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besser überstehen als sie. Vorzeitiges Nachgeben ist gleich­bedeutend mit dem Zusammenbrechen der Zukunft des Staates und jedes Einzelnen, ein Aushalten aber bringt uns mit absoluter ^Sicherheit den siegreichen Frieden Die Zeit arbeitet für uns, denn der Unterseebootkrieg arbeitet täglich und stündlich an der Zermürbung des Feindes, der dem nichts Gleichwärtiges gegenüberstellen kann. Es handelt sich für uns im gegenwärtigen Stadium des Krieges allein um ein Erstarken der inneren Kraft, die uns durchhalten läßt, bis die vollen Erfolge des Unterseebootkrieges erreicht sind. Die einzige Gefahr im Lande besteht im Klagen über fehlgeschlagene Hoffnungen, in Unruhen und Unzufriedenheit, in Aus­drücken von Erschöpfung oder Sorgen vor einem weiteren Winterfeldzug, : vor allem in Friedensresolutionen und ähnlichen Kundgebungen. Sie wirken mit Sicher­heit kriegsverlängernd.

Stadt und Land.

Von Dr. mecT Strünckmann, Soden-Salmünster.

Die ErnährungSschwierigkeiten, die unser Volk be­drängen, haben den alten Gegensatz zwischen Stadt und Land neu belebt. Aber er wird vielfach ober­flächlich aufgefaßt. In Wirklichkeit sind nicht, wie man anzunehmen pflegt, wirtschaftliche Interessen, sondern der Gegensatz der Menschenart in erster Linie an den Mißverständnissen zwischen Stadt und Land schuld. Der Mensch ist nun einmal als natürliches Lebewesen vom Boden und der umgebenden Natur, von Scholle und Heimat weit mehr abhängig, als man früher im Zeitalter der Humanitätsidee für möglich hielt.

Keiner ^hat uns diesen inneren Gegensatz zwischen Stadt und Land so klar darzulegen gewußt wie Pfarrer Dr. Koch, insbesondere in seinem VortrageStadt und Land" auf dem evangelischsozialen Kongreß in Berlin am 12. April d. I.*) Um den Redner nicht zu wieder­holen, werde ich ihn selber sprechen lassen.

DieSache", die des Bauern höchsten Wert dar- stellt, ist das Land und sein Gewächs, d. h. ein Stück Natur. Der Bauer ist mit seinem ganzen Seelen­leben eingebettet in die Natur. Der Blutkreislauf der Natur sind die Jahreszeiten. In majestätischer Ruhe bewegt sich dieser Kreislauf. Da gibt es keine Strom- schnellen, keine Katarakte; da hat alles seine Zeit. Und wer mit seinem Menschenwitz und -Fürwitz an ihm bessern wollte, der wäre ein Narr. In und mit dieser Natur lebt der Bauer. Ihr muß er sich beugen, ihr sich an­passen, will er ihre Segnungen. Das macht auch den Bauer ruhig und gemessen, das läßt ihn langsam über die Dorfstraße gehen, und wenn sein Vorhaben auch dringend wäre.Spring doch nit so, die Leut' lachen Dich ja aus!" Das lehrt ihn Maß halten in allen Dingen Nicht Enthusiasmus ist des Bauern Sache, sondern Ebenmaß; die vorschriftliche Antike lebt in ihm weiter mit solcher Schätzung ruhigen Maßes. Die Natur arbeitet in langen Fristen. Was im Herbst gesät wird, reift erst im nächsten Sommer. Das macht den Bauer vorausschauend, berechnend. Die Natur schenkt ihre Gaben nicht immer in gleicher Fülle; ja sie kann auch einmal das Notwendige versagen. Das macht den Bauer vorsichtig und sparsam; das lehrt ihn, auf Reserven bedacht sein.

