Erzrvuugene Anerkennung.
Das „Journal des Debüts" schreibt: Einer unserer Hauptfehler ist die Unterschätzung und Mißachtung unserer Gegner gewesen. Man erinnere sich der ersten offiziellen Heeresberichte, in denen man uns mitteilte, daß die Deutschen „der blanken Waffe entschieden keinen Widerstand leisteten". Welchen Schaden hat die Phrase nicht angestiftet! Wenn man den Wert des Feindes herab- setzt, so vermindert man dadurch gleichzeitig nur das Gewicht der eigenen militärischen Leistungen. Die französische Armee weiß sehr wohl, welchen Gegner sie vor sich hat, und nichts ist ihr mehr zuwider als die Erzählungen über einen Feind, der vom Hunger erschöpft und demnächst gezwungen sei, sich auf Gnade oder Ungnade zu ergebe». Man muß den Mut oder vielmehr die Ehrlichkeit besitzen, es offen auszusprechen: der Deutsche ist ein tapferer Soldat. Das deutsche Oberkommando versteht sein Handwerk, und die deutsche Armee ist und bleibt eine furchtbare Armee.
Russische Wahlvorbereitungen.
Das Nachrichtenblatt der vorläufigen Regierung in Rußland hat die amtliche Liste der Mitglieder der verfassunggebenden Versammlung veröffentlicht, wobei es insgesamt 730 Wahlbezirke festsetzt. Von den wichtigsten Bezirken wählten Petersburg 20 Mitglieder, Moskau 19, der Kaukasus 36, Kiew 22, das Donbecken 17.
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Lokales und Provinjieker.
Schlüchter«, 16. Oktober 1917.
—* Der Heimatbund hält seine diesjährige General- Versammlung voraussichtlich am Sonntag, den 4. Nov., im Gasthaus „Zum Stern" dahier ab. Es ist dem Vorstände gelungen, als Redner für die Tagung den über die Grenzen des Hessenlandes hinaus bekannten hessischen Volksschriftsteller und Landwirt Herrn Heinrich Naumann zu gewinnen, welcher sprechen wird über das Thema: „Was haben wir bis jetzt aus dem Weltkrieg gelernt und was sollen wir noch daraus lernen?" Eine recht rege Teilnahme von nah und fern wird erwartet
— * Der Maschinenmeister Franz Egner wurde zum Deckoffiziex ernannt und zu gleicher Zeit für hervorragende Dienstleistung und wiederholtem tapferem Verhalten vor dem Feinde mit dem Katser-Karlkreuz ausgezeichnet.
—* Nach § 25 der Feldpostdienstordnung haben Sendungen in rein gewerblichen Angelegenheiten der Absender oder Empfänger keinen Anspruch auf Gebührenver- günstigungen. Die Uebersendung von Anpreisungen und Anerbietungcn rein gewerblicher Art unter Be zeichnung „Feldpostbrief" ist daher unzulässig. Es wird dringend davor gewarnt, Brieesendungen zur Erlangung der damit verbundenen Gebührenvergünstigungen unrechtmäßiger weise mit dem Vermerk „Feldpostbrief" zu versehen. Die Postverwaltung leitet in allen zu ihrer Kenntnis kommenden Fällen dieser Art gegen die Absender das Strafverfahren wegen Portohinterziehung ein.
—* Schwankende Ration. Es entspricht den Grundsätzen des Kriegsernährungsamts, die Ration der öffentlich verteilten Lebensmittel als Gesamtheit zu betrachten und in sich so auszugleichen, daß die Gesamtversorgung mit rationierten Waren im ganzen neuen Wirtschaftsjahre möglichst gleichmäßig durchgehalten werben kann. In den nächsten Monaten, in denen die Kartoffelzufuhr am sichersten ist, die Kartoffeln auch den höchsten Nähr
wert haben und die Spätgemüseversorgung in vollem Umfange einsetzt. werden deshalb die Nährmittel (Graupen, Teigwaren und dgl.) entsprechend weniger verteilt werden. Hierdurch werden größere Bestände angesammelt, die in den späteren Wintermonaten und im Frühjahr, in denen die ErnährungSverhältniffe schwerer sind als im Herbst, die Verteilung erheblich größerer Nährmittel- rationen als im Vorjahre ermöglichen. Auch in den nächsten Monaten werden indessen zur Versorgung der Kranken und Kinder sowie zur Aufrechterhaltung der Maffenspeisungen und für geringere Rationen zum allgemeinen Verbrauch Nährmittel verteilt werden
* Flieden. Der langjährige Rechner des hiesigen Reiffeisew Vereins Herr Josef Hahner dahier, sieht sich wegen Krankheit genötigt, sein seither mit Unisicht und Hingebung verwaltetes Amt niederzulegen. An seiner Stelle übernimmt Herr Maurermeister Wilhelm Möller die Kassenverwaltung des Vereins.
