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mit Amtlichem Kreiobtatl". — WochenbeilM: Illustriertes 2onutaqsblntt.
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,M 79 Mittwoch, den 3. Oktober 1917. 68 ^ahrgano.
Amtlicher
Auf das von her Vertrauensmänner- Versaunnlung zur Werbearbeit für die 7 Kriegsanleihe an Seine Majestät den Kaiser und König abgesandte Telegramm ist mir nachstehende Antwort zugegangen:
Telegramm aus Hofzng S M. den 29. 9. 17.
S. M. der Kaiser lassen der, Bertrauens- männern des Krüses Schlächtern zur Werbearbeit für die neue Kriegsauleihe herzlich danken für ihre Kundgebung treuer Anhänglichkeit.
Geh Kabinettsrat von Baletitini
Schlüchtern, den 1. Oktober 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Sicherung der HerbstbefteUnng.
Die Herren Bürgermeister und GutsSorsteher ersuche ich im Benehmen mit bem Wirtschaftsaiisschuß festzustellen, ob und in welchem Uuipfang Grundstücke, die nach den Regeln ordnungsgemäßer Wirtschaft jetzt bestellt werden müssen, infolge Nachlässigkeit oder auch ohne Verschulden des Besitzers unbestellt liegen bleiben würden, wenn nicht auf Grund der Verordnung über die Sicherung der Ackerbestellung vom 9. März 19! 7 jR G. Bl. S. 225) eingegriffen wird.
Ich ersuche mir über solche Fülle eingehend zu berichten. Fehlanzeige ist nicht erforderlich
Schlächtern, den 2. Oktober 1917.
Der Königliche Landrat: von Trott zu Solz. AbHld Tgb. Nr. 20013/56591
Betr. Lichtspielvorführungen.
Verordnu u g -
Ziffer II Abs 1 der Verordnung vom 24. 7. 1917 (III b Nr. 11120/4511) wird aufgehoben.
Frankfurt a. M. den 21. 9. 1917.
18. Armeekorps. Stellv. Generalkommando.
Aus Hindenburgs Leben.
Dem Generalfeldniarschall von Hindenburg jubelt an seinem 70. Geburtstage das ganze deutsche Volk aus tiefsten und dankbarstem Herzen zu. Der Erretter der Ostmark ist zum deutschen Nationalheros geworden. Aber nicht allein seine zum Teil schon geschichtlich gewordenen Leistungen als Heerführer und als Hirn der gewaltigen Kriegsmaschine der Mittelmächte im Kampf gegen eine ungeheuere Uebermacht haben ihm dieses Vertrauen gesichert. Der eiserne Marschall wurzelt tiefer
in der deutschen Volksseele.
Fremd allem Fremden und Eitlen, streng gegen sich selbst, gläubig loyal und selbstbewußt, hat Hindenburg sich selbst zu dem erzogen, was heute das Vaterland in der Stunde der größten Not von ihm fordert. Sein Genie ist nichts Angeflogenes, nichts begnadet Selbst verständliches. In schwerer Arbeit an sich selbst hat er sich durchgeruugen, durch eine harte Schule hat er gehen müssen. Er ist im Kadettenkorps ausgewachsen. Wieviel er dieser stengen Pflanzstätte altpreußischer Zucht verdankt, hat der Feldmarschall in einem Briefe an den jetzigen Kommandur seiner früheren Anstalt anerkannt. „Wenn ich in meiner militäris chen Laufbahn," so heißt es in dem Briefe, „viel erreicht habe, so bin ich mir stets bewußt gewesen, daß die Grundlage zu diesen Erfolgen in meiner Erziehung im Kadettenkorps zu suchen ist. War schon in meinem Elternhause Begeisterung für meinen künftigen Beruf, die Liebe zu König und Vaterland in mein Kinderherz gesenkt worden, so wurde dem Heranwachsenden Knaben und Jüngliug im Kadettenkorps Kameradschaft, Selbstüberwindung und Manneszucht neben der wissenschaftlichen Fortbitdung anerzogen. Ein lustiges Geschichtlein aus der Kadettenzeit des Marschalls sei hier eingeschaltet Nach einem von diesem verübten harmlosen Jugendstreich sah sich der Offizier, dessen Erziehung er damals anvertraut war, zu der Aeußerung veranlaßt: „Aus dir wird dein Leben nichts!" Jener Offizier hat sein Urteil später freiwillig berichtet; der Zufall fügte es, daß ihm als General sein früherer Zögling Hindenburg als Generalstabsoffizier zugeteilt wurde.