O Ganz anders als die Wunder der Natur offenbaren sich die Wunder der Persönlichkeit, wie sie den Städter auf Schritt und Tritt umgeben, die Wunder des Geistes Da regiert nicht die ruhige Entwicklung, sondern der Sprung, der Ruck, die Entdeckung, die Erfindung, diese Kinder des Augenblicks. Die Natur ruht in Raum und Zeit, der Geist steht über beiden. Immer neue Maschinen, immer neue Patente, immer neue Organisa­tionen, von heute auf morgen: das ist der tiefste Unter­grund einer Hast und Unruhe, aber auch eine Freiheit und Beweglichkeit, die sich notwendig auf den Menschen übertragen muß. So wird der typische Städter in vielen Dingen zum genauen Gegenteil des Bauern: nicht gemessen, sondern eilig; nicht maßvoll, sondern

eher enthusiastisch, leichter auch zu Extravaganzen ge­neigt; dafür aber beweglich, anpassungsfähig, allem Neuen zugänglicher, wie dem Guten, so dem Schlechten. Die Schnelligkeit des BerdienenS, die Unabhängigkeit der Nahrung von Wind und Wetter, die größere Gleich­mäßigkeit der Einnahme macht ihn weniger vorsichtig,

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Die nsue KrießSanseihe

ein großer Erfolg werden. Nach dem Fall von Riga, nach der auf allen Ironien ah- geschlagenen Offensive bleihi unsren Gegnern nur noch e i n Hoffnungsschimmer: daß wir wirischa^ilich am Ende unsrer Kräfte stehen.

Ein schlechtes Ergebnis der Kriegsanleihe verlängert den Krieg ins Unabsehbare, weil die Feinde dann neue Zuversicht schöpfenundneueBernichtungs. Pläne schmieden.

Darum zeichne!

weniger sparsam, bis zum Luxus und Verschwendung, dafür aber auch freigebiger und zu Opfern, eher bereit.

Im ganzen Haushalt der Bauern herrscht so der langfristige, in dem des Städters der kurzfristige Wechsel. Das ergibt einen grundverschiedenen Lebensrhythmus. Diese Verschiedenheit vor allem der ganzen seelischen

Verfassung, dieser Gegensatz des Menschentypus ist es, I was Stadt und Land voneinander trennt, nicht der I bloße Widerstreit wirtschaftlicher Ansprüche. Es ist zu-1 letzt der alte Grunddualismus, der durch die Welt geht, I der Dualismus, von Watur und Geist, der in dieser I Spannung zwischen Stadt und Land eine eigenartige I Auswirkung gefunden hat."

Wir können hiernach verstehen, daß im Weltkrieg an I die geistige Fassungskraft unseres Landvolkes, soweit es i nicht auf den modernen Kapitalismus eingestellt ist, | sondern noch in seiner mittelalterlichen Abhängigkeit 8 von der Natur wurzelt, solche unerhörte Anforderungen I herangetreten sind, daß es denselben innerlich nicht ge-D wachsen sein konnte. Der Bauer will anschauliche, I sachliche und seelische Wirklichkeit, er will lebendiges Menschen, nicht blasse, abstrakte Schemen und Ideen. B Bedrucktes Papier befriedigt ihn nicht, sondern er will« in steter Fühlung bleiben mit lebendigen Personen, die B ihm Liebe und Vertrauen abgewinnen können.

Diese kurzen Ausführungen werden genügen, um D zeigen daß die stete Berücksichtigung der durch die Lebens- N bedingungen beeinflußten, jagleichsamgeschaffenen Seelen- K Verfassung der Menschen, die uns fortgeschrittenen Aerzte» zuerst in der Heilkunst und Gesundheitspflege zu neuen B großen Erfolgen geführt hat, auch auf andern Gebieten 8 richtunggebend werden muß, vor allem in unserer Politik. B Einen Scheidemann werden wir richtiger bewerten und k behandeln, wenn wir wissen, das er eine rein städtische V Natur im obigen Sinne ist; den Streit zwischen Stadt« und Land, der heute so heftig entbrannt ist, werden wir« leichter überwinden, wenn wir unsre Forderungen anB das Land mehr der Seelenverfassung des Bauern an-W passen ; überhaupt werden wir unserm Volkstum uil so mehr dienen, die Zukunft unseres Vaterlandes u| so mehr fördern, je mehr wir unsre politische, kulturell!« und wirtschaftliche Tätigkeit mit dem Geiste klarer I Lebens- und Seelenerkenutnis durchdringen.

LokLies und VrovmMss

Schlichtern, den 21. September 1917.

* Herrn Major (Justizrat) Henrichs wurde für» seine Verdienste 'bei Ersatztruppen das bayr. KönigI Ludwigkreuz verliehen.

