht, mein Wort zu halten; anders, wenn »ungende Gründe daran hindern. Aber Tante Wan- Eingenommenheit gegen Liane, ihr Dünkel, ist fein wiunb — nein — ich lasse mich nicht wie ein Schulbube Arechtstutzen und ebensowenig dulde ich, daß man meine „ »lit in so fortgesetzter Weise beleidigt. Ha. «S gibt »uch Gründe, Tante Wanda, die all« inneren Beziehun- D sogar Blutsverwandtschaft ber Menschen, gegen- zu nichte machen, sie mit einem Schlage aufliksen. Du so willst, so haben wir Beide denn dies« «ninde, und sind uns fortan fremd, seelisch fremb. Eher - al» daß ich dar Weib, dem ich mein Wort gege. das ich liebe über alles, verlasse, daß ich mich unb £ Su kranken, unglücklichen, elenden Menschen Mache. : war er im Zimmer auf und ab geschritten, ein > mevuxx, eherner Zug der festen Entschlossenheit auf ' «^^"^Men, männlichen Zügen. Jetzt, mit einem > Web er vor dem Schreibtische stehen, seine Aggep
Handel mit Wild betreffend.
Die Herren Jagdpächter ersuche ich, der Einkaufsstelle hier in Zukunft die Stückzahl des Jagdergebnisses bei jeder einzelnen Jagd sofort nach Bekanntsein telefonisch mitzuteilen.
Schlüchtern, den 30. November 1917.
Der Landrat von Trott zu Solz.
Betr.: Beschlagnahme der Bic'degaruenden.
Im Anschluß an meine Kreisblattverfügung vom 3. August 1917 Kreisblatt Nr. 63 wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß als Hauptsammelstelle für die Ablieferung der Bindegarnenden die An und Verkauss- gesellschaft Hessenland in Caffel bestimmt worden ist. Die Ablieferung der gesammelten Enden ist sofort zu veranlaffen und mir bis spätestens 10. Dezember b. I. die Menge der abgelieferten Enden mitzuteilen, wobei anzugeben ist, für welche Menge Gegenlieferung beansprucht wird. (Siehe obige Kreisblattoerfügung).
Von dem Anspruch der Gegenlieferung ersuche ich weitgehendst Gebrauch zu machen.
Schlüchtern, den 30. November 1917. von Trott zu Solz.
J. Nr. 5932 N^ JM-
wird ein
Auch für das Jahr R-tev Kveuz - Malende?
herausgegeben. Preis 4.— Mk
Der Kalender, dessen Schriftleitung wieberum der Hausbibliothekar Seiner Majestät des Kaisers, Dr. Bogdan Krieger, übernommen hat, ist der Erinnerung an die Ereignisse des dritten Kriegsjahres gewidmet.
162 in Kunsttiefdruck ausgeführte aus der photo- graphischen Kriegssammlung Seiner Majestät des Kaisers gewählte Bilder mit erläuternden Dichtungen und geschichtlichem Text werden bedeutungsvolle Geschchntffe im Feindesland und in der Heimat würdigen.
Das Deckblatt des Kalenders, nach einer Zeichnung von Professor E. Doepler d. I., wird eine Wiedergabe des Kaiserin Statuette von Limburg mit einer Nachbildung der Handschrift Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zeigen, die von der Hohen Schutzherrin des Deutschen Roten Kreuzes zur Verfügung gestellt worden ist.
Die in künstlerischer Ausführung beigefügten Bildnisse der Deutschen Bundesfüfften und Bürgermeister der Freien und Hansestädte mit Nachbildungen ihrer eigens für diesen Zweck gewidmeten Unterschriften und Gleichworte werden dem Kalender zur weiteren Zierde gereichen.
Bestellungen werden von unserem Geschäftsführer Sekretär Schäfer entgegengenommen.
Schlüchtern, den 3. Dezember 19i7.
