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Postscheckkonto Frankfurt a. M 11408
Telefon 65.
Erscheint Alittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich (,50 illf. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum \2 Pfg
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Samstag, den 1. Dezember 19-7.
68. Jahrgang.
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Betr.: Broipreife.
| Nr. 10287 K G. In Abänderung der Anordnung im 12. Oktober 1917 (Schlüchterner Zeitung Nr. 83 M 17. Oktober 1917) wird mit Wirkung vom 1. iezcmber d. Js. ab der Höchstpreis
für ein 4 Pfund Laib Roggen L-Brot auf 70 Pfg.
für ein 100 Gramm Brötchen
auf 6 Pfg. .
ST Diese Preise sind Höchstpreise im Sinne der gesetz l& ^en Bestimmungen. Ihre Überschreitung-wird bestraft.
Schlüchtern, den 29. November 1917.
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Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses, von Trott zu Solz.
Betr. :• Mühleuschlietzung.
W-Nr. 10230 K. G. liier Adam Stoppel
Ich gebe bekannt, daß demk
Stoppel in Elm wegen Mehrannahme
in Frucht über die durch Wahlscheine zugelassene Menge Iii drei Monate bte Mühle geschloffen worden ist. Die Zt. in der Mühle befindliche Frucht kann — soweit ß möglich ist — bis längstens 5. Dezember noch
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:tzemahlen werden.
Den Landwirten Reinhard Hagemann Elm, Johaiine?
chilann - Elm, Hch- Weigand-Elm ist, weil sie mehr nicht als der Wahlschein erlaubte in die Mühle ge- chi haben, die Selbstversorgung für 3 Monate izogen worden.
Schlüchtern, den 27. November 1917.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses, von Trott zu Solz.
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6t in b Tgb. Nr. 23609/6524.
Betr. Brieftaube».
Das stellv. Genemlkonimando nimmt Veranlassung if den hohen Wert der Brieftaubeu, die sich in den Wtoi Kämpfen der letzten Monate^D' ,V »richtSÜL.
«M der Heeresvermallung an Brieftauben ist fort- >uernd ein starker.
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Eine nennenswerte Schädigung der Saaten tritt ich Tauben nicht ein. Die Interessen des Heeres ’ der Aufzucht eines gesunden Nachwuchses an Brief- ^en find etwaigen kleineren wirtschaftlichen Benach- lilzungen voranzusetzen. Demgemäß sind Tauben- ^rcen auf das Aeußerste einzuschränken.
Durch Kaiserliche Verordnung vom 23. September ^1 sReichsgesetzblatt Seite 425) sind alle gesetzlichen Meisten, die das Töten und Einfängen fremder mben gestatten, für das Reichsgebiet außer Kraft *ta worden.
Diese Verordnung wird wiederholt in Erinnerung Mt und gleichzeitig im Internst! der öffentlichen icherheit das Absch'"ßen von Tauben aller Art -£i auch Wnb etwaiger *e abenspecren — verboten.
Kriegsroman von Charlotte Wildert.
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bitte,
"Herr Kommissar," rief der Schutzmann leise, Sie hier, einen unkuvertierwn Brief. Sollte der Lichtvoll Belang sein? Anscheinend ist er noch nicht W geschrieben."
.Donnerschlag j Na, geben Sie mal das Dings her." Der Beaiute'reichte'dem Komiuissar den Brief und M las nun die letzten Worte, die Liane Startell an rto Mann gerichtet. Finster war sein Gesicht als er ™6, und erregt fuhr er immer wieber mit der Haud T die Stirn.' „Da!" stieß er plötzlich aus. „Hier ist Mission zu Ende, hier hat das Schicksal uns vor- Lesen Sie rasch, unb dann zu dem Mörder!"
> Der Polizist ergriff das Blatt und las mit bestürzter Z^ die mit zitternder Hand geschriebenen Worte: Du diese Zeilen liest) Henry Startell, dann der Tod mit seinem starken Arm mich. Deiner Herr- ^entrissen. Als Du mich vor 4 Jahre», durch Trug List, locktest, und ich, geblendet vom Reichtum und 1|loen eilten Weltfremden, Dein Weib wurde, ahute daß das Leben mid) so betrügen würde. Du ' ' dm Kontrakt mit der französischen Regierung -'Flossen, Du leistetest für klingendes Gold Spro- ^wnfte — unb ich — war Deine Helferin. Ich tat ' M weil mich die abenteuerlichen Diebstähle interes- M später zwangest Du mich dazu. Ich nutzte mir .Tänzerin in ersten Gesellschaftskreisen Zutntt ver- » unb dies gelang mir. Ich mußte Alex von heldt betrügen, weil Du glaubtest, wertvolle Papiere M'» feinem Besitz. Du hast Dich getäuscht und die W kam an Graf Brixdorf. Du weißt, daß alles in i bch dagegen sträubte, diesen Mann zu huitergehen. ',?u>Eest mich, ich folgte Dir und betrog nnd be- 0 . den Mann, der an mich glaubte unb mich liebte, «m höheres Wese»l.