In den Feldzügen von 1866 und 1870/71 bewährte sich Hindenburgs militärische Tüchtigkeit. Bei König- grätz wurde er verwundet und 1870/71 erwarb er sich das Eiserne Kreuz. Ergreifend und anschaulich find die Schilderungen des jungen Offiziers aus dem Felde. Ueber seine Feuertaufe 1866 schrieb er: „Zunächst eine gewisse Freudigkeit, daß man nun auch einmal Pulver riechen lernt, dann aber auch ein banges Zagen, ob man auch seine Schuldigkeit als so junger Soldat genügend tun wird. Hört man dann die ersten Kugeln, so wird man in eine gewisse Begeisterung versetzt, ein kurzes Gebet, ein Gedanke an die Lieben in der Heimat und den alten Namen, und dann vorwärts! Mit der Zahl der verwundeten umher macht die Begeisterung einer gewissen Kaltblütigkeit oder mehr Gleichgültigkeit gegen die Gefahr Platz."
1870 machte Hindenburg mit seinem Regiment den schweren Sturm auf St. Privat mit. Noch vom Schlachtfeld schrieb er darüber an seine Eltern: „Wir waren gestern scharf im Gefecht . . . Gottes Gnade hat sichtlich über mir gewaltet; ich bin die ganze Zeit mit meinem Kommandeur nicht vom Pferde gestiegen, und hat nur das Pferd meines Kommandeurs eine Mitrailleusenkugel ins Bein und ich eine Flintenkugel an den Stiefelschaft bekommen. ... Ich begreife selbst nicht, wie ich bei der ganzen Aktion so kaltblütig
bleiben konnte. Ich habe öfter nach der Uhr gesehen und alle Gefechtsmomente an Ort und Stelle gleich auf dem Pferde notiert. . . / Hier zeigte sich schon bei dem jungen Offizier als Grundzug seines Charakteurs die strenge Selbstzucht, die unerschütterliche Ruhe und die Gewissenhaftigkeit in der Beobachtung und Arbeit. Sein späterer Kriegsakademielehrer in der Befestigungs- kunst, der unlängst verstorbene Oberstleutenant Poch- hammer, hat diese Eigenschaften schon derzeit klar erkannt. Pochhammer berichtet darüber: „Hindenburg hatte stets irgendeine Sektion der Generalstabskarte vor sich liegen, auf der er still zu arbeiten begann, sobald der Vortrag des Lehrers ihn nicht interessierte. Er arbeitete stets an sich. Zwei Zivilkollegen fragte ich einst harmlos nach diesem stattlichen Hörer am ersten Tisch. Der Geograph hatte dankbar die stets bereitliegende Karte, der Mathematiker mit gleicher Befriedigung den rührigen Gebrauch von Zirkel und Bleistift bemerkt. Daß dieser kleine „Moltke-Zirkel" nur Marschtiefen und Geschützwirkungen auf der Karte feststellte, und dieser Bleistift nur Befehle und Meldungen schrieb, daß hier überhaupt ein Soldat Kriegsgeschichte trieb, oder mittels taktischer Aufgaben sich selbst erzog, hatten sie nicht erkannt. . . ."
In ernster, ununterbrochener Arbeit, gewissenhaft und pflichtgetreu legte Hindenburg den festen Grund, auf dem seine großen Fähigkeiten sich entfalten konnten, je höher er auf der militärischen Stufenleiter stieg. Bei alledem blieb er stets der gleiche, klare und feste Charakter, Soldat vom Scheitel bis zur Sohle, von eisernem Willen, frisch bis zur Derbheit, kühl und gerecht. Und dieses Bild, das in der wuchtigen Ruhe seiner Erscheinung und in dem ehernen, Willensstärken Ernst seiner Züge gipfelt, ist jedem Deutschen lieb und vertraut. Ganz vortrefflich paßt dort hinein jener kleine Zug, der aus |ber Zeit seiner jungen Ehe berichtet wird. Löste der Feldmarfchall hin und wieder seine Frau- in der Kinderstube ab, was er mit besonderer Vorliebe tat, so pflegte er die kleinen Schreihälse dadurch zu beruhigen, daß er ihnen unentwegt den Hohenfriedberger Marsch vorpfiff.