Hk. Anmeldung von Forderungen in Riga. Der« Herr Präsident der Reichsentschädiguugslommission Hai« folgende amtliche Mitteilung ergehen lassen. Nachdem« Riga von den deutschen Truppen besetzt ist, können« Förderungen gegen dort wohnhafte Schuldner in gleicher« Weise mir es bis zum 30 April 1917 für die übrigen« besetzte Gebiete zulässig war bei der ReichsentschädigungSM kommission zur Anmeldung gelangen. Die Anm ldungen« müssen bis zum 30. Oktober d: Js. eingehen, spätere, eingehende können keine Berücksichtigung finden.

* AE Anlaß vielfachen Mißbrauchs der FeldpojiR wird erneut darauf hingewiesen, daß GebührenfreiheiteaR und Vergünstigungen im Feldpostverkehr nur Sendungen« in Privatangelegenheiten der Angehörigen des Heere?« genießen. Den Angehörigen des Heeres gleich steh« das Personal der deutschen Landesvereine vom Roten« Kreuz und der ihnen gleichzuachtenden Orden und G« sellschasten, soweit es in der freiwilligen KrankenpflcM auf dem Kriegsschauplatze wirklich tätig ist, also ni auch bei ständigen oder vorübergehendem Aufenthalt in« der Heimat. Die Portovergünstigungen gelteu nicht in« Ortsverkehr und nicht für Zivilbeamte der Militärm« waltung. I

* 41. Sitzung des ReichstagSbeirats für Volst« ernährung am 7. und 8. September 1917 im Reichsa»W des Innern. Unter dem Vorsitz des neu ernannter« Staatssekretärs des Kriegsernärungsamts fand am W und 8. September die 41. Sitzung des ReichstagSbeirat« für Volksernährung statt. In seiner einleitenden AeW begrüßte Staatssekretär von Waldow die MitglicdM und betonte, daß er bei der von ihm übernommener« schweren Aufgabe gleich seinem Amtsvorgänger besonderer«

In eiserner Zeit.

KriegSroman von Charlotte Wildert. 19

Der Tod war sofort eingetreten. Die Hände des Toten waren geballt, daß die Fingernägel sich tief ins Fleisch einkrastten. Schaudernd wandte sich der Mörder ab, der Hammer, vom Blute bespritzt, entfiel seinen Händen. Nun war «8 geschehen, das Furchtbare I Cißkalt überlief es ihn. Das flackernde Licht warf zitternde Schatten auf daS gelbe, im Tode verzerrte Gesicht deö Ermordeten. Am liebsten wäre Henry Startell fort, fort opp dieser furchtbaren Stelle gerannt. Aber erst die Pläne, die Papiere, die er haben mußte, um dereirtivMen er zum Mörder wurde. Er riß den Deckel bet leruie titelte! und kramte mit zitternden Händen alles heran». Flin­ten Trödelkram, Holzscheite, alte, zeicketzte Meidstuatz- stücke, Bücher, Kistcheu und Kästchen, a^tr ba£ DssuLte fand er nicht. Der Schweiß stand ihm auf der «tirn. BiS auf den Boden hatte er die Truhe Glerrt unk hi6t£ gefunden.Sollte der Getötete die Papitz^ a*ko schon verkauft haben? Himmel!" Normals mn«ien- gen Handen und tierisch firnkelnden Augen ourchtiHhlte er all den Kraut. Vergebens. Von dm Plätten keine Spur I Die aber lagen, von ihres Hetrn Han?> versteckt, unter dem starren Strohlager und NiebÄl dem Rüge des Mörders verborgen! -

Da packte es Startest in rasender Kurcht. Er sprang auf und fuhr sich wild durch die senkten Haare.Ich habe also den Alten umsonst gemordet!" gellte es in ihm. Die schrecklichen, gebrochenen'AuäLn sähen ihn wie vorwurfsvoll an.Uinsoust, uisisoliffl^stes um­sonst!" Wie von Furien gehetzt, stolperte er u6te die Leiche, rannte blindlings hinaus, warf die Tükö hinter sich krachend ins Schloß und suchte so rasch wie möglich aus dem Bereich seiner bimlleu Tat zu kommen. In dem langen, buutlen Hausflur suchte er, an den Wän­

den vorwärts tastend, dem Ausgangs zuzutappen, als plötzlich eine im Hausflur liegende Tür aufgerissen wurde: Der Hausmeister, die flackernde Laterne in der Hand, stand vor ihm und donnerte mit seinem tiefen Baß: Wat is denn man widder los, Alter? He!"