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Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre, beim Vorliegen mildernder Unkstände mit Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. (§ 9 b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juli 1851).
Frankfurt a. M, den 14. November 1917.
18. Armeekorps. Stelln. Genkralkvmmaudo.
Betr.: Höchstpreiss für Schweine.
Auf Anordnung des Herrn Staatssekretärs des KriegSernährungSamtes werden zu dem Einheitspreise
von 78 Mark
für 50 Kg. Lebendgewicht in helf
Kreisen des Regierungs - Bezirks Cassel mit Ausschluß der Kreise Gersfeld, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau Stadr und Land, bezw. von 79 Mark — in den zuletzt genannten Kreisen folgende Zuschläge bis zum 15. Januar 1918 bei Schweinen
im Gewicht von mehr als 15—30 Kg. 18 Mk .
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für das Stück gezahlt
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30-45 Kq. 14 Mk.
45 60 Kg. 14 Mk.
60-75 Kg. 6 Mk.
Es kosten also z B. 1 Schwein
Gewicht von 30 Kg., das im Kreise Cassel gekauft ist, 60 mal 0,78 = 46,80 Mk. '
Zuschlag
18,- Mk
Die
Sa, 64,80 Mk. vorstehenden Preise treten am Montag, den
26. November 1917 in Kraft.
Cassel, den 23. November 1917.
Bezirksfleischstelle
Der Vorsitzende: gez. v. Pappenheim. * *
Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 26. November 1917.
Au die Sammler von Frischobst
für- die Frankfurter Lazarette.
Unsere Bitten Hab^n einen schönen Erfolg gehabt. Es ist aber nicht direkt zu senden. Die Intendantur des Generalkommandos läßt es vielmehr in den von Schlüchtern entfernter liegenden Ortschaften durch Soldaten abholen. Nach Schlüchtern kommt ein Lastauto. Wir bitten die nahegelegenen Gemeinden um sofortige Ablieferung des gesammelten Obstes an Frau Prorektor Nielsen und die anderen um Angabe des Gewichts desselben, an den Schriftführer, Lehrer Flemmig, damit dieser das Abholen von Frankfurt aus veranlassen kann. Jede andere Art der Versendung des wertvollen Gutes hat sich nach Mitteilung von dort nicht bewährt. Den Soldaten ist nur das Frischobst mitzugeben. Die zweite Sammlung von Dörrobst, Lebensmitteln rc. ist der Art nach zu melden und dann Mitteilung der Anschrift abzuwarten. Diese Sammlung eilt nicht. Wir bitten nochmals um Betätigung aller Gemeinden!
Der Heimatbund.
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Betr.: Portofreiheit von Ürlaiibs und Zurück- stellnngsgesuchen.
J.-Nr. 12127. Den Herren Bürgermeistern und GutSvokstehern wird zur Beachtung mitgeteilt, daß nach einem Erlaß des Reichspostamts der Schriftwechsel der Gemeinde- und Gutsbezirksbehörden mit dem Landratsamt (Kriegswirtschaftsstelle) in Urlaubs- und Zurückstellungs- Angclegenheiten unter dem Vermerk „Heeresfache" portofrei befördert wird.
Portopflichtig sind dagegen alle Postsendungen - soweit deren Absender nicht die Portovergüustigungen der Feldpost genießen — wenn sie von den Urlaub oder Zurückstellung Nachsucheyden selbst, deren An gehörigen, Arbeitgebern ober sonstigen Privatpersonen ausgehen.
Schlüchtern, den 24. Novenider 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Dieser Mann hat, um meine Ehre zu verteidigen, Blut - vergossen, im Duell mit dem Grasen Gordis. Ich konnte ; nicht anders; ich bade mit mir und der Welt abgeschlossen, habe den Plan, den gestohlenen Festuugsplau, während Du schliesst, aus Deiner Tasche genommen, und wenn Du diese Zeilen liest, dann liegt der wert- volle Plan dort, wo er hingehört, auf dem Schreibtische des Grafen Brixdorf. So ist wenigstens eine Schuld gebüßt. Ich wollte, ich könnte ihm den bitteren Schmerz ersparen, ihm ben Glauben an die Braut erhalten. Aber — zu spät. Gähnend reißt sich vor mir ein Abgrund auf, in den ich mit offenen Augen hineinrennen muß. Dieses Lügengewebe mu6 endlich zerrissen werden, wenn mein armes,'gefoltertes Herz ritten soll; oft habe ich gelacht, getanzt mit wundem, zerrissenen Herzen. Ich kann nicht mehr. Möge Dir Gott Deine furchtbare Schuld, den Mord an dem alten Perkowitsch vergeben; Du hast ihn in blinder Wut gemordet, weil er Dich betrog, so, wie Dir ihn die ganze Zeit betrogen hast. Es ist zu schrecklich, 311 quälend, als Mitwisserin eines solch furchtbaren Verbrechens 31t leben, das Blut an Seinen Händen würde mich 311m Wahnsinn bringen. Ich nehme Deine Schuld mit in den Tod, Henry.Startell, möge Gott mir verzeihen. Lebe wohl. Liane Startell."