Klingt das nicht fast wie ein Gleichnis für unsere Zeit? Schreiend und kläffend umbellt uns in blutiger Feindschaft mehr denn die halbe Welt: Hindenburg aber pfeift ruhig und unentwegt den Hohenfriedberger, und er wird sie zur Ruhe bringen!___________________
Politische Uebersicht.
Hindenburgs Kundgebung.
Generalfeldniarschall Hindenburg schreibt aus dem großen Hauptquartier an das deutsche Volk: Es ist mir vom Kriegsministerium mitgeteilt worden, es würde vielfach von unberufener Seite behauptet, daß nach meinen und des General Ludendorffs Aeßerungen drohender wirtschaftlicher Zusammenbruch und versiegen der militärischen Kraftquelle uns zum Frieden um jeden Preis zwingen. Ich will nicht, daß unsere Namen mit
In eiserner Zeit.
KriegSroman von Charlotte Wildert. SO
Jetzt ertönte in der Ferne das Räderrollen eines Wagens. Es war Graf Brirdorf und seine Sekundanten. Der Wagen hielt nicht weit von den Wartenden und die Herren stiegen aus, mit ihnen ein Arzt. Schweigend begrüßte man sich. Der Arzt packte au« einer schwarzen Ledertasche verschiedene Instrumente, die er auf einem Tuche, das er über den grünen Rasen legte, auS- breitete. Die Distanz wurde abgemessen unb die Se- bmdauten Brixdorfs brachten ein schwarzes Lederetui, in dessen feiner, seidener Einfassung zwei Pistolen la« gen. Die Pistolen wurden sachgemäß Lepriist und den Duellanten übergeben. Eine peimiche Stille folgte.
Nun standen die Männer, die noch vor kurzem Neueste Freunde waren, sich gegenüber, die TodeSwaffe 'n der Hand. Brixdorfs Züge waren leichenblaß. Eine ungeheure Erregung hatte i^i gepackt und ließ ihm ben Atem stoßweise aus der Brust tommen. Phili be- umhrte nach außen völlige Fassung nnd Kaltblütigkeit, '» feinem Innern aber tobte ein gewaltiger Sturm.
Jetzt — ein Zeichen der Sekundanten. Die Pistolen Wen in der klaren Morgenluft. Zweimal, direkt hin- ^leiuuuderfolgend ein scharfer, kurzer Knall — Pulver- ranch! Die Kugeln waren Dorbeigefaust, keine hatte betroffen. Phili hatte absichtlich ins Leere gezielt mit bem Willen, Brirdorf nicht zu treffen, aber dessen Kugel war haarscharf an seiner Wange vorbeigesaust, ein Zeu- nu'eter breiter und sie hätte ihu getroffen. Also Brixdorf "nhm die Sache wirklich scharf. Die Sehmbanten lu- °ku die Pistolen und machten alles zum zweiten Schuß- Wechsel bereit. Wieder baß bestimmte Zeichen. Die Pi- stvleu hoch, ein Knall — und der Pulverdampf zerstob '" der frischen Morgenluft. .
Stumm, hoch aufgerichtet standen die beiden Män- ner sich gegenüber. Angstvoll starrt« Phili zu Brixdorf
hinüber, der bleich, regungslos, mit geschlossenen Augen baftanb. Die Pistole war seiner schlaff herabhängenden Hand entfallen, aus dein Rockärmel sickerte eS langsam, tropfenweise auf das tauige Grün. — Blut!
— Die Kugel des Grafen Gordis hatte ihn getroffen.