Ha! Der Hausmeister hielt ihn für den Getöteten! Noch war ein Gutkommen möglich!" Mit einer raschen, vorsichtigen BewegUng schlug er dem Manne die Laterne aus der Hand, klirrend fiel sie cruf die feuchten, kalten Steiuflreseu des .Hausflurs, der jetzt wieder ganz dunkel war. Heftig stieß Startest den Hausmeister zur Seite, raunte blitzschnell zur Haustür, riß diese auf und raste auf bie stille, mondbegläuzte Straße hinaus. Er lief titib lief, ohne zu wissen wohip. Erst draußen in den Vor- stä^tstra^en verlangsainte sich sein Schritt. Seine Augen VkqnMSir, das Herz klopfte ihm bis zunl Halse hinauf. Fiklmar wieder fügt er mit der Hand über die glühende wtirn. Alles umsonst! MeUscheiiblut klebte an seinen Slttleu, er war zum Mörder geworden, und was hatte A eapan? Nichts als die Quchl, die Gewisseuspein, die- t bW, imxuhige Gewissen, das ihyr immer wieder ins

:rr«f: Mörder! Mörder! Das ihm die breche»lden, rett Augen des Geinordeteu, die blutige, klaffende Phunde, die verzeyrten, gleichen Züge vor seine Augen zMcherte, bps ihn aufpeitsäste, alle'seine Nerven durch- wyhlte, daß er nsie ein Jrrtzr durch die Straßen rannte, ohtre Ziel. Erst als der-Wkorgeu im fernen Osten graute, nährn er eine Autodscos^ke und fuhr riach Ha>»se.

8. Kapitel.

Purpurrot war der Hinunel im Osten gefärbt. Ein großer, lodernder Ferieroall hob sich majestätisch von den dunklen Beglücken ab: Die aufsteigende Sonne! Die game Welt schieix wie in rosiges Licht getaucht; an jedem Blümleiust au Mein Grashälinchen hing, gleich einem blitzenden / Diaurant, ein Tautröpfchen. Die klei­nen, gefiederten/ Waldbewohner sind anch schon wach und bringen issrem Schöpfer den Morgengruß. Trillernd,

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| jubilierend steigt die Lerche znr Höhe, schwingt sie M hoch hinauf in den blauen Aether, dein Himmelsdei»! zu. Eill Sommermorgen in seiner ganzen ergreifende» i Schönheit und Pracht.

Einsam geht dort ein Wanderer, in tiefes Nachdem 1 ten versunken. Ein Offizier! Die Uniform glänzt in de" Strahlen der Morgensonne, das Gerassel des Säbel' und der Sporen scheucht die kleinen (sänget höher W auf in die noch schlaftrunkeneii Wipfel der Säume ui» erstaunt flauen sie hinab auf den frühen Besuch. Es Philipp von Gordis-Breitstein. Noch ist es Zeit, ehe" zur ausgemachten Stunde mit seinen Sekundanten Claubeutaler Wäldchen zusammentrifft. Er ivill iw mit sich und all ben Gedanken, die auf ihn einstürme»! allein sein. Schon oft hat er im rechtlichen Ziveikauv Kühnheit und persörrlichen Mitt beivieseir, aber heute' dem einstigen, liebsten Freunde gegenüber--

Er seufzte lief. I

Noch eure Viertelstunde mochte er so im Grübfl und Denken durch die heilige, weihevolle MorgeuW gewandert sein; da blieb er stehen, zog die Uhr schleuderte nun langsam dein verabredeten Orte zu.

Leutnant Wildmann und Leutnant Broecker WR schon vor geraumer Zeit eingetroffen und begrüi!^ Phili freundlich. Man besprach nochmals das D»1 und Wildmann meinte lachend:Na, ich bürge da>»1 daß Brixdorf absichtlich vorbeischießt! Wissen Sie, W bis, wenn das jetzt ein achtenswertes, anständiges R j bei wäre, so dürfte er als Bräutigam sich das »n1 keinen Umständen bieten lassen, so aber ist die teil weiter nichts als eine eine wie soll ich W ] eine"

Raffinierte Komödiantin!" fiel Broecker ein.

Phili nickte.

Ja, eS ist Torheit von Brixdorf, wegen diei^ Weib sein Leben aufs Spiel zu setzen aber Liebe blind I" 235,