* Fulda. Nach langem Leiden verschied im besten Mannesalter der Kgl. Kreisschulinspektor Wulf. Derselbe hat 8 Jahre lang im hiesigen Bezirk gewährt und versucht mit eiserner Energie die Schulen des Bezirks auf der Höhe zu erhalten. Durch Eintritt des Krieges wurden seine Bestrebungen durchkreuzt. Die seitherige Vertretung lag in den Händen des Königl. Seminardirektors Dudenhausen.
* Fulds. Herr Provinz ialrabbiner Dr. Cahn blickt am kommenden Sabbath auf eine segensreiche 40jährige Wirksamkeit im hiesigen Rabbinatsbezirke zurück. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit und das jüngst erfolgte Ableben der treuen Gemahlin des hochverehrten Jubilars muß von jeder Feierlichteit abgesehen werden.
Säuglings- und Kleinkinderpflege.
Ein Volk, das seiner Nachkommenschaft nicht sorgfältigste Pflege entgegenbringt, ist schon entartet und sei es körperlich auch noch so kräftig. Es verdient mit Fug und Recht unterzugehen. Hat die Natur doch auch dem Tiere den Instinkt der Arterhaltung als einen der stärksten eingepflanzt!
Selbsterkenntnis ist Pflicht. Aufrichtigkeit eine hohe Tugend. Das Gegenteil wäre überdies Selbstbetrug. Gestehen wir es offen, wir Deutschen, daß wir trotz aller Kultur es bisher gar sehr an der Sorge für unsere Jugend im zartesten Alter fehlen ließen und daß unsere Kindespflege aus Unkenntnis vielfach mit unrichtigen Mitteln arbeitete. Dazu achteten weiteste Kreise bei uns den Kindersegen überhaupt geringer als Luxus, Bequemlichkeit und oberflächliche Vergnügungen. Die Jndustriearbeit entfremdete auch viele Frauen ihren Mutterpflichten.
Eltern- und besonders Mutterliebe wird dieses Urteil zu hart finden ; doch die unbestechliche Statistik weist seine Richtigkeit nach. Sie lehrt, daß nur Rußland und die Donauländer noch höhere Ziffern der Kindersterblichkeit aufweifen als Deutschland; daß England und Frankreich, ja Italien bessere Ergebnisse mifweisen, von Holland und den nordischen Staaten ganz zu schweigen, welche überhaupt die günstigsten Zahlen in Europa zeigen. Und nach den Erfolgen muß der Wert der Kinderpflege doch bemessen werden.
Wie in vielen anderen Lebensfragen, so hat uns erst dieser Krieg völlig wachgerüttelt und unser geistiges Auge diesen Verhältnissen gegenüber geöffnet, allerdings nachdem eine neue Richtung in der Heilkunde und Ge-
sundheitspflege schon längere Zeit gegen gewiss,. i der medizinischen Wissenschaft angekämpft h^
Die Grundlage der gesamten Kinderpflege! nicht die Bekämpfung und Vernichtung re^L durch Desinfektion und Absperrungsmaßnahniis die Erkenntnis der wahrhaft natürlichen ■ Menschenlebens, besonders der Reize untere das organische Leben überhaupt und später I gebildet und entwickelt ^at: natürliche Nahrung» licht, Luft, Wasser, Wechsel von Wärme H Bewegung, Funktion der Organe, seeliche ReiL kommt noch Reinlichkeit und zur VerhütuM Infektionskrankheiten allerdings zeitweise Ab«
Solche Kenntnisse zu verbreiten auf GrnM Lebenslehre und im Anschluß an die gcs«M Natur, jedoch mit besonderer Bezugnahme» menschliche Kind und seine Entwickelung leib an, schon beut Kinde in der Schule solM begriffe, mehr spielend und unbewußt als inA licher und gelehrter Weise einzuimpfen das« der wichtigsten Aufgaben der Zukunft fein.