Wortlos reichte der Beamte dem Kommissar den Brief, der ihn zu sich steckte und dann leise sprach: „So, und jetzt wollen wir den Henry Startest mal ein bisset überraschen, kommen Siel"
Die Beiden durchsuchten alle Zimmer, die in dem Obergeschoß lagen, aber von dein Gesuchtem fanden sie keine Spur.
„Beim seligen Pankratius, den Lump muffen wir doch finden; 'las, mal runter ins Pariere! Viel Zeit habe ich nicht, ich muß sofort zu Graf Brixdorf — los!"
Vor der Tür des Zimmers, das Liaiie abgeschlossen, lauschte Greif angestrengt. „Ei jitm Deixel, da schnarcht ja der alte Sünder mit der größten Seelenruhe. Na,
Zum V Advent M?'
Die Wochen vor Weihnachten bedeuten die Zu- rüstung der Christen auf das Kommen des Messias und seines Reiches zu den "Menschen, wodurch ihnen die Erlösung aus aller Not gebracht werden soll. Aber es scheint uns bei diesem Advent in der Mitte des vierten Kriegsjahres, als ob der Werdegang des großen GotteSwerkes jäh unterbrochen und seine Entfaltung in weite Ferne gerückt sei, sodaß uns die Freudigkeit zu rechter Adventsfeier abgeht. Und doch tut sie uns dringend not angesichts der immer stärker werdenden Verdunkelung der Wege und Absichten Gottes, damit ut' Volhe. in diesen Wirrnissen An festes Ziel vor gestellt werde, auf daß es nicht darin untergehe.
liegt in der zweiten Bitte: „Dein Reich kqmme!" Ihre Nebung hat Jesus den Seinen zur ständigen Pflicht gemacht. In ihr sollen wir die mächtige Gotteshand ergreifen, die im Toben und Tosen der Völker doch die Zügel des Weltregiments festhält, wenn wir auch augenblicklich in unserer menschlichen Kurzsichtigkeit weder aus noch ein missen. Wir müssen verlernen, Gottes waltende Gerechtigkeit nach unsern 'engen Maßen unb Wünschen zu messen und dafür besser vertrauen, daß Gottes Gedanken und Wege eben höher und daher weitschauender und segensreicher als die unsern , sind.
Wenn Gott unserm Glauben jetzt so große Lasten auferlegt, so geschieht es nicht, um ihn zu-unterdrücken oder zu vernichten, sondern um ihn zu üben, zu stärken und zu entfalten, damit wir trotz aller schmerzlichen, Fleisch und Blut schwer demütigenden Erfahrungen bekennen können: „Dennoch bleibe ich stets an dir;
dem wollen wir doch gleich mal 'ue ordentliche DmfHe geben. Was, die Tür ist ja verschlossen? Der Schlüssel steckt von außen im Schloß, jedenfalls hat die Startell ihren Herru Gemahl eiusperreu wollen." Rasch drehte er den Schlüssel um, die Tür sprang auf und die Herren traten ein.
Henry Startell lag noch immer quer über dein Diwan ausgestreckt, in einem festen Schlafe. Auch bunt) den Eintritt der Krimiimlisteu ivachte er nicht auf. Greif trat direkt auf ihn 311 und rüttelte ihn derb am Arm, doch nichtsdestoweniger schlief Startell ruhig weiter.
„Na, ich glaube, um den munter zu kriegen, müssen wir, direkt vor seiner Nase eine Kanone abfeuern. Er rüttelte ihn nochmals heftig am Arm unb rief ihm mit wahrer Donnerstimme ins Ohr: „Heda! Freundchen, mach doch mal die Augen auf, haben prima lieber- raschuug für Dich, komm, fei so liebenswürdig, habe die Güte auszuivacheu. Na, los, wird's bald? Ab, Du hast keine Lust! Warte, ich bringe Dir es bei, Dir bist tatsächlich ein schwerer Junge!"
Nasch trat der Kammiffar zlim Waschtisch, nahm einen Schivamm, tänchte Um in die mit Wasser gefüllte Schüssel unb spritzte dem schlafenden Startell das Wasser ins Gesicht. Das Mittel hatte denn auch, zur Genugtuung Greifs, eine erfreuliche Wirkung. Schlaftrunken richtete sich Startell von seinem Lager auf, strich sich gähnend das wirre Haar aus der Stirn unb streckte unb reckte sich. Kriminalkommissär Greif ließ ihn erst gründlich seine faule Haut dehueu, bann trat er mit satirischem Lächeln auf ihn zu und sprach mit galanter Verbeugung: „Haben der gnädige Herr gut geschlafen? Ich gimibe blos, Sie haben Ihren Zug nach Paris ver- später!"
Mit verstörtem Gesicht war Henry Startell aufge» sprnnqen und starrte den Kommissar an.
„Wer sind Sie? Was — was wollen Sie?" 235,18*
Stotternd kamen diese Worte von seinen Lippen.