Für die beiden Vereine vom Roten Kreuz, von Trott zu Solz, Landrat.
starrten wie im Traum nach jener Rolle, zitternd, bebend griffen seine Finger danach. „Himmel — das ist ja der gestohlene Festmigsplan!" Wie tarn ber Plan, den er heute Morgen mit dem Kommissar Greif gesucht hatte, plötzlich auf seinen Schreibtisch, frank und frei, grad' vorn auf die Platte? Sollte etwa Greif — ach was, dann hätte man ihn benachrichtigt. Aber wo denn in aller Welt kommt das Ding her? Ich steh'vor einem Rätsel. Von der Dienerschaft kann ihn doch keiner gestohlen haben, nein, ich kenne meine Lente„ sie sind alle treu wie Gold. Und dann hätt«, wäre der Dieb unter ihnen, derselbe doch sicher nicht den Weg dnrchö Fenster Renommen. Nein, nein, das kann ich nun nicht ver- eben, da geht wa» nicht mit rechten Dingen zu. Da soll doch gleich
Schon wollte er nach der elektrischen Hansglocke greifen, um Johanne herbeizuritfen, als sein Sites plötzlich auf daS kleine Kuvert fiel, das neben dem Plan lag. Erstaunt griff er danach und öffnete es begierig, es war der Brief Liane Stgrtells und der beigelegte Brief Philipp von Gordis.
Während Graf Brixdorf las, erbleichte er jäh, finster «sich die dunklen Brauen zusammen; di« Hand, die rief hielt, zitterte, aufstöhnend sank er zuletzt auf einen Sessel nieder. Die furchtbare Erkeuntnis, die ihm di« wenigen Worte dort auf dem dufteudeu, weißen Papier, die ihm so kalt, so erbarmungslos entgegen- starrtest, brachten, raubten ihm fast die Besinnung. Schwer sank der Kopf auf d.e äsende, keuchende Brust, ,8 schien, als erschüttere ein Schluchze.» bte kräftige,
er filmte mit ihm die seelische $er
So saß er noch, als wenige Minuten später der Kri- minalkommissar Greif ins Zimmer trat. Betroffen stand Greif vor ihm. Ihm tat der Mann, der stolze, reiche Graf Brixdorf leid, er fühlte mit ihm die seelische Zerrüttung, die dies« furchbare, grausame Wahrheiten ihm sMM ^ Mk>"
Bestellungen auf Saatmais für Frühjahr 1918 werden entgegen genommen. Die Einzelbestellungen sind jedoch an die Bürgermeister zu richten und von diesen gemeindeweise gesammelt bis spätestens 1?. Dezember hierher ein zur eichen.
Schlüchtern, den 4. Dezember 1917.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Flattert da eine Friedenstaube?
Wer das Herz eines Tigers hätte und den Mut eines Löwen, er müßte heute der Welt den Frieden ersehnen, wenn er auf das furchtbare Bild schaut, das mit dem Blut von Millionen gemalt der Weltkrieg vor uns ausstellt. Mit Waffen zerfleischen sich die Gottessöhne, gegen die des Adlers Krallen, bet Giftzahn der Schlange sich ausnehmen wie zahme Lämmerwaffen-. „Von wo wird der Frieden kommen?" seufzt die Welt. „Aber nur einen Frieden können wir brauchen, der uns die Sicherheit gibt, daß wir nicht noch einmal durch Albions Tücke aus tiefstem Arbeltsftteden zum Kamps auf Leben und Tod gegen Ueberzahl der Feinde aufgescheucht werden," sagt der Deutsche und hält sein blinkendes Siegesschwert abmehrbereit nach West und Ost.