Zwar die praktische Grundlage aller gesunden« aufzucht heißt: ein Mann, ein Weib und ei« Landes! Alle Kultur ist vergeblich und bo^l von der leben-frischen Zelle der ländlichen FM geht. Aber ehe wir, nach dem Kriege, zu » gesunder Bodenpolitik gelangen werden, dürfen» die Hände in den Schoß legen.
Daher heißt es jetzt auch hier — Anpsssuch Krieg, und möglichster Ausgleich seiner Schäm größten Schäden sind aber die Vernichtung von M leben und die Zerreißung von Familien, beso» ungenügendem Eheschluß und Ersatz durch W Da ist doppelt nötig ein äußerstes Sparen und» des kostbarsten Materials, das unsere ZukunD unserer Kinderwelt. Das will die Säugli« Kleinkinderpflege, welcher sich dann zeitlich gesundheitspflege anschließen muß.
Die Regierungen bezeugten bereits ihr will ständnis uud Entgegenkommen. Keine geringJ sönlichkeit als Ihre Hoheit die Herzogin Vikim zu Braunschweig und Lüneburg hat den M über diese ganze Bewegung übernommen. Dieß zialverbande haben die Organisation der Arbeill die Stadtgemeinden und Kreise müssen sie mini und ansbilden. Ohne die Mitwirkung breitest« kreise, vor allem auch, um einen Teil der sehr« Geldnültel zusammenzubringen, kann das m nicht gelingen- Zur Erreichung dieses Zieles soll in deutschen Landen ein Opfertag abgehaltcro Die Zeitungen werden das Nähere über die ins Stadt und Kre s geplanten Veranstaltung«! bringen. Möge ein jeder, alt und jung, reich»« seine Teilnahme, und nach seinem Vermögen eini beisteuern zum Gelingen des großen Werkes.
Es gilt unserer Jugend, Deutschlands Znk«
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er von uns allen möchte es nicht lieber ehen, wenn man statt der Granaten Senfen schmieden und Maschinen bauen könnte! ^ber dazu gehört Frieden und Ruhe im Lande. Unö die drüben wollen uns das nun einmal nicht gönnen. HabtLhr nicht gelesen,wie sie uns mit unsrem ehrlichen Friedensangebot ausgelacht haben?
schwer es auch sein mag: es muß noch eine Weile weitergehen! Frauen denkt an Eure Männer, Brüder und Söhne! Früher habt Lhr daheim für sie sorgen können. Letzt brauchen sie Euch noch viel mehr, denn mit Briefen und Paketen ist's jetzt nicht allein getan.
£ß?er unter Euch könnte wohl ruhig zusehen, wenn die Feinde in Hellen Scharen anstürmen und wenn Eure Männer, Eure Brüder und Söhne keine einzige Kugel mehr ins Gewehr zu stecken hätten? Würdet Lhr nicht lieber den letzten Spargroschen opfern, damit die Euren nicht wehrlos find?
iX^mm helft ihnen bei ihrem schweren Handwerk! Reicht ihnen zum Schutze Waffen und Munition hinaus: Zeichnet die Kriegsanleihef
äXTüffer, denkt an Eure Kinder! Als sie «och ganz klein und hilflos waren, hat sicher jede unter Euch irgend einmal gedacht: „Mein Kind sofft gut haben im Leben!* Wie viel mehr gilt das jetzt, Lhr Mütter! Eure Kinder müssen bessere Zeiten sehen als wir sie durchmachen. Wehe uns, wenn sie einmal kommen und zu uns sagen: warum habt Lhr's uns nicht leichter gemacht und damals bis zu Ende ausgehaltet,?
lÜHtter, jeder Pfennig, den Lhr dem Baterlande leiht, erleichtert Euren Kindern die Zukunft! Drum helft, daß sie einmal nicht darben müssen und ein freies, starkes Volk werden können: Zeichnet die Knegsanleihe!