Der Arzt stürzte herbei und untersuchte rasch ben Ar in des Grafen. Die Sekundanten waren ihm dabei hilfeleistend zur Seite.
„Hier sitzt der Schuß, im rechten Oberarm, in der Höhe der Schulter," sagte der Arzt und versuchte, die Kugel, die den Knochen nicht durchschlagen, aber die Sehnen zerrissen und den Arm für längere Zeit ge- branchsnnfähig gemacht hatte, zu entfernen. Nach einiger Zeit mühevollster Arbeit gelang eß. Mit der Pinzette griff der Arzt die Kugel, an der ein roter Tropfen hing und schleuderte sie in weitem Bogen von sich. Qangfam kam der Warzen näher. Nachdem der Verband angelegt und alles zur Rückkehr ferliggestellt war, schritt Graf Brixdorf am Arme des Arztes zum Wagen. Da plötzlich, mit einem Ruck, wandte sich Brixdorf um und starrte hinüber nach bem noch immer regungslos dastehenden Gordis, der während der ganzen Zeit sich nicht von der Stelle gerührt hatte, sondern geister- bleich, stumm unb noch immer die Pistole in der schlaff herabhängenden Hand dagestanden hatte. Die Blicke der Beiden begegneten sich. Einen Moment nur. In den Augen Phili o. Gordis lag es wie stummes Bit- ten, aber in Brixdorfs Augen leuchtete es auf in glü- heudem, loderndem Haß. Er stieg ein, vom Arzte und den Sekundanten gestützt.
Kurt von Steiglitz, einer der Sekundaute,l Brixdorfs, forderte Philis Pistole ein und legte sie in ihr seiden- beschlagenes Etui zurück. Dann stieg er zu den Herren in den Wagen, der langsam davonrollte.
Phili stand noch immer in tiefes Nachdenken versunken da, biß ihn die lachenden Stimmen seiner Freunde anfrüttelten.
.Aber Mensch, festester der Besten, wa« soll denn
das? Sie sind ja völlig weltentrückt! Anstatt der Holden Fortuna fröhlichen Dank zu sagen für ihre Gnade, ma- chen Sie ein Gesicht, als ob Sie zum Galgen verdammt wären!"
Ein schwerer Senszer rang sich auS der Brust de« i Offizier«. „Ich — ich wollte ihn nicht treffen — nein | — nein!"
„GordiS," rief Broecker, „seien Sie doch man fein Frosch nicht! DaS bischen Wunde ist ja schnell wieder geheilt unb eS ist ja doch ganz gut so, es hätte noch weit schlimmer kommen können. Nun kommen Sie, lieber Freund, wir müssen doch diesen Sieg gehörig feiern WaS?"
„Amüsiert Ihr Euch, so viel Ihr wollt, ich kann heute mit dem besten Willen nicht I Ich möchte jetzt allein sein Bitte!"
Kopfschüttelnd gingen denn die Sekundanten, während Phili von Gordis langsam durch den Wald schlenderte, seinen Gedanken nachhängend. Schon stand bie Mittagssonne hoch am Himmel und sandte ihre glühenden, heißen Strahlen auf die Erde, da erst kehrte Phili langsam zur Stadt zurück, seiner Wohnung zu, wo die treue, gute Seele, der Heinrich, mit Schmerzen und Sorgen um den geliebten Herrn, auf ihn wartete.
9. Kapitel.
Frau Gertrude von Brücken, eine Dame von wür» bigem, mütterlichen Aussehen, ließ emsig die Stricknadeln durch die Maschen gleiten. Die Sonne, die liebe, freundliche Lichtspeilderin, lachte durch die hellen, weißen Gardinen ins Wohnzimmer und Ubergoß dort alles mit ihrem rosigen Schimmer. Auch auf dem schlicht gescheitelten, welligen Haar der Majorsgattin warf sie zitternde Kringel.
Jetzt ließ Frau von Brücken die Arbeit sinken, ein tiefer Seufzer hob ihre Brttst. „O Gott!" kam e« debeird von ihren Lippen, „o Du allgütiger Erbarmer, ver- schone uns doch vor dieser furchtbaren Geißel, vor dem Krieg!" 885,18*