Was unsere Feinde unter King Edwards lang- händiger Führung mit uns vorhatten, zeigen die Geheim- verträge, die jetzt der russische Vulkan aus der Dunkelheit der Lügendiplomatie ans Helle Tageslicht schleuderte. Aufteilen wollen sie uns, uns entmannen, aus Preußen- Deutschland wieder einen Spielball der eroberungs lüsternen Nachbarn machen. Potsdam sollte vom Erdboden verschwinden, Weimar wollte man uns gnädigst lassen. Der deutsche Michel aber weiß, daß Weimar nur unter dem Hort Potsdams zu blühen vermag. Clemenceau erbettelte sich dasLcrtraucmder MUosischen Kammer durch die Phrase, Deutschland muffe für ewige Zeiten aus der Gesellschaft der Völker ausgestrichen werden, und Lloyd George festigte seinen durch die Pariser Wahrheitsrede arg ins Wanken gekommenen Premierseffel dadurch wieder, daß er in London versicherte, bei deutsche Handel und die deutsche Industrie muffe für immer ausgerottet werden. Wir wissen jetzt also ganz genau, was unsere Feinde mit uns im Sinne haben und wissen damit, was wir zu tun haben, wenn wir leben, wenn wir die Ehre des deutschen Namens nicht in den Schmutz stoßen lasten wollen. Während aber Clemenceau und Lloyd George unter Wilsons Druck ihre Phrasenstoßgebete gegen Deutschland Herleiern, schlug Hindenburg Italien zu Boden, nanben Splitter der deutschen Wehrmacht gegen Albions ganzes stolzes Flandernheer aus der Wacht und gaben für Englands Blutstromzoll nur.dürftige Schritte des langen Weges zu unseren U-Bootstützpunkten preis. Nie wird England das erreichen, was es längst als die Lösung seiner Lebensaufgabe erkannt hat. Wohl kämpft es aus der
Erschrocken zuckte dieser zusammen. Erhob das Haupt und sah zu Greif auf.
Fast wäre dieser znrückgewichem War das der le« heusfrohe Graf von Brixdorf? Nein, das war ein geal* teter, gebrochener Mann, der da, wie in einer fremden Welt, ihm entgegen starrte.
Der Graf stand auf, dumpfe Resignation auf den Zügen, reichte er dem Kommissar die Hand, und gab ihm ohne ein Wort der Erklärung das Schreiben Liane's, dann fiel er wieder in seinen Sessel zurück, schweigend, brütend vor sich hinstarrend. 235,18*
Greif laS rasch die wenigen Worte, die das unglück- liche Weib an den Mann, der das Opfer ihres Betrugs geworden, geschrieben: „Verzeihen Sie einer Unglücklichen, die nicht wert ist, daß ihr Name über Ihre Lippen kommt. Ihr Freund, Graf Gordis, hat mir mitge* teilt, daß Sie, um meine Ehre zu decken, im Duell geblutet haben. Das konnte ich nicht länger tragen, ich muß Ihnen nun, nachdem ich Ihre ganze Hochherzigkeit und Liebe gesehen, meine furchtbare Schuld gestehen "
„Ich habe Sie betrogen — schändlich betrogen — ich mußte es tun. Ich stahl Ihnen die Festungspläne, sie hatten hohen Wert für mich, ich war — Spioni»! O Gott! ■ verzeihen Sie mir. Ich will ja bilden, büßen für meine Schuld, ich bringe Ihnen den Plan zurück, um an Ihnen einigermaßen wieder gut zu machen, was ich getan — tun mußte. O, wenn Sie alles wüßten, was ich aus meinem gequälten, elenden Herzen Ihnen zu sagen hatte, aber ich darf nicht, ich bin eine Sklavin. O, verfluchen Sie mich nicht, vergeben Sie einer Unglücklichen, die, vom Leben betrogen, Ruhe sucht. Ich hätte Sie an Ihrer Hand gefunden, ich wäre anfgestandru zu einem neuen, wahren Leben, aber es war zu spät, ich mußte in den Abgrund, der vor mir gähnte, hinein, es war zu spät. Nun suche ich die selige, süße Ruhe im tob, dort finde ich sie! Leben Sie wohl, Graf Brixdorf, »ergeben Sie mir und vergessen Sie ein unglückliches Weib, das seine Schuld mit dem Tode bezahlt hat! Liane StarleU.?